Warum in Bälde nicht mit der Einführung von Zweitmärkten auf UK Crowdinvesting Plattformen zu rechnen ist

Vor kurzem kamen von Tandem nicht so gute Nachrichten. Das Startup verliert seine Banklizenz, da es die Eigenkapitalanforderungen, die an die Banklizenz geknüpft sind, nicht erfüllen kann. Das sorgte für Desillusionierung bei einigen der Anleger, die letztes Jahr im Rahmen einer Seedrs Kampagene 1 Mio. Pfund in Tandem investiert hatten. Sie glaubten nicht mehr an die Zukunft von Tandem und möchte ihre Anteile veräußern, z.T. auch mit Abschlägen. Doch einen Zweitmarkt zum Handeln von Anteilen bietet Seedrs nicht. So läuft das dann ganz archaisch über Postings, die sich wie alte Kleinanzeigen lesen, im Q&A Forum bei Seedrs. Ein Anleger postet, er möchte gerne 10 Tandem Aktien zu X Pfund verkaufen. Ein anderer Anleger postet, er ist bereit diese zu kaufen. Danach wenden sich Käufer und Verkäufer an Seedrs um den Papierkram für die Übertragung der Anteile erledigen zu lassen. Macht Seedrs auch breitwillig und kostenlos (nur die 7,5% Carry, falls der Verkaufspreis über dem Preis bei Invest liegt, nimmt Seedrs).

Fragt sich, warum Seedrs keinen Zweitmarkt einführt. Das wäre – aus Sicht der Anleger doch naheliegend? Und warum auch die anderen Crowdinvestment Anbieter keinen solchen Handel haben. Je nach Land ist es verständlicherweise regulatorisch nicht möglich, das scheint in UK aber nicht das (Haupt-)hinderniss zu sein.

Letzte Woche in der Kaffeepause der AltfiEurope Konferenz in London habe ich mit Goncalo Vasconcelos von SyndicateRoom, einer anderen britischen Plattform, über seine Sicht auf einen Zweitmarkt gesprochen. Vertreter von 2 kleineren Plattformen standen auch dabei.

Er sieht den Bedarf einfach nicht. Seine Argumente dagegen, grob zusammengefasst:

  1. Es dient dem Schutz der Anleger (das es keinen Handel gibt) weil
    a) sie nicht verleitet werden fälschlischerweise zu glauben, es sei eine liquide Anlageform
    b) sie nicht durch einen Verkauf ihre EIS/SEIS Steuervorteile verlieren können (denn diese setzen eine Mindesthaltefrist der Anlage von 3 Jahren voraus)
  2. Es wäre nicht im Interesse der Startups

Der Verlust der Steuervorteile in Argument 1b) droht zwar (bei britischen Anlegern), das ist aber kein Argument gegen einen Zweitmarkt, denn zum einen könnte man vor der Verkaufsbestätigung leicht einen dicken roten Warnhinweise „Wollen Sie wirklich Ihre Anteile verkaufen und auf ihre Steuervorteile verzichten“ einblenden, wenn die Anteile weniger als 3 Jahre im Portfolio waren. Zum anderen, wird es bald viele Anteile geben, bei denen die 3 Jahre sowieso rum sind.

Argument 1a) kann ich gar nicht nachvollziehen. Der Anleger ist informiert genug um riskante Invests in Startups zu tätigen, aber dann so doof zu glauben, dass dieses Invest völlig liquide ist, nur weil es einen Zweitmarkt ist. In diesem Argument geht es m.E. nicht um den Schutz des Anlegers, sondern um den Schutz der Plattform, und zwar hat sie Angst dass ihr die Regulierungsbehörde genau das vorwirft und die Regulierung verschärft.

Punkt 2 ist das einzige Argument, dass ich nachvollziehen kann. Wer zahlt denn die Plattformen? Genau, die Gebühren der Startups aus den Finanzierungsrunden. Und wemn dann zwischen den Runden aufgrund des Zweitmarktes ein „Durchschnittsmarktkurs“ für die Anteile eines Startups ersichtlich ist, der vielleicht nur auf sehr wenigen Trades basiert, dann kann das schon Fragen zur Bewertung in einer anstehenden Folgerunde aufkommen lassen und diese womöglich gefährden.

