Auxmoney Anleger-Gruppen

Heute hat Auxmoney Anlegergruppen eingeführt. In der Ankündigungsemail von Auxmoney heisst es:

Auxmoney bietet seit heute Anlegern die Möglichkeit, sich zu einer Anlegergruppe zusammenzuschließen.

Ihr Vorteil:

Die Anleger einer Gruppe helfen einander dabei, interessante und lohnende Kreditprojekte auf auxmoney.com zu finden. Als Mitglied einer Gruppe werden Sie immer dann per E-Mail benachrichtigt, wenn ein anderes Gruppenmitglied auf ein Kreditprojekt geboten hat. So erhalten Sie ständig qualifizierte Informationen, welche Kreditprojekte nach Ansicht der anderen Gruppenmitglieder lohnenswert sind und können sich besser untereinander austauschen und Tipps geben.

So funktioniert es:

Jeder Anleger kann kostenfrei eine eigene Anlegergruppe eröffnen und andere Anleger zu dieser Gruppe einladen. … Weiter finden Sie hier auch einen kleinen gruppeneigenen Statistikbereich, der zum Beispiel über das investierte Volumen der Gruppe Auskunft gibt und eine Übersicht über Ihre Mitgliedschaft in anderen Gruppen.

Es ist zwar ganz interessant zu verfolgen, welche Anleger ähnliche Bietstrategien verfolgen. Auch Wiseclerk zeigt für jeden Anleger die 15 Anleger mit den ähnlichsten Geboten (Beispiel für mich). Über diese Anlegergruppen könnte also eine Signalgebung erfolgen und eine Wechselwirkung zwischen den Anlegern entstehen. Ob das wünschenswert ist, wurde schon in einem anderen Zusammenhang ansatzweise erörtert.

Ich sehe (noch) wenig Nutzen in den Gruppen bei Auxmoney. Wie bei Smava bringen die Gruppen wenig. Ein – auch im Forum zu Auxmoney diskutierter – Nachteil ist, das mit dem Wachsen von Gruppen jedes Mitglied eine immer stärker wachsende Anzahl von Benachrichtigungsemails über die Gebote anderer Gruppenmitglieder erhält.

Aber vielleicht reichert Auxmoney die Gruppen ja noch mit nützlicheren Funktionen an.

Gruppenleitergen? Herdentrieb?

Bei Smava.de sind im Februar 21 neue Gruppen gegründet worden. Jedes Smava Mitglied, egal ob Anleger oder Kreditnehmer kann eine Gruppe gründen. Das erstaunliche daran ist, dass nachdem in jedem Vormonat nur eine Handvoll Gruppen gegründet wurden, nun so eine Menge kam.

Hmm. Herdentrieb?

Ich habe mir also die Gruppen mal angeschaut. Und der Wille Gruppenleiter zu sein, muss irgendwie genetisch vererbt werden und dieses Gen tritt in Berlin wohl häufig auf, denn 12 von den 21 neuen Gruppen wurden von Anlegern, die in Berlin wohnen gegründet (bei einem stand kein Bundesland). Dies entspricht nicht der normalen Anlegerverteilung von Smava auf Bundesländer.

Noch erstaunlicher wird es, wenn man sich folgende Zahlen zu Gemüte führt. Die meisten Gruppenleiter der neuen Gruppen haben sich erst im Februar registriert und 19 von 21 haben noch kein Geld angelegt, obwohl sie Anleger sind.

Hallo? Was bringen bitte 19 Gruppen die von Personen geleitet werden, die neu bei Smava sind und selbst noch keine praktische Erfahrung gesammelt haben, bzw. selbst nicht Geld anlegen? Und welche Motivation haben diese Anleger, sich als Gruppenleiter anzumelden ohne selbst Smava aktiv zu nutzen?

Die Gruppen haben schon bisher wenig Funktion bei Smava aber das treibt das Ganze auf die Spitze.

Eine mögliche Erklärung, die zumindest logisch wäre: Smava führt die vorgesehene Gruppenleiterprämie in Kürze tatsächlich ein und hat eine begrenzte Anzahl von Personen eingeladen, sich schon mal als Gruppenleiter zu registrieren, damit sie dann zeitnah ihre Marketinganstrengungen zum Werben neuer Gruppenmitglieder starten können.

Gruppenleiter müssen schnell sein

Gestern um 11:29 Uhr. Ich öffne ein Email, das mir Smava um 11:08 Uhr geschickt hat:

Hallo,

das Mitglied „cfox24“ bewirbt sich bei Ihrer Gruppe „Akademiker, Abiturienten, Know-How Träger  (Wissen ist Macht)“ mit folgender Nachricht: …

Also bei Smava.de eingeloggt. Ja, da ist auch die Anzeige, das eine offene Bewerbung zu meiner Gruppe vorliegt. Draufgeklickt und …

Nichts.

