Estateguru vs. Crowdestate – Trotz Zahlungsverzug und Projektausfällen der Verlustaversion ein Schnippchen schlagen

Nein, dieser Artikel ist KEINE Prognose, wie sich Corona, Rezession, Wirtschaftskrise und was uns sonst noch bevorstehen mag, auf deine Finanzen auswirken könnte. Spektakuläre Interpretationen, den todsicheren Blick in die Kristallkugel oder „den ganz heißen Tip“ könnt ihr hier also nicht erwarten. Es geht „lediglich“ um reine Fakten – die aktuelle Leistungsbilanz von Estateguru* und Crowdestate*, die beide zu den beliebtesten P2P Plattformen für Immobilienfinanzierungen in Europa zählen. Und natürlich geht es darum, wie ihr das für eure Anlagestrategie auswerten könnt. Bei Estateguru* erhalten Neukunden aktuell (und noch bis zum 30.04) übrigens einen erhöhten Cashback-Bonus von 1% auf alle Investitionen, einfach über diesen Link* anmelden um den Bonus zu bekommen.

Ich möchte euch als Einleitung kurz von meinem Freund erzählen – und vielleicht findet sich der eine oder andere da ja wieder: Mein Freund Mark interessiert sich für P2P Investitionen in Immobilien und fängt an, kleine Beträge in Projekte mit relativ kurzer Laufzeit zu investieren. Nach kurzer Zeit kommen die ersten Zinsen und dann auch endlich die vollständige Rückzahlung des ersten Projekts. Bingo – es funktioniert! Er wird mutiger und investiert nach und nach in ein paar dutzend Projekte auf mehreren Plattformen. Die meisten Zins- und Rückzahlungen erfolgen fristgerecht, doch es kommt auch zu einigen Verzögerungen. Aber immer noch kein Kapitalverlust! Dann schlittert ein Projektentwickler in die Insolvenz – die Abwicklung kann Jahre dauern und ob/wieviel Kapital zurückfliesst ist nicht absehbar. Außerdem sind einige andere Projekte schon über mehrere Monate im Zahlungsverzug. Was tun? Geld abziehen oder weiter investieren? Natürlich muss Mark mit dem Totalverlust des eingesetzten Kapitals rechnen. Das steht ja auf jeder Plattform, davor warnen Verbraucherschützer und selbstverständlich hat er das irgendwie schon mit einkalkuliert. Doch abseits aller Fakten ist die psychologische Wirkung nicht zu unterschätzen, wenn es dann wirklich zu Verlusten kommt. Er wird tatsächlich Geld verlieren! Auf einmal werden Projekte argwöhnisch beäugt und es wird versucht abzuschätzen, wo denn die Leiche im Keller liegen könnte. Vorbei ist die Leichtigkeit und die nüchterne Betrachtung.

Ich habe das als Anleger schon genauso erlebt wie mein imaginärer Freund Mark. Und vielleicht ging es dir ja auch so oder ähnlich. In der Psychologie und Ökonomie spricht man dabei von der Verlustaversion. Das ist die Tendenz, Verluste höher zu gewichten als Gewinne. Beispielsweise ärgert man sich über den Verlust von 100 € mehr, als man sich über den Gewinn von 100 € freut. Individuen verhalten sich in Entscheidungssituationen irrational, wenn Unsicherheiten eine Rolle spielen. (Quelle: Wikipedia)

Wie kann man denn der Verlustaversion ein Schnippchen schlagen und trotz Unsicherheit und Verlusten weiterhin rational agieren? Im P2P Immobilien Bereich hilft es, sich auf die vorhandenen Leistungsdaten der einzelnen Plattform zu besinnen um so das Risiko so realistisch wie möglich einschätzen zu können.

Wie sieht es denn aktuell bei Estateguru und Crowdestate aus? Estateguru* ist mit 1.365 Projekten und 45.705 Investoren unangefochtener Marktführer im Bereich Immobilien Crowdinvesting in Europa nach Anzahl finanzierter Projekte. Crowdestate* ist auch bereits seit 2014 am Markt und konnte bisher 46.491 registrierte Benutzer für sich gewinnen. 10.384 Investoren haben dort 228 Projekte finanziert. Beide Plattformen können mit Autoinvest und Zweitmarkt aufwarten und haben mit 50 Euro (Estateguru) und 100 Euro (Crowdestate) einen vergleichbar niedrigen Mindestinvest.

