Start des Estateguru Sekundärmarktes

Estateguru LogoLange, lange war er angekündigt, jetzt steht der Start des Estateguru Sekundärmarktes unmittelbar bevor. Ich konnte in den letzten Wochen am geschlossenen Betatest teilnehmen und mir so vorab ein Bild von den Funktionen des Zweitmarktes machen. Estateguru hat die Zeit auch genutzt um Feedback der Betatester einzuholen und hat z.B. die Formulierungen in der Sekundärmarkt FAQ nochmals überarbeitet.

Die wichtigsten Fakten zum Zweitmarkt im Überblick:

  • Der Verkäufer zahlt bei erfolgreichem Verkauf eine Gebühr von 2%
  • Es können Kredite in allen Stati zum Verkauf angeboten werden, also auch ausgefallene Kredite
  • Nur ganze Kreditanteile können verkauft werden, eine Stückelung ist nicht möglich
  • Der Verkauf kann zu par oder mit Aufschlag erfolgen. Abschläge sind nicht möglich
  • Der Käufer bekommt alle Zahlungseingänge nach der durchgeführten Kauftransaktion
  • Gekaufte Kredite können für 30 Tage nicht weiter verkauft werden
  • Gelistete Kreditanteile stehen 7 Tage im Zweitmarkt. Findet sich innerhalb dieser Frist kein Käufer werden sie automatisch entfernt

Schritt für Schritt Anleitung zur Bedienung des Estateguru Sekundärmarktes:

Aktivierung Sekundärmarkt
Abb.1 Als erstes musste ich den Sekundärmarkt aktivieren

Nach eine Aktivierung des Sekundärmarktes habe ich probeweise einen Kredit aus meinem Portfolio ausgewählt und zum Verkauf angeboten. Oben rechts ist ein Schieber zur Einstellung des Verkaufspreises. Die Voreinstellung ist ein Preis der 2% Aufpreis entspricht und somit die Verkaufsgebühr egalisieren würde. Ich habe hier einen höheren Preis eingestellt. Darunter sehe ich den AROI den ich bei einem Verkauf realisieren würde und den AROI den der Käufer bekommen würde. Da der AROI des Käufers prominent in der Übersichtstabelle des Sekundärmarktes angezeigt wird, ist er vermutlich ein wichtiges Kaufkriterium und sollte nicht zu niedrig sein. Mein unten eingestellter Kredit fand mit 3,56% auch keinen Käufer in den 7 Tagen.


Abb. 2: Einstellen eines Kredites zum Verkauf

Die von Estateguru gelieferte Definition für AROI ist übrigens „…(Annualised Return on Investment) ist eine geschätzte jährliche Rendite, die auf dem Total Return on Investment basiert“.

Nach dem Klick auf „Investition verkaufen komme ich zu dieser Bestätigungsseite:

Estateguru Sekundärmarkt verkauf bestätigen
Abb. 3: Verkaufsbestätigung

Estateguru Sekundärmarkt
Abb. 4: Ansicht Sekundärmarkt; der von mir angebotene #1301 Kredit hat übrigens einen Käufer gefunden

Und so sieht er aus der Sekundärmarkt. Eine tabellarische Übersicht der angebotenen Kredite. Schön finde ich die AROI Anzeige und die Möglichkeit danach zu sortieren. Als Verbesserungen angeregt habe ich eine Filtermöglichkeit nach Status und eine Anzeige des Aufpreises (im Moment müsste ich auf die Detailseite gehen und mir den selbst ausrechnen. Vielleicht kommt das ja noch.

Auch nachgefragt habe ich nach der Möglichkeit mit Abschlag zu verkaufen. Hier war die Antwort, dass sie zunächst eine möglichst einfache Lösung für den früheren Ausstieg anbieten wollen und den Sekundärmarkt nicht zu kompliziert machen wollen.

Mein erster Eindruck

Der Estateguru Zweitmarkt leistet was er soll: Einen vorzeitigen Ausstieg ermöglichen. Die Gebühr ist mit 2% relativ hoch angesetzt und wird das Transaktionsvolumen vergleichweise gering halten. Bei ausgefallenen Krediten und Krediten in Verzug sollte sich der Verkäufer den Verkauf genau überlegen, denn wenn es positive Neuigkeiten zum Inkasso bei dem Kredit gibt, wird der Kredit vermutlich schneller gekauft, als der Verkäufer reagieren kann.

Wie ist Deine Meinung? Diskutiere im Estateguru P2P Forum mit.

 

Überraschung! Brief vom Gericht

Briefkasten aufgemacht. Brief aus Frankreich drin. Absender „Tribunal de Commerce de Marseille“. Seltsam? Aufgemacht. Und nach kurzem Überfliegen wird mir klar, dass es irgendwie um einen meiner P2P Kreditnehmer bei October geht. October ist eine französische Plattform, auf der Firmenkredite vergeben werden.

J’ai l’honneur de vous aviser que sur spropsition du Madataire Judicaire le montant de votre creance a ete fixe comme suit par la juge commissaire au passif de la procedure ouverte a l’encotre de…

Dafür reichen meine Französichkenntnisse nicht mehr. Google Translate übersetzt das mit

Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, dass auf Vorschlag des Justizbeamten die Höhe Ihrer Schulden vom Richterkommissar in den Verbindlichkeiten des Verfahrens, das dem Gerichtsvollzieher offensteht, wie folgt festgesetzt wurde

Zum Glück sind es nicht „meine Schulden“ sondern das Handelsgericht hat wohl nun offiziell festgestellt, dass die Firma, die mit der Rückzahlung des Kredites, in den ich investiert hatte, erheblich in Verzug ist, mir die Rückzahlung schuldet. Und zwar 17,16 Euro. Was ein Aufwand dafür.

Beim Invest in P2P Kredite erlebe ich definitv immer mal wieder Überraschungen. Diesmal war es der erste Fall, in dem mir der Stand des Inkassoverfahrens per Brief vom Gericht mitgeteilt wurde. Möglicherweise können sich October Anleger auf regelmäßige Post aus Frankreich einstellen. Erfahrungen zu October stehen im Forum.