Andererseits versucht ja Seedrs mit seinem eigenen Portfoliobewertungsansatz gerade so etwas wie einen Marktindikator für die Wertentwicklung einzelner Anlageportfolien zu schaffen. In diesen fliessen mangels vieler Exits derzeit vor allem Buchgewinne (die nur auf dem Papier existieren) aus höheren Bewertungen bei Folgerunden ein. Wäre es da nicht konsequent und sehr viel überzeugender wenn Seedrs auch tatsächliche Preise aus Zweitmarkthandel in diesem Indikator einfliessen lassen könnte.

In einem Panel von AltfiEurope ging es auch ganz grundsätzlich darum, wie man die Entwicklung der Startups nach dem Funding bewerten kann. Altfidata versucht das mit einem sehr grobem Raster in wenigen Klassen (nicht mehr am Markt, am Markt aber in Schwierigkeiten, aktiv, aktiv mit Folgerunde als downround, aktiv mit Folgerunde, Exit durch Verkauf, Exit durch IPO). Das monitoren sie dann über das Handelsregister und reporten es.

Gesprochen wurde auch über die Diskrepanz zwischen unrealistischen Business Plänen vor dem Funding und der tatsächlichen späteren Geschäftsentwicklung in sehr vielen Fällen. Lösungsvorschläge wie sich das standardisiert monitoren und reporten lässt gab es aber nicht.

Die aktuelle Position von Crowdcube zum Thema Zweitmarkt ist mir nicht bekannt. Es gibt aber keine Anzeichen, dass Crowdcube einen plant. So werden Anleger auf britischen Plattformen weiter auf einen Zweitmarkthandel verzichten müssen. Es sei denn sie pinnen Kleinanzeigen.

 

Aktueller Status des Crowdinvesting in UK

Der heute veröffentlichte Report Where are the now von Altfi und Nabarro analysiert die Entwicklung des britischen Crowdinvesting Marktes. Dazu wurden Daten von 955 Kapitalrunden für 751 Startups über 6 Crowdinvestment Plattformen ausgewertet. Diese sind Crowdcube, Seedrs, Syndicate Room, VentureFunders, Code Investing und Angels Den. Crowdcube und Seedrs habe ich selbst auch schon als Anleger genutzt und im Crowdinvesting Forum gibt es viele Diskussionen zu einzelnen Pitches.

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Quelle: Where are they now 2016, Seite 9

2016 wird voraussichtlich das erste Jahr sein in dem das finanzierte Gesamtvolumen unter dem des Vorjahres liegt. Einer der Gründe dürfte im Brexit liegen, der sich insbesondere auf das Q3 2016 auswirkte.

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Quelle: Where are they now, Seite 10

Crowdcube und Seedrs dominieren im UK Markt mit deutlichem Abstand vor allen anderen Marktplätzen.

Für den Report wurden Daten des Companies House und weitere Parameter herangezogen um den Fortschritt der finanzierten Firmen zu klassifizieren.

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Quelle: Where are they now, Seite 4

Heruntergebrochen auf Crowdcube und Seedrs ergibt sich folgendes Bild:

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Quelle: Where are they now 2016, Seite 27

Nach den Berechnungen des Reports liegt die durchschnittliche Rendite bei 8,55% (IRR, ohne Berücksichtigung von Steuervorteilen für britische Anleger). Dazu muss gesagt werden, dass es sich natürlich um Buchgewinne handelt, solange noch kein Exit erfolgte. Es gibt auch keinen Zweitmarkt, d.h. ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Investment ist i.d.R. schwierig.

Mein eigenes Portfolio umfasst inzwischen über 50 kleine Invests in britische Startups, fast alle davon via Seedrs.

 

Über Seedrs in Robo Advice Startup Wealthify investieren

Ich nutze schon länger die britische Crowdinvesting Plattform Seedrs, um in Startups zu investieren und habe auf diesem Weg inzwischen Aktien von über 30 Startups erworben. Zum Modell von Seedrs und den Vorteilen gegenüber anderen Crowdinvesting Plattformen hatte ich im Artikel „Crowdinvestment über Seedrs am Beispiel Landbay“ vor 3 Jahren schon etwas geschrieben. Inzwischen ist Seedrs auch in Benelux gestartet und wird wohl auch bald in Deutschland launchen, das Büro in Berlin ist in Vorbereitung

Aktueller Pitch Wealthify

Seit ein paar Tagen ist der Pitch des 2014 gegründeten Startups Wealthify online. Wealthify ist ein UK Startup, dass die Geldanlage deutlich vereinfachen und automatisieren will. Stichwort Robo Advice. Wealthify will 1 Mio. Pfund einsammeln bei einer Bewertung (pre-money) von 9,72 Mio. Pfund. Dafür werden 9,32% Aktienanteile ausgegeben.