Um die Leistungsdaten (Track-Record) der Plattformen zu vergleichen, schauen wir uns den aktuellen Status aller bisher auf den beiden Plattformen finanzierten Projekte an:

Abb. 1: Estateguru vs. Crowdestate – Vergleich Projektstatus

Was sagt uns dieser Vergleich nach Projektstatus?

  • Zurückgezahlt %: Es fällt ins Auge, dass bei beiden Pattformen ungefähr die Hälfte der finanzierten Projekte bereits mit allen Zinsen vollständig zurückgezahlt wurden.
  • Überfällig %: Crowdestate weist aktuell mehr überfällige Projekte auf als Estateguru. Dies beinhaltet alle Projekte, bei denen Zins- oder Kapitalrückzahlungen im Verzug sind. Projekte, die früher einmal überfällig waren, aber mittlerweile vollständig zurückgezahlt wurden, tauchen hier übrigens nicht auf, sondern finden sich unter „Zurückgezahlt“.
  • Ausgefallen %: Auch bei den Projektausfällen liegt Crowdestate gegenüber Estateguru vorne. Auch hier gilt: Ausgefallene Projekte, die mittlerweile schon zurückgezahlt wurden, tauchen hier nicht auf, sondern finden sich unter „Zurückgezahlt“.

Und hier der Anteil der überfälligen und ausgefallenen Projekte im direkten Vergleich:

Abb. 2: Estateguru vs. Crowdestate – Vergleich Projekte im Verzug

Der Anteil der überfälligen Projekte ist bei Crowdestate mit aktuell 11,8% wesentlich höher als bei Estateguru* mit 3,8%. Und auch bei den ausgefallenen Projekten liegt der Anteil bei Estateguru mit 2,9% unter dem Wert von Crowdestate mit 4,5%. Das Risiko des Zahlungsverzugs und/oder Ausfalls lag also bisher bei Crowdestate* höher als bei Estateguru. Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass dieser direkte Vergleich zu einer so deutlichen Aussage führen würde.

Sollte ich als Anleger also nur noch bei Estateguru* investieren? Die oben dargestellten Leistungsdaten zeigen einen klaren Gewinner. Andererseits ist dies nur eine Komponente zur Einschätzung des Plattformrisikos. Folgende weitere Faktoren spielen dort auch mit rein: Wie sieht das Rückholkonzept der einzelnen Plattform bei überfälligen und ausgefallenen Projekten aus, wie wird dies umgesetzt und welche Erfolgsbilanz weist dies bisher aus? Wie steht das Unternehmen selbst finanziell dar? Außerdem habt ihr wahrscheinlich noch zusätzliche Kriterien, die euch wichtig sind.

Hinweis zur Ermittlung der Werte:

  • Immobilienprojekte: Da der Track-Record von Immobilienprojekten verglichen werden soll, habe ich bei Crowdestate die Unternehmensfinanzierungen, die nichts mit Immobilien zu tun haben, aus der Statistik herausgenommen. Dazu gehören z.B. Unternehmen aus Holzhandel, Fischverarbeitung oder auch Papierverarbeitung.
  • Ausfallrate: Crowdestate weist offiziell keine Projektausfälle aus, deswegen habe ich die Projekte mit mehr als 180 Tagen (6 Monaten) Zahlungsverzug als „Ausgefallen“ deklariert. Dies ist keine wissenschaftlich gesicherte Bewertung, sondern eine von mir getroffene Annahme zur Vergleichbarkeit der Plattformen.
  • Finanzierungsmöglichkeiten: Auf beiden Plattformen können Projekte auch in mehreren Schritten finanziert werden. Jede dieser Finanzierungsmöglichkeiten wird hier als ein separates Projekt gezählt, deswegen wäre es genauer, von Finanzierungsmöglichkeiten als von Projekten zu sprechen. Geht ein Projekt baden, das z.B. in fünf Schritten finanziert wurde, wird dies in der Statistik als fünf überfällige bzw. ausgefallene Projekte dargestellt. Da dies jedoch die übliche Darstellungsweise auf vielen P2P Plattformen ist, habe ich dies so übernommen.

