Interview mit Ivalyo Ivanow, CEO der Iuvo Group – P2P Kredite und die Folgen der Coronakrise

Das Interview habe ich in Englisch geführt und Fragen und Antworten anschließend übersetzt.

Kannst Du bitte das Angebot von Iuvo* kurz vorstellen?

Iuvo ist einer der führenden europäischen P2P Kredit Marktplätze. Wir ermöglichen institutionellen und privaten Anleger in einen breiten Mix aus besicherten und unbesicherten Krediten zu investieren, die von regulierten Darlehensanbahnern mit eigenem Kapitaleinsatz (‚balance sheet lenders‘) auf Märkten weltweit vergeben werden. Die durchschnittliche Rendite der Portfolios auf der Plattform liegt bei 8-10% p.a..
Wir haben über 20.000 Anleger aus über 120 Ländern und das vermittelte Kreditvolumen beträgt 138 Mio. EUR.

Wie hat die Coronakrise sich auf Iuvo ausgewirkt? Beobachtest Du steigende Ausfallraten bei den Krediten Eurer Darlehensanbahner?

Covid-19 war eine unvorhergesehene Herausforderung auf der ganzen Welt und in allen Aspekten des sozialen und wirtschaftlichen Lebens. Normalerweise reagieren Finanzmärkte als erstes auf globale Trends und es erging uns genauso wie den Börsen und Fremdkapitalmärkten weltweit.

P2P Anlagen sind in Europa durchweg während der Lockdown-Zeiten zwischen März und Mai gesunken. Zur selben Zeit haben die Kreditnehmer die unsichere Situation genutzt, um Zahlungen zu verzögern, insbesondere bei Firmenkrediten. Dazu kommt, dass in einigen Staaten Zahlungsmoratorien für unterschiedliche Zeiträume beschlossen wurden. Dies hat Darlehensanbahner in eine schwierige Lage mit niedriger Liquidität gebracht und alle standen vor Herausforderungen. Glücklicherweise ist Iuvo die Plattform mit dem striktesten Prüfprozess für die Aufnahme von Darlehensanbahnern auf der Plattform und dies zeigte sich während der Krise. Die Mehrheit unserer Partner hat die Situation gut und mit minimalen Verzögerungen [der Zahlungen] überstanden. Die Liquidität auf der Plattform war gut und es gab keinerlei Verzögerungen bei den Auszahlungen.

Ivalyo Ivanov, IuvoHier einige Zahlen: Der durchschnittliche Rückgang bei Investments auf führenden P2P Kreditmarktplätzen lag bei rund 50%. Die Anleger bei Iuvo zeigten mehr Vertrauen, dennoch gingen die Anlagen um 35% zurück.
In einem normalen Monat verzeichnen wir 300-400 Tsd. EUR Auszahlungen an Kunden. Während der zwei Monate des Lockdowns haben wir rund 4 Mio. EUR an Auszahlungen abgewickelt, dies zeigt die gute Liquidität unseres Modells.
Die gute Nachricht ist, dass der Großteil dieser Gelder in den folgenden Monaten (Juni, Juli, August) wieder eingezahlt wurde, so dass wir jetzt wieder zurück auf einem Wachstumspfad sind.

Aus der Sicht der Darlehensanbahner: Die Kreditvergabe an Verbraucher war praktisch unverändert und ist bereits wieder auf dem Vorkrisenniveau – sowohl hinsichtlich des Volumens als auch bzgl. der Ausfallraten. Die Vergabe von Firmenkrediten erholt sich in ganz Europa langsamer da die Firmen immer noch den verzögerten Effekt aus dem Rückgang des Konsums spüren. Es wird in diesem Bereich noch 6-12 Monate für eine Rückkehr zur Normalität dauern.

Was ist die Situation bei KFP/CBC? Wie siehst Du die weiteren Schritte in diesem Fall?

CBC vergibt Firmenkredite und war stärker durch die Coronakrise betroffen. Die Firmenleitung hat uns kontaktiert mit der Bitte, einer Umstrukturierung der gelisteten Kredite für die Zeit des Lockdowns zuzustimmen, mit dem Ziel die Liquidität des Unternehmens zu erhöhen. Wir haben uns bemüht flexibel und verständnisvoll auf die Situation zu reagieren und unterzeichneten eine Zusatzvereinbarung, die klar die ausstehenden Forderungen und eine 3 –monatige Verschiebung der Zahlungen für alle Kredite auf der Plattform spezifizierte. CBC hat die Forderungen und alle Bedingungen anerkannt (dies ist ein sehr wichtiger Punkt), inklusive der Zahlung von Zinsen für die Dauer der Verschiebung.