And the winner is

AbstimmungsergebnisDavid hat den P2P Kredite Schreibwettbewerb 2019 und damit die 500 Euro Preisgeld gewonnen und sich gegen Inga und Nikolay durchgesetzt. Die Mitglieder des P2P Kredite Forum stimmten mehrheitlich, dass er den interessantesten Beitrag geschrieben hat. Herzlichen Glückwunsch David!

David hat sich in seinen Beiträgen mit Immobilieninvestments auseinandergesetzt:

 

Ein Blick hinter die Kulissen – mein Kreditportfolio bei Fellow Finance

Dies ist ein Beitrag von Nikolay im Rahmen des P2P Kredite Schreibwettbewerb 2019

In meinem dritten und letzten Artikel des Schreibwettbewerbs, analysiere ich die konkreten Risiken einer Anlage in P2P-Kredite am Beispiel meines Portfolios bei Fellow Finance. Ich bin seit Februar 2018 auf Fellow Finance investiert und sammle seit April 2018 tagesgenaue Daten über meine Anlagen in finnische und polnische Konsumentenkredite.

Finnische Konsumentenkredite

Ich investiere seit 1. Februar 2018 auf Fellow Finance in finnische Konsumentenkredite. Insgesamt habe ich bisher in 247 Kredite investiert, von denen 95 aktiv sind, 127 zurückgezahlt wurden, 5 in das Inkasso gingen und 20 auf dem Zweitmarkt verkauft wurden. Der durchschnittliche Zins lag bei 11,4% und der interne Zinsfuß, laut Fellow Finance, bei 8.5%.

Meine Kredite verteilen sich wie folgt auf die Risikoklassen:

5: 46 aktiv / 30 zurückgezahlt / 0 Inkasso / 1 verkauft (1 weiterhin aktiv)
4: 36 aktiv / 49 zurückgezahlt / 1 Inkasso / 3 verkauft (3 weiterhin aktiv)
3: 11 aktiv / 36 zurückgezahlt / 1 Inkasso / 9 verkauft (7 weiterhin aktiv, 2 Inkasso)
2: 1 aktiv   / 11 zurückgezahlt / 3 Inkasso / 6 verkauft (3 weiterhin aktiv, 3 Inkasso)
1: 1 aktiv   / 1 zurückgezahlt   / 0 Inkasso / 1 verkauft (1 weiterhin aktiv)

Mit den zurückgezahlten Krediten habe ich im Schnitt 5% Gewinn gemacht, bei einer durchschnittlichen Haltedauer von ca. 4,4 Monaten. Bei ursprünglichen Laufzeiten zwischen 4 und 84 Monaten, lag die Haltedauer somit deutlich unter dem erwarteten Schnitt von 52 Monaten.

Die 5 Inkassokredite brachten mir einen Verlust von durchschnittlich 27% nach 6,8 Monaten (inklusive 3 Monaten Haltedauer im Verzug bis Inkasso). Diese Kredite fielen alle noch in 2018 aus, als der Inkassowert noch bei 70% lag. Seit Januar 2019 ist er auf nur noch 53% gesunken. Derweil bin ich dazu übergegangen,  überfällige Kredite konsequent auf dem Zweitmarkt zu verkaufen. Hierbei erleide ich im Schnitt zwar einen Verlust von 3,7% je Kredit, komme in Summe aber noch besser weg, als die Kredite zu halten.

Polnische Konsumentenkredite

Ich habe in der ersten Jahreshälfte 2018 ein Experiment mit 47 polnischen Krediten durchgeführt. Mysteriöserweise lag mein tatsächliches Investment je Kredit irgendwo zwischen knapp 6 EUR und knapp 25 EUR, auch wenn der Allocator einen Mindestbetrag von 25 EUR fordert. Mich hat es gefreut: mehr Kredite, mehr Diversifikation, mehr Daten. Von den 47 Krediten waren 40 der Risikoklasse 1 und 7 der Risikoklasse 2 zugeordnet. Die Verzinsung lag bei durchschnittlich 55% (3 Kredite zu 54%).

Am 20. Juli 2019 sind noch 5 Kredite aktiv, 15 sind zurückgezahlt und 27 wurden an das Inkassounternehmen verkauft. Mit einem initialen Einsatz von 350 EUR wurde bis dato ein Verlust von 91 EUR oder -26% erwirtschaftet. Laut Fellow Finance liegt mein interner Zinsfuß bei -40%. Da fragt man sich, wie kann das sein? 55% Zinsen und ich mache trotzdem Verluste?

Zunächst stellt sich heraus, daß auch die „guten“ Kreditnehmer in Polen ihre Kredite frühzeitig zurückzahlen. Dies geschieht durchschnittlich nach 4,3 Monaten (und damit fast zeitgleich mit den finnischen Frührückzahlern!?) anstatt der geplanten 12-24 Monaten. Mit diesen Krediten habe ich im Schnitt  16% Rendite gemacht.

Im Gegenzug haben 26 der 27 Inkasso-Kredite nicht einmal die Hälfte ihrer Zahlungen geleistet und 10 sogar gar keine. Im Schnitt habe ich mit diesen Krediten 50% Verlust gemacht. Diese Kredite gingen für 30% ihres Wertes an das Inkassounternehmen, d.h. die Kreditnehmer haben mir im Schnitt 20% meines Investments zurückgezahlt.

Als Anleger sehe ich mich bei den polnischen Krediten mehrfachem Gegenwind ausgesetzt.

  1. Zunächst ist zu beachten, daß die Zinszahlungen mit jeder Rate geringer werden. Je kürzer die Laufzeit des Kredites, desto höher die Tilgung und umso geringer die gezahlten Zinsen. Da polnische Kredite nur Laufzeiten von bis zu 2 Jahren haben, reduzieren sich die Zinseinnahmen deutlich. So habe ich z.B. bei einem 12-monatigen Kredit trotz nomineller Verzinsung von 55% nur Zinseinnahmen von ca. 30%.
  2. Aufgrund der hohen Ausfallrate, liegt meine Chance einen „Zurückzahler“ zu erwischen nur bei ca. 33%. Jeder Euro, der zurück fließt, hat also nur diese 33% Wahrscheinlichkeit, überhaupt Gewinn zu erwirtschaften.
  3. Schließlich liegt der Gewinn eines „Zurückzahlers“ mit 16% deutlich unter den Verlusten eines Inkassofalles mit etwa 50%.

