Prosper im Bundesstaatendschungel

Die meisten Ereignisse und Diskussionen zu Prosper.com im Mai sind Folge der Auswirkungen der Veränderungen die Prosper am Monatsanfang an den State Lending Limits vorgenommen hat. Auch wenn Prosper Kredite in fast den ganzen USA vermittelt (46 von 50 Bundesstaaten), unterliegt das Geschäft dennoch den Gesetzen der jeweiligen Bundesstaaten. Das führte schon seit dem Start dazu, dass die Rahmenbedingungen von Bundesstaat zu Bundesstaat sehr unterschiedlich waren. Unterschiedliche Regelungen galten und gelten z.B. für:

  • den maximalen Zinssatz: Während in vielen Bundesstaaten ohne Beschränkungen Kreditnehmer bis zu 30 Prozent Zinssatz anbieten können, gelten in vielen Bundesstaaten niedrigere Grenzen (z.B. in Pennsylvania 6% maximaler Zinssatz)
  • Höchstgrenze für den aufzunehmenden Kredit. Während Prosper generell eine Obergrenze von 25.000 US$ vorsieht, ist dies in einigen Bundesstaaten viel niedriger beschränkt (z.B. Vermont mit maximaler Kredithöhe von 4.000 US$).
  • Paradoxerweise gibt es in einigen Bundesstaaten auch eine Minimumgrenze für das Kreditvolumen. So sind in Georgia keine Kredite unter 3.000 US$ möglich. Der Workaround: Der Kreditnehmer nimmt das Minimum auf und tilgt die nicht benötigte Summe direkt vorzeitig (ohne Vorfälligkeitsentschädigung)
  • Weiterhin gibt es Unterschiede für Gebühren bei zu später Zahlung

Auch wenn die Nutzer von Prosper schon seit längerer Zeit über die Unterschiede jammerten hatten sich fast alle doch irgendwie mit der Situation arrangiert. Die Auswirkung war insbesondere, dass in Staaten mit sehr niedrigen Zinsobergrenzen fast keine Kredite zustande kamen.

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Transparenz zum Smava Marktplatz für Kredite

Auf der Seite Wiseclerk.com stehen seit gestern umfangreiche Statistiken über Smava Kredite zur Verfügung. Anleger und Kreditnehmer können sich in den Übersichten schnell ein Bild von Angebot und Nachfrage bei Smava machen. Es gibt u.a. Statistiken zu Kreditprojekten, Krediten als auch eine Liste, in der die Anleger nach Höhe ihres Invest aufgeführt sind.

Wiseclerk.com nutzt dabei nur Daten, die auf Smava.de öffentlich zugänglich sind oder waren – der Mehrwert wird durch die Aggregation, statistische Analyse und Aufbereitung in Tabellen und Grafiken geschaffen.

Wiseclerk.com leistet schon seit einem Jahr als Analyseseite zu Prosper.com Daten wertvolle Hilfestellung für Anleger und Kreditnehmer und hat sich als eine führende von Prosper unabhängige Informationsquelle etabliert.

Einige Auswertungen, die Wiseclerk für Prosper stellt, wie zum Beispiel die Liste der Krediten mit Zahlungsverzug oder die vielgenutzen interaktiven Anleger Portfolio-Karten (Beispiel Anleger wartorn79) werden für den Marktplatz Smava nicht in gleicher Form möglich sein, da Smava (derzeit) die für die Erstellung solcher Auswertungen notwendigen Daten nicht publiziert.

Mit zunehmender Kreditprojektanzahl bei Smava wird der Bedarf nach Auswertungswerkzeugen vor allem auf Anlegerseite rapide steigen. Da bei Smava – anders als bei Prosper – die Möglichkeit zu bieten endet, sobald ein Kreditprojekt voll finanziert ist, gilt es attraktive Kreditprojekte möglichst schnell zu identifizieren und einen Zeitvorsprung durch Information vor anderen Anlegern zu gewinnen.

Bank 2.0 – die Zukunft?

Ein Beitrag von Nicolas Guillaume (entdeckt via TheBankWatch) versucht Banking in den Kontext Communities zu stellen und beurteilt die Ansätze von Prosper und Zopa aus diesem Blickwinkel.