Auf jeden Fall hoffe ich, dass euch der direkte Vergleich der Leistungsdaten von Estateguru und Crowdestate dazu motiviert, halbwegs rational zu reagieren, wenn ihr selbst von verspäteten Zahlungen oder Projektausfällen betroffen seid. Um doch noch einmal kurz die aktuelle Ausnahmesituation aufzugreifen: Es wird auf jeden Fall interessant sein, zu sehen, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die Plattformen hat. Wie sieht der Track-Record in 6 oder 12 Monaten aus? Fortsetzung folgt …

Wie habt ihr bisher auf verspätete Rückzahlungen und Projektausfälle reagiert? Welche Änderungen habt ihr an eurem Portfolio deswegen vorgenommen? Ich freue mich wie immer über euer kurzes Feedback in den Kommentaren.

Funkstille bei Envestio. Was passierte mit 30 Mio. Anlagegeld?

Worum geht es?

Die Website des estnischen Anbieters Envestio ist seit mehr als einem Tag offline. Das Management reagiert und kommuniziert nicht. Im Gegenteil, verschiedene Social Media Profile von Team Mitgliedern wurden gestern gelöscht.

Envestio bewarb seit Frühjahr 2018 Firmenkredite verschiedenster Art (Krypto, Immobilien, Warenfinanzierung). Die Zinssätze für Anleger lagen bei hohen 15-20%. In der Anfangszeit lagen die Kreditbeträge pro Projekt bei rund 100-300 Tsd Euro, später wurden sie deutlich höher. Die Plattform wurde formell von der estnischen Firma Envestio SI OÜ betrieben, das Management bestand aber aus Letten. Kurz nach dem Start wurde eine ‚Repurchase Guarantee‘ verkündet, das Management versprach Anlegern auf Wunsch Kreditanteile vorzeitig zurückzukaufen, gegen eine Gebühr von 5%.

Nach Zahlen von der Envestio Website, bevor diese offline ging, wurden rund 33 Mio. Euro Anlegergelder eingesammelt von rund 13.000 Anlegern. Eine Analyse des Webtraffics, die vermutlich mit der Anlegerverteilung korreliert zeigt, dass die meisten Anleger aus Italien, Dänemark, Spanien, Deutschland und Portugal stammen.

Die Entwicklung schien für Envestio gut zu laufen. Ich hab nie investiert, da mir das Risiko bei den Projekten viel zu hoch erschien, völlig jenseits meiner Risikobereitschaft, aber niemand vermutete einen Betrug.

Im Sommer 2019 verkündete die Plattform, sie sei an einen neuen Eigentümer verkauft worden. Seltsam war, dass keine plausiblen Gründe für den Verkauf genannt wurden und das wenig bis nichts über den neuen Eigentümer, seine Motivation und seine Absichten bekannt wurde. Es gab im Prinzip nur ein Linkedin Profil.

Dann tauchten am 18. Dez. plötzlich Hinweise von einem anonymen Twitter Account (@rpeerduck) auf, die eine deutliche Beteilung des neuen Envestio COO zu einem früheren Investment Scam zeigten. Das Video und die Links zeigten ihn, wie er Werbung für eine perpertuum Mobile Energiequelle machte. Diese Hinweise haben das Vertrauen vieler Anleger erheblich erschüttert.

Eine Email Stellungnahme des Envestio COO auf meine Anfrage dazu, erhielt ich am 20. Dezember, ich fand sie wenig überzeugend, sie enthielt m.E. eigentlich nur lahme Ausflüchte.

Dazu kommt, das bereits vorher einem Mitglied des Envestio Teams von der lettischen Presse Fehlverhalten in einem früheren Job vorgehalten wurde. Sie hat das in Stellungnahmen zurückgewiesen.

Alle diese Informationen und weitere Merkwürdigkeiten wurden in Foren, auf Twitter und Facebook diskutiert, scheinen aber die Anleger nicht abgeschreckt zu haben. Tatsächlich verteidigten noch vorgestern in Facebook Gruppen Anleger die Argumentation von Envestio. Im Zusammenhang mit dem Betrug bei der Firma Kuetzal kam es Anfang Januar zu einem Run, eine Vielzahl von Anlegern wollte die Rückkaufgarantie in Anspruch nehmen und sich ihr Geld auszahlen lassen. Auszahlungsverlangen, die bis zum Morgen des 12. Januars gestellt wurden, scheint Envestio nach Berichten von Anlegern auch noch bedient zu haben, danach erfolgten keine Auszahlungen mehr.

Vielmehr publizierte Envestio in den folgenden Tagen auf Facebook wilde Verschwörungstheorien und Anschuldungen und verkündete schliesslich Opfer einer DDOS Attacke zu sein (warum das nicht stimmen kann, steht hier). Seit 21. Januar ist Funkstille. Die Website ist offline.