Das selbst gesteckte ehrgeizige Ziel von Wealthify ist binnen eines Jahrzehnts 1 Mio. Anleger für den neuen Robo Advice Service zu finden. Das das kein einfaches Geschäft ist zeigt auch dieses Artikel zum Robo Advice Markt, in dem die Lage des britischen Konkurrenten Nutmeg kritisch beurteilt wird.

Ich habe einen geringen Betrag (Mindestbetrag sind 14,25 £) in den Wealthify Pitch investiert, auch um zu schauen, wie sich das weiter entwickelt. Über das Weahltify, das Robo Advice Geschäftsmodell generell und Seedrs allgemein diskutieren bereits einige Nutzer im Seedrs Forum Thread bei P2P-Kredite.com.

Nicht vergessen werden sollte, dass das Risiko beim Invest in Startups sehr hoch ist, es kann zu einem Totalverlust kommen.

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Neue Studie: Sustaining Momentum – European Alternative Finance Industry Report

Der europäische Gesamtmarkt aus Crowdfunding und P2P Krediten sowie ähnlichen alternativen Finanzierungsformen wuchs 2015 um 92 Prozent auf 5,43 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis der heute veröffentlichten neuen Studie ‚2nd Annual European Alternative Finance Industry Survey‘ durchgeführt vom Cambridge Centre for Alternative Finance an der University of Cambridge Judge Business School, zusammen mit KPMG und unterstützt durch die CME Group Foundation.

Der Bericht mit dem Titel “Sustaining Momentum”, wurde unterstützt durch 17 europäische Branchenvereinigungen und Research Partner. Er basiert auf Daten vonbased on data from 367 crowdfunding, P2P-Kredit und sonstigen Anbietern alternativer Finanzierungsmodelle aus 32 europäischen Staaten – dies eine repräsentiert geschätzte Abdeckung von 90% des Gesamtmarktes. Ich habe mit P2P-Banking.com als einer der Research Partner an der Studie mitgewirkt.

Der größte Markt in Europe ist UK mit 4.4 Mrd. Euro, gefolgt von Frankreich mit 319 Millionen Euro, Deutschland mit 249 Mio. Euro und den Niederlanden mit 111 million Euro. Weitere große Märkte umfassen Finnland, Spanien, Belgien und Italien.

Der europäische Markt außerhalb der UK wuchs um 72 Prozent von  594 Mio. Euro in 2014 auf 1019 Mio. Euro in 2015.

Nach Segmenten aufgeschlüsselt stellt sich das Bild so dar:

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Tabelle: Abbildung 11, Seite 31 der Studie ‚Sustaining Momentum‘, Volumina nach Segmenten in Europa 2015 (ausserhalb von Großbritannien)

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Grafik: Abbildung 13, Seite 33 der Studie ‚Sustaining Momentum‘, Wachstum der Volumina nach Segmenten in Europa 2013-2015 (ausserhalb von Großbritannien). Diese Grafik veranschaulicht sehr eindrucksvoll das anhaltende schnelle Wachstum, dessen Dynamik sich je nach Segment aber deutlich unterscheidet.

Deutschland

Deutschland war nach Frankreich 2015 der zweitgrößte Markt in Kontinentaleuropa. Das Volumen wuchs um 115% von 140 Mio. Euro in 2014 und betrug 2015 249 Mio. Euro. Dabei werden die vom Volumen her stärksten Segmente von nur wenigen Plattformen bedient. ‚Peer-to-peer consumer lending‘ (P2P-Kredite an Privatpersonen) wird dominiert von Auxmoney und bei ‚peer-to-peer business lending‘ (P2P Kredite an Firmen) stellt Funding Circle CE das größte Volumen. Dagegen tummeln sich im ‚Equity based crowdfunding‘ (Crowdinvesting) vergleichsweise viele Marktplätze, allerdings verzeichnete dieses Segment einen Rückgang in 2015 gegenüber 2014.