Diese Punkte führen dazu, daß sich die Verlustspirale immer schneller dreht. Ich bin froh, nur ein kleines, überschaubares Experiment gemacht und meine Verluste so begrenzt zu haben. Mit dem Auslaufen meiner polnischen Kredite, erfreue ich mich seit Kurzem wieder eines wachsenden Anlageerfolgs.

Fazit

Ich bin mit der Entwicklung meines Investments in finnische Konsumentenkredite zufrieden. Die Rendite ist nicht übermäßig, aber doch gut genug, daß ich Fellow Finance zur Diversifikation in meinem Portfolio behalte. Aufgrund der höheren Zahlungsmoral in Finnland, sind diese Kredite, im Gegensatz zur den polnischen, profitabel.

Ich bin auch mit meinem Experiment zu den polnischen Krediten zufrieden, da ich die Verluste gut als Lehrgeld sehen kann. Ich habe einiges über das Verhalten von Kreditnehmern gelernt, was mir so im Vorfeld nicht bewusst war. Durch den geringen Einsatz, hielten sich die Verluste in Grenzen.

Abschließend bin ich froh, daß ich vor meinem Investment bei Fellow Finance in Claus P2P-Forum aus den Erfahrungen der anderen Anleger lernen konnte und nicht gleich mit einer 50:50 Allokation eingestiegen bin. Hier zeigt sich ganz klar der Wert des Forums für uns Anleger und ich kann jedem nur empfehlen, sich vor einer Geldanlage gut zu informieren und gegebenenfalls mit kleinen Experimenten zu starten, ehe größere Summen angelegt werden.

DIY Immobilienfonds für Einsteiger und Profis – Bau dir dein eigenes Crowdinvesting-Portfolio

Dies ist ein Beitrag von David im Rahmen des P2P Kredite Schreibwettbewerb 2019

Vielleicht investierst du ja im P2P Bereich bereits in Verbraucherkredite und Unternehmen, suchst jetzt aber nach Investitionen, die mehr Sicherheiten bieten. Oder du gehörst zu denen, die über 2,5 Billionen Euro an Privatvermögen unverzinst auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern rumliegen haben, so wie es Focus online im Juni schrieb. Du weißt, dass sich an den Zinsen höchstwahrscheinlich auch in den kommenden Jahren nichts ändern wird und deswegen suchst Du nach einer Alternative für deine Geldanlage, die dir endlich mal Rendite bringt. Oder du hast dein Investorenauge bereits auf Immobilien geworfen und suchst nach einem sinnvollen Baustein für die konkrete Umsetzung deiner Anlagestrategie. In jedem Fall ist dieser Artikel etwas für dich.

Wer sein Geld in Immobilien anlegen will, stößt bei seiner Suche höchstwahrscheinlich zu allererst auf Offene Immobilienfonds (abgekürzt OIF). Diese Anlageform gibt es in Deutschland schon seit 60 Jahren und sie liegt aktuell voll im Trend: Allein im ersten Quartal dieses Jahres gab es Nettozuflüsse von rund 3 Milliarden Euro, was dazu beigetragen hat, dass die Publikumfonds Ende März ein Nettovermögen von 101,1 Milliarden Euro aufgewiesen haben. (Quelle: Statistik des Fondsverbandes BVI). Die Durchschnittsrendite offener Immofonds ist – wie die aktuelle Marktstudie von Scope Analysis zeigt – auf 3,1% geklettert und für die nächsten Jahre werden 2,5% bis 3% prognostiziert. Wieso geht dieser Beitrag jetzt nicht einfach mit einigen begeistert anmoderierten Links zu den besten OIFs zu Ende? Zum einen sind OIFs nicht so liquide wie man denken mag, da eine Mindesthaltefrist von zwei Jahren sowie eine einjährige Kündigungsfrist gilt, wenn die Anteile an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden. Alternativ ist der börsliche Handel möglich, bei dem die Anteilspreise jedoch Angebot und Nachfrage unterworfen sind und dementsprechend schwanken. Der Hauptgrund ist jedoch, dass mit Immobilien weit mehr Rendite möglich ist.

Und da kommt jetzt Immobilien-Crowdinvesting ins Spiel. Es winken Renditen von 5% bis 15% bei einer durchschnittlichen Laufzeit von unter 24 Monaten. Wie man anhand der Rendite schlussfolgern kann, liegt das Risiko natürlich ungleich höher als bei OIFs. Realistisch betrachtet muss man bei Schwarmfinanzierungen sogar mit dem Totalausfall von Projekten rechnen. Wie kann ich mich dagegen absichern bzw. das Risiko auf ein Minimum reduzieren? Viele Crowdinvesting-Projekte in einem gemeinsamen Fonds zu mischen, um so das Risiko zu streuen – das wär’s! DIY – „do it yourself“ oder „mach’s selber“ – liegt heute voll im Trend. Es gibt unzählige DIY Ratgeber für Einladungskarten, Wohndekoration und was-weiß-ich-noch-alles. Dieser Artikel ist ein kurzer Ratgeber für deinen DIY Immobilienfonds – bau dir dein eigenes Crowdinvesting-Portfolio!

diy immobilienfond
Abb. 1: DIY Immobilienfonds (Bilder von oben links im Uhrzeigersinn von Peter H, Pexels, giovanni gargiulo und analogicus auf Pixabay; DIY Stempel (c) Can Stock Photo / roxanabalint)

Wie weit hat sich Immobilien-Crowdinvesting als Anlageform in Europa bisher etabliert? Hier ein Steckbrief zu drei etablierten Märkten: Auf unserem heimischen Markt wurden seit 2012 für die Finanzierung von 408 Projekten insgesamt 547 Millionen Euro eingesammelt (Quelle: crowdinvest.de). In Frankreich ging es ebenfalls 2012 los und es wurden 507 Millionen Euro in 1029 Projekte investiert (Quelle: hellocrowdfunding.com). In Estland, in dem viele innovative Fintech-Unternehmen angesiedelt sind, wurden bei den beiden größten Plattformen bisher 193 Millionen Euro in 981 Projekte gesteckt (Quelle: estateguru.com und crowdestate.eu).

In diesen drei europäischen Märkten (Deutschland, Frankreich, Estland) wurden seit 2012 demnach mehr als 2.400 Projekte durch mehr als 1,2 Milliarden Euro mitfinanziert.