Das European Crowdfunding Network ECN, eine Branchen-Lobby-Vereinigung meldete wegen zahlreicher Anlegeranfragen das Mitglied Envestio den Behörden.

Bereits im Dezember sprach P2P-Game öffentlich von Betrug.

Die Rückkaufgarantie

Ob es sich um einen Betrugsfall (engl. scam/exit scam) handelt, wird die Zeit zeigen. Paradoxerweise hat gerade die angebotene Rückkaufgarantie das Aus von Envestio beschleunigt. Diese führte letzlich zu einem Liquiditätsengpass. Ohne diesen Mechanismus hätte Envestio vermutlich noch länger operieren können. Wenn es sich um Betrug handelt, hätte er also möglicherweise noch wochenlang oder monatelang fortgesetzt werden können.

Einige andere Plattformen bieten auch eine Rückkaufgarantie gegen Gebühr an. Da stellt sich immer die Frage „Cui bono?“ und wie können die das finanzieren? Können sie nicht, oder nur so lange wie Schönwetterflug herrscht. Als Folge der Vorfälle bei Envestio verschickten Monethera und Wisefund gestern Emails, in denen sie sich von ihren gemachten Rückkaufversprechen distanzierten, bzw. diese widerriefen. Mal unabhängig von der Frage, ob so etwas rechtlich möglich ist, lässt dies zu ihrem Geschäftsmodell tief blicken.

Was bedeuted der Envestio Fall für die Zukunft?

Im Moment wird das Vertrauen ganz erheblich erschüttert. Zwar betrifft das nur ausgewählte Plattformen.
Aber erstmals wird eine größere Anzahl Anleger zeitgleich damit konfrontiert, dass P2P Kredite wirklich riskant sind, und dass das Risiko eines Totalverlustes droht. Und zwar nicht nur Anleger die auf der betreffenden Plattform investiert waren, sondern auch die, die das Thema interessiert verfolgen (Foren, Blogs, Twitter, Facebook).

Das wird zu einer gesunden Vorsicht führen. Es wird aber auch dazu führen, dass viele Anleger zu dem revidierten Schluß kommen, dass diese Anlageklasse über ihrer Risikobereitschaft liegt. Und so wird in beträchtlichem Umfang Geld abfliessen.

Das kann zu mehreren Effekten führen
a) Zinssätze für Anleger auf den Primärmärkten steigen in den nächsten Wochen
b) Angebot auf Sekundärmärkten wird deutlich umfangreicher und auch hier steigt das Zinsniveau
c) einige Kredite werden nicht mehr (so schnell) finanziert
d) generell wird sich Cash drag zumindest temporär reduzieren

Es gibt Plattformen mit soliden Geschäftsmodellen. Wenn Betrüger für ihre Anlageversprechen suggerieren, dass sie ähnlich funktionieren, schädigen sie die Reputation der Branche.

Was können betroffene Envestio Anleger tun?

Unkompliziert per Email Strafanzeige bei der estnischen Polizei stellen:email ppa@politsei.ee  . Darin genau beschreiben, wie ihr geschädigt wurdet, Name, Anschrift und Belege mitschicken. Bei größeren Summen kann üüberlegt werden einen estnischen Anwalt einzuschalten (Beispiel einer Kanzlei die ich zu Informationszwecken kontaktiert hatte).

Nachtrag 23.01, 10:35: Eins der Teammitglieder hat gerade öffentlich ihre Unschuld/Unwissenheit in einem Posting bekundet (Infos).

Update 23.01., 14:51: Antwort der estnischen Polizei auf die Anfrage von P2P-Kredite.com: ‚In the past few days, the Estonian police have received several complaints regarding the crowdfunding platform Envestio. We are currently working to specify all details, but there is no investigation underway. However, if signs of crime do surface, we will start an investigation.

Head of the Fraud and Economic Crime Division of North Prefecture Juhan Ojasoo: „Not every unsuccessful investment is fraud, however, if one really believes they have been deceived, we encourage to get in touch with us.“. A statement can also be submitted via e-mailing ppa@politsei.ee and describing the case in as much detail as possible. We ask to provide contact details, amount of money lost, dates for transacations etc.