Es liegen keine offene Bewerbungen vor. Wenn das jetzt das erste Mal gewesen wäre, wäre ich jetzt verblüfft gewesen. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit weiß ich aber woran es liegt:

Auf den Kredit von cfox24 hat ein erster Bieter (Provider um 10:30 Uhr) ein Gebot abgegeben. Damit ist eine Aufnahme in eine Gruppe oder ein Wechsel der Gruppe nicht mehr möglich.

Wieder mal zu langsam gewesen als Gruppenleiter. Und diesmal hatte ich sogar 20 Minuten zum reagieren. Ich hatte auch schon mal eine Bewerbung mitten in der Nacht, wo mir sage und schreibe 8 Minuten Zeit für die Freigabe der Bewerbung vor dem ersten Gebot geblieben wären.

Bank 2.0 – die Zukunft?

Ein Beitrag von Nicolas Guillaume (entdeckt via TheBankWatch) versucht Banking in den Kontext Communities zu stellen und beurteilt die Ansätze von Prosper und Zopa aus diesem Blickwinkel.

Guillaume präsentiert zwei Ansätze:

  1. Top Down
    Hier agiert die Institution wie eine „herkömmliche“ Bank. Die Web 2.0 Methoden werden im wesentlichen zu Marketing-Zwecken eingesetzt. In der Community findet ein offener Meinungs- und Erfahrungsaustausch statt, aber die Communityinteraktion beinflußt nicht direkt die Kreditfinanzierung.
    Beispiel: Zopa
  2. Bottom Up
    In diesem Modell ist der Prozess so aufgebaut, dass ein Maximum an Interaktion möglich wird. Kreditgeber interagieren mit Kreditnehmern und erhalten Einblick in deren Kredithistorie, Arbeitsverhältnis, Einkommen. Während trotzdem Maßnahmen getroffen werden, um die Anonymität zu wahren, wird ein Maximum an Information frei zugänglich gemacht, auf deren Basis alle Marktteilnehmer ihre Entscheidungen treffen können.
    Beispiel: Prosper

Colin Henderson, TheBankWatch, versucht in seiner Analyse die Unterschiede zwischen traditionellen Banken und diesen beiden Modellen herauszuarbeiten. In beiden Modellen müssen Kreditnehmer ihre Kredite zurückzahlen oder sie werden mit Inkassounternehmen konfrontiert und ihre Bonität leidet. Henderson sieht die Unterschiede in den Punkten Prozessabläufe und Kommunikationskanäle.

Bank 2.0
(Quelle der Abbildung: TheBankWatch)

Prozessabläufe

Bank 1.0: Die Prozesse sind intern und werden durch Angestellte abgearbeitet. Alle Daten werden vertraulich behandelt

Bank 2.0: Der Prozess der Prüfung der Kreditanträge wird an die Community outgesourct. Die Bank 2.0 ist nur dafür verantwortlich die „richtigen“ Dokumente verfügbar zu machen ohne dabei die Anonymität zu gefährden. Die Bank 2.0 stellt Prozesse und Instrumente zur Verfügung, die eine Bewertung erleichtern und eine Interaktion der Community unterstützen. Die Bank 2.0 selbst bewertet die Kreditanträge jedoch nicht, sondern überlässt die Bewertung dem Markt.

Kommunikationskanäle (Kundenkontakt, Vertrieb)

Bank 1.0: Alle Kanäle sind im Besitz und unter voller Kontrolle der Bank.

Bank 2.0: Es gibt keine zentralisierten Kanäle. Kundengewinnung basiert zunehmend auf viralem Marketing. Die Bank 2.0 stellt nur die Plattform auf der die Community agiert. Ziel der Bank 2.0 muss es sein ein Klima der Offenheit und Transparenz zu erzeugen, das Vertrauen schafft.

Hinweis: Bis hierhin ist dieser Artikel im wesentlich eine Übersetzung der ausländischen Quellen – allerdings nicht wortwörtlich, ich habe bewusst einige Dinge anders ausgedrückt.

Bezogen auf die deutsche Situation, finde ich den Gedanken, dass eine Bank wesentliche Prozesse an die Community outsourct, zwar sehr spannend (vor allem unter Kostenaspekten und Preisbildungsaspekten), kann mir aber nicht vorstellen, dass das in aller Konsequenz in näherer Zukunft umgesetzt wird. Zu starr sind in Deutschland regulatorische und Datenschutzrahmenbedingungen.

