Britischer P2P Kreditmarktplatz Funding Secure insolvent

funding secure logoDer britische Marktplatz Funding Secure wurde heute unter die Aufsicht eines Insolvenzverwalters gestellt. Funding Secure wurde bereits im Jahr 2012 gegründet. Funding Secure hatte über die Jahre vor allem Immobilienkredite, aber auch Pfandkredite im Gesamtvolumen von ca. 315 Mio. Pfund finanziert. Davon sind noch rund 80 Mio. Pfund laufende Kredite. Ein- oder Auszahlungen können die Anleger aktuell nicht mehr tätigen. Eine detailliertere FAQ hat der Administrator hier zur Verfügung gestellt.

Betroffen sind rund 3500 Anleger. Da Funding Secure in Deutschland nie sehr bekannt oder populär war, werden vermutlich allenfalls einige Dutzend Anleger aus Deutschland betroffen sein.

Dies ist bereits der dritte UK P2P Kreditmarktplatz für Immobilienkredite der gescheitert ist. Bereits zuvor mussen Collateral und Lendy Insolvenz anmelden. Invest in P2P Kredite ist eine Hochrisikoanlage. Hier habe ich eine Liste von über 30 Plattformen zusammengestellt, die im Laufe der Jahre aufgeben und schliessen mussten.

Bist Du von der Funding Secure Pleite direkt betroffen? Diskutiere im Forum.

Capitalrise – Plattform für britische Luxusimmobilien

Am 25. September – dem Tag vor der Lendit Konferenz – habe ich mit mit Uma Rajah, Geschäftsführerin von Capitalrise in London getroffen. Neben einem Rundgang durch die beiden Standorte habe ich mich vor allem über die Entwicklungen in den letzten Jahre updaten lassen. Capitalrise ist bereits seit 2016 am Markt und spezialisiert sich auf das High-End Segment. Sehr teure Immobilien in bestimmten Bezirken. Uma Rajah erläuterte mir, dass Capitalrise sich auf einige wenige Postleitzahlgebiete in London beschränkt. Ausserhalb Londons erfüllen gibt es nur ganz, ganz wenige Objekte, die ihr Anforderungsprofil matchen. Beispiele für Locations, an denen Capitalrise Objekte bereits finanziert hat sind Eaton Square (Belgravia), Grosvenor Square (Mayfair), Knightsbridge und on the Strand.

Uma Rajah, CapitalriseUma Rajah betonte wie wichtig die Qualität und die Lage sei. Für solche aussergewöhnlichen Immobilien gäbe es immer einen Markt. Die bisherigen Ergebnisse scheinen ihr recht zu geben. Nach ihren Angaben gab es bisher keine Ausfälle und die Renditen lagen bei 10%. Zielwert ist generell eine Rendite über 7%. Für Anleger ist die Plattform kostenlos, das Minimum Invest liegt allerdings bei 1000 Pfund pro Kredit. Rajah findet das angemessen und sagt, dass es zuvor für Privatanleger gar nicht möglich war sich an der Finanzierung solcher Objekte zu beteiligen. Alle Kredite sind durch die Immobilien besichert. Es gibt einen Zweitmarkt.

Die Plattform finanziert sich aus der Gebühr , die die Kreditnehmer zahlen. Diese liegt bei rund 3% der Kreditsumme.

Gefragt ob sie starke negative Einflüsse im Falle eines Brexit oder einer Rezension sieht, verneinte Rajah.

Mein Fazit und warum ich derzeit nicht investiere

Capitalrise ist u.a. interessant, weil es ein sehr spezielles Marktsegement bedient. Auch die bisherige Entwicklung sieht gut aus. Aber mit der aktuellen Unsicherheit durch Brexit und den Auswirkungen auf den Pfund Kurs werde ich keine weitere britische Plattform ins Portfolio nehmen. Vielleicht wenn klar ist, wie es bzgl. Brexit weitergeht. Zudem ist das Mindestinvest für meinen Geschmack sehr hoch angesetzt. Und der Dealflow ist nicht so stetig, dass ich innerhalb der Plattform eine gute Diversifikation erreichen könnte.

Nutzt Du Capitalrise? Dann teile doch bitte Deine Capitalrise Erfahrungen im Forum.