We also advise checking the Estonian Financial Supervision and Resolution Authority website for alerts prior to investing in any company: https://fi.ee/en/alerts.‘

Start des Estateguru Sekundärmarktes

Estateguru LogoLange, lange war er angekündigt, jetzt steht der Start des Estateguru* Sekundärmarktes unmittelbar bevor. Ich konnte in den letzten Wochen am geschlossenen Betatest teilnehmen und mir so vorab ein Bild von den Funktionen des Zweitmarktes machen. Estateguru hat die Zeit auch genutzt um Feedback der Betatester einzuholen und hat z.B. die Formulierungen in der Sekundärmarkt FAQ nochmals überarbeitet.

Die wichtigsten Fakten zum Zweitmarkt im Überblick:

  • Der Verkäufer zahlt bei erfolgreichem Verkauf eine Gebühr von 2%
  • Es können Kredite in allen Stati zum Verkauf angeboten werden, also auch ausgefallene Kredite
  • Nur ganze Kreditanteile können verkauft werden, eine Stückelung ist nicht möglich
  • Der Verkauf kann zu par oder mit Aufschlag erfolgen. Abschläge sind nicht möglich
  • Der Käufer bekommt alle Zahlungseingänge nach der durchgeführten Kauftransaktion
  • Gekaufte Kredite können für 30 Tage nicht weiter verkauft werden
  • Gelistete Kreditanteile stehen 7 Tage im Zweitmarkt. Findet sich innerhalb dieser Frist kein Käufer werden sie automatisch entfernt

Schritt für Schritt Anleitung zur Bedienung des Estateguru Sekundärmarktes:

Aktivierung Sekundärmarkt
Abb.1 Als erstes musste ich den Sekundärmarkt aktivieren

Nach eine Aktivierung des Sekundärmarktes habe ich probeweise einen Kredit aus meinem Portfolio ausgewählt und zum Verkauf angeboten. Oben rechts ist ein Schieber zur Einstellung des Verkaufspreises. Die Voreinstellung ist ein Preis der 2% Aufpreis entspricht und somit die Verkaufsgebühr egalisieren würde. Ich habe hier einen höheren Preis eingestellt. Darunter sehe ich den AROI den ich bei einem Verkauf realisieren würde und den AROI den der Käufer bekommen würde. Da der AROI des Käufers prominent in der Übersichtstabelle des Sekundärmarktes angezeigt wird, ist er vermutlich ein wichtiges Kaufkriterium und sollte nicht zu niedrig sein. Mein unten eingestellter Kredit fand mit 3,56% auch keinen Käufer in den 7 Tagen.


Abb. 2: Einstellen eines Kredites zum Verkauf

Die von Estateguru gelieferte Definition für AROI ist übrigens „…(Annualised Return on Investment) ist eine geschätzte jährliche Rendite, die auf dem Total Return on Investment basiert“.

Nach dem Klick auf „Investition verkaufen komme ich zu dieser Bestätigungsseite:

Estateguru Sekundärmarkt verkauf bestätigen
Abb. 3: Verkaufsbestätigung

Estateguru Sekundärmarkt
Abb. 4: Ansicht Sekundärmarkt; der von mir angebotene #1301 Kredit hat übrigens einen Käufer gefunden

Und so sieht er aus der Sekundärmarkt. Eine tabellarische Übersicht der angebotenen Kredite. Schön finde ich die AROI Anzeige und die Möglichkeit danach zu sortieren. Als Verbesserungen angeregt habe ich eine Filtermöglichkeit nach Status und eine Anzeige des Aufpreises (im Moment müsste ich auf die Detailseite gehen und mir den selbst ausrechnen. Vielleicht kommt das ja noch.

Auch nachgefragt habe ich nach der Möglichkeit mit Abschlag zu verkaufen. Hier war die Antwort, dass sie zunächst eine möglichst einfache Lösung für den früheren Ausstieg anbieten wollen und den Sekundärmarkt nicht zu kompliziert machen wollen.

Mein erster Eindruck

Der Estateguru Zweitmarkt leistet was er soll: Einen vorzeitigen Ausstieg ermöglichen. Die Gebühr ist mit 2% relativ hoch angesetzt und wird das Transaktionsvolumen vergleichweise gering halten. Bei ausgefallenen Krediten und Krediten in Verzug sollte sich der Verkäufer den Verkauf genau überlegen, denn wenn es positive Neuigkeiten zum Inkasso bei dem Kredit gibt, wird der Kredit vermutlich schneller gekauft, als der Verkäufer reagieren kann.