Meine eigenen Erfahrungen dazu: Anfang 2017 habe ich nach Alternativen zu OIFs gesucht, die mir eine höhere Rendite als 2 bis 3% bieten, und bin dabei auf Immobilien-Crowdinvesting gestoßen. Bisher habe ich in 182 Projekte auf 16 Plattformen mit Sitz in Deutschland, Österreich, Frankreich, Estland, Spanien und Großbritannien investiert. 105 erfolgreiche Rückzahlungen konnte ich seitdem verzeichnen. Zwei höchstwahrscheinliche Ausfälle habe ich zu beklagen – auf der insolvent gegangenen britischen Plattform Lendy – glücklicherweise mit kleinen Beträgen.

Beim Vergleich von OIFs und Immobilien-Crowdinvesting sei darauf hingewiesen, dass OIFs im Allgemeinen ihre Einnahmen hauptsächlich aus Mieten speisen, indem sie Immobilien erwerben und dann jahrelang verwalten und bewirtschaften. Crowdinvestments sind in der Mehrheit Immobilienentwicklungsprojekte, bei denen Immobilien neu gebaut oder zumindest umgebaut und dann sofort veräußert werden. Dieser Unterschied verschwimmt jedoch zunehmend, weil einige OIFs in letzter Zeit auch vermehrt Entwicklung betreiben, da kaum geeignete Objekte zum Kauf stehen. Gleichzeitig gibt es auch immer mehr Crowdinvesting-Anbieter, bei denen man sich über einen längeren Zeitraum an Bestandsimmobilien beteiligen und somit am Gewinn der Vermietung partizipieren kann.

DIY Immobilienfonds

Drei mögliche DIY Immobilienfonds / Portfolios möchte ich euch gern vorstellen. Dadurch soll veranschaulicht werden, wie Renditen von fast 10% erzielt werden können und gleichzeitig das Risiko durch Streuung über verschiedene Märkte und Plattformen reduziert werden kann – getreu dem Motto „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ oder „Setze nicht alles auf ein Pferd“. Der Einfachheit halber wird innerhalb eines Portfolios jeweils derselbe Betrag pro Projekt investiert. Dieser Betrag entspricht dem höchsten Mindestinvest der gewählten Plattformen innerhalb des jeweiligen Portfolios. Und es wird eine Laufzeit von 24 Monaten bei allen Projekten angenommen. Nach der Erläuterung zu den drei DIY Immobilienfonds-Varianten werden die vorgeschlagenen Plattformen noch einmal tabellarisch mit einigen Basisinformationen aufgelistet.

1. Einsteiger

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Abb. 2: Einsteiger Portfolio – Aufteilung nach Plattformen

Das Einsteiger Portfolio ist für diejenigen geeignet, die erste Erfahrungen mit Immobilien-Crowdinvesting sammeln und dabei von Anfang an mit überschaubarem Zeitaufwand eine gewisse Streuung erzielen möchten. Es werden 2.000 Euro auf 20 Projekte aufgeteilt und dabei eine jährliche Rendite von 9,75% angestrebt:

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Abb. 3: Einsteiger Portfolio – Details

Warum werden Bergfürst und Crowdestate vorgeschlagen?

  • Der geringe Mindestinvest von 10 Euro (Bergfürst) und 100 Euro (Crowdestate) ermöglicht es, mit kleinen Beträgen einzusteigen
  • Es werden zwei Märkte abgedeckt – Deutschland und Estland – wobei die Plattformen zusätzlich auch Projekte in Österreich, Italien, Spanien, Lettland und Finnland anbieten
  • Beide Plattformen bieten auf ihrer Website einen Zweitmarkt, so dass Anteile auch vor dem Ablauf der Laufzeit verkauft werden können
  • Die Webseiten sind grundsätzlich auf Deutsch, abgesehen von einigen Projektdetails bei Crowdestate, die nur auf Englisch veröffentlicht werden
  • Die Zinsgutschrift erfolgt nicht erst am Ende der Laufzeit, sondern halbjährlich (Bergfürst) oder je nach Projekt monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich (Crowdestate). Als ich mit Crowdinvesting angefangen habe, habe ich mich sehr gefreut, innerhalb von kurzer Zeit erste Zahlungen zu erhalten. Vielleicht geht es euch ebenso – dann ist diese Portfolio-Variante ein guter Ansatz.

2. Fortgeschrittene

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Abb. 4: Fortgeschrittene Portfolio – Aufteilung nach Plattformen

Das Fortgeschrittene Portfolio erfordert schon etwas mehr Pflegeaufwand, da die Anlagesumme über 40 Projekte auf 4 Plattformen verteilt wird. Die durchschnittliche jährliche Rendite liegt hier bei 8,90%:

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Abb. 5: Fortgeschrittene Portfolio – Details

Wie kommt die Auswahl der Plattformen zustande? Zusätzlich zu den im Einsteiger-Portfolio genannten Gründen zur Auswahl von Bergfürst und Crowdestate kommen folgende hinzu:

  • Der bei den vier Plattformen höchste Mindestinvest liegt noch relativ niedrig bei 250 Euro (Dagobertinvest). So können 10.000 Euro auf 40 Projekte aufgeteilt werden.
  • Es werden vier Märkte abgedeckt – Deutschland, Österreich, Frankreich und Estland – wobei die Plattformen zusätzlich auch Projekte in Italien, Spanien, Lettland und Finnland anbieten
  • Dagobertinvest ist Marktführer in Österreich
  • Wiseed ist Branchenprimus in Frankreich und bietet gleichzeitig den niedrigsten Mindestinvest der französischen Portale (siehe auch Tabelle weiter unten)

Diese Variante mag für diejenigen interessant sein, die Immobilien zu einem festen Bestandteil ihrer Anlagestrategie machen wollen.

