Mein P2P Kredit Portfolio in den letzten Monaten – satte Zinsen

Mein Bondora Portfolio läuft nun schon seit 6 Jahren – Zeit für ein Update zur Entwicklung der P2P Kredite in meinem Portfolio in den letzten Monaten. Da ich inzwischen bei über 20 Plattformen angelegt habe (z.T. geringe nur Beträge um eigene Erfahrungen zu sammeln) plus einige Plattformen bei denen ich ausgestiegen bin, werde ich mich in diesem Beitrag auf meine größeren Positionen konzentrieren, bzw. diejenigen bei denen sich in den letzten Monaten etwas getan hat.

Baltikum

Bondora

Bei Bondora habe ich nun schon sehr lange Erfahrung. Mein erstes Invest war Anfang Oktober 2012. Natürlich sind die meisten alten Kredite aus der Anfangszeit inzwischen abbezahlt, aber ich habe durchaus noch einige Kredite aus 2012/2013 im Portfolio.

Bondora Dashboard

Vor kurzem habe ich mir mal die Mühe gemacht bei vielen meiner roten Kredite den Rückzahlungsplan manuell durchzublättern. Erstaunlich viele leisten Rückzahlungen. Die meisten eher sporadisch und weniger als die urspünglich angesetzten Tilgungen, einige aber durchaus regelmäßig. Es ist aus meiner Sicht eine gängige Fehleinschätzung bei (neuen) Bondora Anlegern rote Kredite als Verlust anzusehen. Das gilt zumindest bei meinen estnischen und finnischen Krediten nicht (spanische habe ich nicht). Gefühlt haben die Anstrengungen (und Erfolge) von Bondora bei der Eintreibung via Gerichtsentscheid und Gerichtsvollzieher in 2018 deutlich zugenommen.

Bondora’s neues Produkt Go & Grow (6,75% Zinsen) nutze ich nicht. Mein Kalkül ist, dass ich mit Portfolio Pro besser fahren werde (höhere Rendite am Ende). Meine Einstellungen:

Bondora Portfolio Pro

Portfolio Pro reinvestiert dabei die Rückflüsse zuverlässig, so dass ich nie eingreifen muss. Es entstehen viele 1€ Kreditanteile, was mich aber nicht stört – quasi Hyper-Diversifikation. In den ersten Jahren bei Bondora habe ich oft Mikromanagement meiner Anteile betrieben und Verzüge auf dem Zweitmarkt angeboten – in den letzten Jahren lasse ich es einfach laufen. Bei Bondora gibt es 5€ Bonus für neue Anleger, die sich über diesen Link registrieren.

Estateguru

Estateguru ZahlunsstatusMein Estateguru Portfolio habe ich seit dem Start der Plattform im Herbst 2014. Das war bei mir immer ein eher kleineres Portfolio. Im Moment halte ich 57 Kreditanteile, überwiegend je 60 bis 70€ bei Zinssätzen von 10-11%. Macht ein bisschen Aufwand, weil ich nicht den Autoinvest nutze, sondern manuell in estnische Kredite anlege. Und die sind schnell weg, so dass ich zügig nach Eingang der Email-Benachrichtigung handeln muss. Läuft gut, meiner Einschätzung nach. Die Einschätzung ist nicht ganz einfach, weil viele Kredite endfällig sind und auch die Übersicht welcher Kreditnehmer welche Kredit(tranchen) schon hat, nicht ganz einfach ist. Diskussionen dazu gibt es auch im Estateguru Forum.
Bei Registrierung über diesen Link zahlt Estateguru neuen Anlegern 0,5% Cashback für alle Invests in den ersten 90 Tagen.

Investly

Investly ist nichts für Anleger die auf der Suche nach hohen Zinssätzen sind. 2018 lag der Zinssatz fast durchgängig bei 8% oder geringfügig darüber. Ich bin seit dem Sommer 2014 dabei. In der Zeit habe ich mir 2 größere Problemfälle eingehandelt. Bei dem einen (ein Fall von Betrug) läuft aktuell die zweite Zwangsversteigerung einer als Sicherheit dienenden Immobilie. Ich hoffe, dass diese erfolgreich ist, so dass zumindest ein Teil des Geldes bei diesem Ausfall wieder eingetrieben wird. Bei Investly reinvestiere ich sehr selektiv in Rechnungen, die an den öffentlichen Sektor in Estland („public sector invoices“) gehen.

Mintos

Auch bei Mintos bin ich schon sehr lange investiert – im Januar werden es vier Jahre. In den ersten Jahren war ich ein Buy & Hold Anleger. Ich habe auch immer noch einen erklecklichen Anteil längerlaufender Mogo Kredite mit 14% Zinsen im Portfolio.

Mintos Übersicht

2018 habe ich bei Mintos vorrangig eine Handelsstrategie gefahren. Macht mir mehr Spaß und ich wollte auch sehen wie stark ich die Rendite optimieren kann. Einen besonderen Pusch bekam die Handelsstrategie mit dem Zugang zum Sekundärmarkt Autoinvest. In den letzten 6 Wochen habe ich über 400 Euro an Handelsgewinnen realisiert, mehr als 10 mal so viel wie die regulären Zinsen (siehe folgenden Screenshot).

Mintos Kontoauszug
(auf die Abbildung klicken für vergrößerte Ansicht)

Wie im Mintos Forum diskutiert, gehen ich und weitere Anleger davon aus, dass die Chancen auf Realisierung von Sekundärmarkt Handelsgewinnen sinken werden, je mehr Anleger für den Sekundärmarkt Autoinvest freigeschaltet werden. War für mich aber sehr ertragreich und hat vor allem Spaß gemacht. Da kam so ein bisschen die Jäger und Sammler Mentalität durch und es war beim Einloggen immer spannend für mich, was der Autoinvest wieder interessantes „gefangen“ hat.
Bei Neuanmeldung über diesen Link erhalten neue Mintos Anleger 1% Cashback auf alle Invests in den ersten 90 Tagen.