Wie ist Deine Meinung? Diskutiere im Estateguru P2P Forum mit.

 

Investly startet Crowdinvesting Pitch auf Seedrs – Kapitalerhöhung um bis zu 2 Mio. Pfund

Der britisch-estnische P2P-Kreditmarktplatz Investly* hat einen Crowdinvesting Pitch auf Seedrs gestartet und will für bis zu 2 Mio. Euro neue Aktien ausgeben. CEO Siim Maivel sieht großes Interesse unter den Investly Nutzern Aktionär der Gesellschaft zu werden und hat sich deshalb für ein Crowdinvesting Angebot statt einer traditionellen Venture Capital Finanzierung entschieden, wie er mir in dem Interview sagte, dass heute bei P2P-Banking erschien.

Investly ist seit Anfang 2016 auf die Finanzierung von Rechnungen in Estland und UK spezialisiert. Anleger erhalten i.d. R.zwischen 8% und ca.14% Zinsen p.a.. Der Anlagezeitraum ist dabei sehr kurz, bis zu 120 Tage, meist deutlich weniger. Das Volumen der angebotenen Rechnungssummen ist in den letzten Monaten stark gestiegen und lag im Dezember 2017 bei 1,3 Mio. Euro.

Ich selbst biete sehr selektiv auf estnische Rechnungen, nutze also nicht die Autoinvest (Autobidder) Funktion. Dabei sind mir Rechnungen an Empfänger im öffentlichen Sektor in Estland am liebsten. In einzelne dieser Rechnungen habe ich durchaus mehrere Hundert Euro angelegt. Dass das zu Lasten der Diversifikation geht, nehme ich dabei in Kauf. Allerdings sind diese Rechnungen auch am begehrtesten bei den Anlegern und schließen i.d.R. auf dem Minimumzinssatz von 8%. Viel Zeit manuelle Gebote darauf abzugeben bleibt auch nicht. Die letzte solche Rechnungen über 141 Tsd Euro wurde am Freitag in wenigen Stunden gefüllt. Auch gibt es keine regelmäßige Benachrichtigungen über neue Rechnungen. Ich poste aber sporadisch einen Hinweis in diesem Thread im Investly Forum, wenn ich eine neue Rechnung bemerke. In die britischen Rechnungen habe ich bisher noch nicht investiert.

Aktuell ist der Crowdinvesting Pitch noch im ‚private Mode‚, d.h. Investly hat den Link zuerst nur an die Nutzer der Plattform gemailt. Anteilseigner werden kann man ab einem Minimum-Invest von 13 GBP. Wie Seedrs funktioniert hatte ich ja früher schon hier im Blog beschrieben. Einfach mal Seedrs oben rechts in die Suche tippen.

Hier noch das Video zum Seedrs Pitch von Investly, das relativ gut erklärt was Investly macht und wofür sie die Mittel verwenden wollen:

Update: Eine frühere Version des Artikels nannte 2,5 Mio. Pfund als Obergrenze; diese Angabe wurde korrigiert.

 

 

Kreditmarktplatz Iuvo Group im Überblick – mein Einstieg für einen Test

Heute habe ich mich bei dem P2P-Kreditmarktplatz Iuvo Group* angemeldet. Auch wenn der Firmensitz aus regulatorischen Gründen in Estland ist, bietet die Plattform Konsumentenkredite aus Bulgarien. Bulgarien klingt hochriskant, ist es sicher auch als Anlage, allerdings wirbt der Marktplatz mit einigen Maßnahmen zur Absicherung. Viele der Kredite sind in Euro, also kein Währungsrisiko. Von den kreditvergebenden Firmen (loan originators) gibt es eine Rückkaufgarantie (buyback guarantee). Anders als bei anderen Plattformen zahlt die allerdings bei Ausfall nur die ausstehende Kreditsumme, nicht die angesammelten Zinsen. Die Garantie verspricht einen Rückkauf nach 60 Tagen im Verzug.

Die wesentlichen Parameter im Überblick:

  • keine Gebühren für Anleger auf dem Erstmarkt
  • 10 Euro Mindestanlage
  • Laufzeiten 1-24 Monate
  • Zinssätze für Anleger 5-15%
  • Zweitmarkt vorhanden (1% Gebühr für Verkäufer)
  • Buyback Garantie (nur Tilgung, keine Zinsen)

Es gibt derzeit 2 Loan Originators. Einer davon ist Easy Credit und schon seit 2005 auf dem bulgarischen Markt tätig, verfügt also über duchaus lange Erfahrung in dem Geschäft. Die Kredite sind mit rund 49% Effektivzinssatz für die Kreditnehmer teuer, aber keine Payday Loans in dem exorbitant hohen Zinsbereich, die verschiedene andere Marktplätze mit Buyback Garantie listen.