 

Britischer P2P Kreditmarktplatz Lendy insolvent

Der britische P2P Kreditmarkt Lendy, spezialisiert auf Kredite an Immobilienentwickler, ist insolvent. Die britische Aufsichtsbehörde FCA teilt dazu mit: „On 24 May 2019, following action taken by the FCA, Lendy Ltd, a regulated Peer-to Peer (P2P) firm, appointed Damian Webb, Phillip Rodney Sykes and Mark John Wilson of RSM Restructuring Advisory LLP as administrators. The same administrators have been appointed for two further related, but unregulated, firms: Lendy Provision Reserve Ltd; and Saving Stream Security Holding Limited. These appointments have been made by the firms, in respect of Lendy Ltd, with the consent of the FCA.„. Auch auf der Lendy Website findet sich ein Statement zur Insolvenz.

Zum Verhängnis wurden Lendy letztlich zu hohe Ausfallraten und ungenügende Inkassoerfolge.

Da alle Kredite bei Lendy mit Immobilien besichert sind, wird es wohl nicht zu einem Totalverlust kommen. Wie werthaltig die Forderungen durch Verwertung der Immobilien sind, muss sich im weiteren Verlauf noch zeigen. Ein Insolvenzverwalter wurde bereits eingesetzt (s.o.).

Die sich verschlechternde Geschäftslage auf der Plattform zeichnete sich bereits seit letztem Jahr ab. Dieses Jahr verschärfte sich die Lage dann:

  • Im Januar setzte die FCA die Firma auf eine watchlist also unter verschärfte Beobachtung
  • Im April verschärfte die FCA die Aufsichtsbedingungen „[the firm must not] in any way dispose of, deal with or diminish the value of any of its assets and must not in any way release client money without in either case the prior written consent of the authority.”
  • Im Mai konnte Lendy erstmals die Zinszahlungen nicht fristgerecht leisten, begründete dies aber mit technischen Problemen bei der Bank. Die Zinsen wurden dann mit 2 Wochen Verspätung am 15.05. ausbezahlt
  • Einige Management Mitglieder von Lendy engagierten sich inzwischen offen in Funktionen bei anderen Firmen
  • Heute wurde zunächst der Zweitmarkthandel suspendiert bevor dann später die Insolvenz bekannt gegeben wurde

Die Entwicklung lässt sich auch im Lendy Forum gut nachvollziehen. Lendy (vormals Saving Stream) war lange eine der beliebtesten britischen Plattformen und gewann mehrere Abstimmungen unter britischen Anlegern. Auch ich hatte jahrelang dort größere Beträge investiert bis ich im Herbst 2018 das letzte Geld abzog. Viele Anleger versuchten bereits seit Monaten ihr Investment abzuziehen, konnten dies aber nicht, da der Lendy Zweitmarkt seit über einem Jahr für die meisten Kredite nahezu illiquide war, mangels Nachfrage.

Vor rund einem Jahr war bereits der britische Marktplatz Collateral gescheitert, wenn auch aus anderen Gründen. Schon früher sind mehrere Marktplätze geschlossen worden u.a. Boober, Comunitae und Trustbuddy. Anders als bei diesem dürften bei Lendy aber auch eine größere Anzahl deutsche Anleger betroffen sein.

Betroffene Lendy Anleger können nicht viel tun ausser auf die Abwicklung durch den eingesetzten Administrator zu warten. Lediglich die Sicherung von Informationen kann sinnvoll sein. In den Marktplatz einloggen und Kontostände und Transaktionen herunterladen. Im Gegensatz zu Collateral scheint aber das Risiko, dass diese Daten verloren gehen, gering zu sein.

Ich werde weiter im Forum über den Fortgang berichten.

Rückblick auf die Lendit 2018 Konferenz

Montag und Dienstag war ich auf der Lendit Fintech 2018 Konferenz in London. Das ist die Branchenmesse auf der eine große Anzahl von Vertretern der europäischen Marktplätze sich trifft und über neue Entwicklungen und Trends austauscht. Zudem auch ein Schaulaufen um institutionelle Anleger, VCs und andere größere Kapitalgeber zu treffen. Dazu jede Menge Zulieferer und Dienstleister, vor allem KYC/AML Provider. Zudem ist das Event um das weitere Fintech Umfeld aufgebohrt, also Vertreter vor allem von Neobanken, Krypto- und Blockchain Startups. Teilnehmerliste

Private Anleger sind also nicht die Zielgruppe der Veranstaltung und es gibt wenige News die private Anleger unmittelbar betreffen können.