Smava.de als einen ersten Schritt würde ich in der obigen Darstellung zwischen der Ebene von Prosper und der von Zopa einordnen. Wieviele Informationen (financial affairs) bei Smava tatsächlich offengelegt werden, muss sich im Lauf der Zeit noch zeigen. Im Moment ist es die Schufa-Bonität plus etwaige freiwillige Offenlegungen des Kreditnehmers in seinem Profil.

Aufstand der Nutzer im Prosper Forum ?

Im Diskussionsforum der amerikanischen Plattform für Peer-to-Peer Kredite Prosper.com ist es in den letzten Tagen zu erheblichem Aufruhr gekommen. Nachdem einige Mitglieder die (Marketing-)Praktiken eines Gruppenleiters kritisiert hatten, sperrte Prosper 10 Mitgliedern temporär im Forum. Zudem wurden einige Threads geschlossen.

Nun handelte es sich aber nicht um neue oder unbekannte Mitglieder, sondern um Mitglieder, die im letzten Jahr tragende Stützen der Diskussion waren (auch inhaltlich) und ein gewisses Renommee geniessen. Das Vorgehen wurde verbreitet als Zensur empfunden.

Daraufhin propagierten mehrere Anleger den Abzug der Geldmittel, um Druck auf Prosper auszuüben. Andere rufen zumindest zum Boycott des Prosper Forums auf und empfehlen den Umzug in ein von Prosper unabhängiges Forum. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus der Diskussion. 7 von den 10 neuesten Threads im Lender Forum drehen sich um das Thema.

Eine (sicher subjektive) Schilderung der Auslöser der Vorgänge, kritisiert das genau die Mitglieder die verantwortungsvoll auf offensichtliche Mißstände (die Veröffentlichung einer Kopie eines Führerscheins und die zu späte Reaktion von Prosper auf diesen Vorfall) hinwiesen, letztendlich dafür bestraft wurden, dass sie helfen wollten.

Andererseits gibt es Mitglieder, die zur Ruhe aufrufen, Mitglieder, die sagen das Forum sei Ihnen sowieso egal, sie seien nur am Gewinn, den sie über Prosper erzielen interessiert und Mitglieder, die sagen sie würden zukünftig das Forum boycottieren aber weiter über Prosper Kredite vergeben

Falls einiger der obigen Links nicht mehr funktionieren – es gab in der Vergangenheit Vorwürfe, Prosper lösche auch ganze Threads.

Eine offizielle Stellungnahme von Prosper zum Sachverhalt habe ich nicht gefunden – es scheint sie bisher nicht zu geben.

Fazit: In den Prosper Foren finden Diskussionen statt, die zu stark gruppendynamischen Verhalten bei Anlegern (weniger bei Kreditnehmern) führen können. Es ist anzunehmen dass diese Prozesse sich in einem gewissen Maß auch auf die Marktbildung der Nachfrageseite bei Prosper selbst auswirken, da die Foren bei Prosper sehr stark zur Meinungsbildung beitragen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass vermutlich nur ein kleiner Teil der Kreditgeber bei Prosper die Foren (häufig) nutzt. Im Forum sind zur Zeit rund 8530 Nutzer angemeldet.

Können Plattformen für P2P-Kredite wirksam sozialen Druck einsetzen um Forderungsausfälle zu mindern?

In der realen Welt trägt sozialer Druck durch Gruppen (engl. peer pressure) wie Verwandte, Nachbarn, Kollegen dazu bei, dass eingegangene Verpflichtungen eingehalten werden um einen Gesichts- und Ansehensverlust zu vermeiden.

Die Übertragung dieses Ansatzes auf Geschäftsmodelle wie bei Prosper erscheint zunächst paradox, sind doch alle Mitglieder bei Prosper anonym.

Dennoch versucht Prosper durch verschiedene Ansätze auch in der virtuellen prosper Welt peer-pressure aufzubauen.

  • Gruppen: Von Prosper gedacht um Mitglieder mit gleichen Interessen zusammenzuführen (z.B. auf religiöser, ethnischer, beruflicher, schulischer oder Interessensbasis). In der Praxis ist aber äußerst umstritten ob dieser Ansatz funktioniert. Der ursprüngliche Gedanke war vermutlich auch marketing-getrieben. Personen, die sich kennen sollten ihren Bekanntenkreis zu ihrer Gruppe bei Prosper einladen. Tatsächlich basieren nur sehr wenig Gruppen auf dieser Grundlage.
    Die meisten Gruppenchefs (engl. group leader) werben neue Mitglieder über das Internet, kennen diese also nicht persönlich. Weiterlesen