Iuvo Group

Bei Iuvo habe ich ein mittelgroßes Portfolio. Reinvests laufen problemlos auf Autoinvest. Mein Autoinvest reinvestiert dabei je 25€ in bulgarische Kredite mit mindestens 10,8 Zinsen (tatsächlich sind es meist 12% gewesen) mit bis zu 6 Monaten (Rest-)laufzeit. Funktioniert zufriedenstellend und ist null Pflegeaufwand. Da die überfälligen Kredite nicht verzinst werden, liegt die effektive Rendite geschätzt bei ca. 8%.
Iuvo bietet neuen Anlegern einen der höchsten Boni aller Plattformen – bis zu 90 Euro Bonus (Anleitung).

Finnland

Kurzer Sprung über die Ostsee nach Finnland

Fellow Finance

Fellow Finance ist rückblickend ein Anbieter bei dem ich zulange mit dem Einstieg gewartet habe. Als ich ab Oktober 2016 mit größeren Beträgen eingestiegen bin, war das Zinsniveau schon deutlich gefallen. Und diese Entwicklung setzt sich weiter fort. Die Zinsen sinken mehr oder weniger kontinuierlich. Bis Mai 2017 habe ich immer weiter aufgestockt und ein großes Portfolio aus überwiegend 4* finnischen Konsumentenkredite gebaut. Ursprünglich war meine Zinsuntergrenze 13%, diese habe ich dann nochmal auf 12% gesenkt. Meine letzten Reinvestitionen stammen aus dem Juli 2018 zu diesem Zinssatz. Seitdem ziehe ich Kapital ab. Die aktuelle Market Rate für 4* Kredite ist 10,9%.

Mein Fellow Finance Portfolio manage ich aktiv, d.h. ich verkaufe Kredite i.d.R. wenn sie 26 oder mehr Tage ich Verzug sind. Üblicherweise bekomme ich dafür einen Preis von 80-85%. Meine Rendite vor Steuern liegt bei rund 9%

Irland

Jetzt rüber ans andere Ende Europas.

Linked Finance

Linked Finance ist aktuell eines meiner größten Portfolios. 2018 hat die Verfügbarkeit neuer Kreditanteile gefühlt abgenommen. Liegt eher an zuvielen neuen Anlegern als an weniger neuen Krediten.  Mein Autoinvest schafft es gerade so die Rückflüsse zu reinvestieren. Aufstocken wäre wohl nur möglich, wenn ich die Gebotsgrößen heraufsetzen würde. Die Zahlungsmoral ist sehr gut. Die Rendite nach Gebühren und vor Steuern liegt bei ca. 8%.

Linked Finance Portfolio
(auf Abbildung klicken für größere Anzeige)

Grossbritannien

Nun in das „Mutterland“ der P2P Kredite. Für den Währungstausch nutze ich in letzter Zeit ganz überwiegend das kostenlose Revolut Konto.

Lendy

Lendy war lange eines meiner größten P2P Portfolios. Eingestiegen bin ich im Dezember 2014. Durch meine Strategie immer sehr lange vor der Endfälligkeit zu verkaufen und in neue Kredite umzuschichten, konnte ich jegliche Ausfälle vermeiden, ein eher ungewöhnliches Resultat bei Lendy. Meine Rendite in Pfund liegt bei etwas über 12%. Dennoch bin ich in den letzten Monaten komplett ausgestiegen, da mir die wirtschaftlichen Aussichten von Lendy zu unwägbar wurden, das Risiko in Relation zur Rendite also zu hoch.

Moneything

Moneything war bei mir ein mittelgrosses Portfolio. Eingestiegen bin ich im März 2016. In den letzten 2 Wochen habe ich rund 2/3 meines Invests abgezogen. Wie meine Rendite ausfällt, wird u.a. davon abhängen, wie viel von den 200 Pfund ausgefallenen Krediten in meinem verbleibenden Portfolio eingetrieben werden kann.

Ablrate

Bei Ablrate bin ich seit Juli 2014 mit einem kleinen Portfolio, das ich auch weiter reinvestieren werde. Läuft aus meiner Sicht zufriedenstellend, allerdings ist das Kreditangebot nicht so groß (und es bestehen Abhängigkeiten zwischen den Krediten), so dass selbst bei meinem kleinen Portfolio Klumpenrisiken entstehen.

Assetz Capital

Bei Assetz Capital habe ich nur ein Mini Test-Portfolio. Ich gehe auf Assetz in dieser Übersicht deshalb ein, weil sie mit dem 30 Day Access Account (5,1% Zinsen) eine Anlage bieten die so ähnlich funktioniert wie Go & Grow. Wer also Go & Grow mag, für den kann das eine gute Ergänzung sein. Zudem mit Provision Fund besichert. Assetz Capital ist in den letzten Monaten beträchtlich gewachsen.

Frankreich

Noch ein kurzer Sprung über den Kanal.

October (vormals Lendix)

Ich habe ein kleines Portfolio von 52 französischen Krediten. Die Zahlungsmoral ist nicht schlecht, aber für die relativ niedrigen Zinsen m.E. nicht gut genug. Ich werde Rückflüsse abziehen statt weiter zu reinvestieren. Zumal die Neuanlage aufgrund des fehlenden Autoinvests und der hohen Nachfrage sowieso nicht einfach ist. Wer sich trotzdem anmelden möchte, bekommt bei Neuanmeldung über diesen Link 20 Euro Bonus (200 Euro Minimum Invest

Lendix Portfolio

Australien

Jetzt der größte Sprung ganz auf die andere Seite der Erdkugel

Ratesetter (Australien)

Ratesetter Australien war mein größter Neustart in den letzten Monaten. In dem Artikel ‚Bis zu 9% Zinsen aus dem Känguruland – so investiere ich bei Ratesetter Australienbeschreibe ich meine Schritte zur Einrichtung (unter Nutzung von Transferwise) und Start bei Ratesetter. Seitdem sind die Zinsen noch deutlich angezogen. Übliches Zinsniveau bei Ratesetter sind für 5 Jahreskredite ca. 9,6-9,9%. Die Chancen stehen wegen des Provision Funds auch gut dass die Rendite nach Gebühren und vor Steuern auch bei rund 9-9,5% liegen wird.