3. Profi

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Abb. 6: Profi Portfolio – Aufteilung nach Plattformen

Die dritte Portfolio Variante Profi streut über 80 Projekte von 8 Anbietern. Wenn man auf so vielen unterschiedlichen Plattformen unterwegs ist, erfordert dies schon einen gewissen Zeitaufwand. Durch diese Streuung wird das Risiko jedoch signifikant reduziert und die zu erwartende Rendite liegt bei erfreulichen 9,50%:

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Abb. 7: Profi Portfolio – Details

Wie kommt die Auswahl der Plattformen zustande? Zusätzlich zu den in den beiden obigen Varianten genannten Gründen kommen folgende hinzu:

  • Es werden dieselben vier Märkte abgedeckt wie im Fortgeschrittenen Portfolio, jedoch wenn möglich auf mehrere Plattformen verteilt – Deutschland (Bergfürst, Exporo) , Österreich (Dagobertinvest), Frankreich (Clubfunding, Fundimmo) und Estland (Crowdestate, Estateguru, Bulkestate).
  • Die drei estnischen Plattformen bieten einen Autoinvest, der unter Vorgabe verschiedener Kriterien das verfügbare Kapital automatisch in Projekte investiert. Dies reduziert den zeitlichen Pflegeaufwand dieses Portfolios.

Wer diese Variante umsetzen möchte, benötigt einen größeren Kapitalstock, da der höchste Mindestinvest bei 1.000 Euro liegt und dieser Betrag daher als Investitionssumme bei allen Projekten verwendet wurde. Es soll dadurch illustriert werden, dass selbst größere Summen diversifiziert in Immobilien investiert werden können.

Die Portfolionamen Einsteiger, Fortschrittene, Profi zielen übrigens nicht auf den Wissenstand, die Erfahrung oder die Kompetenz des Investors ab. Es sollen lediglich verschiedene Varianten je nach Grad der Diversifizierung und dem Investitionsbetrag pro Projekt dargestellt werden. Pfeffersteuer, Salzstreuer und Gießkanne hätten auch irgendwie gepasst. Ich fand die gewählten Namen aber schon professioneller; das liegt natürlich im Auge des Betrachters 😊.

Ziel

Ziel der drei dargestellten DIY Immobilienfonds ist nicht unbedingt die 1:1 Umsetzung; obwohl das natürlich möglich ist. Es sind vielmehr Beispiel-Portfolios. Die Grundidee dabei ist, dass sich jeder Investor seinen eigenen DIY Immobilienfonds nach individuellen Kriterien zusammenstellen und dabei unter Beachtung des Mindestinvests die gewünschte Streuung über verschiedene Märkte und Plattformen realisieren kann. Die Auswahl der Plattformen, die Anzahl der Projekte pro Plattform und natürlich auch der Invest pro Projekt sind beliebig veränderbar.

Ein Portfolio „zusammenzubauen“ entspricht daher nicht so sehr dem peniblen Folgen einer Billyregal-Bauanleitung von Ikea, wo jedes Resultat identisch sein sollte, wenn man es richtig gemacht hat. Sondern es ähnelt eher dem Mischen von Farben, mit denen ein einzigartiges Gemälde entsteht. Der Ansporn soll daher sein, dein individuelles „Gemälde“ entsprechend deiner Lebenssituation, deiner Risikoneigung, dem gewünschten Investitionsvolumen und deinen Vorlieben anzufertigen.

Top-Plattformen

Die in den Portfolio-Varianten genannten 9 Plattformen gehören meiner Meinung nach zu den Top-Plattformen in Europa, obwohl es natürlich dutzende andere Anbieter gibt. Auf allen Plattformen kann man in Euro investieren, so dass Währungsrisiken vermieden werden. Außerdem werden genügend neue Projekte angeboten, so dass man seine Investitionen in einem überschaubaren Zeitrahmen unterbringen kann. Bei der Auswahl der Plattformen ist der Track Record ein elementarer Faktor für mich (siehe Punkt 2 in diesem Beitrag). Wer sich vielleicht etwas über die bei uns weniger bekannten französischen Plattformen wundert, kann in demselben Beitrag auch erfahren, aus welchen Gründen ich ein Faible dafür habe.

In der folgenden Tabelle werden die Plattformen mit einigen Basisinformationen dargestellt:

übersicht top immobilienplattformen europa
Abb. 8: Übersicht Immobilien Top-Plattformen in Europa

Es gibt natürlich weitere wichtige Kriterien zur Auswahl von Plattformen, über die man sich als Investor informieren sollte. Auch wenn das nicht erschöpfend in diesem Beitrag betrachtet werden kann, möchte ich noch folgende Punkte kurz erwähnen:

  • Kosten: Nur bei Wiseed fallen 0,9% Kosten pro Investment an, auf allen anderen Plattformen entstehen dem Investor keine Kosten.
  • Automatischer Steuerabzug auf Zinsen: Bei Bergfürst kann ein Freistellungsauftrag erteilt werden, wenn kein automatischer Steuerabzug auf Zinsen gewünscht ist. Die französischen Plattformen ziehen keine Steuern ab, wenn man als deutscher Investor validiert ist (Erläuterungen dazu findet ihr in diesem Artikel). Alle anderen Plattformen zahlen die Zinsen per se ohne Abzug von Steuern an den Investor aus und überlassen ihm die Deklarierung gegenüber den Finanzbehörden.
  • Finanzierungsmodell / Sicherheiten: Je nach Plattform werden unterschiedliche Finanzierungsmodelle und Sicherheiten angeboten. Es ist also empfehlenswert, sich die Plattformen genauer anzuschauen, bevor man diese als dauerhaften Baustein seiner Anlagestrategie verwendet.

Benötigter Zeitraum für die Investitionen

Bei allen drei vorgestellten Portfolio-Varianten werden ca. 3 – 6 Monate benötigt, um die gewünschte Anlagesumme vollständig unterzubringen. Wie ist das möglich? Da in jeder Variante pro Plattform jeweils dieselbe Anzahl Projekte finanziert werden, nämlich 10. Bei einem groben Durchschnitt von einem Projektangebot pro Woche auf jeder Plattform und der Annahme, dass jedes zweite Projekt als passend fürs Portfolio betrachtet und daher ausgewählt wird, werden 20 Wochen benötigt – also knapp 5 Monate. Weiterlesen