Guillaume präsentiert zwei Ansätze:

  1. Top Down
    Hier agiert die Institution wie eine „herkömmliche“ Bank. Die Web 2.0 Methoden werden im wesentlichen zu Marketing-Zwecken eingesetzt. In der Community findet ein offener Meinungs- und Erfahrungsaustausch statt, aber die Communityinteraktion beinflußt nicht direkt die Kreditfinanzierung.
    Beispiel: Zopa
  2. Bottom Up
    In diesem Modell ist der Prozess so aufgebaut, dass ein Maximum an Interaktion möglich wird. Kreditgeber interagieren mit Kreditnehmern und erhalten Einblick in deren Kredithistorie, Arbeitsverhältnis, Einkommen. Während trotzdem Maßnahmen getroffen werden, um die Anonymität zu wahren, wird ein Maximum an Information frei zugänglich gemacht, auf deren Basis alle Marktteilnehmer ihre Entscheidungen treffen können.
    Beispiel: Prosper

Colin Henderson, TheBankWatch, versucht in seiner Analyse die Unterschiede zwischen traditionellen Banken und diesen beiden Modellen herauszuarbeiten. In beiden Modellen müssen Kreditnehmer ihre Kredite zurückzahlen oder sie werden mit Inkassounternehmen konfrontiert und ihre Bonität leidet. Henderson sieht die Unterschiede in den Punkten Prozessabläufe und Kommunikationskanäle.

Bank 2.0
(Quelle der Abbildung: TheBankWatch)

Prozessabläufe

Bank 1.0: Die Prozesse sind intern und werden durch Angestellte abgearbeitet. Alle Daten werden vertraulich behandelt

Bank 2.0: Der Prozess der Prüfung der Kreditanträge wird an die Community outgesourct. Die Bank 2.0 ist nur dafür verantwortlich die „richtigen“ Dokumente verfügbar zu machen ohne dabei die Anonymität zu gefährden. Die Bank 2.0 stellt Prozesse und Instrumente zur Verfügung, die eine Bewertung erleichtern und eine Interaktion der Community unterstützen. Die Bank 2.0 selbst bewertet die Kreditanträge jedoch nicht, sondern überlässt die Bewertung dem Markt.

Kommunikationskanäle (Kundenkontakt, Vertrieb)

Bank 1.0: Alle Kanäle sind im Besitz und unter voller Kontrolle der Bank.

Bank 2.0: Es gibt keine zentralisierten Kanäle. Kundengewinnung basiert zunehmend auf viralem Marketing. Die Bank 2.0 stellt nur die Plattform auf der die Community agiert. Ziel der Bank 2.0 muss es sein ein Klima der Offenheit und Transparenz zu erzeugen, das Vertrauen schafft.

Hinweis: Bis hierhin ist dieser Artikel im wesentlich eine Übersetzung der ausländischen Quellen – allerdings nicht wortwörtlich, ich habe bewusst einige Dinge anders ausgedrückt.

Bezogen auf die deutsche Situation, finde ich den Gedanken, dass eine Bank wesentliche Prozesse an die Community outsourct, zwar sehr spannend (vor allem unter Kostenaspekten und Preisbildungsaspekten), kann mir aber nicht vorstellen, dass das in aller Konsequenz in näherer Zukunft umgesetzt wird. Zu starr sind in Deutschland regulatorische und Datenschutzrahmenbedingungen.

Smava.de als einen ersten Schritt würde ich in der obigen Darstellung zwischen der Ebene von Prosper und der von Zopa einordnen. Wieviele Informationen (financial affairs) bei Smava tatsächlich offengelegt werden, muss sich im Lauf der Zeit noch zeigen. Im Moment ist es die Schufa-Bonität plus etwaige freiwillige Offenlegungen des Kreditnehmers in seinem Profil.

Aufstand der Nutzer im Prosper Forum ?

