Interview mit Ivalyo Ivanow, CEO der Iuvo Group – P2P Kredite und die Folgen der Coronakrise

Das Interview habe ich in Englisch geführt und Fragen und Antworten anschließend übersetzt.

Kannst Du bitte das Angebot von Iuvo* kurz vorstellen?

Iuvo ist einer der führenden europäischen P2P Kredit Marktplätze. Wir ermöglichen institutionellen und privaten Anleger in einen breiten Mix aus besicherten und unbesicherten Krediten zu investieren, die von regulierten Darlehensanbahnern mit eigenem Kapitaleinsatz (‚balance sheet lenders‘) auf Märkten weltweit vergeben werden. Die durchschnittliche Rendite der Portfolios auf der Plattform liegt bei 8-10% p.a..
Wir haben über 20.000 Anleger aus über 120 Ländern und das vermittelte Kreditvolumen beträgt 138 Mio. EUR.

Wie hat die Coronakrise sich auf Iuvo ausgewirkt? Beobachtest Du steigende Ausfallraten bei den Krediten Eurer Darlehensanbahner?

Covid-19 war eine unvorhergesehene Herausforderung auf der ganzen Welt und in allen Aspekten des sozialen und wirtschaftlichen Lebens. Normalerweise reagieren Finanzmärkte als erstes auf globale Trends und es erging uns genauso wie den Börsen und Fremdkapitalmärkten weltweit.

P2P Anlagen sind in Europa durchweg während der Lockdown-Zeiten zwischen März und Mai gesunken. Zur selben Zeit haben die Kreditnehmer die unsichere Situation genutzt, um Zahlungen zu verzögern, insbesondere bei Firmenkrediten. Dazu kommt, dass in einigen Staaten Zahlungsmoratorien für unterschiedliche Zeiträume beschlossen wurden. Dies hat Darlehensanbahner in eine schwierige Lage mit niedriger Liquidität gebracht und alle standen vor Herausforderungen. Glücklicherweise ist Iuvo die Plattform mit dem striktesten Prüfprozess für die Aufnahme von Darlehensanbahnern auf der Plattform und dies zeigte sich während der Krise. Die Mehrheit unserer Partner hat die Situation gut und mit minimalen Verzögerungen [der Zahlungen] überstanden. Die Liquidität auf der Plattform war gut und es gab keinerlei Verzögerungen bei den Auszahlungen.

Ivalyo Ivanov, IuvoHier einige Zahlen: Der durchschnittliche Rückgang bei Investments auf führenden P2P Kreditmarktplätzen lag bei rund 50%. Die Anleger bei Iuvo zeigten mehr Vertrauen, dennoch gingen die Anlagen um 35% zurück.
In einem normalen Monat verzeichnen wir 300-400 Tsd. EUR Auszahlungen an Kunden. Während der zwei Monate des Lockdowns haben wir rund 4 Mio. EUR an Auszahlungen abgewickelt, dies zeigt die gute Liquidität unseres Modells.
Die gute Nachricht ist, dass der Großteil dieser Gelder in den folgenden Monaten (Juni, Juli, August) wieder eingezahlt wurde, so dass wir jetzt wieder zurück auf einem Wachstumspfad sind.

Aus der Sicht der Darlehensanbahner: Die Kreditvergabe an Verbraucher war praktisch unverändert und ist bereits wieder auf dem Vorkrisenniveau – sowohl hinsichtlich des Volumens als auch bzgl. der Ausfallraten. Die Vergabe von Firmenkrediten erholt sich in ganz Europa langsamer da die Firmen immer noch den verzögerten Effekt aus dem Rückgang des Konsums spüren. Es wird in diesem Bereich noch 6-12 Monate für eine Rückkehr zur Normalität dauern.

Was ist die Situation bei KFP/CBC? Wie siehst Du die weiteren Schritte in diesem Fall?

CBC vergibt Firmenkredite und war stärker durch die Coronakrise betroffen. Die Firmenleitung hat uns kontaktiert mit der Bitte, einer Umstrukturierung der gelisteten Kredite für die Zeit des Lockdowns zuzustimmen, mit dem Ziel die Liquidität des Unternehmens zu erhöhen. Wir haben uns bemüht flexibel und verständnisvoll auf die Situation zu reagieren und unterzeichneten eine Zusatzvereinbarung, die klar die ausstehenden Forderungen und eine 3 –monatige Verschiebung der Zahlungen für alle Kredite auf der Plattform spezifizierte. CBC hat die Forderungen und alle Bedingungen anerkannt (dies ist ein sehr wichtiger Punkt), inklusive der Zahlung von Zinsen für die Dauer der Verschiebung.

Einige Wochen später hat das Unternehmen leider die vereinbarten Zahlungen ohne Angabe von Gründen eingestellt. Dies ließ uns keine Wahl als rechtliche Schritte einzuleiten. Hier kommt die bereits erwähnte Zusatzvereinbarung ins Spiel. Wir haben ein sehr präzises Dokument, das von beiden Parteien unterzeichnet wurde und detailliert die ausstehenden Forderungen und Bedingungen aufführt. Aus Sicht unserer estnischen und polnischen Rechtsanwälte wird dies das Gerichtsverfahren sehr erleichtern und beschleunigen. Wir erwarten ein positives Ergebnis.

Welche generellen Schlüsse für die Auswahl und das Management der Darlehensanbahner auf Eurem Marktplatz könnt ihr ziehen?

Wie Du weißt, haben wir bereits die striktesten Prüfprozesse für Darlehensanbahner in der Branche. Diese Situation hat zusätzlich bestätigt, dass die Branche eine konservativere Vergabepraxis bei der Kreditvergabe umsetzen sollte.

Gleichzeitig muss die Branche auch die Anleger unterrichten, bei der Wahl der Plattformen nicht nur nach den Zahlen zu gehen, sondern auch zu verstehen, welche Risiken mit den relevanten Zinssätzen, den Prüfprozessen, den Unternehmensstrukuren, der Wahl der Märkte usw. verbunden sind, die jede Plattform eingeht um Wachstum und Erlöse zu erzielen.

Dies ist der Grund, warum wir in Kürze die Kampagne vorantreiben um ‚P2P lending best practises and standards‘ zusammen mit den Top Plattformen in Europa zu definieren und umzusetzen. Das Ziel ist, dass alle wichtigen Marktteilnehmer einen Satz von Anforderungen für Darlehensanbahner beschließen, die auf den Plattformen gelten. Dadurch können wir ausschließen, dass Darlehensanbahner geringer Qualität die Plattformen gegeneinander ausspielen, um den einfachsten Deal zu bekommen.