Als Stimmungsindikator, um Trends zu erkennen und vor allem um Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen ist die Lendit für mich aber ein unschätzbar gutes Werkzeug. Es sind weniger die Vorträge selbst, als die sehr nützlichen Gespräche mit einzelnen Marktteilnehmern, die für mich den Wert der Messe ausmachen.

Zu den großen für die Marktplätze wichtigen Themen gehörte dieses Jahr insbesondere:

a) Mögliche kommende Änderungen in der britischen Regulierung, bei der die Regulierungsbehörde eventuell Einschränkungen im Marketing an Privatanleger einführen könnte. Dieses für die britischen Marktplätze wichtige Thema führt durchaus zu einer Spaltung innerhalb der Branche. So sagte der Zopa CEO er sei für ‚appropriate regulation‘, verschärfte Regeln müssten aber nach Risiko differenziert werden und nach seiner Sicht nur auf das risikoreiche Self-Select Spektrum mit höheren Zinsen angewendet werden und nicht auf Autoinvest Plattformen wie Zopa.

b) Das aktuelle IPO Klima, mit den Funding Circle, Creditshelf, Fellow Finance und Raize IPOs dieses Jahr

Weitere wichtige Themen, die eigentlich jedes Jahr wieder kommen, sind Zugang zu institutionellem Kapital, Neobanken vs. traditionelle Banken, Spannungsfelder Fintechs zu Banken und Chancen für Zusammenarbeit (hier z.B. die Partnerschaft von Barclays und Marketinvoice), Chancen von Open Banking und Blockchain Anwendungen.

Ich habe ein Panel mit den CEOs von Mintos und Twino moderiert. Twino hat angekündigt demnächst erstmalig besicherte Kredite (Autokredite) auf den Marktplatz zu bringen.

Ich konnte interessante Kontakte zu einigen kleineren, neuen P2P Kreditmarktplätzen knüpfen, die potentiell auch für internationale Anleger interessant sein könnten und werde mir diese in den nächsten Wochen genauer anschauen und sie ggf. im Detail vorstellen.

Ein paar ergänzende Notizen gibt es hier.

Lendit 2018
Veranstaltungsort der Lendit 2018 war das Business Design Center; hier der Blick auf die zentrale Meeting- und Ausstellungsfläche; >1000 Teilnehmer aus mehr als 50 Ländern

Kuflink mit Immobilen besicherte Kredite – 100 Pfund Bonus (bei 500 Pfund Invest)

Kuflink ist eine britische Plattform für mit Immobilien besicherte P2P Kredite. Der Anbieter ist schon seit 2016 am Markt, war aber bislang nur für britische Anleger geöffnet. Ganz neu können sich nun auch internationale Anleger aus Europa anmelden. Die Kredite laufen üblicherweise nur zwischen 3 und 12 Monaten und die Zinsen liegen i.d.R. bei rund 6,5% bis 7%. Die Mindestanlage pro Kredit sind 100 Pfund (für reinvestments auch geringe Beträge möglich).

Es gibt eine interessante Bonus-Aktion für Neukunden. Wer sich über diesen Link anmeldet und mindestens 500 Pfund investiert erhält 100 Pfund Cashback. Auf der Zielseite steht 50 Pfund – ich habe aber 100 Pfund für Euch ausgehandelt (also doppelter Bonus): GANZ WICHTIG: genau die Bedingungen lesen (T&C), so muss z.B. die gesamte Summe binnen 24 Stunden nach dem ersten Invest investiert werden. Aufteilung der 500 Pfund auf mehrere Kredite ist somit zwar möglich, aber darauf achten, dass die Bedingungen eingehalten werden

Für die Nutzung eines britischen Bankkontos empfehle ich Transferwise (Borderless) oder Revolut zu verwenden. Beide können kostenlos eingerichtet werden. Wenn ihr mit TransferGo kostenlos tauscht, bekommt ihr als TransferGo Neukunde noch 10 Pfund geschenkt (bei Tausch von mindestens 150 Pfund).