Im Diskussionsforum der amerikanischen Plattform für Peer-to-Peer Kredite Prosper.com ist es in den letzten Tagen zu erheblichem Aufruhr gekommen. Nachdem einige Mitglieder die (Marketing-)Praktiken eines Gruppenleiters kritisiert hatten, sperrte Prosper 10 Mitgliedern temporär im Forum. Zudem wurden einige Threads geschlossen.

Nun handelte es sich aber nicht um neue oder unbekannte Mitglieder, sondern um Mitglieder, die im letzten Jahr tragende Stützen der Diskussion waren (auch inhaltlich) und ein gewisses Renommee geniessen. Das Vorgehen wurde verbreitet als Zensur empfunden.

Daraufhin propagierten mehrere Anleger den Abzug der Geldmittel, um Druck auf Prosper auszuüben. Andere rufen zumindest zum Boycott des Prosper Forums auf und empfehlen den Umzug in ein von Prosper unabhängiges Forum. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus der Diskussion. 7 von den 10 neuesten Threads im Lender Forum drehen sich um das Thema.

Eine (sicher subjektive) Schilderung der Auslöser der Vorgänge, kritisiert das genau die Mitglieder die verantwortungsvoll auf offensichtliche Mißstände (die Veröffentlichung einer Kopie eines Führerscheins und die zu späte Reaktion von Prosper auf diesen Vorfall) hinwiesen, letztendlich dafür bestraft wurden, dass sie helfen wollten.

Andererseits gibt es Mitglieder, die zur Ruhe aufrufen, Mitglieder, die sagen das Forum sei Ihnen sowieso egal, sie seien nur am Gewinn, den sie über Prosper erzielen interessiert und Mitglieder, die sagen sie würden zukünftig das Forum boycottieren aber weiter über Prosper Kredite vergeben

Falls einiger der obigen Links nicht mehr funktionieren – es gab in der Vergangenheit Vorwürfe, Prosper lösche auch ganze Threads.

Eine offizielle Stellungnahme von Prosper zum Sachverhalt habe ich nicht gefunden – es scheint sie bisher nicht zu geben.

Fazit: In den Prosper Foren finden Diskussionen statt, die zu stark gruppendynamischen Verhalten bei Anlegern (weniger bei Kreditnehmern) führen können. Es ist anzunehmen dass diese Prozesse sich in einem gewissen Maß auch auf die Marktbildung der Nachfrageseite bei Prosper selbst auswirken, da die Foren bei Prosper sehr stark zur Meinungsbildung beitragen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass vermutlich nur ein kleiner Teil der Kreditgeber bei Prosper die Foren (häufig) nutzt. Im Forum sind zur Zeit rund 8530 Nutzer angemeldet.

Prosper, Zopa und Boober im Trafficvergleich

Auf Basis der Trafficzahlen von Alexa ergibt sich, dass Prosper.com und Zopa.com relativ stabile Besucherzahlen haben, die unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Einwohnerzahlen der Zielmärkte USA respektive Großbritannien eine vergleichbar gute Marktdurchdringung zeigen.

Im Gegensatz dazu erscheint Boober.nl nur zum Zeitpunkt des Launchs auf dem Radarschirm.

Trafficvergleich Prosper Boober Zopa (für größere Darstellung auf Bild klicken)

An einigen Zeitpunkten ist ein gleichzeitiges Hoch bei Prosper und Zopa zu verzeichnen. Hier ist vermutlich eine Presseveröffentlichung der Grund, da in vielen Artikeln zum Thema, sowohl Prosper als auch Zopa refernziert werden.

Können Plattformen für P2P-Kredite wirksam sozialen Druck einsetzen um Forderungsausfälle zu mindern?

In der realen Welt trägt sozialer Druck durch Gruppen (engl. peer pressure) wie Verwandte, Nachbarn, Kollegen dazu bei, dass eingegangene Verpflichtungen eingehalten werden um einen Gesichts- und Ansehensverlust zu vermeiden.

Die Übertragung dieses Ansatzes auf Geschäftsmodelle wie bei Prosper erscheint zunächst paradox, sind doch alle Mitglieder bei Prosper anonym.

Dennoch versucht Prosper durch verschiedene Ansätze auch in der virtuellen prosper Welt peer-pressure aufzubauen.