Einige Wochen später hat das Unternehmen leider die vereinbarten Zahlungen ohne Angabe von Gründen eingestellt. Dies ließ uns keine Wahl als rechtliche Schritte einzuleiten. Hier kommt die bereits erwähnte Zusatzvereinbarung ins Spiel. Wir haben ein sehr präzises Dokument, das von beiden Parteien unterzeichnet wurde und detailliert die ausstehenden Forderungen und Bedingungen aufführt. Aus Sicht unserer estnischen und polnischen Rechtsanwälte wird dies das Gerichtsverfahren sehr erleichtern und beschleunigen. Wir erwarten ein positives Ergebnis.

Welche generellen Schlüsse für die Auswahl und das Management der Darlehensanbahner auf Eurem Marktplatz könnt ihr ziehen?

Wie Du weißt, haben wir bereits die striktesten Prüfprozesse für Darlehensanbahner in der Branche. Diese Situation hat zusätzlich bestätigt, dass die Branche eine konservativere Vergabepraxis bei der Kreditvergabe umsetzen sollte.

Gleichzeitig muss die Branche auch die Anleger unterrichten, bei der Wahl der Plattformen nicht nur nach den Zahlen zu gehen, sondern auch zu verstehen, welche Risiken mit den relevanten Zinssätzen, den Prüfprozessen, den Unternehmensstrukuren, der Wahl der Märkte usw. verbunden sind, die jede Plattform eingeht um Wachstum und Erlöse zu erzielen.

Dies ist der Grund, warum wir in Kürze die Kampagne vorantreiben um ‚P2P lending best practises and standards‘ zusammen mit den Top Plattformen in Europa zu definieren und umzusetzen. Das Ziel ist, dass alle wichtigen Marktteilnehmer einen Satz von Anforderungen für Darlehensanbahner beschließen, die auf den Plattformen gelten. Dadurch können wir ausschließen, dass Darlehensanbahner geringer Qualität die Plattformen gegeneinander ausspielen, um den einfachsten Deal zu bekommen.

Wir sehen die Ergebnisse und das zukünftige Potential der Anlageklasse, die wir in den vergangenen 5 Jahren geschaffen habe und wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um sie für die breite Masse der Anleger (‚mainstream investors‘) zu legitimieren.

Im Gegensatz zu anderen Marktplätzen gibt es bei Iuvo* keine Zinsen auf Kredite die im Rahmen der Rüpckkaufgarantie zurückgekauft werden. Habt ihr Pläne dies zu ändern?

Auf Iuvo entscheidet der Darlehensanbahner über die Konditionen für das Buyback. Die meisten starten ohne es [d.h. ohne Verzinsung bei Buyback]. Es gibt aber auch Darlehensanbahner die Zinsen im Falle des Buybacks zahlen und diese erzielen gute Ergebnisse. Wir verwenden diese Beispiele um andere Darlehensanbahner zu ermuntern ebenfalls diese Praxis zu übernehmen und es wird über die Zeit passieren.

Allerdings müssen die Anleger die Mechanismen, die P2P Krediten zugrunde liegen verstehen und sie müssen verstehen, dass die Zahlung von Zinsen die nicht vom Kreditnehmer erhalten wurden beim Darlehensanbahner zu einer Liquiditätsklemme führen, so dass die Durchsetzung dieser Forderung mit Vorsicht erfolgen muss.

Ein Anleger hat gefragt, ob ihr plant 2 Faktor Authentifizierung zur Erhöhung der Sicherheit einzuführen?

Ja das ist in unserem Entwicklungsplan für die nächsten Monate.

Wie siehst Du die Entwicklung der Regulierung auf europäischer Ebene?

Ich bin ein Gründungsmitglied der ersten euopäischen Crowdfunding Vereinigungen seit 2012 und ich habe am Dialog mit EBA, ESMA und der EUR in den vergangenen 8 Jahren teilgenommen. Meiner Meinung nach war der Fortschritt sehr langsam aber es geht auf das logische Ende zu. Ich erwarte, dass ein funktionierendes Regelwerk in den nächsten 12-18 Monaten beschlossen wird, das die Branche in ganz Europa harmonisiert und weiter legitimiert. Zu diesem Zeitpunkt werden P2P Kredite ‚Fahrt aufnehmen‘ und wir bereiten uns auf diesen Moment vor.

Ist Iuvo profitabel? Wann wird der Geschäftsbericht 2019 veröffentlicht?