Des Campers Fluch sind Regen und Besuch – ersteres geht noch…

Dies ist ein Beitrag von Inga im Rahmen des P2P Kredite Schreibwettbewerb 2019

Mit dieser alten Camper-Weisheit begrüße ich inzwischen Rodrigo, der allerdings zu der eher angenehmen Sorte Besuch gehört und mir diesen scherzhaft gemeinten Spruch auch nicht übel nimmt.
Rodrigo heißt eigentlich Roelof, aber da das in Spanien niemand aussprechen kann, heißt er hier Rodrigo. Rodrigo war schon überall, hat das Kapitänspatent sowie eine Restauratorenausbildung und ist zur Zeit offiziell Mitarbeiter eines Tierbestattungsinstituts. Seine Großeltern waren holländische Reedereibesitzer und als er das Überführen von Yachten an die Saudis leid war, hat er sich mit der goldenen Kreditkarte seines Großvaters nach Indien abgesetzt. Heute ist er zweiundsiebzig, hat ein künstliches Hüftgelenk und einen Herzschrittmacher. Seine geschiedene Frau schuldet ihm noch fünfhunderttausend Euro, die er aber schon abgeschrieben hat. Für sein letztes Geld und einen Bankkredit über dreitausend Euro hat er sich ein zweiundzwanzig Jahre altes Wohnmobil mit schielenden Reifen aufdrehen lassen, dem ein wahrscheinlich geschmierter Sachverständiger keine Mängel bescheinigt hat. Auf jeden Fall ist der Rahmen so verzogen, dass ein Reifen soweit nach innen gestellt ist, dass ein normales Lenken nicht möglich ist. Deswegen musste Rodrigo auf der Hinfahrt durch Frankreich auch die teure Autobahn nehmen, da er nur dort rechts und links genügend Platz zum Korrigieren seiner Fahrspur hatte. Und nun überlegt er, wie er in 3 Monaten wieder nach Deutschland kommt, da er dann einen Termin für den Austausch seines Hüftgelenks hat. Dummerweise bekommt er immer, wenn er eine Werkstatt aufsuchen will, einen akuten Gichtanfall oder sein Hund wird krank. Ursache ist wahrscheinlich die Angst, es schwarz auf weiß zu bekommen, dass er mit diesem Fahrzeug nicht mehr oder nur nach einer größeren Investition wieder fahren kann. Rodrigo ist normalerweise ein sehr umgänglicher Zeitgenosse – im Zweifelsfall hat er aber auch immer sehr schnell einen Anwalt parat, der bisher alle Angelegenheiten zu seinem Vorteil erledigt hat. So mussten schon Richter und Polizisten auf Grund seiner Anzeige ihren Schreibtisch räumen, aber auch Hausverwalter, französische Zollbeamte, GEZ-Eintreiber und Gastwirte mussten sich auf Grund seiner Intervention eine neue Existenz aufbauen. Und auch wenn sich bei seinen Erzählungen möglicherweise manchmal Realität, Fantasie und Wunschdenken etwas vermischen, so ist es doch immer unterhaltsam, ihm zuzuhören.

„Was hast du eigentlich immer Wichtiges an deinem Rechner, dass dich noch nicht einmal ein attraktiver Mann und ein kühles Bier davon wegholen können?“ frotzelt er eines Tages.
Es ist ihm bei seinen Besuchen schon aufgefallen, dass ich oftmals zu unterschiedlichen Tageszeiten vor dem Laptop sitze und auch durch ein mitgebrachtes kühles Bier nicht sofort aus dem Wohnmobil herauszulocken bin „…..komme gleich, noch 6 Minuten….“
Ich überlege, ob ich versuchen soll, ihm P2P zu erklären und ihn womöglich zu werben – es gibt gerade teilweise recht attraktive Werbeprämien – aber in Anbetracht seiner finanziellen Situation sehe ich lieber davon ab. Trotzdem versuche ich, ihm das P2P-Prinzip so gut ich kann zu erklären und er zeigt sich sehr interessiert – für den Fall, dass seine Ex-Frau ihm doch einen Teil ihrer Schulden zurückzahlen würde, Mann kann ja nie wissen….Bei dieser Gelegenheit erfahre ich auch noch ganz nebenbei, dass er den Doktortitel einer holländischen Universität besitzt, ihn aber nicht nutzt, da ihm Titel nicht wichtig sind. Promoviert hat er mit einer Arbeit über einen ziemlich unbekannten holländischen Dichter, bei dem er nach unsrer schon etwas länger währenden Bekanntschaft davon ausgehen kann, dass ich ihn nicht kenne.

Ein weiterer, neuer und unerwarteter Besuch, den ich aber auch nicht unbedingt in die Kategorie „Fluch“ einordnen würde, in dieser Woche ist Günther. Günther kommt auf dem Weg zum Sanitärgebäude immer an unserer Parzelle vorbei und grüßt auch immer freundlich, aber sonst hatten wir bisher keinen näheren Kontakt. Er fährt ein Wohnmobil im Wert eines Einfamilienhauses in guter Lage und man merkt auch an seiner Kleidung, dass er zumindest nicht jeden Euro zweimal umdrehen muss. Fairerweise muss ich allerdings sagen, dass er dies nie gezielt herausgestellt hat. Heute hat er zufällig 3 Dosen kaltes Bier dabei und fragt, ob ich einen Moment Zeit habe – er sei neulich im Gespräch mit Rodrigo auf ein Thema gekommen, das sein Interesse geweckt habe und Rodrigo habe ihn diesbezüglich auf mich verwiesen.
Zufällig habe ich wirklich gerade Zeit und nachdem die Bierdosen geöffnet sind, erzähle ich Günther lang und ausführlich alles über P2P, was mir so einfällt. Am Laptop zeige ich ihm ein paar Beispiele und er bittet mich, ihm doch per email Links mit den meiner Meinung nach interessantesten Adressen zu senden, damit er sich in Ruhe dort einlesen kann. Das erledige ich dann auch noch am gleichen Abend mit dem Hinweis, dass die wichtigste Adresse das Forum von p2p-kredite.com ist und er sich, wenn er einen oder mehrere Anbieter in die engere Wahl gezogen hat, die entsprechenden Threads dort auf jeden Fall anschauen soll, bevor er sich endgültig entscheidet.