  • Gruppen: Von Prosper gedacht um Mitglieder mit gleichen Interessen zusammenzuführen (z.B. auf religiöser, ethnischer, beruflicher, schulischer oder Interessensbasis). In der Praxis ist aber äußerst umstritten ob dieser Ansatz funktioniert. Der ursprüngliche Gedanke war vermutlich auch marketing-getrieben. Personen, die sich kennen sollten ihren Bekanntenkreis zu ihrer Gruppe bei Prosper einladen. Tatsächlich basieren nur sehr wenig Gruppen auf dieser Grundlage.
    Die meisten Gruppenchefs (engl. group leader) werben neue Mitglieder über das Internet, kennen diese also nicht persönlich. Weiterlesen

Wachstum der vergebenen Prosper Kredite gewinnt an Fahrt

Seit dem Start vor etwas über einem Jahr wurden Prosper.com Kredite von über 39 Millionen Dollar vergeben. Das ergibt ein durchschnittliches Volumen neuer Kredite von ca. 100.000 Dollar pro Tag.

Viel eindrucksvoller ist aber wie das Wachstum von Prosper an Fahrt gewinnt. Ich habe heute die Zahlen der letzten Tage analysiert, was entstandene neue Kredite angeht:

23.02.07: 252.751 US$ (39 neue Kredite)
22.02.07: 342.850 US$ (51 neue Kredite)
21.02.07: 530.206 US$ (93 neue Kredite)
20.02.07: 353.551 US$ (54 neue Kredite)

Also knapp 1,5 Mio US$ Kreditvolumen in einer Woche. Auch in der Vorwoche war die Summe der Neukredite mit 1,52 Mio US$ vergleichbar hoch.

Hochgerechnet auf das Jahr 2007 ist selbst ohne Berücksichtigung des fortschreitenden Wachstums eine in 2007 vergebene Kreditsumme von über 50 Mio. US$ zu erwarten

Studie zeigt welche Faktoren zum Erfolg bei einem P2P Kredit führen

Viele Kreditanträge bei Prosper.com scheitern, da nicht genügend Kreditgeber investieren wollen. In einer interessanten Studie der Stanford Graduate School of Business wurde mit statistischen Methoden genau untersucht, welche Faktoren den stärksten Einfluß darauf haben, ob aus einem Kreditantrag tatäschlich ein Kredit wird oder ob dieser scheitert. Eines der Ergebnis war, dass eine Empfehlung durch den Gruppenleiter (group leader endorsement) der wichtigste positive Faktor ist und sich quasi wie eine Steigerung um zwei Bonitätsstufen auswirkt.

Viele Neuerungen bei Prosper

Vorgestern hat Prosper.com, rund ein Jahr nach dem Start, sehr viele umfangreiche Neuerungen eingeführt. Nachdem es immer wieder Beanstandungen zum und Verzögerungen durch den Kundenservice, der bisher auf die Philippinen outgesourct war, gab, will Prosper diesen ab Ende Februar Inhouse erbingen.

Ab sofort wird auch der Kreis potentieller Kreditnehmern eingeschränkt. Personen mit sehr schlechter Bonität, bzw. Personen, bei denen aufgrund fehlernder Kredithistorie, kein Bonitätsscore ermittelt werden kann, können nun keine Kreditanträge stellen.
Damit trägt Prosper den Erfahrungen Rechnung, dass gerade diese Klientel sehr viel Arbeitsaufwand verursachte, nur zu einem sehr geringen Anteil tatsächlich einen Kredit erhielt und sehr hohe Kreditausfälle verursachte.

Erheblich verbessert wurden die Bonitäts- und Beschäftigungsstatusinformationen über die Kreditnehmern, die potentiellen Kreditgebern vor dem Bieten zur Verfügung stehen.

Außerdem hat Prosper die Gebühren angehoben. Ferner wird eine „Identity Theft Guarantee“ die gegen bestimmte Betrugsversuche schützt gewährt.

Alle Neuigkeiten können sind in dieser Ankündigung von Prosper zusammengefasst. Dort finden sich auch viele Reaktionen von Nutzern.