Ein Blick hinter die Kulissen – mein Kreditportfolio bei Fellow Finance

Dies ist ein Beitrag von Nikolay im Rahmen des P2P Kredite Schreibwettbewerb 2019

In meinem dritten und letzten Artikel des Schreibwettbewerbs, analysiere ich die konkreten Risiken einer Anlage in P2P-Kredite am Beispiel meines Portfolios bei Fellow Finance. Ich bin seit Februar 2018 auf Fellow Finance investiert und sammle seit April 2018 tagesgenaue Daten über meine Anlagen in finnische und polnische Konsumentenkredite.

Finnische Konsumentenkredite

Ich investiere seit 1. Februar 2018 auf Fellow Finance in finnische Konsumentenkredite. Insgesamt habe ich bisher in 247 Kredite investiert, von denen 95 aktiv sind, 127 zurückgezahlt wurden, 5 in das Inkasso gingen und 20 auf dem Zweitmarkt verkauft wurden. Der durchschnittliche Zins lag bei 11,4% und der interne Zinsfuß, laut Fellow Finance, bei 8.5%.

Meine Kredite verteilen sich wie folgt auf die Risikoklassen:

5: 46 aktiv / 30 zurückgezahlt / 0 Inkasso / 1 verkauft (1 weiterhin aktiv)
4: 36 aktiv / 49 zurückgezahlt / 1 Inkasso / 3 verkauft (3 weiterhin aktiv)
3: 11 aktiv / 36 zurückgezahlt / 1 Inkasso / 9 verkauft (7 weiterhin aktiv, 2 Inkasso)
2: 1 aktiv   / 11 zurückgezahlt / 3 Inkasso / 6 verkauft (3 weiterhin aktiv, 3 Inkasso)
1: 1 aktiv   / 1 zurückgezahlt   / 0 Inkasso / 1 verkauft (1 weiterhin aktiv)

Mit den zurückgezahlten Krediten habe ich im Schnitt 5% Gewinn gemacht, bei einer durchschnittlichen Haltedauer von ca. 4,4 Monaten. Bei ursprünglichen Laufzeiten zwischen 4 und 84 Monaten, lag die Haltedauer somit deutlich unter dem erwarteten Schnitt von 52 Monaten.

Die 5 Inkassokredite brachten mir einen Verlust von durchschnittlich 27% nach 6,8 Monaten (inklusive 3 Monaten Haltedauer im Verzug bis Inkasso). Diese Kredite fielen alle noch in 2018 aus, als der Inkassowert noch bei 70% lag. Seit Januar 2019 ist er auf nur noch 53% gesunken. Derweil bin ich dazu übergegangen,  überfällige Kredite konsequent auf dem Zweitmarkt zu verkaufen. Hierbei erleide ich im Schnitt zwar einen Verlust von 3,7% je Kredit, komme in Summe aber noch besser weg, als die Kredite zu halten.

Polnische Konsumentenkredite

Ich habe in der ersten Jahreshälfte 2018 ein Experiment mit 47 polnischen Krediten durchgeführt. Mysteriöserweise lag mein tatsächliches Investment je Kredit irgendwo zwischen knapp 6 EUR und knapp 25 EUR, auch wenn der Allocator einen Mindestbetrag von 25 EUR fordert. Mich hat es gefreut: mehr Kredite, mehr Diversifikation, mehr Daten. Von den 47 Krediten waren 40 der Risikoklasse 1 und 7 der Risikoklasse 2 zugeordnet. Die Verzinsung lag bei durchschnittlich 55% (3 Kredite zu 54%).

Am 20. Juli 2019 sind noch 5 Kredite aktiv, 15 sind zurückgezahlt und 27 wurden an das Inkassounternehmen verkauft. Mit einem initialen Einsatz von 350 EUR wurde bis dato ein Verlust von 91 EUR oder -26% erwirtschaftet. Laut Fellow Finance liegt mein interner Zinsfuß bei -40%. Da fragt man sich, wie kann das sein? 55% Zinsen und ich mache trotzdem Verluste?

Zunächst stellt sich heraus, daß auch die „guten“ Kreditnehmer in Polen ihre Kredite frühzeitig zurückzahlen. Dies geschieht durchschnittlich nach 4,3 Monaten (und damit fast zeitgleich mit den finnischen Frührückzahlern!?) anstatt der geplanten 12-24 Monaten. Mit diesen Krediten habe ich im Schnitt  16% Rendite gemacht.

Im Gegenzug haben 26 der 27 Inkasso-Kredite nicht einmal die Hälfte ihrer Zahlungen geleistet und 10 sogar gar keine. Im Schnitt habe ich mit diesen Krediten 50% Verlust gemacht. Diese Kredite gingen für 30% ihres Wertes an das Inkassounternehmen, d.h. die Kreditnehmer haben mir im Schnitt 20% meines Investments zurückgezahlt.