Dieses Jahr haben wir den ersten Breakeven auf monatlicher Basis erreicht. Die Gewinnschwelle auf Jahresbasis erwarten wir 2021. Der Geschäftsbericht 2019 wurde bereits im estnischen Handelsregister veröffentlicht und wir werden ihn in den nächsten Tagen auf unserer Website veröffentlichen.

Welche Pläne hat Iuvo* für das nächste Jahr?

Wir erwarten eine volle Erholung von der Coronakrise bis zum Jahresanfang 2021. Gleichzeitig arbeiten wir an spannenden neuen Produkten, Funktionen und Partnerschaften, die P2P Kredite zu einem wichtigen Teil des Fintech Ökosystems in Europa machen werden.
Unsere Anleger werden Festzinsprodukte und interessante Partnerschaften, die ich noch nicht offenlegen kann, bekommen und es wird sogar ‚non-loan-products‘ auf der Website geben.

Ich danke Ivalyo Ivanow für das Interview für P2P-Kredite.com

Interview with Matt Clannachan, VP of Product bei Bondora – Warum vergibt Bondora derzeit keine Kredite in Spanien oder Finnland?

Das Interview habe ich in Englisch geführt und Fragen und Antworten anschließend übersetzt.

Kannst Du Bondora* bitte kurz vorstellen?

Bondora bietet einen einfachen Weg online zu investieren. Wir existieren seit über 10 Jahren und haben mehr als 130.000 Anleger. Dieses Jahr sind wir im dritten Jahr in Folge profitabel und auf das vierte liegt im Plan.

Was hast Du vorher gemacht und wann und wieso hast Du bei Bondora* angefangen?

Ich arbeitete für 2 der größten Banken in Großbritannien bevor ich zu Bondora kam. Traditionelle Bankarbeit war nichts für mich. Die Dinge bewegten sich zum langsam und ich wollte sehen, dass meine Arbeit etwas bewegt. Vor ca. dreieinhalb Jahren hörte ich zufällig von Bondora und kontaktierte sie. Nachdem ich mit Pärtel und dem Team gesprochen hatte war ich 100% von der Mission überzeugt. Ich zog nach Estland. Ich kann ehrlich sagen, dass es die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe. Seit meinem Einstieg habe ich in verschiedenen Rollen bei Bondora gearbeitet, aber meine Hauptverantwortung liegt im Produkt für die Anleger.

Als Reaktion auf die Corona Situation hat Bondora* die Vergabe neuer Kredite in Finnland und Spanien gestoppt und die Bonitätsstufen, die für Kredite in Estland berechtigt sind, beschränkt. Welchen Grund hatte diese Entscheidung?

Als Vorsichtsmaßnahme haben wir temporär die Kreditvergabe in Spanien und Finnland eingestellt. Dass wir nun nur in Kredite in Estland vergeben senkt unsere operativen Kosten signifikant. Zum Beispiel die Marketingkosten. Marketing in einem Land um ein bestimmtes Volumen an Neukreditvergabe zu erreichen ist viel kosteneffizienter als dasselbe über 3 Länder zu versuchen. In einer Wachstumsphase ist das nicht kritisch, da Expansion das Ziel ist. Aber nun ist Nachhaltigkeit unsere Top-Priorität. Wir werden unsere Strategie nur ändern wenn Daten verfügbar sind, die begründen, dass wir wieder expandieren sollten.

Kürzlich hat Bondora den maximalen Betrag der bei Go&Grow neu angelegt werden kann auf 1.000 Euro pro Monat begrenzt. Was ist der Grund dafür? Ist das eine direkte Folge der Entscheidung im Moment nur in Estland Kredite anzubieten?
In anderen Interviews wurde gesagt, Bondora könne einfach das Marketing intensivieren um mehr Kredite in Estland zu vergeben, sollte die Anlegernachfrage steigen. Das würde der jetzigen Maßnahme widersprechen?

Wir haben die Entscheidung aus 2 Gründen getroffen 1) Zukunftsfähigkeit des Portfolios 2) Damit jeder investieren kann

Auch die vorherige Aussage bleibt richtig. Wir könnten leicht das Portfolio vergrößern, wenn wir wollten. Die Nachfrage ist da. Aber wir werden keine Abstriche bzgl. der Qualität des Portfolios zulassen. Angesichts der derzeitigen globalen Situation ist es besser vorsichtig zu sein und die Daten im Blick zu haben statt exponentielles Wachstum anzustreben. Daher die 1.000 Euro Begrenzung pro Anleger um das mit unserem Kreditvolumen zu matchen. Als Firma brauchen wir kein enormes Wachstum in unseren wichtigsten Parametern jedes Jahr um weiter zu bestehen. Falls wir uns entscheiden die Neuvolumen zu senken, dann sinken unsere operativen Kosten auch.

matthew clannachanWerdet ihr wieder beginnen Kredite in Finnland und Spanien zu vergeben?