Kuflink Kredite
Abbildung: Aktuelle Kuflink Kreditangebote

Bei jedem Kredit gibt es umfangreiche Informationen und auch ein Wertgutachten (Valuation report) der Immobile. Seit dem Start hat Kuflink ein Kreditvolumen von gut 20 Millionen Pfund vermittelt.

Es fallen keine Gebühren an. Leider hat Kuflink keinen Zweitmarkt. Zinsen werden am ersten Tag jeden Monats gutgeschrieben (bei manuellem Invest). Es gibt eine Autoinvest-Funktion. Deren Konditionen finde ich allerdings im Vergleich zum manuellen Invest weniger interessant. Schön wäre auch noch eine Statistikseite. Eine solche gibt es bisher nicht. Nur in der FAQ finden sich einige Angaben.

Ich habe einen Beitrag im Forum aufgemacht, in dem Kuflink Erfahrungen der Anleger ausgetauscht werden können. Dort auch gerne Fragen stellen. Soweit ich kann werde ich versuchen diese zu beantworten.

 

Verschärft die FCA die Regulierung für P2P Kredit Marktplätze in UK?

FCAP2P Kreditmarktplätze fallen in UK in der Regel unter die Aufsicht der Regulierungsbehörde FCA. Es gibt aber auch bestimmte Ausnahmen, wie z.B. Invoice Financing. Neue P2P Plattformen müssen eine Genehmigung (Full Authorisation) beantragen und bewilligt bekommen, bevor sie den Marktplatz eröffnen. Dieses Regelwerk ist nun seit einigen Jahren in Kraft und die meisten Plattformen, die schon vor der Regulierung am Markt waren haben, inzwischen auch den Full Authorisation Status.

Im internationalen Vergleich sind die Anforderungen und damit die Hürden für den Markt Eintritt von Anbietern eher gering.

Die FCA hat letzte Woche ein 156-seitiges Konsultationspapier veröffentlicht (‚Loan-based (‘peer-to-peer’) and investment-based crowdfunding platforms: Feedback on our post-implementation review and proposed changes to the regulatory framework‚).

Das Papier stellt die Lage seit Inkafttreten der Regulierung 2016 aus Sicht der FCA dar und macht Änderungsvorschlägen, in denen sie dies aufgrund schlechter Handelsgepflogenheiten (‚poor practises‚) für erforderlich erachtet.

Auch wenn es ausschließlich um den britischen Markt geht, sind weite Teile des Berichts generell für Anleger in P2P Kredite interessant, da dieselben oder vergleichbare Risiken sicher auch bei P2P Krediten in anderen Ländern auftreten.

Ich verweise im Folgenden einfach mal auf einige Punkte anhand der Numerierung im Bericht. Es handelt sich nicht um wörtliche Übersetzungen der Punkte sondern Umschreibungen/Zusammenfassungen durch mich.

1.12 Anleger müssen verstehen, dass P2P Kredit nicht gleich P2P Kredit ist, sondern das Risiko sich erheblich nach Art des Investments unterscheiden kann. Z.B. Verbraucherkredit vs. Immobilienkredit.

1.17 Schlechte Handelsgepflogenheiten bei den Plattformen hat die FCA vor allem in den Punkten Information an Klienten, Gebührenstrukturen, Abwicklungsverfahren bei Schließung der Plattform und Buchhaltung beobachtet

1.18 In einigen Fällen entsteht das Risiko durch das Geschäftsmodell der Plattform

In 3.4 bis 3.47 geht es um die Struktur der Investments, die unterschiedlichen Geschäftsmodelle von P2P Plattformen und ihre Auswirkung auf das Risiko für den Anleger. Das meiste dürften Anleger die schon länger dabei sind, schon mal gehört haben, es ist aber hier strukturiert und gut verständlich dargelegt.

P2P business models

In Kapitel 4 geht es um Schäden (‚harm‚) und Maßnahmen zur Schadensvermeidung. Hauptpunkte sind u.a.