Als Anleger sehe ich mich bei den polnischen Krediten mehrfachem Gegenwind ausgesetzt.

  1. Zunächst ist zu beachten, daß die Zinszahlungen mit jeder Rate geringer werden. Je kürzer die Laufzeit des Kredites, desto höher die Tilgung und umso geringer die gezahlten Zinsen. Da polnische Kredite nur Laufzeiten von bis zu 2 Jahren haben, reduzieren sich die Zinseinnahmen deutlich. So habe ich z.B. bei einem 12-monatigen Kredit trotz nomineller Verzinsung von 55% nur Zinseinnahmen von ca. 30%.
  2. Aufgrund der hohen Ausfallrate, liegt meine Chance einen „Zurückzahler“ zu erwischen nur bei ca. 33%. Jeder Euro, der zurück fließt, hat also nur diese 33% Wahrscheinlichkeit, überhaupt Gewinn zu erwirtschaften.
  3. Schließlich liegt der Gewinn eines „Zurückzahlers“ mit 16% deutlich unter den Verlusten eines Inkassofalles mit etwa 50%.

Diese Punkte führen dazu, daß sich die Verlustspirale immer schneller dreht. Ich bin froh, nur ein kleines, überschaubares Experiment gemacht und meine Verluste so begrenzt zu haben. Mit dem Auslaufen meiner polnischen Kredite, erfreue ich mich seit Kurzem wieder eines wachsenden Anlageerfolgs.

Fazit

Ich bin mit der Entwicklung meines Investments in finnische Konsumentenkredite zufrieden. Die Rendite ist nicht übermäßig, aber doch gut genug, daß ich Fellow Finance zur Diversifikation in meinem Portfolio behalte. Aufgrund der höheren Zahlungsmoral in Finnland, sind diese Kredite, im Gegensatz zur den polnischen, profitabel.

Ich bin auch mit meinem Experiment zu den polnischen Krediten zufrieden, da ich die Verluste gut als Lehrgeld sehen kann. Ich habe einiges über das Verhalten von Kreditnehmern gelernt, was mir so im Vorfeld nicht bewusst war. Durch den geringen Einsatz, hielten sich die Verluste in Grenzen.

Abschließend bin ich froh, daß ich vor meinem Investment bei Fellow Finance in Claus P2P-Forum aus den Erfahrungen der anderen Anleger lernen konnte und nicht gleich mit einer 50:50 Allokation eingestiegen bin. Hier zeigt sich ganz klar der Wert des Forums für uns Anleger und ich kann jedem nur empfehlen, sich vor einer Geldanlage gut zu informieren und gegebenenfalls mit kleinen Experimenten zu starten, ehe größere Summen angelegt werden.

Kurzvorstellung: Peerberry – neuer Anbieter mit Buyback

Peerberry ist ein neuer Anbieter der auf seiner Plattform derzeit unbesicherte Konsumentenkredite aus Polen und Tschechien zu einem Zinssatz von 12% für die Anleger listet. Im Moment sind nur Kredite mit Laufzeiten unter einem Monat verfügbar, es soll aber auch längerlaufende Angebote geben.

Die Muttergesellschaft Aventus Group ist auch in Lettland, Georgien, der Ukraine und Kasachstan tätig, so dass eventuell auch Kredite aus diesen Ländern zu erwarten sind.

Minimum Investment Betrag sind 10 Euro. Es gibt eine Autoinvest Funktion. Buyback verspricht eine Rückzahlung von Kapital und Zinsen, sobald ein Kredit 60 Tage in Verzug ist.

Ich habe Peerberry in den Anbieter Vergleich aufgenommen. Im Forum tauschen Anleger bereits Peerberry Erfahrungen aus (bei einigen hakt es wohl etwas bei der Anmeldung)

 

Mintos erhält 2 Mio. Euro VC – plant Kredite in Polen und Tschechien

Mintos LogoDer P2P Kreditmarktplatz Mintos gab heute den Abschluß einer Seed-Finanzierung durch die VC-Firma Skillion Ventures, Riga, bekannt. Mintos war im Januar 2015 gestartet mit Krediten, die durch Immobilien besichert sind. Seitdem hat sich der Marktplatz weiterentwickelt und listet nun von Drittfirmen begebene Kredite in den Segmenten Immobilienkredite, Firmenkredite, Konsumentenkredite, Autokredite sowie Factoring.

Die meisten Anleger stammen aus Lettland, Deutschland und Großbritannien. Seit dem Start haben die Anleger ein Kreditvolumen von über 16 Mio. EUR finanziert. Viele Anleger schätzen die für einige Kredite bestehende ‚Rückkaufgarantie‘ (buyback guarantee). Die Kredite gehen an Kreditnehmer in den baltischen Staaten und Georgien. Als nächstes sollen Kredite in Tschechien und Polen hinzukommen. Weiterlesen

Karte: Marktplätze für P2P-Kredite in Europa

Inzwischen gibt es in den meisten größeren Staaten Europas mindestens einen Marktplatz, auf dem P2P-Kredite im Internet abgewickelt werden. Dazu kommen die Plattformen für Mikrokredite.