Entwicklung Crowdfunding und P2P Kredite Deutschland
Grafik: Abbildung 39, Seite 55 der Studie ‚Sustaining Momentum‘, Wachstum der Volumina nach Segmenten in Deutschland 2013-2015

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Grafik: Abbildung 41, Seite 57 der Studie ‚Sustaining Momentum‘, Risiken für die Branche aus Sicht der befragten deutschen Plattformen

Die Einzelheiten der sehr detaillierten Studie sind unten einsehbar. Weiterlesen

Companisto zieht postive Bilanz für Anleger nach 3 Jahren Crowdinvesting

Der Crowdinvestment Marktplatz Companisto zieht nach 3 Jahren Bilanz. Dazu hat Companisto die Entwicklung der 38 seit 2012 über Companisto finanzierten Startups ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis:

… [Der] Gesamtwert, der über Companisto finanzierten Start-ups, stieg von 83,51 Mio. Euro auf 102,92 Mio. Euro: Das entspricht einem Wertzuwachs von 23,24% über drei Jahre. Der Wert der Beteiligungen der Crowdinvestoren hat sich durchschnittlich um 15,32% erhöht. Stärkste Wertsteigerung haben die Beteiligungen aus dem Jahr 2012 erfahren, die im Durchschnitt um 87,60% im Wert gestiegen sind. …

5 der 38 Startups haben inzwischen Insolvenz angemeldet. Für diese hat Companisto einen Unternehmenswert von null angesetzt (Totalverlust).

Diese finanzierten Startups sind in die Berechnung eingeflossen:

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Quelle: Companisto

Zur Unternehmensbewertung schreibt Companisto:

… Die Unternehmenswertentwicklung beziffert, wie sich der Unternehmenswert der Gesamtheit der über Companisto finanzierten Start-ups seit dem Abschluss der Crowdinvestings entwickelt hat. Die Berechnung der Unternehmenswertentwicklung erfolgt durch einen Vergleich des Unternehmenswerts der Start-ups zum Zeitpunkt des Crowdinvestings mit dem aktuellen Unternehmenswert, welcher in der letzten Finanzierungsrunde des Unternehmens festgelegt wurde. … Der Unternehmenswert gibt nicht den Wert der Beteiligungen der Companisten an, sondern beziffert den Wert des gesamten Start-ups.

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Neue Studie: Moving Mainstream – The European Alternative Finance Report

Die neu erschienene Studie ‚Moving Mainstream – The European Alternative Finance Report‚ (kostenloser Download hier) der Universität Cambridge in Zusammenarbeit mit EY untersucht sehr umfassend die Entwicklungen bei P2P Krediten, Crowdinvesting, Crowdfunding und anderen alternativen Finanzierungsformen und vergleicht die Trends in Gesamteuropa mit denen in UK. Dazu wurden seit der Ankündigung im November Umfrageergebnisse von 205 Plattformen in 27 europäischen Ländern zusammengetragen und ausgewertet und diese mit den schon vorliegenden Ergebnisse zu 50 britischen Marktplätzen aus der Nesta Studie kombiniert. Ich habe mit P2P-Banking.com als Research Partner an der Studie mitgewirkt.

Die Studie illustriert und quantifiziert sehr eindrucksvoll das rasante Wachstum in diesem Sektor. Auch die Financial Times berichtete über die Ergebnisse.

Auszug aus der Executive Summary:

… In terms of the alternative finance models, excluding the UK, peer-to-peer consumer lending is the largest market segment in Europe, with €274.62m in 2014; reward-based crowdfunding recorded €120.33m, followed by peer-to-peer business lending (€93.1m) and equity-based crowdfunding (€82.56m). The average growth rates are also high across Europe: peer-to-peer business lending grew by 272% between 2012 and 2014, reward-based crowdfunding grew by 127%, equity-based crowdfunding grew by 116% and peer-to-peer consumer lending grew by 113% in the same period.

Collectively, the European alternative finance market, excluding the UK, is estimated to have provided €385m worth of early-stage, growth and working capital financing to nearly 10,000 European start-ups and SMEs during the last three years, of which €201.43m was funded in 2014 alone. Based on the average growth rates between 2012 and 2014, excluding the UK, the European online alternative finance market is likely to exceed €1,300m in 2015. Including the UK, the overall European alternative industry is on track to grow beyond €7,000m in 2015 if the market fundamentals remain sound and growth continues apace.