Ratesetter AUS Portfolio

Andere

Kleine bzw. sehr kleine Test-Portfolios unterhalte ich u.a. bei Bulkestate, Crowdestate, Finbee, Lenndy, Monestro, Neofinance, Robocash und Zlty Melon.

Crowdinvesting bei Seedrs

Ich hab mir über die Jahre ein beträchtliches Crowdinvesting Portfolio bei Seedrs aufgebaut. In den letzten 5 Monaten seit meinem letzten Überblick Post habe ich einiges an Landbay Shares auf dem Seedrs Zweitmarkt verkauft. Gab Faktor 12, also 1100% Rendite nach 5 Jahren Haltedauer. Ich hab aber auch noch viele Landbay Anteile und hoffe dass sich das weiter gut entwickelt. Die Verkaufserlöse habe ich vor allem in Revolut Anteile reinvestiert. Aber auch Assetz Capital & Tossed gekauft und Neuinvest in neue Pitches von Startups.

Fragen gerne in den Kommentaren oder direkt im Forum. Noch mehr Plattformen gibt es im Anbieter Vergleich.

Investly startet Crowdinvesting Pitch auf Seedrs – Kapitalerhöhung um bis zu 2 Mio. Pfund

Der britisch-estnische P2P-Kreditmarktplatz Investly hat einen Crowdinvesting Pitch auf Seedrs gestartet und will für bis zu 2 Mio. Euro neue Aktien ausgeben. CEO Siim Maivel sieht großes Interesse unter den Investly Nutzern Aktionär der Gesellschaft zu werden und hat sich deshalb für ein Crowdinvesting Angebot statt einer traditionellen Venture Capital Finanzierung entschieden, wie er mir in dem Interview sagte, dass heute bei P2P-Banking erschien.

Investly ist seit Anfang 2016 auf die Finanzierung von Rechnungen in Estland und UK spezialisiert. Anleger erhalten i.d. R.zwischen 8% und ca.14% Zinsen p.a.. Der Anlagezeitraum ist dabei sehr kurz, bis zu 120 Tage, meist deutlich weniger. Das Volumen der angebotenen Rechnungssummen ist in den letzten Monaten stark gestiegen und lag im Dezember 2017 bei 1,3 Mio. Euro.

Ich selbst biete sehr selektiv auf estnische Rechnungen, nutze also nicht die Autoinvest (Autobidder) Funktion. Dabei sind mir Rechnungen an Empfänger im öffentlichen Sektor in Estland am liebsten. In einzelne dieser Rechnungen habe ich durchaus mehrere Hundert Euro angelegt. Dass das zu Lasten der Diversifikation geht, nehme ich dabei in Kauf. Allerdings sind diese Rechnungen auch am begehrtesten bei den Anlegern und schließen i.d.R. auf dem Minimumzinssatz von 8%. Viel Zeit manuelle Gebote darauf abzugeben bleibt auch nicht. Die letzte solche Rechnungen über 141 Tsd Euro wurde am Freitag in wenigen Stunden gefüllt. Auch gibt es keine regelmäßige Benachrichtigungen über neue Rechnungen. Ich poste aber sporadisch einen Hinweis in diesem Thread im Investly Forum, wenn ich eine neue Rechnung bemerke. In die britischen Rechnungen habe ich bisher noch nicht investiert.

Aktuell ist der Crowdinvesting Pitch noch im ‚private Mode‚, d.h. Investly hat den Link zuerst nur an die Nutzer der Plattform gemailt. Anteilseigner werden kann man ab einem Minimum-Invest von 13 GBP. Wie Seedrs funktioniert hatte ich ja früher schon hier im Blog beschrieben. Einfach mal Seedrs oben rechts in die Suche tippen.

Hier noch das Video zum Seedrs Pitch von Investly, das relativ gut erklärt was Investly macht und wofür sie die Mittel verwenden wollen:

Update: Eine frühere Version des Artikels nannte 2,5 Mio. Pfund als Obergrenze; diese Angabe wurde korrigiert.

 

 

Seedrs Crowdinvesting – warum ich meinen Anteil an Seedrs in der aktuellen Runde aufstocke

Aktuell führt die britische Crowdinvestment Plattform Seedrs eine dritte Funding Runde durch. Mindestens 3 Mio. Pfund sollen bei einer Pre-Money Bewertung von 44 Mio. Pfund aufgenommen werden. Zunächst war die Runde für 2 Tage nur für Anteilseigner aus den vorherigen Runden geöffnet, damit diese die Chance hatten ihre Pre-Emption Rechte auszuüben. Seit heute morgen ist der Pitch auch für Investoren geöffnet die bisher nicht Seedrs Anteilseigner waren und in den letzten Wochen vorab ihr Interesse angemeldet hatten per Vorregistrierung. Aktuell haben bereits über 1500 Anleger mehr als 5 Mio. Pfund (ca. 5,7 Mio. Euro) in dieser Runde investiert. Die meisten davon sind Briten (und profitieren von den EIS Steuervorteilen), aber es sind auch sehr viele internationale Anleger dabei, unter anderem mehr als 50 Deutsche.

Ich hatte ja schon mehrfach geschrieben, dass das Seedrs Modell beim Crowdinvesting erhebliche Vorteile bietet. Zum Beispiel echte gleichberechtigte Unternehmensanteile (statt wie auf anderen Plattformen nur Nachrangdarlehen). Oder auch die Pre-Emption Rechte, die bei einer neuen Kapitalrunde, den Altaktionären ermöglichen ihr Investment aufzustocken, um eine Verwässerung ihrer Anteile zu vermeiden.

Ich bin seit der 2. Seedrs Runde, also seit 2015, Aktionär bei Seedrs – zwar mit einem Minianteil, aber diesen stocke ich in dieser Runde weiter auf.