Die folgende Karte zeigt die Services die derzeit in Betrieb sind sowie diejenigen die inzwischen wieder eingestellt wurden (rot ausgestrichen). Nicht dargestellt sind geplante/angekündigte P2P Kredit Sites, die noch nicht in Betrieb sind.

Hinweis: Diese Karte darf auf andere Webseiten kopiert werden, wenn ein Link zu diesem Artikel auf P2P-Kredite.com gesetzt wird und die Abbildung nicht in Inhalt oder Größe verändert wird.

Smava Polen fusioniert mit Finansowo

In Polen haben die P2P Kredit Anbieter Smava und Finansowo.pl beschlossen ihre Marktplätze zu fusionieren. Die Details der am 22.03. geschlossenen Vereinbarung zwischen Smava und der Kreativ Sp. z.o.o, der Gesellschaft der Finansowo gehört, wurden nicht bekannt.

Das neue Angebot wird ab Mai unter der Leitung von Rafal Agnieszczak, bisher Inhaber Finansowo, online gehen – schreibt Smava.

Exklusiv: Smava expandiert nach Polen – Interview mit Alexander Artopé

Ab dem 07.01. wird der P2P-Kreditmarkt Smava auch in Polen Kredite vermitteln. Dazu interviewte ich Alexander Artopé, Geschäftsführer von Smava.

P2P-Kredite.com: Herr Artopé, warum hat Smava gerade Polen als Zielmarkt für die internationale Expansion gewählt?

Smava: Aus mehreren Gründen. Erstens ist Polen eine stark wachsende Volkswirtschaft mit rund 40 Mio. Einwohnern. Zweitens ist in Polen mit rund 15% eine hohe Spanne zwischen dem Einlagen- und Kreditzins. Dadurch ist der smava Marktplatz von Anfang an sehr attraktiv für polnische Kunden. Drittens ist aufsichtsrechtlich für das Modell in Polen keine Bank notwendig, so dass sehr geringe Transaktionskosten anfallen.

P2P-Kredite.com: In Polen sind bereits 3 Anbieter von Peer-to-Peer Krediten etabliert. Mit welchen Maßnahmen will Smava als Newcomer Marktanteile gewinnen?

Smava: smava ist im Vergleich zu den bisherigen Anbietern wesentlich sicherer. Ähnlich wie in Deutschland ist zentraler Produktvorteil, dass das Risiko für Anleger transparent beurteilt und eingepreist werden kann. Hierzu arbeiten wir mit der polnischen „Schufa“, die dort BIK heißt – zusammen.

P2P-Kredite.com: Wie läuft das organisatorisch ab? Hat Smava eine Tochterfirma oder eine Niederlassung in Polen? Oder agieren Sie von Berlin aus?

Smava: Wir haben eine Tochterfirma in Polen, in Breslau (Wroclaw), mit einem polnischen Management-Team vor Ort.

P2P-Kredite.com: In welchem Feld liegen bei der internationalen Expansion die größten Herausforderungen: Technisch, juristisch/regulatorisch, im Marketing oder bei der Mitarbeitergewinnung?

Smava: Bei allen Feldern, in der Reihenfolge: juristisch/regulatorisch, Mitarbeiter und dann Marketing.

P2P-Kredite.com: Welche Unterschiede hat die polnische Version gegenüber dem deutschen Smava Angebot?

Smava: Erstens werden wir in Polen ohne Anleger-Pools starten, weil p2p Kredite dort meist im kurzfristigen Bereich unter einem Jahr vergeben werden. Zweitens werden die Endkundenverträge in Polen direkt – und nicht wie in Deutschland mit der biw Bank – abgeschlossen.

P2P-Kredite.com: Wie hoch ist die maximale Kredithöhe, die bei Smava Polen geliehen werden kann?

Smava: Ein polnischer Kreditnehmer kann über smava.pl maximal 100.000 Zloty aufnehmen. Ein Anleger kann bis zu insgesamt 200.000 Zloty Geld anlegen. (Anmerkung von P2P-Kredite.com: 100.000 Zloty entsprechen ca. 24.100 Euro)

P2P-Kredite.com: Welche Bonitätsinformationen stellt Smava.pl den Anlegern zur Verfügung?

Smava: Wie bei smava Deutschland wird der Score (BIK) sowie die Kapitaldienstfähigkeit den Anlegern zur Verfügung gestellt.

P2P-Kredite.com: Welche Gebühren berechnet Smava den polnischen Nutzern?

Smava: Für den Anleger ist die Geldanlage kostenfrei, für Kreditnehmer kostet es 1% des Kreditbetrages. Weiterlesen

Peer to Peer Kredite – Jahresrückblick 2008

Kurz vor Ende des Jahres hier ein Rückblick auf die Ereignisse und Entwicklungen:

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