Am nächsten Tag, ich wasche gerade mein Lieblings-T-shirt am Waschbecken für die Handwäsche, baut Christiane, die Frau von Günther, ihre kleine Schüssel mit Handwäsche neben meinem Platz auf und meint: „Du hast ja meinen Günther ganz schön verrückt gemacht. Wegen dir hat er die letzte Nacht kaum geschlafen!“ Etwas irritiert schaue ich sie an und sie lacht: „Er hat die halbe Nacht am Laptop verbracht und wohl irgendwelche Seiten studiert, die du ihm empfohlen hast.““Oh – wenn er die wirklich alle gründlich anschauen will, dann braucht das schon seine Zeit,“ entgegne ich lachend, „aber an seiner schlaflosen Nacht wollte ich nun wirklich nicht Schuld sein!“ Weiterlesen

Portfolio-Strukturierung mit P2P-Krediten

Dies ist ein Beitrag von Nikolay im Rahmen des P2P Kredite Schreibwettbewerb 2019

In meinem zweiten Artikel des Schreibwettbewerbs, möchte ich mich mit der Rolle von P2P-Krediten in Anlage-Portfolios befassen und ein paar Hinweise geben, wie man sein Portfolio sinnvoll strukturieren kann. Ich beschränke mich hierbei auf die Betrachtung des risikobehafteten Teils des Portfolios und nehme an, daß P2P-Kredite in die gleiche Risikoklasse gehören wie Aktien.

Vorweg sei angemerkt, daß es keine richtige Portfolio-Struktur gibt. Es gibt viele Positionen, die sich plausibel vertreten lassen. Unser Ziel als Anleger muss es daher sein, eine Struktur zu finden, die zu unseren Werten und Vorstellungen passt.

Aber warum überhaupt eine Portfolio-Struktur festlegen? Der wesentliche Grund liegt in meinen Augen darin, die Entscheidungsfindung zu verbessern und schließlich zu vereinfachen. Ich will mich nicht jeden Monat fragen, wo ich mein Geld investieren will, ob ich nachkaufe oder lieber verkaufe. Über die Portfolio-Struktur lege ich Regeln fest, die mir den Großteil dieser Entscheidungen abnehmen.

Ein Vergleich mit Aktien

Vergleichen wir zunächst ein paar wesentliche Eigenschaften von Aktien und P2P-Krediten. Ich selbst sehe mich als Index-Investor, weshalb ich als Vergleichswert den MSCI World Aktienindex wähle.

Rendite

Die durchschnittliche Rendite des MSCI World lag in den letzten 30 Jahren bei ca. 8% pro Jahr. Auch wenn P2P-Kredite erst seit einigen Jahren investierbar sind, rechnen wohl die meisten von uns mit einer Rendite jenseits von 8% (nach Ausfällen).

Aus Rendite-Sicht steht somit nicht zu befürchten, daß wir uns mit der Aufnahme von P2P-Krediten in unser Portfolio ebendiese verhageln. Im Gegenteil, die Aussichten für Aktien sind nach dem langen Bullenmarkt der letzten 10 Jahre eher durchwachsen, so daß P2P-Kredite möglicherweise sogar einen Rendite-Boost bewirken könnten.

Wertschwankungen

Das Risiko eines Aktien-Investments lässt sich auf verschiedene Weise messen. Ein üblicher Ansatz ist die Betrachtung der Wertschwankungen, gemessen durch die Volatilität. Diese lag für den MSCI World in den letzten 30 Jahren bei ca. 13%. Mit anderen Worten, in einem normalen Jahr lag die Rendite zwischen -5% und 21% (8% ± 13%).

Demgegenüber ist die Volatilität von P2P-Krediten deutlich gedämpft. Auf Plattformen mit Buyback liegt die Volatilität deutlich unter 1%, es geht stetig bergauf. Auf Plattformen ohne Buyback ist die Volatilität zwar deutlich höher, sie liegt z.B. bei finnischen Konsumentenkrediten auf Fellow Finance um 2%, liegt damit aber immer noch deutlich unter der Volatilität des MSCI World.

Aus Sicht der Volatilität bieten P2P-Kredite mit ihrer relativen Schwankungsarmut eine Möglichkeit, das Portfolio insgesamt zu beruhigen.

Maximaler Wertverlust

Betrachten wir abschließend den zu erwartenden maximalen Wertverlust als weiteres Risiko-Maß. Der MSCI World hatte seinen maximalen Wertverlust der letzten 30 Jahre während der Finanzkrise bis 2009 mit knapp 58%. Auf Seiten der P2P-Investments haben wir mangels Index leider keinen Vergleichswert. Wir wissen lediglich, daß jeder einzelne Anbahner pleite gehen kann und wir in dem Fall mit einem Totalverlust unseres Investments rechnen müssen.

Wenn wir annehmen, daß wir unsere P2P-Investments so breit streuen könnten, daß im schlimmsten Fall noch mindestens unser halbes Portfolio erhalten bliebe, wären wir mit den P2P-Investments nicht schlechter gestellt, als mit Aktien.

Wie ich mein eigenes Portfolio strukturiere

Will man nun P2P-Kredite in sein Portfolio aufnehmen, stellen sich zwei Fragen:

  1. Welchen Anteil meines Portfolios investiere ich in P2P-Kredite?
  2. Wie viel investiere ich in jeden einzelnen Anbahner?

Positionsgröße P2P insgesamt

Mit den obigen Ausführungen glaube ich, daß man maximal eine Gleichgewichtung von Aktien und P2P-Krediten rechtfertigen kann. Aufgrund des ungeregelten Marktes und der geringeren Diversifikation gegenüber einem Aktien-Index wie dem MSCI World, beschränke ich den P2P-Anteil in meinem eigenen Portfolio auf 25%.