Warum?

Ich bin mit der Geschäftsentwicklung von Seedrs in den letzten Jahren sehr zufrieden:

  1. Potential als Marktführer in Europa (je nach Betrachtungsweise ist Crowdcube größer; allerdings halte ich die Seedrs Entwicklung für deutlich vielversprechender als bei Crowdcube; auch an Crowdcube halte ich seit 2011 Anteile)
  2. Die Entwicklung und das Volumen ist um Längen besser als andere europäische Plattformen, seien es die deutschen oder die skandinavischen wie Invesdor oder FundedbyMe: Ich sehe gute Chancen dass Seedrs diesen Plattformen auch in ihren Heimatmärkten erhebliche Marktanteile abnimmt. In den letzten Monaten sind schon größere deutsche (u.a. Bonaverde) und niederländische Pitches bei Seedrs gelaufen
  3. Seedrs hat inzwischen einen funktionierenden Zweitmarkt – ein Novum im Crowdinvesting
  4. das Killer-Argument für mich aus Aktionärssicht ist das Carry

Was ist Carry?

Seedrs nimmt von allen Anlegern (außer im eigenen Pitch) eine 7,5% Gebühr, die auf realisierte Wertsteigerungen fällig wird. Beispiel: Wenn ich 100 Pfund in einen Pitch investiere, bei dem es nach 8 Jahren einen Exit gibt, in dem ich 1000 Pfund für meine Anteile bekomme, dann kassiert Seedrs 7,5% Gebühr auf die 900 Pfund Gewinn, die ich erzielt habe, also 67,50 Pfund Gebühr. Die meisten anderen Plattformen – auch Crowdcube finanzieren sich nur durch Gebühren von den Startups für erfolgreiche Fundings. Eine solche Gebühr von bis zu 6,5% nimmt Seedrs auch und sie ist auch als kurzfristige Einnahmequelle wichtig, langfristig spielt aus meiner Sicht aber die Musik in dem Potential, dass sich aus dem Carry ergibt. Der Großteil wird zwar erst bei einem Exit realisiert, aber kleinere Beträge werden schon bei den vielen Verkäufen auf dem Zweitmarkt fällig und Seedrs hat bereits bewiesen, dass es bei Bedarf möglich ist das Potential aus dem Carry teilweise zu verbriefen, also an institutionelle Anleger zu veräußern.

Ich finde mein Seedrs Invest daher vor allem aus folgendem Blickwinkel hochspannend:
Wenn ich in Crowdinvestment Kampagnen einzelner Startups investiere, muss ich hoffen, dass einige wenige extrem gut performen um mit dem Gewinn den ich mit diesen erziele die Verluste die ich aus den anderen die ausfallen deutlich überzukompensieren. Die Schwierigkeit liegt natürlich vor allem darin, dass ich vorher nicht wissen kann, wer die Outperformer sind.
Investiere ich aber in Seedrs selbst, dann profitiert Seedrs automatisch über das Carry an den sich super entwickelnden Startups. Und zwar an allen. Die Ausfälle dagegen schaden nicht. Sie generieren zwar kein Carry, aber da Seedrs kein Geld in Anteile an ihnen investiert, gibt es auch keine Verluste. Im Gegenteil, die Gebühren für das erfolgreiche Funding hat Seedrs ja direkt am Anfang dem Startup in Rechnung gestellt.

Natürlich ist ein Investment in ein Startup hochriskant. Es kann völlig anders ausgehen als erwartet bzw. erhofft. Im Fall von Seedrs schätze ich aber die Chancen im Vergleich zu den Risiken als aussichtsreich ein, auch unter Berücksichtigung der im Verhältnis zu den Umsätzen hohen Bewertung.

Einige Meinungen zum aktuellen Seedrs Funding gibt es auch in diesem Forum Thread.

Die Runde läuft noch. Seedrs hat noch nicht bekanntgegeben bei welchem erreichten Betrag sie sie schliessen werden.

 

 

Unverhofft 1,5% Rendite in 8 Tagen

Nun sagen wir besser, es war so nicht von vorneherein geplant. Aber von vorne. Letzte Woche Mittwoch habe ich mich bei der spanischen Crowdinvesting Plattform Housers angemeldet, um das Modell zu testen und vor allem um Erfahrungen zu sammeln. Auf die Plattform aufmerksam geworden war ich, weil ein anderer Anleger sie im Forum erwähnt hatte. Das Forum ist häufig eine Fundgrube für Erfahrungen und Neuigkeiten.

Die Anmeldung war schnell erledigt (zur Identifikation Scan hochladen) und die Einzahlung war per Kreditkarte schnell möglich (geht aber auch per SEPA Überweisung). Ich hab dann das erforderliche Minimum von 50 Euro geboten für die rechts abgebildete Immobilie. Diese ist in Barcelona und soll gekauft, renoviert, vermietet und in 60 Monaten wieder verkauft werden. Anleger partizipieren dabei sowohl an den Mieteinnahmen als auch an der hoffentlich eingetretenen Wertsteigerung bei Verkauf. Dieses von Housers als „Saving“ betitelte Modell ist nur eins der Modelle die Housers anbietet andere Kategorien funktionieren anders, z.B. mit festen Zinssätzen.

Die Plattform bietet eine Fülle von Informationen, sowohl zum Markt als auch zu den einzelnen Objekten.

Anders als viele deutsche Anbieter hat Housers auch einen Zweitmarkt, d.h. Anleger können Anteile an Immobilien der „Saving“ Kategorie auch untereinander handeln. Gestern wurde dieser dann für das Objekt Monec geöffnet und in meiner Übersicht erschien ein „Sell“ Button.