Da im Forum gerade zu verschiedenen Plattformen ein Mangel an ausreichendem Kreditangebot mit Buyback Garantien geäußert wird, ist Iuvo definitiv einen Blick wert. Aktuell sind 6.882 Kredite in Euro mit Buyback auf dem Erstmarkt gelistet.

Iuvo Kredite
Screenshot Iuvo Erstmarkt (Ausschnitt) – klicken für größere Ansicht

Ich habe mich heute registriert und initial 500 Euro für ein Test Investment überwiesen. Mein Plan ist nur über den Autoinvest anzulegen der viele Einstellungsmöglichkeiten bietet. Ich werde die folgenden nehmen (und habe mich dabei an den Erfahrungen von User Bandit55555) orientiert der schon länger bei Iuvo anlegt und immer mal wieder berichtet wie es läuft.

Iuvo Autoinvest
Meine Autoinvest Einstellungen auf der Iuvo Group Plattform

Ich werde dann weiter hier im Blog und in derm P2P-Kredite.com Iuvo Forum berichten, wie sich mein Portfolio entwickelt.

Mein P2P Kredit Portfolio bei Bondora nach fast 4 Jahren

Seit Oktober 2012 investiere ich in P2P Kredite bei Bondora* und berichte darüber. Bondora vergibt Kredite von privat an private Kreditnehmer in Estland, Spanien und Finnland. Bis heute habe ich schrittweise 14.000 Euro eingezahlt und angelegt. Inzwischen habe ich mir bereits 14.709 Euro wieder ausgezahlt. Da ich in der Zwischenzeit die Zinsen und Tilgungen reinvestiert hatte, habe ich trotzdem noch 9.180 Euro in laufenden Krediten investiert. Mein letzter deutschprachiger Erfahrungsbericht ist schon etwas länger her.

Mein aktueller Kreditbestand verteilt sich auf 5.684 Euro current (grün), 476 Euro overdue (gelb) und 3.019 Euro die mindestens 60 Tage overdue sind (rot). Das Ganze ist in Relation zu sehen zu Krediten im Wert von 10.361 Euro, die vollständig abbezahlt wurden. Zudem habe zeitweilig viel mit Krediten gehandelt, also laufende Kredite verkauft. Da ich gerade eine Auszahlung vorgenommen habe ist der Bargeldbestand im Moment null.

Meine aktuelle Portfolioverteilung nach Parametern:

Mein Bondora Portfolio nach Land

Mein Bondora Portfolio nach Rating

Mein Bondora Portfolio nach Kreditzweck

Renditeberechnung

Bondora zeigt mir aktuelle eine Rendite von 23,5% und weist aus, dass ich Platz 55 aller Anlager, die mindestens 10.000 Euro über mehr als 36 Monate investiert haben, innehabe. Bei meinen eigenen Berechnungen komme ich auf 20,1% Rendite (unter der Annahme 30% Verlust auf 60+ Kredite und 15% Verlust auf overdues). Selbst wenn ich für ein Szenario mit einem Totalverlust aller gelben und roten Kredite eine Renditeberechnung mit XIRR durchführe, komme ich noch auf 15,6% Rendite. Natürlich jeweils vor Steuern.

Zu beachten ist aber, dass ich zu einer Zeit angefangen habe, als das Zinsniveau auf Bondora sehr viel höher war als heute. Bei einem Start heute wären diese Ergebnisse nicht zu erreichen.

Aktuelle Entwicklungen

Die vielen Umstellungen bei Bondora führen zu einer großen Menge an Fragen und auch Verwirrung bei den Anlegern. Aktuelles Beispiel sind die ‚write-offs‘ zu denen es endlose Diskussionen gibt und trotzdem sind viel Anleger mit den Erklärungen unzufrieden. Dennoch schaffte Bondora im August mit 2,7 Mio. Euro Neukreditvolumen einen Rekordmonat.