Wir sehen die Ergebnisse und das zukünftige Potential der Anlageklasse, die wir in den vergangenen 5 Jahren geschaffen habe und wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um sie für die breite Masse der Anleger (‚mainstream investors‘) zu legitimieren.

Im Gegensatz zu anderen Marktplätzen gibt es bei Iuvo* keine Zinsen auf Kredite die im Rahmen der Rüpckkaufgarantie zurückgekauft werden. Habt ihr Pläne dies zu ändern?

Auf Iuvo entscheidet der Darlehensanbahner über die Konditionen für das Buyback. Die meisten starten ohne es [d.h. ohne Verzinsung bei Buyback]. Es gibt aber auch Darlehensanbahner die Zinsen im Falle des Buybacks zahlen und diese erzielen gute Ergebnisse. Wir verwenden diese Beispiele um andere Darlehensanbahner zu ermuntern ebenfalls diese Praxis zu übernehmen und es wird über die Zeit passieren.

Allerdings müssen die Anleger die Mechanismen, die P2P Krediten zugrunde liegen verstehen und sie müssen verstehen, dass die Zahlung von Zinsen die nicht vom Kreditnehmer erhalten wurden beim Darlehensanbahner zu einer Liquiditätsklemme führen, so dass die Durchsetzung dieser Forderung mit Vorsicht erfolgen muss.

Ein Anleger hat gefragt, ob ihr plant 2 Faktor Authentifizierung zur Erhöhung der Sicherheit einzuführen?

Ja das ist in unserem Entwicklungsplan für die nächsten Monate.

Wie siehst Du die Entwicklung der Regulierung auf europäischer Ebene?

Ich bin ein Gründungsmitglied der ersten euopäischen Crowdfunding Vereinigungen seit 2012 und ich habe am Dialog mit EBA, ESMA und der EUR in den vergangenen 8 Jahren teilgenommen. Meiner Meinung nach war der Fortschritt sehr langsam aber es geht auf das logische Ende zu. Ich erwarte, dass ein funktionierendes Regelwerk in den nächsten 12-18 Monaten beschlossen wird, das die Branche in ganz Europa harmonisiert und weiter legitimiert. Zu diesem Zeitpunkt werden P2P Kredite ‚Fahrt aufnehmen‘ und wir bereiten uns auf diesen Moment vor.

Ist Iuvo profitabel? Wann wird der Geschäftsbericht 2019 veröffentlicht?

Dieses Jahr haben wir den ersten Breakeven auf monatlicher Basis erreicht. Die Gewinnschwelle auf Jahresbasis erwarten wir 2021. Der Geschäftsbericht 2019 wurde bereits im estnischen Handelsregister veröffentlicht und wir werden ihn in den nächsten Tagen auf unserer Website veröffentlichen.

Welche Pläne hat Iuvo* für das nächste Jahr?

Wir erwarten eine volle Erholung von der Coronakrise bis zum Jahresanfang 2021. Gleichzeitig arbeiten wir an spannenden neuen Produkten, Funktionen und Partnerschaften, die P2P Kredite zu einem wichtigen Teil des Fintech Ökosystems in Europa machen werden.
Unsere Anleger werden Festzinsprodukte und interessante Partnerschaften, die ich noch nicht offenlegen kann, bekommen und es wird sogar ‚non-loan-products‘ auf der Website geben.

Ich danke Ivalyo Ivanow für das Interview für P2P-Kredite.com

Interview with Matt Clannachan, VP of Product bei Bondora – Warum vergibt Bondora derzeit keine Kredite in Spanien oder Finnland?

Das Interview habe ich in Englisch geführt und Fragen und Antworten anschließend übersetzt.

Kannst Du Bondora* bitte kurz vorstellen?

Bondora bietet einen einfachen Weg online zu investieren. Wir existieren seit über 10 Jahren und haben mehr als 130.000 Anleger. Dieses Jahr sind wir im dritten Jahr in Folge profitabel und auf das vierte liegt im Plan.

Was hast Du vorher gemacht und wann und wieso hast Du bei Bondora* angefangen?

Ich arbeitete für 2 der größten Banken in Großbritannien bevor ich zu Bondora kam. Traditionelle Bankarbeit war nichts für mich. Die Dinge bewegten sich zum langsam und ich wollte sehen, dass meine Arbeit etwas bewegt. Vor ca. dreieinhalb Jahren hörte ich zufällig von Bondora und kontaktierte sie. Nachdem ich mit Pärtel und dem Team gesprochen hatte war ich 100% von der Mission überzeugt. Ich zog nach Estland. Ich kann ehrlich sagen, dass es die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe. Seit meinem Einstieg habe ich in verschiedenen Rollen bei Bondora gearbeitet, aber meine Hauptverantwortung liegt im Produkt für die Anleger.

Als Reaktion auf die Corona Situation hat Bondora* die Vergabe neuer Kredite in Finnland und Spanien gestoppt und die Bonitätsstufen, die für Kredite in Estland berechtigt sind, beschränkt. Welchen Grund hatte diese Entscheidung?

Als Vorsichtsmaßnahme haben wir temporär die Kreditvergabe in Spanien und Finnland eingestellt. Dass wir nun nur in Kredite in Estland vergeben senkt unsere operativen Kosten signifikant. Zum Beispiel die Marketingkosten. Marketing in einem Land um ein bestimmtes Volumen an Neukreditvergabe zu erreichen ist viel kosteneffizienter als dasselbe über 3 Länder zu versuchen. In einer Wachstumsphase ist das nicht kritisch, da Expansion das Ziel ist. Aber nun ist Nachhaltigkeit unsere Top-Priorität. Wir werden unsere Strategie nur ändern wenn Daten verfügbar sind, die begründen, dass wir wieder expandieren sollten.

Kürzlich hat Bondora den maximalen Betrag der bei Go&Grow neu angelegt werden kann auf 1.000 Euro pro Monat begrenzt. Was ist der Grund dafür? Ist das eine direkte Folge der Entscheidung im Moment nur in Estland Kredite anzubieten?
In anderen Interviews wurde gesagt, Bondora könne einfach das Marketing intensivieren um mehr Kredite in Estland zu vergeben, sollte die Anlegernachfrage steigen. Das würde der jetzigen Maßnahme widersprechen?