Oh! Das wollte ich natürlich auch ausprobieren. Gedacht, getan. Ich bot meine 50 Anteile zu einem Aufpreis von 1,74% gestern an. Und eben bekam ich die Nachricht per Email, dass sie verkauft wurden.
So wurden aus 50 Euro in 8 Tagen 50,78 Euro. (50,87 Euro Verkaufspreis minus 0,09 Euro Gebühr – die Verkaufsgebühr beträgt 10% des Gewinnes). 78 Cent sind jetzt in absoluten Zahlen kein spektakulärer Gewinn, aber es sind 1,56% Rendite in 8 Tagen. Nun brennt in mir die Frage, ob sich das mit größeren Beträgen wiederholen und optimieren lässt. Ja es ist riskant. Und ja es ist mehr Spekulation als bedachte Anlage.

Also mal betrachten. Auf das Jahr hochgerechnet mit der Internen Zinsfussmethode ergäbe das was ich gemacht habe eine jährliche Rendite von 102,6%. Das ist natürlich aus mehreren Gründen eine Milchmädchenrechnung:

  • Eine lückenlose Wiederanlage ist nicht möglich, da nicht dauernd neue Objekte gelistet werden
  • Nicht ständig wird sich so schnell ein Käufer finden
  • Je größer die Beträge, desto schwieriger wird es Käufer zu finden
  • Und vor allem: je mehr Anleger nach dieser Methode Rendite erzielen wollen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es gar nicht klappt und die verkaufenden Anleger auf ihren Anteilen sitzen bleiben.

Monec Handel
Aktuelle Verkaufsangebote für Anteile der Immobilie Monec bei Housers 10.08. (für größere Ansicht klicken)

Im Moment stehen 4.260 Anteile der Monec Immobilie zum Verkauf. Ein Anteil ist dabei 1 Euro ursprüngliches Invest. 4.260 klingt jetzt viel, aber zum Einen war die Gesamtanlagesumme bei Monec 319.000 Euro, es stehen also gerade mal gut 1% der investierten Anteile zum Verkauf, zum anderen verlangen viele Verkäufer auf dem Zweitmarkt Mondpreise wie man in der obigen Ansicht sieht. Die Anteile sind nach Aufpreis sortiert. Das fängt mit moderaten 1% Aufpreis an. Ein Anleger will aber über 30% Aufpreis. Zudem kommt es auf die Größe der Pakete an, da diese nur als ganzes gekauft werden können. Zwar würde man rational als Käufer das Angebot mit dem geringsten Aufpreis kaufen, müsste dann aber 509 Euro investieren. Ich würde vermuten, dass sich kleinere Stückzahlen trotz etwas höheren Preise besser verkaufen.

Interessant wird die situation meines Erachtens, wenn zeitweilig gar keine neuen Angebote auf dem Erstmarkt sind. Dann wird bei neuen Anlegern die Tolerant für Aufpreise auf dem Zweitmarkt sicher höher sein, als zu Zeiten bei denen eigentlich nur Diversifikationsüberlegungen dafür sprechen auf dem Zweitmarkt zu einem geringen Aufpreis zu kaufen.

Letztendlich sind solche wie der von mir gemachten Gewinn das Ergebnis von Marktinffezienzen und -intransparenzen. Auch bei vielen P2P Kreditmärkten mit einem Zweitmarkt kann der Handel von Krediten genauso lukrativ oder gar noch lukrativer als die Anlage am Erstmarkt sein.

Ich werde jedenfalls weiter experimentieren und auch bei der nächsten Housers Immobilie schauen, ob ich einen sehr kurzfristigen Gewinn erzielen kann. Über den Fortgang werde ich im Forum weiter berichten.

Aktuell gibt es bei Housers einen Bonus. Wer sich anmeldet und mindestens 50 Euro investiert bekommt 50 Euro Bonus (Promo Code „PFH–REF–60778“,nicht auszahlbar, nur anlegbar). Update 11.08.: Aktuell gibt es bei Kartenzahlung 1% Cashback zusätzlich obendrauf (bis 19.08). Wird sofort gutgeschrieben. Und ein Festzinsangebot mit 10% Zinsen für 12 Monate für eine Immobilie in Valencia wird gerade gelistet.

 

Interview mit Julian Sametinger, COO von Zuper

Hinweis: Zuper nimmt gerade in einer Crowdinvesting Kampagne 500.000 Euro auf (für 10,42% der Firmenanteile). Das Minimum Investment, um in diesem Pitch Zuper Anteile zu erwerben, beträgt 17,20 Euro. Das Pitch Video ist unter diesem Interview zu sehen.

Was ist Zuper?

Zuper ist ein intelligenter Finanzassistent, der Nutzern hilft, Kontrolle über ihre Finanzen zu gewinnen und ihre finanzielle Gesundheit zu verbessern.

Für die, die noch nie von PSD2 gehört haben: Kannst Du kurz erläutern, was das bedeutet und inwiefern es die Beziehung zwischen Kunde und Bank neu definiert?

PSD2 ist eine neue Regulation der Europäischen Kommission, die darauf abzielt, den Wettbewerb im Retail-Banking zu verstärken und Banken zu mehr Innovation zu bewegen. Der Kunde soll wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Deshalb müssen Banken unter PSD2 auch anderen anerkannten Dienstleistern im Namen des Nutzers Zugriff auf dessen Konto gewährleisten. Das ermöglicht innovativen Firmen wie Zuper, ihre große Stärke in der Kundenorientierung auszuspielen.

PSD2 und Aggregation sind ein Trendthema. Was ist Euer USP gegenüber der Konkurrenz?

Zuper hat es sich zum Ziel gemacht, der erste wirklich persönliche Finanzassistent zu werden, der echten Mehrwert kreiert. Uns geht es vor allem darum, die finanzielle Gesundheit unserer Nutzer zu verbessern und Finanzbildung weiter voranzutreiben. Heutzutage lernt man in der Schule und in der Universität so ziemlich alles – aber nicht, wie man mit Geld umgeht!

Es gibt meines Erachtens (bisher) deutlich mehr angloamerikanische Startups, die Aggregation von Finanzdaten bieten, als im deutschsprachigen Raum. Warum ist das so?