  • Anleger bekommen nicht genug klare und akkurate Informationen so dass das Produkt für sie ungeeignet ist
  • Anleger verstehen nicht das wahre Risiko, dem sie sich mit ihrer Anlage aussetzen
  • Anleger werden nicht fair für das Risiko vergütet, das sie tragen
  • Anleger verstehen nicht, welche Folgen ein Kollaps der Plattform hätte
  • Anleger verstehen nicht, welche Gebühren sie an die Plattform zahlen
  • Anleger könnten exzessive Kosten für die Dienste der Plattformen zahlen

In 4.31 bis 4.35 geht es um die Probleme, die aus Sicht der FCA erwachsen können, wenn die Plattform einen erheblichen Spread zwischen dem Zinssatz den der Kreditnehmer zahlt und dem Zinssatz den der Anleger erhält. Die FCA nennt als Beispiel den Fall, dass der Kreditnehmer 30% Zins zahlt, der Anleger 3% erhält und die Plattform 27% einsteckt.

4.50ff Die FCA sieht erhebliche Risiken für die Anleger darin, dass die Planung für die Abwicklung einer Plattform bei einem Kollaps lückenhaft sind bzw. praktisch nicht zufriedenstellend funktionieren. Vielen Anlegern sei dieses Risiko zum Anlagezeitpunkt nicht bewusst.

4.66ff Die FCA ist besorgt dass provision funds ( im Dokument als contingency funds bezeichnet) bei den Anleger ein falsches Gefühl der Sicherheit hervorrufen könnten.

4.72ff Zweitmärkte können einen falschen Eindruck der Liquidität erwecken.

In Kapitel 5 schlägt die FCA Änderungen für die Zukunft vor, die insgesamt auf eine Verschärfung der Anforderungen hinauslaufen. Im einzelnen werden sehr unterschiedliche Punkte adressiert manche eher generell, manche schon konkreter. Eine Folge könnte sein, dass Anleger auf britischen Plattformen die sich als ‚Retail investors‘ selbst einstufen, nicht mehr als 10% ihres Anlagevermögens in P2P Kredite anlegen dürfen (5.49). Allerdings würde das in der Praxis vermutlich nicht allzu viel ändern, denn eine ähnliche Regelung gibt es bereits für Crowdinvesting in UK und dort überprüfen die Plattformen die Selbsteinstufung der Anleger nicht.

Interessant ist auch der Ansatz die Plattformen zu verpflichten zu veröffentlichen wie sich die tatsächliche Rendite rückschauend im vorherigen Jahr im Vergleich zur vorher erwarteten und beworbenen Rendite entwickelt hat (Ziffer 5.84-5.86). Dies kann natürlich nur funktionieren, wenn die Berechnung stark standardisiert vorgegeben wird und der Plattform wenig Spielraum für Interpretationen bleibt.

Da es ein Konsultationspapier ist kann jeder (also auch Anleger) ganz basisdemokratisch der FCA seine Meinung zu den im Bericht aufgeworfenen Fragen online schicken. Das Formular dazu ist hier. Die Frist für Stellungnahmen ist der 27. Oktober also 3 Monate Zeit. Wer lieber einfach mit anderen Anlegern Aspekte diskutieren möchte, kann das in diesem Thread im Forum tun.

Mein Fazit: Die FCA wurde von vielen englischen Anlegern bisher oft als zahnloser Tiger eingestuft, der hauptsächlich hohe Gehälter für die FCA Mitarbeiter generiere aber wenig praktischen Nutzen für die Anleger. Dass die FCA durchaus aktiv werden kann (wenn auch vielleicht zu spät) hat der Fall Collateral gezeigt. Und sehr viele Anleger finden dass das jetziger Konsultationspapier sehr detailliert ist und wesentliche Problempunkte gut wiedergibt. Die Geister scheiden sich etwas inwiefern es zu Änderungen in der Regulierung kommen wird, die tatsächlich spürbare Verbesserungen für Anleger bringen wird. Denn wie ein Anleger schreibt: Genauso informierte Papiere hatte gab es von der Aufsicht auch 2013-2015 ohne dass allzu viel davon umgesetzt wurde.

Ich denke schon, dass ein Teil der Punkte umgesetzt werden wird und wirklich Verbesserungen bezüglich Information und Transparenz bringen wird.

 

 

Warum der Fall Collateral auch deutschen Anlegern als warnendes Beispiel dienen sollte, obwohl fast keiner hierzulande betroffen ist.