Wir haben die Entscheidung wann wir unsere Aktivitäten in Finnland und Spanien wiederaufnehmen warden noch nicht getroffen.

Als Folge der Coronakrise konnte das Go&Grow Produkt im Frühjahr nicht länger sofortige Liquidität bieten. Stattdessen wurden Teilauszahlungen umgesetzt. Jetzt seid ihr wieder bei sofortigen Auszahlungen, aber könntest Du bitte in der Rückschau mitteilen, was das für Eure Anleger bedeutete und wie sie auf diese Maßnahme reagierten?

Das war eine notwendige Maßnahme, die im Produkt von Tag 1 an vorgesehen war. Als Teilauszahlungen aktiv waren, habe ich Hunderte von Supportanfragen, Kommentaren in sozialen Medien und Foren gelesen, um zu versuchen die überwiegende Reaktion der Anleger zu verstehen. Die meisten verstanden warum wir diese Funktion aktiviert hatten und warum es für den Fortbestand des Produktes erforderlich war. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass nun – fast 6 Monate später – dadurch kein Effekt auf unsere wichtigsten Parameter (Kundenzufriedenheit, Investments, Auszahlungen, Kundenvermittlungen) eintrat. Anleger würden nicht fortfahren Bondora zu nutzen, wenn sie uns nicht vertrauen würden und uns nicht als zukunftsträchtige Firma sehen würden.

Viele der Anlegerfragen drehen sich um den Puffer den Bondora vorhält um Go&Grow liquider zu machen. In der Vergangenheit hat Bondora es abgelehnt, offenzulegen wieviel Geld in dem Puffer ist. Kannst Du bitte den Mechanismus so präzise wie möglich beschreiben? Wo wird das Geld in dem Puffer verwahrt? Ist es in einem Bankkonto und verdient dort keine Zinsen?

Unser Ziel ist die Bargeldreserve bei rund 15% des Go&Grow Portfolios zu halten. Natürlich fluktuiert dies täglich basierend auf Aus- und Einzahlungen. Das Geld ist auf einem dediziertem Bankkonto, getrennt von Bondora’s Firmenkonten. Es ist dort damit die Anleger schnellen Zugriff auf ihr Geld haben, wenn sie es brauchen.

Ein Kritikpunkt den einige Anleger haben, ist die Art und Weise wie Bondora Kredite in Verzug behandelt bei der Kalkulation der Rendite im Anlegerdashboard. Nur der Betrag der überfälligen Rate und nicht der ganze Kreditbetrag wird als in Verzug berücksichtigt. Kritiker finden, dass dies zu einer übermäßig positiven Darstellung der Rendite führt und somit Erwartungen erzeugt die später unerfüllt bleiben, wenn das Portfolio altert und die angezeigte Rendite sinkt. Was ist Deine Meinung dazu und gibt es Pläne die Berechnungsmethode zu ändern.

Wir haben keine Pläne die Berechnungsmethode zu ändern. Ich denke es ist wichtig das die Berechnungen gleichbleibend erfolgen, so dass die Renditen des Portfolios über die Jahre vergleichbar bleiben. Würde der volle Kreditbetrag als verspätet in die Kalkulation einbezogen hätte das auch Nachteile. Es wäre übermäßig negativ, weil es die 60% (zum Beispiel) des Kredites, die eingetrieben würden, vernachlässigen würde.

Bondora stellt sehr viele Informationen und Statistiken zur Verfügung. Eine die Anleger oft verwirrt ist die “Kumulatives Geld auf Geldrückflüsse – Monatsvergleich“ Grafik in den allgemeinen Statistiken. Z.B. für 36 monatige Kredite aus Q3 2014 zeigt der Wert 91,23%. Bedeuted das, dass Anleger, die zu diesem Zeitpunkt investierten, mit Verlust investierten, oder wie ist die Grafik zu lesen?