Das liegt vor allem an der stärkeren Thematisierung der persönlichen Finanzen in diesen Ländern. Dort gibt es vom Bestseller-Buch bis hin zur TV-Show ein viel breiteres Angebot und mehr Nachfrage zu dem Thema. In Deutschland vertraut man beim Thema Geld eher darauf, dass andere das schon für einen regeln. Allerdings sollte man spätestens seit den letzten beiden Finanzkrisen wissen, dass man sich darauf nicht verlassen kann.

Julian Sametinger, ZuperIm Pitch schreibt ihr: ‘Eventually, we want to provide a loan platform that will enable reverse-auctioning for lenders to bid on loan requests.’. Wer bietet da? Sind das Banken, institutionelle Anleger oder auch private Anleger (also P2P Kredite)?

Zu Beginn werden es nur ein paar Banken sein, aber im endgültigen Stadium soll die Plattform für alle zugänglich sein. Nur wenn Privatpersonen im Verbund gegen Banken bieten können, werden Banken zu echter Innovation und Wertkreierung gezwungen.

Wie wollt ihr neue Nutzer gewinnen? Ist die Kundenakquisition in diesem Segment mit hohen Marketingkosten verbunden?

Wir gewinnen viele neue Nutzer über Empfehlungen. Die Kundenakquisition in diesem Segment ist normalerweise recht hoch, aber umso mehr Leute die App ihren Freunden zeigen, weil sie damit Geld gespart haben oder etwas gelernt haben, desto niedriger die Kosten. Daher konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Wertschöpfung für den Nutzer.

Warum habt ihr Euch für Seedrs als Plattform für Eure Crowdinvesting Runde entschieden?

Seedrs ist die führende Plattform im Bereich des Crowdfunding und hat uns von Anfang an super unterstützt. Darüber hinaus erhalten wir viele hilfreiche Ressourcen und tolle Unterstützung.

Warum sollen Investoren genau in Euren Pitch investieren und nicht in einen der anderen Fintech Pitches bei Seedrs?

Wir sind das erste Fintech-Unternehmen, bei dem sich alles um den Nutzer dreht. Wir verdienen nur dann etwas, wenn der Nutzer spart – das motiviert uns, echten Wert zu schaffen. Viele andere Unternehmen haben ein Produkt, das sie an den Nutzer verkaufen wollen. Wir glauben, dass Menschen sich nach einer Möglichkeit sehnen, zuverlässige Hilfe in ihrem Sinne zu erhalten und dass dieses Alleinstellungsmerkmal uns weiter wachsen lassen wird.

P2P-Kredite.com dankt Julian Sametinger für das Interview.

Das Video zum aktuellen Zuper Crowdinvestment Pitch

Warnhinweis: Investment in Startups birgt hohe Risiken und kann zu Totalverlust der Anlage führen

Warum in Bälde nicht mit der Einführung von Zweitmärkten auf UK Crowdinvesting Plattformen zu rechnen ist

Vor kurzem kamen von Tandem nicht so gute Nachrichten. Das Startup verliert seine Banklizenz, da es die Eigenkapitalanforderungen, die an die Banklizenz geknüpft sind, nicht erfüllen kann. Das sorgte für Desillusionierung bei einigen der Anleger, die letztes Jahr im Rahmen einer Seedrs Kampagene 1 Mio. Pfund in Tandem investiert hatten. Sie glaubten nicht mehr an die Zukunft von Tandem und möchte ihre Anteile veräußern, z.T. auch mit Abschlägen. Doch einen Zweitmarkt zum Handeln von Anteilen bietet Seedrs nicht. So läuft das dann ganz archaisch über Postings, die sich wie alte Kleinanzeigen lesen, im Q&A Forum bei Seedrs. Ein Anleger postet, er möchte gerne 10 Tandem Aktien zu X Pfund verkaufen. Ein anderer Anleger postet, er ist bereit diese zu kaufen. Danach wenden sich Käufer und Verkäufer an Seedrs um den Papierkram für die Übertragung der Anteile erledigen zu lassen. Macht Seedrs auch breitwillig und kostenlos (nur die 7,5% Carry, falls der Verkaufspreis über dem Preis bei Invest liegt, nimmt Seedrs).

Fragt sich, warum Seedrs keinen Zweitmarkt einführt. Das wäre – aus Sicht der Anleger doch naheliegend? Und warum auch die anderen Crowdinvestment Anbieter keinen solchen Handel haben. Je nach Land ist es verständlicherweise regulatorisch nicht möglich, das scheint in UK aber nicht das (Haupt-)hinderniss zu sein.

Letzte Woche in der Kaffeepause der AltfiEurope Konferenz in London habe ich mit Goncalo Vasconcelos von SyndicateRoom, einer anderen britischen Plattform, über seine Sicht auf einen Zweitmarkt gesprochen. Vertreter von 2 kleineren Plattformen standen auch dabei.

Er sieht den Bedarf einfach nicht. Seine Argumente dagegen, grob zusammengefasst:

  1. Es dient dem Schutz der Anleger (das es keinen Handel gibt) weil
    a) sie nicht verleitet werden fälschlischerweise zu glauben, es sei eine liquide Anlageform
    b) sie nicht durch einen Verkauf ihre EIS/SEIS Steuervorteile verlieren können (denn diese setzen eine Mindesthaltefrist der Anlage von 3 Jahren voraus)
  2. Es wäre nicht im Interesse der Startups

Der Verlust der Steuervorteile in Argument 1b) droht zwar (bei britischen Anlegern), das ist aber kein Argument gegen einen Zweitmarkt, denn zum einen könnte man vor der Verkaufsbestätigung leicht einen dicken roten Warnhinweise „Wollen Sie wirklich Ihre Anteile verkaufen und auf ihre Steuervorteile verzichten“ einblenden, wenn die Anteile weniger als 3 Jahre im Portfolio waren. Zum anderen, wird es bald viele Anteile geben, bei denen die 3 Jahre sowieso rum sind.