Wir haben die Entscheidung aus 2 Gründen getroffen 1) Zukunftsfähigkeit des Portfolios 2) Damit jeder investieren kann

Auch die vorherige Aussage bleibt richtig. Wir könnten leicht das Portfolio vergrößern, wenn wir wollten. Die Nachfrage ist da. Aber wir werden keine Abstriche bzgl. der Qualität des Portfolios zulassen. Angesichts der derzeitigen globalen Situation ist es besser vorsichtig zu sein und die Daten im Blick zu haben statt exponentielles Wachstum anzustreben. Daher die 1.000 Euro Begrenzung pro Anleger um das mit unserem Kreditvolumen zu matchen. Als Firma brauchen wir kein enormes Wachstum in unseren wichtigsten Parametern jedes Jahr um weiter zu bestehen. Falls wir uns entscheiden die Neuvolumen zu senken, dann sinken unsere operativen Kosten auch.

matthew clannachanWerdet ihr wieder beginnen Kredite in Finnland und Spanien zu vergeben?

Wir haben die Entscheidung wann wir unsere Aktivitäten in Finnland und Spanien wiederaufnehmen warden noch nicht getroffen.

Als Folge der Coronakrise konnte das Go&Grow Produkt im Frühjahr nicht länger sofortige Liquidität bieten. Stattdessen wurden Teilauszahlungen umgesetzt. Jetzt seid ihr wieder bei sofortigen Auszahlungen, aber könntest Du bitte in der Rückschau mitteilen, was das für Eure Anleger bedeutete und wie sie auf diese Maßnahme reagierten?

Das war eine notwendige Maßnahme, die im Produkt von Tag 1 an vorgesehen war. Als Teilauszahlungen aktiv waren, habe ich Hunderte von Supportanfragen, Kommentaren in sozialen Medien und Foren gelesen, um zu versuchen die überwiegende Reaktion der Anleger zu verstehen. Die meisten verstanden warum wir diese Funktion aktiviert hatten und warum es für den Fortbestand des Produktes erforderlich war. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass nun – fast 6 Monate später – dadurch kein Effekt auf unsere wichtigsten Parameter (Kundenzufriedenheit, Investments, Auszahlungen, Kundenvermittlungen) eintrat. Anleger würden nicht fortfahren Bondora zu nutzen, wenn sie uns nicht vertrauen würden und uns nicht als zukunftsträchtige Firma sehen würden.

Viele der Anlegerfragen drehen sich um den Puffer den Bondora vorhält um Go&Grow liquider zu machen. In der Vergangenheit hat Bondora es abgelehnt, offenzulegen wieviel Geld in dem Puffer ist. Kannst Du bitte den Mechanismus so präzise wie möglich beschreiben? Wo wird das Geld in dem Puffer verwahrt? Ist es in einem Bankkonto und verdient dort keine Zinsen?

Unser Ziel ist die Bargeldreserve bei rund 15% des Go&Grow Portfolios zu halten. Natürlich fluktuiert dies täglich basierend auf Aus- und Einzahlungen. Das Geld ist auf einem dediziertem Bankkonto, getrennt von Bondora’s Firmenkonten. Es ist dort damit die Anleger schnellen Zugriff auf ihr Geld haben, wenn sie es brauchen.

Ein Kritikpunkt den einige Anleger haben, ist die Art und Weise wie Bondora Kredite in Verzug behandelt bei der Kalkulation der Rendite im Anlegerdashboard. Nur der Betrag der überfälligen Rate und nicht der ganze Kreditbetrag wird als in Verzug berücksichtigt. Kritiker finden, dass dies zu einer übermäßig positiven Darstellung der Rendite führt und somit Erwartungen erzeugt die später unerfüllt bleiben, wenn das Portfolio altert und die angezeigte Rendite sinkt. Was ist Deine Meinung dazu und gibt es Pläne die Berechnungsmethode zu ändern.

Wir haben keine Pläne die Berechnungsmethode zu ändern. Ich denke es ist wichtig das die Berechnungen gleichbleibend erfolgen, so dass die Renditen des Portfolios über die Jahre vergleichbar bleiben. Würde der volle Kreditbetrag als verspätet in die Kalkulation einbezogen hätte das auch Nachteile. Es wäre übermäßig negativ, weil es die 60% (zum Beispiel) des Kredites, die eingetrieben würden, vernachlässigen würde.

Bondora stellt sehr viele Informationen und Statistiken zur Verfügung. Eine die Anleger oft verwirrt ist die “Kumulatives Geld auf Geldrückflüsse – Monatsvergleich“ Grafik in den allgemeinen Statistiken. Z.B. für 36 monatige Kredite aus Q3 2014 zeigt der Wert 91,23%. Bedeuted das, dass Anleger, die zu diesem Zeitpunkt investierten, mit Verlust investierten, oder wie ist die Grafik zu lesen?

Diese Grafik ist nur aussagekräftig für Kredite am Ende der Laufzeit, da es den Prozentwert der ursprünglichen Anlagesumme zeigt, der zurückgezahlt wurde. Wenn das Ende der Kreditlaufzeit erreicht wurde und die % liegen unter 100, dann bedeutet das nicht unbedingt, dass die Rendite des Portfolios negativ ist. Typischerweise setzen sich die meisten Portfolios aus unterschiedlichen Kreditlaufzeiten aus unterschiedlichen Kohorten zusammen. Zum Beispiel gab es sehr wenige Kredite die in Q3 2014 mit einer 36 monatigen Laufzeit vergeben wurden – d.h. dies ist nicht repräsentativ für die Zusammenstellung eines ganzen Anlegerportfolios. Wir publizieren diese Grafik einfach um volle Transparenz zu liefern und die Daten aus den Reports zu visualisieren.

Erwartest Du für die Zukunft einen Anstieg der Kreditausfallraten für Konsumentenkredite in Spanien, Finnland und Estland in den verbleibenden Monaten von 2020 und 2021 als Folge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise?

Bisher zeigt unser Portfolio keine Anzeichen steigender Kreditausfallraten. Nochmal, dies ist der Grund warum wir uns entschieden haben das Neukreditvolumen während der Krise zu reduzieren (als eine Vorsichtsmaßnahme).

Wie siehst Du die Entwicklung der Regulierung auf europäischer Ebene?

Meine Meinung nach gibt es einen Silberstreif am Horizont, obwohl Vorfälle in diesem Jahr bei kleineren Plattformen ein schlechtes Licht auf die Branche warfen. Diese Art von Vorfällen kann zur Beschleunigung der Regulierung der Finanzbranche für den Verbraucherschutz führen. Wir waren immer für eine pan-europäische Regulierung von p2p lending und werden unsere Arbeit mit den Aufsichtsbehörden fortsetzen, um dies zu unterstützen.

Ist Bondora* als Unternehmen profitable?

Ja, wir waren seit 3 Jahren profitable. Wir haben unseren Geschäftsbericht für 2019 veröffentlicht und einen Nettogewinn von 2,4 Mio. Euro verkündet.

Welche Pläne hat Bondora* für das nächste Jahr?