Diese Grafik ist nur aussagekräftig für Kredite am Ende der Laufzeit, da es den Prozentwert der ursprünglichen Anlagesumme zeigt, der zurückgezahlt wurde. Wenn das Ende der Kreditlaufzeit erreicht wurde und die % liegen unter 100, dann bedeutet das nicht unbedingt, dass die Rendite des Portfolios negativ ist. Typischerweise setzen sich die meisten Portfolios aus unterschiedlichen Kreditlaufzeiten aus unterschiedlichen Kohorten zusammen. Zum Beispiel gab es sehr wenige Kredite die in Q3 2014 mit einer 36 monatigen Laufzeit vergeben wurden – d.h. dies ist nicht repräsentativ für die Zusammenstellung eines ganzen Anlegerportfolios. Wir publizieren diese Grafik einfach um volle Transparenz zu liefern und die Daten aus den Reports zu visualisieren.

Erwartest Du für die Zukunft einen Anstieg der Kreditausfallraten für Konsumentenkredite in Spanien, Finnland und Estland in den verbleibenden Monaten von 2020 und 2021 als Folge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise?

Bisher zeigt unser Portfolio keine Anzeichen steigender Kreditausfallraten. Nochmal, dies ist der Grund warum wir uns entschieden haben das Neukreditvolumen während der Krise zu reduzieren (als eine Vorsichtsmaßnahme).

Wie siehst Du die Entwicklung der Regulierung auf europäischer Ebene?

Meine Meinung nach gibt es einen Silberstreif am Horizont, obwohl Vorfälle in diesem Jahr bei kleineren Plattformen ein schlechtes Licht auf die Branche warfen. Diese Art von Vorfällen kann zur Beschleunigung der Regulierung der Finanzbranche für den Verbraucherschutz führen. Wir waren immer für eine pan-europäische Regulierung von p2p lending und werden unsere Arbeit mit den Aufsichtsbehörden fortsetzen, um dies zu unterstützen.

Ist Bondora* als Unternehmen profitable?

Ja, wir waren seit 3 Jahren profitable. Wir haben unseren Geschäftsbericht für 2019 veröffentlicht und einen Nettogewinn von 2,4 Mio. Euro verkündet.

Welche Pläne hat Bondora* für das nächste Jahr?

Diese Jahre haben wir bereits viel Zeit verwendet auf die Automatisierung der internen Systeme und der Kundenoberfläche des Produktes. Zum Beispiel haben wir gerade eine ‚Instant answer support site‘ live geschaltet, die wir immer noch verbessern (diese wird schlussendlich in 24 Sprachen lokalisiert werden). Wir setzen die Arbeit an der Automatisierung mit Priorität dieses Jahr fort. Der Grund dafür ist, dass wenn sich die Weltwirtschaft stabilisiert und wir wieder bereit für Wachstumsziele sind, dann können wir rapide skalieren ohne Abhängigkeiten von manuellen Prozessen.

Abschliessende Bemerkung – Vielen Dank an alle unsere Anleger, die uns immer über die Jahre unterstützt haben. Wir freuen uns auf den Moment, wenn die Welt wieder zur Normalität zurückfindet und wir Euch in unserem Büro begrüßen können. Bitte schaut vorbei, falls ihr jemals in Tallinn seid :)

Ich danke Matthew Clannachan für das Interview für P2P-Kredite.com

Interview mit Julian Sametinger, COO von Zuper

Hinweis: Zuper nimmt gerade in einer Crowdinvesting Kampagne 500.000 Euro auf (für 10,42% der Firmenanteile). Das Minimum Investment, um in diesem Pitch Zuper Anteile zu erwerben, beträgt 17,20 Euro. Das Pitch Video ist unter diesem Interview zu sehen.

Was ist Zuper?

Zuper ist ein intelligenter Finanzassistent, der Nutzern hilft, Kontrolle über ihre Finanzen zu gewinnen und ihre finanzielle Gesundheit zu verbessern.

Für die, die noch nie von PSD2 gehört haben: Kannst Du kurz erläutern, was das bedeutet und inwiefern es die Beziehung zwischen Kunde und Bank neu definiert?

PSD2 ist eine neue Regulation der Europäischen Kommission, die darauf abzielt, den Wettbewerb im Retail-Banking zu verstärken und Banken zu mehr Innovation zu bewegen. Der Kunde soll wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Deshalb müssen Banken unter PSD2 auch anderen anerkannten Dienstleistern im Namen des Nutzers Zugriff auf dessen Konto gewährleisten. Das ermöglicht innovativen Firmen wie Zuper, ihre große Stärke in der Kundenorientierung auszuspielen.

PSD2 und Aggregation sind ein Trendthema. Was ist Euer USP gegenüber der Konkurrenz?

Zuper hat es sich zum Ziel gemacht, der erste wirklich persönliche Finanzassistent zu werden, der echten Mehrwert kreiert. Uns geht es vor allem darum, die finanzielle Gesundheit unserer Nutzer zu verbessern und Finanzbildung weiter voranzutreiben. Heutzutage lernt man in der Schule und in der Universität so ziemlich alles – aber nicht, wie man mit Geld umgeht!