Auch Andreas (Bandit55555)Meine Bondora Übersicht nach 3 Jahren Geldanlage‚ und Martin (Oktaeder) 3 years of Bondora investing‚ und ‚Bondora was änderte sich in einem halben Jahr‚ haben kürzlich über den Stand ihres Portfolios berichtet. Die stehen beide im Ranking auf Positionen weit vor mir – allerdings erwartet Oktaeder eine etwas niedrigere Rendite als ich.

Wie entwickelt sich ihr Bondora Portfolio? Posten Sie Ihre neuesten Erfahrungen im Bondora Forum auf P2P-Kredite.com.

Bondora Statistik für mein Portfolio
Abbildung: Bondora Statistik für mein Portfolio

Investly erhält 600Tsd Euro von Wiener VC Speedinvest; expandiert in UK Markt

Der estnische P2P Kreditmarktplatz Investly* erhielt ein Investment in Höhe von 600.000 Euro von Speedinvest, einer VC Firma in Österreich. Das Kapital nutzt Investly u.a. um sein kürzlich in Estland gelaunchtes Invoice Discounting Produkt nun auch kleinen und mittleren Unternehmen in Großbritannien anzubieten.

Investly sagt das Angebot sei einfacher und die Gebühren transparenter als bisherige invoice discounting Angebote im Markt. SMEs können ihre Rechnungen binnen 2 Tagen verkaufen und so die Lquidität schaffen, die sie für ihr Wachstum benötigen. Das Angebot steht allen britischen Firmen offen, die die Identitäts- und Bonitätsprüfungen bestehen. Als zusätzliche Sicherungsmechnanismen setzt Investly auf persönliche Bürgschaften der Geschäftsführer.

Ruth Chamberlain, Investly’s UK Country Manager, sagte: “Lange Zahlungsziele behindern SMEs in England. Die Firmen benötigen Kapital um ihr Geschäft voranzutreiben, aber nach ihrem Invest in Produkte und Personal haben sie oft nicht genügend Geld um den Monat oder die 120 Tage bis zur Zahlung zu überbrücken. Das gefährdet den Bestand der Firmen, speziell bei kleineren Unternehmen, die von den Zahlungen von 1 oder 2 wichtigen Kunden abhängig sind.” (original in englisch; eigene Übersetzung) Weiterlesen

Investly startet Anlagemöglichkeit in Invoice Disounting (unechtes Factoring)

Investly LogoNeues Jahr – neues Produkt. Der estnische P2P Kreditmarktplatz Investly*, der schon länger Kredite an Firmen vermittelt, bietet nun auch Invoice discounting an. Investly bietet interessierten estnischen Unternehmen an, schon frühzeitig eine Zahlung auf ihre Ausgangsrechnung zu leisten, ohne dass das Unternehmen auf den Zahlunsgeingang durch den Rechnungsempfänger warten muss. Für die Vorfinanzierung wird ein Abschlag (deshalb discounting) vorgenommen, dass Unternehmen erhält also nicht den vollen Betrag. Diese Differenz ist der Preis für die angebotene Dienstleistung.
Für das Unternehmen liegt der Vorteil darin, dass der Zahlungseingang bis zu 120 Tage früher erfolgt, der Cashflow wird also verbessert und die liquiden Mittel der Firma weniger strapaziert.

Das Investly Angebot kommt gleich dabei unechtem, stillem Factoring. Unechtes Factoring bedeutet, die Forderung wird nicht verkauft. Zahlt der Rechnungsempfänger nicht, dann trägt weiterhin die Firma und nicht Investly das Ausfallrisiko. Stilles Factoring bedeutet, dass dem Rechnungsempfänger nicht offengelegt wird, dass die Firma einen Dritten mit der Zwischenfinanzierung beauftragt hat (allerdings bietet Investly auch die andere Option an). Zur Einordnung der verschiedenen Factoring Varianten siehe auch diesen Wikipedia Artikel.

Wie es funktioniert
Abbildung: Die How-to Beschreibung von Investly für die Firmen

Anleger finanzieren die Rechnung vor und erhalten Zinsen

Über die Neujahrstage hat Investly nun die erste Auktion auf die erste zu finanzierende Rechnung (zu finanzierender Betrag 8.175 Euro) gestartet. Geboten werden kann ab 10 Euro. Die Anleger erhalten 15% Zinsen pro Jahr, falls der Zinssatz nicht noch in dem noch bis morgen laufenden Auktionszeitraum durch Unterbietungen fällt. Aktuell ist das Angebot zu 73% gefüllt durch Gebote von 62 Anlegern. Weiterlesen