Diese Jahre haben wir bereits viel Zeit verwendet auf die Automatisierung der internen Systeme und der Kundenoberfläche des Produktes. Zum Beispiel haben wir gerade eine ‚Instant answer support site‘ live geschaltet, die wir immer noch verbessern (diese wird schlussendlich in 24 Sprachen lokalisiert werden). Wir setzen die Arbeit an der Automatisierung mit Priorität dieses Jahr fort. Der Grund dafür ist, dass wenn sich die Weltwirtschaft stabilisiert und wir wieder bereit für Wachstumsziele sind, dann können wir rapide skalieren ohne Abhängigkeiten von manuellen Prozessen.

Abschliessende Bemerkung – Vielen Dank an alle unsere Anleger, die uns immer über die Jahre unterstützt haben. Wir freuen uns auf den Moment, wenn die Welt wieder zur Normalität zurückfindet und wir Euch in unserem Büro begrüßen können. Bitte schaut vorbei, falls ihr jemals in Tallinn seid :)

Ich danke Matthew Clannachan für das Interview für P2P-Kredite.com

Marktanteile der Plattformen nach Neuvolumen P2P Kredite im August 2020

Ich erhebe einmal monatlich die Neukreditvolumen von P2P Kreditmarktplätzen, da mir das einen guten Überblick erlaubt, wohin der Markt sich bewegt. Natürlich führt die Betrachtung einzelner Monate zu starken Schwankungen, aber ich mache das nun schon seit mehreren Jahren und finde es über die Zeit sehr aufschlussreich. Im August konnten von den größeren Plattformen vor allem Estateguru* und Peerberry* ihr Volumen deutlich steigern. Bei Mintos* sank das Neuvolumen gegenüber dem Juli. Gründe dürften vor allem in den Zahlungsschwierigkeiten von Capital Service und Finko sowie der Unzufriedenheit einiger Anleger mit den neuen AGB und den Verifizierungen liegen.

Wer weitergehende Parameter als nur das Volumen vergleichen will, findet hier einen interaktiven Vergleich der P2P Kredit Anbieter.

Im August hatte ich auch wieder die Mitglieder des Foums nach der beliebtesten Plattform befragt. In der erweiterten Umfrage wurde mit deutlichem Abstand Bondora* Sieger vor Viainvest*Peerberry* und Estateguru*. Mintos und einge andere Plattformen im Vergleich zu den Umfrageergebnissen 2019 deutlich in der Gunst der Anleger zurückgefallen. Wie gut eine Plattform durch die derzeitige Krise kommt bzw. kam ist sehr wichtig für das Vertrauen der Anleger.

international p2p lending statistic august 2020
Table: Statistiken Neukreditvolumen P2P Kredite im August 2020. Quelle: eigene Recherchen
#: Der starke Rückgang bei Finbee im Vergleich zum Vormonat liegt daran, dass das Stimulus Paket (Unternehmenskredite) der litauischen Regierung Ende Juli endete.

Kreditvolumina wurden aus der lokalen Währung in Euro konvertiert um einen Vergleich zu erleichtern. Einzelne Zahlen sind Schätzungen.

Links to the platforms listed in the table: Ablrate*, Archover*, Assetz Capital*, Bondora*, Bondster*, Bulkestate*, Colectual*, Credit.fr*, Crowdproperty*, Debitum Network*, Dofinance*, Estateguru*, Fellow Finance*, Finansowo*, Finbee*, Folk2Folk*, Geldvoorelkaar*, Growly*, Investly*, Iuvo Group*, Kameo*, Klear*, Kviku.Finance*, Landlordinvest*, Linked Finance*, Lenndy* Look&Fin*, Mintos*, MyTrippleA*, October*, Peerberry*, Proplend*, Ratesetter*, Rebuilding Society*, Savy*, Soisy*, Sourced*, Swaper*, TFGcrowd*, ThinCats*, Twino*, Viainvest*, Viventor*, Zopa*.

Warum ich die Einführung von variablen Preisen auf dem Seedrs Zweitmarkt interessant finde

Schon seit 2013 nutze ich Seedrs* um in britische Startups zu investieren. Wie sich mein Portfolio bei Seedrs* über die Jahre entwickelte habe ich regelmäßig im Forum berichtet, zuletzt in diesem Post. Vorteilhaft bei Seedrs fand ich vor allem, dass es seit dem Start echte Unternehmensanteile (equity) gibt – auf deutschen Crowdinvesting Plattformen waren sehr lange Nachrangdarlehen bzw. partiarische Darlehen oder Genussscheine die Norm. Außerdem gibt es i.d.R. Vorkaufsrechte (pre-emption rights) mit denen ich als Anleger bei Folgerunden der Startups entscheiden kann ob ich zusätzlich investieren will um meinen Anteil zu halten und einer Verwässerung (dilution) zu entgehen.

seedrs preise Seedrs hat schon seit Juni 2017 einen Zweitmarkt auf dem Anleger untereinander Anteile an den Startups kaufen und verkaufen können. Je nach Attraktivität des Startups in der Gunst der Anleger ist dieser sehr aktiv und einzelne Anteile (z.B. Revolut im letzten Jahr) waren binnen Minuten nach Öffnung ausverkauft. Der Zweitmarkt öffnet bisher nur jeweils 1 Woche im Monat.

Bisher ist der Handelspreis für Anteile eines Startups fix und bestimmt durch den Fair Value.  Vereinfachend gesagt, basiert der in der sehr überwiegenden Anzahl der Fälle auf der Bewertung, zu der das Startup zuletzt eine Kapitalrunde aufgenommen hat. Damit fluktuiert der Preis also kaum, denn bei den meisten Startups finden neue Kapitalrunden üblicherweise nur alle 12-24 Monate statt (siehe Abbildung 1 – die Kurven der Preisveränderungen über die Jahre sind oft Geraden, da sie nur 2 Preispunkte enthalten). Zudem ist die Bewertung rein vom Startup gesetzt/getrieben (zumindest solange nicht größere externe professionelle Investoren wie VCs an der Kapitalrunde teilgenommen haben). Ich möchte jetzt nicht in einem Exkurs über Unternehmensbewertungen enden, aber mir erscheint es manchmal absurd dass eine Neobank wie z.B. Revolut eine Unternehmensbewertung hat, die ungefähr ein Drittel von Aldi ist, die jahrelang etabliert sind im Vergleich riesig sind (nach fast allen Unternehmenskenngrößen). Andererseits wer in der Anfangszeit in Amazon oder Apple Anteile investiert hat (und diese heute noch besitzt) hat vermutlich ausgesorgt.