Es gibt meines Erachtens (bisher) deutlich mehr angloamerikanische Startups, die Aggregation von Finanzdaten bieten, als im deutschsprachigen Raum. Warum ist das so?

Das liegt vor allem an der stärkeren Thematisierung der persönlichen Finanzen in diesen Ländern. Dort gibt es vom Bestseller-Buch bis hin zur TV-Show ein viel breiteres Angebot und mehr Nachfrage zu dem Thema. In Deutschland vertraut man beim Thema Geld eher darauf, dass andere das schon für einen regeln. Allerdings sollte man spätestens seit den letzten beiden Finanzkrisen wissen, dass man sich darauf nicht verlassen kann.

Julian Sametinger, ZuperIm Pitch schreibt ihr: ‘Eventually, we want to provide a loan platform that will enable reverse-auctioning for lenders to bid on loan requests.’. Wer bietet da? Sind das Banken, institutionelle Anleger oder auch private Anleger (also P2P Kredite)?

Zu Beginn werden es nur ein paar Banken sein, aber im endgültigen Stadium soll die Plattform für alle zugänglich sein. Nur wenn Privatpersonen im Verbund gegen Banken bieten können, werden Banken zu echter Innovation und Wertkreierung gezwungen.

Wie wollt ihr neue Nutzer gewinnen? Ist die Kundenakquisition in diesem Segment mit hohen Marketingkosten verbunden?

Wir gewinnen viele neue Nutzer über Empfehlungen. Die Kundenakquisition in diesem Segment ist normalerweise recht hoch, aber umso mehr Leute die App ihren Freunden zeigen, weil sie damit Geld gespart haben oder etwas gelernt haben, desto niedriger die Kosten. Daher konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Wertschöpfung für den Nutzer.

Warum habt ihr Euch für Seedrs als Plattform für Eure Crowdinvesting Runde entschieden?

Seedrs ist die führende Plattform im Bereich des Crowdfunding und hat uns von Anfang an super unterstützt. Darüber hinaus erhalten wir viele hilfreiche Ressourcen und tolle Unterstützung.

Warum sollen Investoren genau in Euren Pitch investieren und nicht in einen der anderen Fintech Pitches bei Seedrs?

Wir sind das erste Fintech-Unternehmen, bei dem sich alles um den Nutzer dreht. Wir verdienen nur dann etwas, wenn der Nutzer spart – das motiviert uns, echten Wert zu schaffen. Viele andere Unternehmen haben ein Produkt, das sie an den Nutzer verkaufen wollen. Wir glauben, dass Menschen sich nach einer Möglichkeit sehnen, zuverlässige Hilfe in ihrem Sinne zu erhalten und dass dieses Alleinstellungsmerkmal uns weiter wachsen lassen wird.

P2P-Kredite.com dankt Julian Sametinger für das Interview.

Das Video zum aktuellen Zuper Crowdinvestment Pitch

Warnhinweis: Investment in Startups birgt hohe Risiken und kann zu Totalverlust der Anlage führen

Interview mit Lendico Gründer Dominik Steinkühler „Klassische Banken werden in Zukunft zunehmend durch Innovationen in Frage gestellt“

Dr. Dominik Steinkühler, Mitgründer und Geschäftsführer des kürzlich gestarteten P2P Kreditmarktplatzes Lendico*, hat freundlicherweise P2P-Kredite.com ein Interview gegeben.

Was macht Lendico?

Lendico ist ein Marktplatz für Kredite von Mensch zu Mensch. Auf Lendico.de* kommen Kreditnehmer und Anleger zusammen. Der Marktplatz bietet Kreditnehmern günstige Kredite und Anlegern attraktive Renditen. Menschen mit Geld investieren in Projekte von Menschen, die Unterstützung suchen. So profitieren die einen von günstigen Raten und die anderen von attraktiven Renditen. Lendico ist eine Win-Win-Situation.

Was waren die größten Herausforderungen vor dem Launch?

Lendico wurde von Beginn an als die digitale Alternative zu Banken entwickelt. Die vielleicht größte Herausforderung war den hohen Ansprüche der Anleger und Kreditnehmer gerecht zu werden. Unsere Kunden vergleichen uns mit Banken  – erwarten aber natürlich bessere Konditionen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Launch?

Soweit man es eine Woche nach Start beurteilen kann: Sehr. Positiv überrascht sind wir von der hohen Qualität der Kreditprojekte, die auf Lendico für einen Kredit angemeldet werden.