Vor 3 Monaten hatte ich vermeldet, dass die britische Plattform Collateral ihr Geschäft einstellen musste und ein Insolvenzverwalter die Aufsicht übernommen hatte. Damals sah es noch ganz gut aus, der Insolvenzverwalter ging davon aus, dass eine hohe Chance bestand, dass alle Anleger das in Kredite investierte Geld zurückbekommen würden.

Seitdem sind 3 Monate vergangen, getan hat sich einiges, aber leider nicht viel davon können die Anleger als gute Nachrichten für sich verbuchen. Die britische Aufsichtsbehörde FCA hat durchgesetzt, dass der erste Insolvenzverwalter (dem von Einzelnen zu große Nähe zum ehemaligen Collateral Management unterstellt wird) durch die Firma BDO ersetzt wurde. Am Rande: Es scheint keine Ausschreibung durch die FCA für diese Aufgabe gegeben zu haben und es ist (mir) völlig unklar warum gerade die BDO von der FCA als Ersatz vorgeschlagen wurde? Kann man somit der BDO zu große Nähe zur FCA unterstellen?

Der große Paukenschlag kam dann heute. Die BDO teilt den betroffenen Anlegern u.a. mit

  • Dass anscheinend die Plattformdaten aus denen hervorgeht welcher Anleger in welche Kredite investiert hat (im Moment) nicht mehr verfügbar sind ‚Whilst the information that has been retrieved by the Joint Administrators to date contains details of the investors and their total loan exposure, it does not provide sufficient detail to extract an analysis of each investor’s investments into specific loans or tranches of loans. The Joint Administrators’ investigations to recover further information are continuing, and we will update investors in due course.‘
  • Dass viele Kreditnehmer in laufenden Krediten die Zahlungen nicht geleistet haben ‚According to the Companies’ records available to the Joint Administrators, a significant portion of the loans are now past their redemption date. Now that the loan documentation has been obtained, the Joint Administrators have written to the borrowers seeking repayment of the loan amounts together with any additional interest as may be applicable.‘
  • und dass Anleger vermutlich als Kreditgeber an den Marktplatz statt als Inhaber von Forderungen aus Krediten an die Kreditnehmer behandelt werden werden. ‚Will investors be treated as creditors? From the information currently available, the initial view of the Joint Administrators’ lawyers is that investors will be treated as creditors of the Companies as a consequence of s26 of the Financial Services and Markets Act 2000. A further update will be provide in the Joint Administrators’ proposals to creditors, which are due to be issued on or before 22 June 2018..

Selbst diese – sehr kurze – Zusammenfassung durch mich spiegelt wider, dass die Lage ziemlich chaotisch ist. Wen Details interessieren, der kann mit diesem Forum Thead anfangen: ‚ Collateral Erfahrungen (UK) Insolvenz‘ und findet dort auch weiterführende Links.

Nun war Collateral bei deutschen Anleger nie ein bekannter oder beliebter Marktplatz. Auch wenn deutsche Anleger betroffen sind, dürften es nicht mehr als einige Dutzend sein. Die Anleger stammen sehr überwiegend aus UK.

Warum schreibe ich dann in der Überschrift, dass dieser Fall auch für deutsche Anleger ein wichtiges warnendes Beispiel sein sollte?

Dazu abstrahieren wir vom konkreten Fall auf die Rahmenparameter:

  • Es handelte sich um genau beschriebene Kredite, überwiegend mit Sicherheiten (Immobilien)
  • Es gab/gibt in UK spezifische Regulierung für P2P Kredite und eine extra dafür zuständige Aufsichtsbehörde
  • Das Ganze in einem stabilen Rechtsumfeld mit unabhängiger Justiz

Somit wäre anzunehmen gewesen dass der Kollaps eines Marktplatzes zu einer ‚relativ geordneten‘ Abwicklung führen würde.

Wie sich immer mehr zeigt ist das genaue Gegenteil der Fall.

Aber nochmal, warum jetzt warnendes Beispiel?