Argument 1a) kann ich gar nicht nachvollziehen. Der Anleger ist informiert genug um riskante Invests in Startups zu tätigen, aber dann so doof zu glauben, dass dieses Invest völlig liquide ist, nur weil es einen Zweitmarkt ist. In diesem Argument geht es m.E. nicht um den Schutz des Anlegers, sondern um den Schutz der Plattform, und zwar hat sie Angst dass ihr die Regulierungsbehörde genau das vorwirft und die Regulierung verschärft.

Punkt 2 ist das einzige Argument, dass ich nachvollziehen kann. Wer zahlt denn die Plattformen? Genau, die Gebühren der Startups aus den Finanzierungsrunden. Und wemn dann zwischen den Runden aufgrund des Zweitmarktes ein „Durchschnittsmarktkurs“ für die Anteile eines Startups ersichtlich ist, der vielleicht nur auf sehr wenigen Trades basiert, dann kann das schon Fragen zur Bewertung in einer anstehenden Folgerunde aufkommen lassen und diese womöglich gefährden.

Andererseits versucht ja Seedrs mit seinem eigenen Portfoliobewertungsansatz gerade so etwas wie einen Marktindikator für die Wertentwicklung einzelner Anlageportfolien zu schaffen. In diesen fliessen mangels vieler Exits derzeit vor allem Buchgewinne (die nur auf dem Papier existieren) aus höheren Bewertungen bei Folgerunden ein. Wäre es da nicht konsequent und sehr viel überzeugender wenn Seedrs auch tatsächliche Preise aus Zweitmarkthandel in diesem Indikator einfliessen lassen könnte.

In einem Panel von AltfiEurope ging es auch ganz grundsätzlich darum, wie man die Entwicklung der Startups nach dem Funding bewerten kann. Altfidata versucht das mit einem sehr grobem Raster in wenigen Klassen (nicht mehr am Markt, am Markt aber in Schwierigkeiten, aktiv, aktiv mit Folgerunde als downround, aktiv mit Folgerunde, Exit durch Verkauf, Exit durch IPO). Das monitoren sie dann über das Handelsregister und reporten es.

Gesprochen wurde auch über die Diskrepanz zwischen unrealistischen Business Plänen vor dem Funding und der tatsächlichen späteren Geschäftsentwicklung in sehr vielen Fällen. Lösungsvorschläge wie sich das standardisiert monitoren und reporten lässt gab es aber nicht.

Die aktuelle Position von Crowdcube zum Thema Zweitmarkt ist mir nicht bekannt. Es gibt aber keine Anzeichen, dass Crowdcube einen plant. So werden Anleger auf britischen Plattformen weiter auf einen Zweitmarkthandel verzichten müssen. Es sei denn sie pinnen Kleinanzeigen.

 

Aktueller Status des Crowdinvesting in UK

Der heute veröffentlichte Report Where are the now von Altfi und Nabarro analysiert die Entwicklung des britischen Crowdinvesting Marktes. Dazu wurden Daten von 955 Kapitalrunden für 751 Startups über 6 Crowdinvestment Plattformen ausgewertet. Diese sind Crowdcube, Seedrs, Syndicate Room, VentureFunders, Code Investing und Angels Den. Crowdcube und Seedrs habe ich selbst auch schon als Anleger genutzt und im Crowdinvesting Forum gibt es viele Diskussionen zu einzelnen Pitches.

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Quelle: Where are they now 2016, Seite 9

2016 wird voraussichtlich das erste Jahr sein in dem das finanzierte Gesamtvolumen unter dem des Vorjahres liegt. Einer der Gründe dürfte im Brexit liegen, der sich insbesondere auf das Q3 2016 auswirkte.

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Quelle: Where are they now, Seite 10

Crowdcube und Seedrs dominieren im UK Markt mit deutlichem Abstand vor allen anderen Marktplätzen.

Für den Report wurden Daten des Companies House und weitere Parameter herangezogen um den Fortschritt der finanzierten Firmen zu klassifizieren.

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Quelle: Where are they now, Seite 4

Heruntergebrochen auf Crowdcube und Seedrs ergibt sich folgendes Bild:

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Quelle: Where are they now 2016, Seite 27

Nach den Berechnungen des Reports liegt die durchschnittliche Rendite bei 8,55% (IRR, ohne Berücksichtigung von Steuervorteilen für britische Anleger). Dazu muss gesagt werden, dass es sich natürlich um Buchgewinne handelt, solange noch kein Exit erfolgte. Es gibt auch keinen Zweitmarkt, d.h. ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Investment ist i.d.R. schwierig.

Mein eigenes Portfolio umfasst inzwischen über 50 kleine Invests in britische Startups, fast alle davon via Seedrs.

 

Über Seedrs in Robo Advice Startup Wealthify investieren

Ich nutze schon länger die britische Crowdinvesting Plattform Seedrs, um in Startups zu investieren und habe auf diesem Weg inzwischen Aktien von über 30 Startups erworben. Zum Modell von Seedrs und den Vorteilen gegenüber anderen Crowdinvesting Plattformen hatte ich im Artikel „Crowdinvestment über Seedrs am Beispiel Landbay“ vor 3 Jahren schon etwas geschrieben. Inzwischen ist Seedrs auch in Benelux gestartet und wird wohl auch bald in Deutschland launchen, das Büro in Berlin ist in Vorbereitung

Aktueller Pitch Wealthify

Seit ein paar Tagen ist der Pitch des 2014 gegründeten Startups Wealthify online. Wealthify ist ein UK Startup, dass die Geldanlage deutlich vereinfachen und automatisieren will. Stichwort Robo Advice. Wealthify will 1 Mio. Pfund einsammeln bei einer Bewertung (pre-money) von 9,72 Mio. Pfund. Dafür werden 9,32% Aktienanteile ausgegeben.

Das selbst gesteckte ehrgeizige Ziel von Wealthify ist binnen eines Jahrzehnts 1 Mio. Anleger für den neuen Robo Advice Service zu finden. Das das kein einfaches Geschäft ist zeigt auch dieses Artikel zum Robo Advice Markt, in dem die Lage des britischen Konkurrenten Nutmeg kritisch beurteilt wird.