Können Sie bitte die 3 Hauptvorteile für Kreditnehmer nennen?

1. Günstige Konditionen.
2. Keine versteckten Kosten und volle Transparenz.
3. Kredite für jeden Bedarf von 1.000 bis 25.000 Euro. Ob Überbrückungskredit oder größere Anschaffung – bei Lendico spielt dies keine Rolle.

Und die 3 Hauptvorteile für Anleger?

1. Attraktive Renditen.
2. Eine Hohe Qualität der Kreditprojekte durch den strengen Auswahlprozess.
3. Auszahlungen ab dem ersten Monat der Anlage, nicht erst nach Jahren.

Wieso weist Lendico auf seiner Seite die „Anleger-Rendite“ vor Berücksichtigung der Ausfallwahrscheinlichkeit aus, statt diese einzurechnen?

Die Angabe einer Ausfallwahrscheinlichkeit macht erst bei der Betrachtung eines diversifizierten Portfolios Sinn, nicht bei der isolierten Betrachtung eines einzelnen Kreditprojektes. Wir möchten unseren Anlegern die größtmögliche Transparenz bieten. Bei jeder Anlage ist ein gewisses Risiko unvermeidlich und die Angabe einer Ausfallwahrscheinlichkeit für einzelne Kreditprojekte wäre in unseren Augen irreführend. Mit der separaten Aufführung der Ausfallwahrscheinlichkeiten erkennt man dies hingegen auf den ersten Blick. Anleger sollten Ihre Investition über möglichst viele Kreditprojekte streuen, um voll von dem Vorteil der Diversifikation zu profitieren und ihr Risiko zu minimieren.

Lendico plant ja eine internationale Expansion. Wird es deutschen Anlegern möglich sein, Geld in P2P Kredite in ausländischen Märkten anzulegen? Über die deutsche Plattform?

Richtig, eine internationale Expansion ist für das kommende Jahr geplant. Weiterlesen

Neues Interview mit Alexander Artope

Lothar Lochmaier hat gestern in seinem Social Banking 2.0 Blog ein neues Interview mit Alexander Artopé, dem Geschäftsführer von Smava*, veröffentlicht.

In den Fragen knüpft Lochmaier vor allem an ein jüngst veröffentlichtes Dossier der DB Research zu P2P Krediten an. Lochmaier sah darin wegen des Titels (‚Welcome to the machine‚) und des Tonfalls einen Angriff der Deutschen Bank auf die P2P Kreditplattformen. Allerdings fand ich, dass rein sachlich betrachtet die Ergebnisse des DB Research Papers durchaus korrekt und nicht polemisch sind – auch wenn sie keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse darstellen – und hatte dies auch als Kommentar in Lochmaier’s Blog geschrieben.

Ich stimme mit Alexander Artopé überein, dass es grundsätzlich positiv zu bewerten ist, dass die Deutsche Bank sich (über DB Research) mit dem Trend der innovativen P2P Kreditmarktplätze öffentlich auseinandersetzt. Allerdings ist sie bisher die einzige Bank in Deutschland, die sich öffentlich damit auseinandersetzt.

Auch wenn sie sich nicht äußern, glaube ich das jede Bank mittelfristig für sich entscheiden muss wie sie zum Thema P2P Kredite steht. Umarmen und integrieren, bekämpfen, beobachten, ignorieren? Letzteres dürfte aus meiner Sicht die schlechteste Entscheidung sein, denn die Chancen, dass diese Form der Kreditvermittlung über das Internet sang- und klanglos wieder verschwindet, sehen aktuell nicht sehr groß aus.

Aber wer weiß schon, was in den Entscheidungsetagen der Banken heutzutage vorgeht? Vermutlich sind die Banken zu sehr damit beschäftigt andere Krisenherde in den Griff zu bekommen, als sich strategisch mit der Frage zu beschäftigen, ob sie im Web 2.0 Zeitalter anders mit den Kunden interagieren sollten als früher. Und so wird es vermutlich weitergehen, dass Bankgeschäfte eine One-Way Kommunikation bleiben – Wünsche und Feedback des Kunden kommen im Regelfall nicht oder nur als Reklamationen vor.