Schon seit Dezember 2018 hatte Seedrs* Pläne angekündigt, flexible Preise (variable pricing) auf dem Zweitmarkt einzuführen. Seit gestern Abend ist es nun soweit. Anleger können Anteile jetzt mit Aufschlägen bis 30% bzw. Abschlägen bis -30% auf den Fair Value anbieten. Oder halt wie bisher zum Fair Value.

Warum finde ich die Einführung von variablen Preisen auf dem Seedrs Zweitmarkt spannend?

Bisher hatte ich den Seedrs* Zweitmarkt hauptsächlich genutzt um

a) Anteile zuzukaufen, wenn ich der Meinung bin dass sich ein Startups, dass ich bereits im Portfolio habe sehr gut entwickelt und Potential für weitere deutliche Wertsteigerungen besteht oder

b) Anteile zu verkaufen um Gewinne zu realisieren (also aus bisherigen Buchgewinnen reale Gewinne zu machen)

Mit den flexiblen Preisen kann ich zukünftig auch ein bisschen kurzfristiger spekulieren.

Meine Learnings aus früheren Zeiten bei Bondora* oder auch Mintos* waren, dass es in der Anfangszeit Zeitfenster gab, in denen ich sher profitabel auf dem Zweitmarkt traden konnte. Weil die Mechanismen für alle neu waren und die Anleger noch wenig Erfahrungen hatten und jeder erst für sich herausfinden musste was funktioniert und was nicht, waren die erzielbaren Gewinnmargen anfangs für mich hoch. Nach wenigen Monaten endete das Zeitfenster, denn die Anleger, die Handelsstrategien verfolgten, professionalisierten sich und die erzielbaren Margen wurden geringer. Ich muss auch immer im Auge behalten in welcher Relation mein Zeitaufwand zu den erzielbaren Gewinnen steht. Aber mein persönliches Learning aus beiden Fällen war: am Anfang geht was, ich lernte viel über Marktdynamik und -psychologie und das Ganze hat mir auch Spaß gemacht.

Ganz so einfach wird es auf dem Seedrs Zweitmarkt nicht werden. Zum einen sind die Transaktionsgebühren vergleichsweise hoch, zum anderen ist das Angebot begrenzt und die Nachfrage konzentriert sich auf wenige sehr begehrte Startups. Andererseits kommt beim Handel mit Startup-Anteile noch mehr die Psychologie zum Tragen. Es geht um die Erwartungen die die Anleger mit den Startups verknüpfen – die Emotionen werden die Presidynamik beeinflussen.

Sich einfach zu wünschen zu -30% zu kaufen und den Anteil zu  +30% weiterzuverkaufen wird ganz sicher nicht funktionieren. Aber vielleicht ergibt sich ja die Chance zu -30% zu kaufen und dann mit etwas Zeitversatz zu -10% wieder zu verkaufen?

Im nächsten Trading Zyklus ab dem 04. August werde ich auf jeden Fall die angebotenen Revolut Anteil im Auge behalten. Wer mein Seedrs Potfolio verfolgt weiß dass ich sehr viele (zu par) vor einigen Monaten verkauft habe. Wenn ich nun zu -30% wieder kaufen könnte, wäre das schon eine Überlegung wert (aktuell ist der maximal angebotene Discount -10%).

Wer nicht traden will sondern sich einfach nur für das Invest in Startups über Seedrs* interessiert, findet in der Crowdinvesting Forum Sektion viele Diskussionen wie z.B. die Meinungen von Anlegern zu einzelnen Pitches. Und wer im nächsten Handelsfenster mitmischen will, sollte sich umgehend bei Seedrs* registrieren, da die Kontofreischaltung und Einzahlung idealerweise vor Markteröffnung erledigt sein sollte.

Gericht erlässt Verfügung zum Einfrieren von Vermögen früherer Lendy Direktoren

Die Insolvenzverwalter haben ihren 2. Fortschrittsbericht bzgl. der Eintreibungsaktivitäten bei der Abwicklung der Lendy Ltd Gesellschaft veröffentlicht. Dieser beschreibt den Fortschritt der letzten 6 Monate – den ich als eher gemächlich beurteilen würde. Allerdings enthält der Report auch einen Paukenschlag. In ihren Untersuchungen kommen die Insolvenzverwalter zu dem Ergebnis, dass 6.8 Mio. Pfund auf Konten auf die Marshall Inseln abgeflossen sind und der Verdacht besteht, dass diese nicht wie angegeben für Marketingzwecke bezahlt wurden sondern zugunsten der ehemaligen Lendy Direktoren Tim G. und Liam B.

Die Insolvenzverwalter haben daraufhin bei einem britischen Gericht eine Verfügung zur Sperrung aller weltweiten Vermögenswerte und des Immobilienbesitzes von Tim G.d Liam B. erwirkt.

Hat der P2P Sektor die Krise schon überwunden? Wirklich? Und was kommt nun?

Die letzten Monate waren sowohl für die P2P Marktplätze als auch für die meisten Anleger in dieser Anlageklasse eine Herausforderung. Die von mir im März schon beschriebenen Liquiditätsengässe haben auch im April und Mai angehalten und bei vielen Plattformen ist das Neuvolumen der Kredite dramatisch eingebrochen.

Hier die aktuelle Lage bei ausgewählten Plattformen:

Bondora*: Sowohl im April und Mai wurden Auszahlungen aus den Go&Grow Accounts nur sehr verzögert ausgeführt (Stichwort Teilauszahlungen). In diesem Punkt hat sich die Lage aber seit wenigen Tagen wieder normalisiert und Go&Grow Auszahlungen erfolgen wieder zügig. Das Neukreditvolumen ist im April und Mai gegenüber den Vormonaten stark zurückgegangen, hat sich aber jetzt anscheinend wieder normalisiert. Bondora hat angekündigt sich zunächst ausschließlich auf estnische Kredite zu konzentrieren.

Mintos*:  Auch bei Mintos war das Neukreditvolumen extrem zurückgegangen, hat sich aber inzwischen wieder stabilisiert. Allerdings sind die pending payments (‚ausstehende Auszahlungen‚) auf einem sehr hohen Niveau und auch sonst reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. Zuletzt wurde der Anbahner Cashwagon suspendiert.

Estateguru*: Estateguru scheint bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen zu sein. Zwar ist das finanzierte Kreditvolumen zurückgegangen, aber die Anlegernachfrage war stabil, alle neuen Kredite wurden zügig finanziert. Zudem hat Estateguru im Rahmen einer Crowdinvestment Runde  920.000 Euro neues Kapital von über 1000 Investoren eingesammelt.

Investly*: Investly ist einer der Gewinner in der aktuellen Situation. Das Neukreditvolumen ist relativ stabil geblieben und der CEO teilte mir mit die Nachfrage auf Seiten der Unternehmen für die Rechnungsfinanzierung sei sprunghaft gestiegen.