Positionsgröße je Anbahner und Plattform

Ich bin für mein Portfolio zu dem Schluss gekommen, daß ich Anbahner nach Informationslage (Finanzberichte, Nachrichtenlage, „guter Ruf“) in mein Portfolio aufnehme und dann grundsätzlich eine Gleichgewichtung anstrebe. Ich habe keine Informationen, die mir ermöglichen würden, aus den Finanzdaten eines Unternehmens auf dessen Insolvenzrisiko zu schließen und somit ist es in meinen Augen auch nicht sinnvoll, die einzelnen Positionen unterschiedlich zu gewichten. Weiterlesen

Der Tag, an dem aus dem Mintos Forum ein Life-Chat wurde …

Dies ist ein Beitrag von Inga im Rahmen des P2P Kredite Schreibwettbewerb 2019

Ein außerplanmäßiger Beitrag – eine aus der Situation heraus entstandene ganz persönliche Zusammenfassung:

Teilnehmer bis zum 21.Juni:

AndiSchmid, Bandit55555, bigbear, bigdan, Boddenfan, carnold, checkov, CLAM, Claus Lehmann, clementine, collie, Compfuzzy, dagsie, danginello, Destiny, Doso, Dreamtiem, fangri,Flat-Jack, FuxX, HaukiiBaukii, Henning, hugh, iceman999, Interessierter Investor,InvestReaper, j789, Jaka, kaph1016, Lichtensteiner, Matthias.R, Mephisto,microp2p, MintosFrank, MrP, nisse241, njal, Omicron, Ostpocke, Pee2pee,reisender1967, Rettungsschirmchen, Rick Lusitano, Roadrunner13, Rolf771,Scottyffm, SharkyDD, Sidame00, stummlfumml, TAK79, Torsten H., TTom,Twintos,Tyrus, ulfkevin, Urs1981, Wolf, 10h6 und natürlich viele Mitlesende…

(Da aus den Nicks das Geschlecht der Teilnehmer nicht ersichtlich ist und ich davon ausgehe, dass der überwiegende Teil hier männlich ist, verzichte ich auf eine gendermäßig korrekte, aber umständliche Schreibweise und verwende der Einfachheit halber die männliche Form – meine Geschlechtsgenossinnen hier mögen es mir bitte verzeihen :)

Es begann am 12. Juni – der Start der Vorgeschichte, die wir (im Moment noch ?) nicht kennen, dürfte allerdings einige Monate weiter zurückliegen:

Rettungsschirmchen postet, dass er soeben 2,5k Kuki.Pl mit 1% Abschlag ergattert hat. Und einige Minuten später, dass es jetzt Simbo und Varks mit entsprechenden Abschlägen gibt – ob jemand statt -0.1% -1% Abschlag eingegeben hat? Die aktuell im Mintos Forum Anwesenden gehen sofort auf die Mintos-Seite, Zweitmarkt, und schauen, ob für sie auch noch etwas abfällt. Zur Freude aller sind noch jede Menge Kredite mit guten Abschlägen vorhanden und man deckt sich ein. Und als Claus dann noch postet, dass die mit -1% Abschlag gekauften Kredite umgehend zu -0.3% Abschlag wieder verkauft werden können, verbringen die Jäger und Sammler im Forum einen intensiven Nachmittag. Diverse finanzielle Reserven werden aktiviert, Tagesgeld – und Girokonten auf ein Minimum reduziert, Neuanmeldungen bei Trustly getätigt und aktuelle langlaufende Kredite bei Mintos mit leichten Abschlägen verkauft – eine solche Gelegenheit will man sich schließlich nicht entgehen lassen!

Diejenigen, die tagsüber ihre Zeit einem Arbeitgeber zur Verfügung stellen müssen, bedauern dies zutiefst und sind daher umso erfreuter, als es am späten Nachmittag noch einmal Nachschlag gibt. Erste Spekulationen, ob es womöglich einen anderen Hintergrund als ein Programmierfehler bei einem Großinvestor sein könne, tauchen auf. Aber wirkliche Sorgen macht sich niemand und so wird auch bei den sporadisch immer wieder auftauchenden Kuki.Pl zu -1% zugegriffen. Auch andere Anbieter mit geringeren, aber immer noch guten Abschlägen sind immer wieder mal auf dem Markt und man deckt sich ein. Und dann der Hammer am 18. Juni: Die meisten haben sich zu ihrem Leidwesen bereits weitestgehend eingedeckt – und nun kommen Kukis zu -1.1% auf den Markt. Und es folgen Bino, Varks und Simbo….Und dies ist der Zeitpunkt, an dem sich das Forum mehr oder weniger in einen Life-Chat verwandelt: Nahezu im Minutentakt kommen Beiträge der unterschiedlichsten Nutzer, inzwischen weniger Mitteilungen über als erfolgreich empfundene Neuinvestitionen als Ideen, Vermutungen, Spekulationen, was der Hintergrund für die immer neu auftauchenden Nachlässe sein könne. Alle Theorien/Ideen haben irgendeinen nicht logischen Aspekt und keine ist wirklich schlüssig. Bandit55555 findet heraus, dass nahezu alle Angebote von einem Investor, von 7992069, kommen. Andere finden heraus, dass er diese Kredite offensichtlich frisch auf dem Primärmarkt kauft (sie sind zum Teil erst 2 Tage alt), um sie dann mit Verlust zu verkaufen. Es wird immer mysteriöser und die tollsten Theorien tauchen auf: Steckt Mintos selbst dahinter? der zeitliche Zusammenhang mit der Einführung von Invest und Access kann doch kein Zufall sein…Sind es die Anbahner, die ihre Produkte nun auch auf dem Zweitmarkt anbieten, aus welchem Grund auch immer? Ist es einfach ein Menschenfreund, der auf diese Art etwas Geld verschenken will? An ein Versehen eines Groß-Investors glauben inzwischen nicht mehr viele, aber vielleicht wurde sein Account gehackt? Oder er hat eins der Bonus-Programme falsch verstanden? Oder ein Abkommen mit Mintos, sein Kapital nur scheibchenweise abzuziehen?Befinden wir uns gar gerade mitten in einem Life-Krimi, bei dem es um Geldwäsche geht?….

Es ist eine Gelegenheit, seiner Fantasie bei einem an sich ernsten Thema mal freien Lauf zu lassen und in dem Jagdfieber entwickelt sich eine besondere Athmosphäre der Gemeinsamkeit. Diejenigen, die auf Grund körperlicher Bedürfnisse wie Essen,Trinken oder dem Gegenteil davon mal kurz den Rechner verlassen müssen, versuchen, diese Unterbrechungen möglichst kurz zu halten und, wieder vor dem Bildschirm, schaut man zuerst, wer inzwischen etwas Neues geschrieben hat. Ein leises Gefühl der Vertrautheit stellt sich ein und von dem einen oder anderen hat man inzwischen auf Grund seiner Beiträge ein – wenn auch etwas verschwommenes – Bild im Kopf. Weiterlesen