Schweiz: Privatbankier sieht P2P Kredite als Bedrohung für Bankbilanzen

In einem Video Interview sagt Konrad Hummler, Teilhaber der Schweizer Privatbank Wegelin & Co, P2P Kredite könnten sich relativ schnell zur Bedrohung der Bankbilanzen entwickeln.
P2P Kreditbörsen könnten in wesentlichen Funktionen wie Losgrößentransformation, Risikotransformation und Fristentransformation die Banken ersetzen wenn sie effizientere Prozesse etablieren. Hummler sieht eine Schwäche der Großbanken in Staatsbesitz in ihrer Ineffizienz. Banken werden versuchen durch Ruf nach mehr Regulierung ihre Marktstellung zu sichern und Innovationen zu hemmen.

Exklusiv: Smava expandiert nach Polen – Interview mit Alexander Artopé

Ab dem 07.01. wird der P2P-Kreditmarkt Smava* auch in Polen Kredite vermitteln. Dazu interviewte ich Alexander Artopé, Geschäftsführer von Smava.

P2P-Kredite.com: Herr Artopé, warum hat Smava gerade Polen als Zielmarkt für die internationale Expansion gewählt?

Smava: Aus mehreren Gründen. Erstens ist Polen eine stark wachsende Volkswirtschaft mit rund 40 Mio. Einwohnern. Zweitens ist in Polen mit rund 15% eine hohe Spanne zwischen dem Einlagen- und Kreditzins. Dadurch ist der smava Marktplatz von Anfang an sehr attraktiv für polnische Kunden. Drittens ist aufsichtsrechtlich für das Modell in Polen keine Bank notwendig, so dass sehr geringe Transaktionskosten anfallen.

P2P-Kredite.com: In Polen sind bereits 3 Anbieter von Peer-to-Peer Krediten etabliert. Mit welchen Maßnahmen will Smava als Newcomer Marktanteile gewinnen?

Smava: smava ist im Vergleich zu den bisherigen Anbietern wesentlich sicherer. Ähnlich wie in Deutschland ist zentraler Produktvorteil, dass das Risiko für Anleger transparent beurteilt und eingepreist werden kann. Hierzu arbeiten wir mit der polnischen „Schufa“, die dort BIK heißt – zusammen.

P2P-Kredite.com: Wie läuft das organisatorisch ab? Hat Smava eine Tochterfirma oder eine Niederlassung in Polen? Oder agieren Sie von Berlin aus?

Smava: Wir haben eine Tochterfirma in Polen, in Breslau (Wroclaw), mit einem polnischen Management-Team vor Ort.

P2P-Kredite.com: In welchem Feld liegen bei der internationalen Expansion die größten Herausforderungen: Technisch, juristisch/regulatorisch, im Marketing oder bei der Mitarbeitergewinnung?

Smava: Bei allen Feldern, in der Reihenfolge: juristisch/regulatorisch, Mitarbeiter und dann Marketing.

P2P-Kredite.com: Welche Unterschiede hat die polnische Version gegenüber dem deutschen Smava Angebot?

Smava: Erstens werden wir in Polen ohne Anleger-Pools starten, weil p2p Kredite dort meist im kurzfristigen Bereich unter einem Jahr vergeben werden. Zweitens werden die Endkundenverträge in Polen direkt – und nicht wie in Deutschland mit der biw Bank – abgeschlossen.

P2P-Kredite.com: Wie hoch ist die maximale Kredithöhe, die bei Smava Polen geliehen werden kann?

Smava: Ein polnischer Kreditnehmer kann über smava.pl maximal 100.000 Zloty aufnehmen. Ein Anleger kann bis zu insgesamt 200.000 Zloty Geld anlegen. (Anmerkung von P2P-Kredite.com: 100.000 Zloty entsprechen ca. 24.100 Euro)

P2P-Kredite.com: Welche Bonitätsinformationen stellt Smava.pl* den Anlegern zur Verfügung?

Smava: Wie bei smava Deutschland wird der Score (BIK) sowie die Kapitaldienstfähigkeit den Anlegern zur Verfügung gestellt.

P2P-Kredite.com: Welche Gebühren berechnet Smava den polnischen Nutzern?

Smava: Für den Anleger ist die Geldanlage kostenfrei, für Kreditnehmer kostet es 1% des Kreditbetrages. Weiterlesen

Kiva for Profit

Bei P2P-Banking gibt es ein umfangreiches Interview mit dem CEO von Globefunder.com. Über Globefunder hatte ich schon vor rund 3 Monaten geschrieben

Laut Interview klingt es nach einer interessanten Mischung zwischen Kiva und Prosper.com*. Wesentlicher Unterschied zu Kiva ist, dass Anleger bei Globefunder Zinsen erhalten sollen. Sozusagen ein „Kiva for Profit“. Start von Globefunder (zunächst in den USA) soll im Oktober sein.