Ratesetter Australien: Das Geschehen zeigte erhebliche Verwerfungen (Details sieh mein Artikel ‚So liefen meine P2P Kredite bei Ratesetter Australien in den letzten Wochen‚ von Mitte April). Das Neukreditvolumen hat sich halbiert und noch nicht wieder erholt. Aber der Zwangs-Reinvest im 1-Monatsmarkt ist vorbei und leider haben sich auch die Zinsen im 1 Monatsmarkt wieder normalisiert. Diese lagen im Mai oft bei 8-9%; jetzt bewegen sie sich eher bei 4-5%.

Peerberry*: Ich bin selbst bei Peerberry nicht investiert aber laut den Berichten anderer Anleger scheint Peerberry die Krise (bisher) sehr gut gemeistert zu haben.

Viainvest*: Auch Viainvest scheint die Krise ohne sichtbare Beeinträchtigungen bewältigt zu haben. Liquidität war nach meinen Erfahrungen jederzeit vorhanden. Das Geschäft lief weiter wie vor der Krise mit nur moderatem Rückgang des Neukreditvolumens.

Robocash*: Auch bei Robocash gab es soweit ich das beobachten konnte, keine Beeinträchtigungen.

Finbee*: Finbee konnte das Volumen erheblich steigern, da sie die vom Staat garantierten Kredite an Unternehmen vermitteln.

Linked Finance*:  Linkedfinance ist meine größte P2P Position. Und da es sich bei der irischen Plattform Linkedfinance um Firmenkredite handelt, hatte ich hier die größte Skepsis ob die Plattform gut durch die Krise kommt. Bei rund der Hälfte meiner Kredite waren zwischenzeitlich die Zahlungen pausiert. Jetzt normalisiert sich das Bild langsam wieder. Aktuell sind noch bei rund einem Viertel (79 von 319) meiner Kredite die Zahlungen ausgesetzt. Insgesamt ist die Entwicklung besser als ich im Februar/März befürchtet hatte.

Assetz Capital*: Die Liquidität bei den Access Produkten ist fast völlig versiegt. Zeichen für Besserung kann ich nicht erkennen. Assetz Capital will einen Zweitmarkt für die Access Anlagen einführen, dieser ist aber bisher nur angekündigt. Positiv für die Finanzlage der Plattform wird sich voraussichtlich auswirken, dass sie die Genehmigung erhalten hat sogenannte CBILS (Coronavirus Business Interruption Loan Scheme) Kredite im Rahmen des Konjunkturpaketes der britischen Regierung zu vergeben.

Viventor*: Bei Viventor ist das Neuvolumen stark zurückgegangen. Einzelne Loan Originators scheinen Schwierigkeiten mit der Rückzahlung zu haben. Und letzte Woche kam die Nachricht, dass Viventor verkauft wurde.

Crowdestor*: Bei den vielen Projekten ist aktuell die Rückzahlung ausgesetzt oder verzögert.

Ist die Krise also ausgestanden?

Was bisher zu sehen war, waren m.E. vor allem die Auswirkungen von Liquiditätsengpässen (produktbedingt, bedingt durch stark gesunkene Anlegernachfrage, oder auf Seiten von Darlehensanbahnern).

Die Plattformen haben die Auswirkungen der Coronakrise aber noch nicht überstanden, denn was nun noch kommen kann, sind steigende Ausfallraten. Der Konjunktureinbruch wird dazu führen, dass mehr Kreditnehmer als vor der Krise nicht zahlen können. Dieser Effekt wird sich in den meisten Märkten mit einigen Wochen/Monaten Verzögerung auswirken. Zu beobachten ist er schon in UK, wo bei Zopa und Funding Circle UK die Ausfallraten steigen. Bei Ratesetter UK war es am offensichtlichsten – Ratesetter musste schon Anfang Mai den Provision Fund stützen, indem die Zinssätze für Anleger für alle Kredite (auch laufende) halbiert wurden, da ansonsten der Provision Fund Gefahr lief die steigenden Ausfälle nicht mehr kompensieren zu können.

Auch die Immobilienplattformen in UK haben sichtbar Probleme. Ob das tatsächlich auch an Rückgängen im Markt liegt, oder nur an einem Vertrauensverlust der Anleger und überzogenen Bewertungen ist schwer für mich zu beurteilen. Die Preise im Immobilienmarkt in D sind laut Presseberichten bisher mehr oder weniger stabil. Und auch im Baltikum ist bisher noch nicht auszumachen ob es zu einem Rückgang der Preise kommen wird.

Fazit: Die Krise ist für den P2P Kredit Sektor insgesamt noch nicht ausgestanden auch wenn es bei einzelnen Plattformen so aussieht, als bessere sich die Lage.

RichUncles.com – So führen die reichen US-Onkels dich zum Schotter

RichUncles ist eine der wenigen P2P Immobilien Crowdfunding Plattformen in den USA, die für ausländische Investoren geöffnet sind. Wie in diesem Beitrag beschrieben, können Anleger über den „RW Holdings NNN REIT“ in ein breit diversifiziertes Portfolio von Bestandsobjekten investieren. Jetzt schauen wir uns näher an, wie sich die Rendite zusammensetzt und wie die Ausschüttung erfolgt. Außerdem geht es um die Knackpunkte Zweitmarkt und Steuern und den Investmentprozess.

Rendite und Ausschüttungen

Die Rendite liegt aktuell bei ca. 7%. Leider wird die Rendite auf der RichUncles Webseite nicht transparent ausgewiesen. Der Gewinn eines REIT ergibt sich aus den monatlichen Dividendenzahlungen, die unter anderem aus den Mieteinnahmen gespeist werden, und aus der Wertsteigerung der Immobilien. Um als REIT qualifiziert zu bleiben, müssen die reichen Onkels übrigens mindestens 90% des steuerpflichtigen REIT-Jahreseinkommens ausschütten. Die Ausschüttungen erfolgen monatlich als Dividendenertrag an die Aktionäre. Es gibt auch nicht besonders viele Reviews und Erfahrensberichte, die da konkreten Einblick gewähren. Einige Anleger berichten, dass sie bisher konstant 6% Dividendenrendite über die monatlichen Ausschüttungen erhalten haben. Kombiniert mit der ca. 1% jährlichen Wertsteigerung kommt man dann also auf 7% Gesamtrendite. Die Wertsteigerung kann an der Entwicklung des NAV („net asset value“, Nettovermögenswert oder Nettoinventarwert) abgelesen werden. Dieser wird im Gegensatz zu den monatlichen Ausschüttungen einmal jährlich offiziell bekanntgegeben. Der NAV je Anteil (oder Aktie) hat sich jeweils zum Stichtag 31. Dezember folgendermassen entwickelt: 10,05 USD (2017), 10,16 USD (2018), 10,27 USD (2019). Die Wertsteigerung beträgt also etwas mehr als 1 Prozent. Die Laufzeit der Investition wird ebenfalls nicht konkret kommuniziert, ich habe etwas von 4-7 Jahren gelesen, würde meine Hand dafür aber nicht ins Feuer legen. Generell ist die Investition in Bestandsobjekte auf jeden Fall langfristig zu sehen.