Andere Marktplätze operieren in anderen Märkten wo die Erwartungshaltung (oder auch das Vorurteil) über eine geordnete Abwicklung eher anders ausfällt. Viele Anleger vertrauen den angepriesenen Buybackgarantien als Sicherheitsmechanismus. Wenn ich dann darauf hinweise, dass diese Buybackgarantie ein Versprechen ist, dass nur so gut ist wie die wirtschaftliche Lage, desjenigen der sie gibt (siehe Eurocent) kommt als nächstes Argument der Anleger, dass im sehr unwahrscheinlichen Fall eines Falles ja eine direkte Beziehung zum Kreditnehmer bestünde und der dann ja den Kredit weiterzahlen müsse.

Scheint aber bei Collateral im geregelten England schon nicht zu funktionieren. Wenig überraschend haben viele Kreditnehmer die Zahlungen eingestellt nachdem sie von den Problemen bei Collateral hörten. Schon sehr viel überraschender fehlen nun Aufzeichnungen und der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass entgegen dem ursprünglichen Konstrukt die Ansprüche der Anleger sich nun gegen den Marktplatz richten sollten (unbesichert) statt gegen den Kreditnehmer (überwiegend besicherte Kredite).

Noch extremer wird es wenn in einzelnen Diskussionen neue P2P Kredit Anleger doch tatsächlich bestimmte P2P Kredit Angebote als Tagesgeltalternative einstufen und sehen.

Zwar ist das letzte Wort im Fall Collateral nicht gesprochen, mit hoher Wahrscheinlichkeit werden vor allem Anleger, bei denen es um größere Summen geht, schlussendlich Rechtsmittel ergreifen, aber der Fall zeigt schon sehr exemplarisch wie weit der tatsächliche Abwicklungsprozess sich von dem unterscheiden kann, den die Anleger (zu Recht) erwarteten als sie anlegten, weil er Ihnen so beschrieben wurde und durch die Regulierung zumindest suggeriert wurde.

Insolvenz eines britischen P2P Kredit Marktplatzes

Das Email des Insolvenzverwalters erhielten betroffene Anleger spät gestern abend. In diesem wurden sie informiert, dass Collateral (UK) Ltd, die Betreiberfirma des britischen Marktplatzes Collateral nun unter seiner Aufsicht steht. Vorausgegangen war eine über 48-stündige Phase der Ungewissheit, da die Website nur eine Wartungsnachricht zeigte und der Anbieter weder auf Anrufe noch Emails reagierte.

Als Ursache der Insolvenz wurden Probleme mit der in UK nötigen Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde FCA benannt: ‚Why has this happened? The Company was operating in the belief that it was authorised and regulated by the Financial Conduct Authority under interim permission. It has transpired that this is not the case and consequently the Company has ceased lending.‚.

Die gute Nachricht ist, dass das Risiko von (höheren) Verlusten für Anleger gering ist, denn trotz der Insolvenz der Plattform werden sie Rückzahlungen und Zinsen aus den laufenden Krediten erhalten, vorausgesetzt die Kreditnehmer zahlen weiterhin ‚I have lent money via the Collateral platform do I need to do anything? No. Subject to the borrower continuing to make payments of interest and capital those will be returned to you in accordance with the Collateral terms and conditions.‚ Die Kredite sind in der Regel mit Immobilien besichert. Das insgewamt vergebene Kreditvolumen seit dem Start der Plattform lag bei knapp 18 Mio. Pfund.

Vieles ist aber auch trotz des mehrseitigen Schreibens des Insolvenzverwalters bisher noch unklar. Insbesondere die genaueren Umstände und warum Collateral nicht vorher informiert hatte. Wie Anleger recherchiert haben, hatte Collateral klammheimlich den Hinweis auf die FCA Genehmigung Ende Januar aus seinem Email Footer entfernt und auch die AGB geändert ohne Anleger darauf hinzuweisen. Eine der Fragen ist also, was zwischen Ende Januar und der gestrigen Mitteilung passierte. Eine andere die sich Anleger noch stellen, ist ob auch uninvestierter Cash auf der Plattform sicher ist – das Schreiben des Insolvenzverwalters geht auf diesen Aspekt nicht ein. Weitere Aspekte werden ggf. im Forum diskutiert. Update 12:15 Uhr – laut Adminstrator ist der uninvestierte Cash auch sicher.

Zwischenfazit: Obwohl viele Unklarheiten bestehen, scheint es für die Anleger glimpflich abzulaufen und nur ggf. zu Verzögerungen zu kommen (der Zweitmarkt wird in der Insolvenz nicht verfügbar sein).