Ich habe einen geringen Betrag (Mindestbetrag sind 14,25 £) in den Wealthify Pitch investiert, auch um zu schauen, wie sich das weiter entwickelt. Über das Weahltify, das Robo Advice Geschäftsmodell generell und Seedrs allgemein diskutieren bereits einige Nutzer im Seedrs Forum Thread bei P2P-Kredite.com.

Nicht vergessen werden sollte, dass das Risiko beim Invest in Startups sehr hoch ist, es kann zu einem Totalverlust kommen.

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Neue Studie: Sustaining Momentum – European Alternative Finance Industry Report

Der europäische Gesamtmarkt aus Crowdfunding und P2P Krediten sowie ähnlichen alternativen Finanzierungsformen wuchs 2015 um 92 Prozent auf 5,43 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis der heute veröffentlichten neuen Studie ‚2nd Annual European Alternative Finance Industry Survey‘ durchgeführt vom Cambridge Centre for Alternative Finance an der University of Cambridge Judge Business School, zusammen mit KPMG und unterstützt durch die CME Group Foundation.

Der Bericht mit dem Titel “Sustaining Momentum”, wurde unterstützt durch 17 europäische Branchenvereinigungen und Research Partner. Er basiert auf Daten vonbased on data from 367 crowdfunding, P2P-Kredit und sonstigen Anbietern alternativer Finanzierungsmodelle aus 32 europäischen Staaten – dies eine repräsentiert geschätzte Abdeckung von 90% des Gesamtmarktes. Ich habe mit P2P-Banking.com als einer der Research Partner an der Studie mitgewirkt.

Der größte Markt in Europe ist UK mit 4.4 Mrd. Euro, gefolgt von Frankreich mit 319 Millionen Euro, Deutschland mit 249 Mio. Euro und den Niederlanden mit 111 million Euro. Weitere große Märkte umfassen Finnland, Spanien, Belgien und Italien.

Der europäische Markt außerhalb der UK wuchs um 72 Prozent von  594 Mio. Euro in 2014 auf 1019 Mio. Euro in 2015.

Nach Segmenten aufgeschlüsselt stellt sich das Bild so dar:

sustaining-momentum-volume
Tabelle: Abbildung 11, Seite 31 der Studie ‚Sustaining Momentum‘, Volumina nach Segmenten in Europa 2015 (ausserhalb von Großbritannien)

sustaining-momentum-wachstum
Grafik: Abbildung 13, Seite 33 der Studie ‚Sustaining Momentum‘, Wachstum der Volumina nach Segmenten in Europa 2013-2015 (ausserhalb von Großbritannien). Diese Grafik veranschaulicht sehr eindrucksvoll das anhaltende schnelle Wachstum, dessen Dynamik sich je nach Segment aber deutlich unterscheidet.

Deutschland

Deutschland war nach Frankreich 2015 der zweitgrößte Markt in Kontinentaleuropa. Das Volumen wuchs um 115% von 140 Mio. Euro in 2014 und betrug 2015 249 Mio. Euro. Dabei werden die vom Volumen her stärksten Segmente von nur wenigen Plattformen bedient. ‚Peer-to-peer consumer lending‘ (P2P-Kredite an Privatpersonen) wird dominiert von Auxmoney und bei ‚peer-to-peer business lending‘ (P2P Kredite an Firmen) stellt Funding Circle CE das größte Volumen. Dagegen tummeln sich im ‚Equity based crowdfunding‘ (Crowdinvesting) vergleichsweise viele Marktplätze, allerdings verzeichnete dieses Segment einen Rückgang in 2015 gegenüber 2014.

Entwicklung Crowdfunding und P2P Kredite Deutschland
Grafik: Abbildung 39, Seite 55 der Studie ‚Sustaining Momentum‘, Wachstum der Volumina nach Segmenten in Deutschland 2013-2015

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Grafik: Abbildung 41, Seite 57 der Studie ‚Sustaining Momentum‘, Risiken für die Branche aus Sicht der befragten deutschen Plattformen

Die Einzelheiten der sehr detaillierten Studie sind unten einsehbar. Weiterlesen

Companisto zieht postive Bilanz für Anleger nach 3 Jahren Crowdinvesting

Der Crowdinvestment Marktplatz Companisto zieht nach 3 Jahren Bilanz. Dazu hat Companisto die Entwicklung der 38 seit 2012 über Companisto finanzierten Startups ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis:

… [Der] Gesamtwert, der über Companisto finanzierten Start-ups, stieg von 83,51 Mio. Euro auf 102,92 Mio. Euro: Das entspricht einem Wertzuwachs von 23,24% über drei Jahre. Der Wert der Beteiligungen der Crowdinvestoren hat sich durchschnittlich um 15,32% erhöht. Stärkste Wertsteigerung haben die Beteiligungen aus dem Jahr 2012 erfahren, die im Durchschnitt um 87,60% im Wert gestiegen sind. …

5 der 38 Startups haben inzwischen Insolvenz angemeldet. Für diese hat Companisto einen Unternehmenswert von null angesetzt (Totalverlust).

Diese finanzierten Startups sind in die Berechnung eingeflossen:

Companisto Startups
Quelle: Companisto

Zur Unternehmensbewertung schreibt Companisto:

… Die Unternehmenswertentwicklung beziffert, wie sich der Unternehmenswert der Gesamtheit der über Companisto finanzierten Start-ups seit dem Abschluss der Crowdinvestings entwickelt hat. Die Berechnung der Unternehmenswertentwicklung erfolgt durch einen Vergleich des Unternehmenswerts der Start-ups zum Zeitpunkt des Crowdinvestings mit dem aktuellen Unternehmenswert, welcher in der letzten Finanzierungsrunde des Unternehmens festgelegt wurde. … Der Unternehmenswert gibt nicht den Wert der Beteiligungen der Companisten an, sondern beziffert den Wert des gesamten Start-ups.

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