Investmentprozess

Nach der Registrierung auf der Plattform erfolgt auch die Investition vollständig online und ist denkbar einfach. Zuerst wird der gewünschte Anlagebetrag abgefragt, wobei es ab 500 USD los geht:

Abb. 1: RichUncles – Start des Investmentsprozesses

Dann wird festgelegt, ob die Dividenden automatisch angelegt oder ausgeschüttet werden sollen:

Abb. 1: RichUncles – Auswahl des Dividendenhandlings

Das war’s dann auch schon. Dann muss nur noch der gewählte Anlagebetrag auf das RichUncles Bankkonto überwiesen werden.

Verkauf der Anteile

Derzeit gibt es keinen Sekundärmarkt, auf dem die Beteiligungen an andere verkauft werden können. Richuncles bietet jedoch nach einer Mindesthaltedauer von 90 Tagen den Rückkauf der Anteile an. Dies ist nicht garantiert, das Unternehmen stellt jedoch fest, dass es einen Antrag auf Aktienrückkauf bisher nie abgelehnt hat. Was kostet dieser Aktienrückkauf? Es wird eine Verwaltungsgebühr berechnet, die je nachdem, wie lange die Anteile gehalten wurden, jährlich sinkt: Innerhalb des 1. Jahres ab Erwerb der Beteiligungen werden 3% des Investmentbetrags abgezogen, im 2. Jahr sind es dann noch 2%, im 3. Jahr sinkt die Gebühr auf 1%, und nach mehr als 3 Jahren Haltedauer werden die Anteile kostenlos zurückgekauft.

Steuer, Währungsrisiko und Bankkonto

Ein RichUncles Mitarbeiter erklärte mir, dass in Deutschland steuerlich ansässigen Investoren 15% Quellensteuer von der monatlichen Dividendenzahlung direkt abgezogen werden. Inwieweit dies gegenüber dem Fiskus hier bei uns geltend gemacht werden kann, müsstet ihr mit eurem Steuerberater klären.

Da die Investition in USD erfolgt, ist natürlich auch das Währungsrisiko nicht zu unterschätzen.

Als Anleger auf RichUncles muss man ein Bankkonto in den USA besitzen, von dem die Ein- und Auszahlungen erfolgen. Dies kann über Dienstleister wie Transferwise* zur Verfügung gestellt werden. Der RichUncles Support teilte mir explizit mit, dass diese Konten von der Plattform unterstützt werden.

Fazit

RichUncles bietet ein solides Investment in ein breit diversifiziertes Portfolio von Bestandsobjekten mit einem guten Rendite/Risiko-Profil. Die Rendite der reichen Onkels von 7% kann in Deutschland mit Bestandsobjekten auf P2P Plattformen schwer erzielt werden. Als Vergleich erzielt Exporo* (Bestand) durchschnittlich 4,4% Rendite, auf der spanischen Plattform Housers* sieht es ähnlich aus. Dass Ausschüttungen monatlich erfolgen, ist sehr erfreulich; auch dass die Dividenden automatisch reinvestiert werden können. Der RichUncles REIT ist ab 500 USD investierbar, bleibt jedoch ein langfristiges Investment, bei dem die Laufzeit leider nicht klar ist. Es können jedoch Anteile zurückgegeben werden. Dabei fallen bei einer Haltedauer von unter 3 Jahren bis zu 3% Gebühren an. Den automatischen Abzug von 15% Quellensteuer, das Währungsrisiko bei Investments in USD und auch die Notwendigkeit eines US-Bankkontos sollte man als deutscher Anleger nicht vergessen. Letzteres kann über Dienstleister wie Transferwise* erfolgen und stellt daher keine unüberwindbare Hürde dar. Für wen ist RichUncles interessant? Für langfristige Investoren, die in Immobilien-Bestandsobjekte investieren und dabei die Schwankungen an der Börse umgehen möchten.


Anmerkung des Herausgebers:

Zu diesem Artikel von David gebe ich zu bedenken:

  • beim Invest in US REITs gibt es deutlich liquidere Alternativen. Es gibt sehr viele börsengehandelte REITs, die über einen Broker an der Börse gekauft und verkauft werden können
  • es gab diverse Kritikpunkte an der im Artikel genannten Firma in der Vergangenheit (einfach mal googlen)
  • stimmt zum derzeitigen Zeitpunkt ein Invest in einen REIT, der in Gewerbeimmobilien investiert, mit der eigenen Anlagestrategie überein?

RichUncles.com – Mit den US-Immobilien der reichen Onkels Geld verdienen

Die reichen Onkels in Amerika sind in diesem Fall Ray Wirta and Harold Hofer, die Gründer von RichUncles.com. Sie wollen mit ihrer P2P Crowdfunding Plattform direkte Immobilieninvestitionen für Privatanleger schon mit kleinen Beträgen möglich machen. Und das Beste ist: Auch Anleger aus Deutschland können dort investieren. Damit gehört RichUncles zu dem erlesenen Kreis von Immobilien Crowdfunding Plattformen aus den USA, die für ausländische Investoren geöffnet sind. Die beiden populärsten US-Plattformen Fundrise und RealtyMogul wurden in einem früheren Beitrag näher vorgestellt (US-Immobilien mit hohen Renditen: P2P Crowdfunding macht’s möglich), gehören aber leider nicht dazu. Darüber wollen wir jetzt aber nicht weiter lamentieren, sondern schauen uns die reichen Onkels mal etwas näher an.

Aktuell bietet RichUncles eine einzige Investitionsoption an: Ein auf Gewerbeimmobilien fokussiertes Portfolio, das sowohl Büro- und Industrieimmobilien als auch einige Einzelhandelsimmobilien einschließt. Wer sich darüber wundert, dass man in den USA grundsätzlich eher in Immobilien-Portfolios und nicht in Einzelobjekte investiert, so wie europäische Anleger das von hiesigen Plattformen wie Estateguru oder Exporo gewohnt sind, kann sich diesen Artikel kurz anschauen: USA vs. Europa – Wo gibt es die attraktiveren P2P Immobilien Crowdfunding Plattformen?

Die Investition in das Portfolio läuft über den RW Holdings NNN REIT, der vorher auch „Rich Uncles NNN REIT“ genannt wurde, und seit 2016 Anlegergelder einsammelt. Da der Begriff REIT hierzulande nicht so bekannt ist, gibt es weiter unten eine kurze Erläuterung dazu.

Das Portfolio

Worin investiert man denn konkret? Das Immobilienportfolio des „RW Holdings NNN REIT“ besteht aus 45 Immobilien (bestehend aus 19 Einzelhandels-, 14 Büro- und 12 Industrieimmobilien) in 14 US-Bundesstaaten und umfasst 2,4 Millionen Quadratmeter. Die Vermietungsquote liegt bei 96 Prozent und die durchschnittliche Restmietdauer beträgt 6,2 Jahre (Stand 30. November 2019). Das Vermögen des REIT beläuft sich auf 507 Mio. USD, die Verbindlichkeiten auf 225 Mio. USD (Stand 31. Dezember 2019). Zu jedem einzelnen Objekt werden auf der RichUncles Webseite detaillierte Informationen bereitgestellt:

Abb. 1: RichUncles Portfolio

Der vollständige Prospekt („Prospectus“) steht Anlegern übrigens zum Download zur Verfügung und hat einen Umfang von 461 Seiten inkl. 8 Vertragszusätzen. (Anmerkung: Nein, ich habe ihn nicht durchgelesen …)

Der Fremdkapitalanteil ist auf max. 50% festgelegt und man konzentriert sich auf Einzelmieterimmobilien mit kreditwürdigen Mietern. RichUncles ist ein Triple Net Lease Fund („dreifacher-Nettomiete-Fonds“; auch NNN abgekürzt). Der Mieter kommt dabei für alle Kosten der Instandhaltung der Immobilie einschließlich der Steuern und Versicherungen auf, so dass der Vermieter seinen Aufwand gering hält und sein Cashflow gut planbar wird.

Rendite und Mindestinvest

Und jetzt kommen wir zu den für die meisten Anleger wahrscheinlich wichtigsten Kennzahlen: Die Rendite liegt aktuell bei ca. 7% und der Mindestinvest beträgt 500 USD. Da die Rendite auf der RichUncles Webseite leider nicht transparent ausgewiesen wird, erläutere ich im Folgeartikel etwas näher wie man auf diese 7% kommt und wie sie sich zusammensetzt.

Nicht nur RichUncles, sondern viele P2P Immobilien Crowdfunding Plattformen in den USA bieten Investitionen in REITs an. Deswegen eine kurze Erläuterung dazu.

Was ist ein REIT?

REITs (Abkürzung für Real Estate Investment Trust) sind Unternehmen, die Immobilien besitzen, betreiben oder verwalten. Dies kann unterschiedlichste Objektarten einschließen: Wohnimmobilien wie Mehrfamilienhäuser, Gewerbeimmobilien wie Einkaufszentren oder Bürogebäude, auch Krankenhäuser, Pflegeheime, Hotels, Data Center oder Mobilfunkmasten. Die Besonderheit von REITs ist die Befreiung von der Unternehmenssteuer und die Verpflichtung, jährlich mindestens 90% des zu versteuernden Einkommens an ihre Anleger als Dividenden auszuschütten. Es gibt börsennotierte REITs, deren Anteile wie jede andere Aktie auch gehandelt werden. Die Angebote von Rich Uncles werden als öffentlich registrierte, nicht-börsliche REITs eingestuft. Diese sind insoweit „öffentlich“, als sie bei der US-Finanzaufsicht SEC registriert sind, so dass die Öffentlichkeit ihr Angebot einsehen kann. Sie werden jedoch nicht auf dem freien Markt , d.h. an den Börsen, gehandelt. Der dritte Typus von REITs sind sogenannte Private REITs. Diese melden sich nicht bei der SEC an und ihre Aktien werden auch nicht an den Börsen gehandelt. (Quelle: National Association of Real Estate Investment Trusts (NAREIT))

Wie verbreitet sind REITs?

Seit es 1960 mit den ersten REITs in den USA los ging, hat sich diese Anlageklasse mittlerweile in mehr als 35 Ländern verbreitet. Die weltweite Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 1 Billion USD, wobei etwa die Hälfte allein auf die USA entfällt. Zu den größeren REIT Märkten zählen unter anderem Australien, Frankreich, Großbritannien und Japan. Bei uns in Deutschland steckt diese Anlagemöglichkeit leider noch in den Kinderschuhen; es stehen aktuell lediglich fünf börsengehandelte REITs zur Verfügung. Das mag daran liegen, dass die Deutschen ihre offenen Immobilienfonds (OIF) lieben, in denen mehr als 100 Milliarden Euro stecken. Warum soll ein Unternehmen in Deutschland sich denn auch als REIT zertifizieren lassen und dadurch gezwungen sein, 90% des Gewinns ausschütten zu müssen, wenn es über einen OIF genug Kapital einsammeln kann und die Anleger mit einer jährlichen Ausschüttung von lediglich 2 bis 3% happy sind? Kurz noch einmal zu den US-REITs: Aktuell geben etwa 1.100 REITs in den USA Steuererklärungen ab, von denen 225 an den Börsen gehandelt werden. Dies bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der US-REITs nicht gehandelt wird, so wie auch der REIT von RichUncles.

Fazit

Der öffentlich registrierte, nicht-börsliche „RW Holdings NNN REIT“, in den Anleger auf der amerikanischen Plattform RichUncles investieren können, ist eine interessante Anlagemöglichkeit für langfristig orientierte Anleger, die auch deutschen Investoren offen steht. RichUncles bietet ein solides Investment in ein breit diversifiziertes Portfolio von Bestandsobjekten mit einem guten Rendite/Risiko-Profil, ohne dabei den Schwankungen wie bei börsengehandelten REITs ausgesetzt zu sein.

Wie setzt sich die Rendite von 7% zusammen und wie erfolgt die Ausschüttung? Was ist zu den Themen Zweitmarkt und Steuern zu sagen und wie läuft der Investmentprozess ab? Das wird im Folgeartikel erläutert.


Anmerkung des Herausgebers:

Zu diesem Artikel von David gebe ich zu bedenken:

  • beim Invest in US REITs gibt es deutlich liquidere Alternativen. Wie im Artikel erwähnt, gibt es sehr viele börsengehandelte REITs, die über einen Broker an der Börse gekauft und verkauft werden können
  • es gab diverse Kritikpunkte an der im Artikel genannten Firma in der Vergangenheit (einfach mal googlen)
  • stimmt zum derzeitigen Zeitpunkt ein Invest in einen REIT, der in Gewerbeimmobilien investiert, mit der eigenen Anlagestrategie überein?