Alternative Finance Volumina in Europa ohne UK 2014; Studie s. 17

Universität Cambridge startet europäische Benchmarking-Studie zu P2P Krediten und Crowdfunding

Die Universität Cambridge startet in Zusammenarbeit mit EY die Europäische Benchmarking-Studie für alternative Finanzierungsmöglichkeiten (European Alternative Finance Benchmarking Survey). Sie werden dabei von mehreren Branchenverbänden in Europa unterstützt. Es handelt sich hierbei um die bisher größte Studie zu Crowdfunding, Peer-to-Peer-Krediten und anderen Formen alternativer Finanzierungsmöglichkeiten in Europa. Die Benchmarking-Studie läuft vom 25. November bis 20. Dezember und hat das Ziel, Größe, Transaktionsvolumen und Wachstum der Märkte für alternative Finanzierungsmöglichkeiten in ganz Europa zu erfassen.  Wichtige landesweit und regional tätige Crowdfunding-Verbände in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, den Niederlanden, in den nordischen Ländern und in Großbritannien beteiligen sich an dieser Forschung.

Seit der globalen Finanzkrise florieren alternative Finanzierungsformen, die Finanzinstrumente und Vertriebskanäle außerhalb des traditionellen Finanzsystems einschließen, in den USA, Großbritannien und Kontinentaleuropa. Von Crowdfunding auf Aktienbasis zu Peer-to-Peer-Krediten für Verbraucher und Unternehmen, vom Rechnungshandel zum belohnungsbasierten Crowdfunding – diese alternativen Finanzierungsaktivitäten bieten kleinen und mittelständischen Betrieben Kredite und versorgen Start-up-Unternehmen mit Risikokapital, sie bieten Verbrauchern vielfältigere und transparentere Arten und Wege, Geld zu investieren oder zu leihen und fördern so Kreativität und Innovation, schaffen Arbeitsplätze und finanzieren lohnenswerte soziale Anliegen. Weiterlesen

Crowdinvestment über Seedrs am Beispiel Landbay

Viele der Leser nutzen wie ich als Anleger P2P Kreditmarktplätze und sind von den Vorteilen des Konzeptes überzeugt. Da liegt der Gedanke nah, nicht nur Geld in den vergebenen Krediten anzulegen, sondern auch direkt in die Firmen zu investieren, die diese Plattformen betreiben. Solche Gelegenheiten gibt es jedoch nur selten. Gestern bin ich auf ein britische P2P Kredit Startup in der Pre-Launch Phase aufmerksam geworden und habe dann gesehen, dass das Startup via der britischen Corwdinvestment Seite Seedrs aktuell um Kapital pitched.

Kurzentschlossen habe ich mich bei Seedrs registriert – das ist kostenlos – um die Details zum Pitch zu sehen und habe mich dann über die FAQ mit den wesentlichen Abläufen bei Seedrs vertraut gemacht. Und dann habe ich eine geringe Summe in das Startup Landbay investiert. Wenn der Pitch finanziert wird – danach sieht es aus, denn aktuell sind bereits über 70% des gewünschten Kapitals geboten, werde ich also als Gesellschafter einen sehr, sehr geringen Anteil an Landbay besitzen.

Was macht Landbay

Das besondere an Landbay wird sein, dass der P2P Kreditmarktplatz sich auf P2P Kredite spezialisiert die durch Hypotheken besichert sind. D.h. das Ausfallrisiko wird geringer sein, als bei den sonst bei P2P Krediten üblichen unbesicherten Ratenkrediten. Focus sind Hypotheken von nicht vom Eigentümer selbst bewohnten Objekten, also z.B. Mietshäusern.

Mehr Infos zum Geschäftsmodell gibt es in diesem Video:

Vorteile von Seedrs im Vergleich zu Crowdcube

Ich hatte mich Ende 2011 bereits mit einer geringen Summe an Crowdcube beteiligt, dem ersten derartigen britischen Marktplatz. Auch wenn Crowdcube sich gut entwickelt, habe ich doch gestern einige Vorteile in dem Seedrs Ansatz entdeckt:

  • Bei Seedrs vergeben die Startups immer Anteile mit vollen Stimmrechten.
  • Seedrs ist offiziell für Anleger aus der EU geöffnet. Damit kann man auch als Deutscher ohne Probleme in Pitches dort anlegen. Bei Crowdcube ist dies nur mit einigen Anstregungen möglich.
  • Seedrs agiert als „Nominee“ (eine Art Treuhänder) für die Anleger (die Vorteile sind in einem Video auf der Plattform verständlich erläutert).
  • Seedrs hat eine hohe Motivation, dass die Startups erfolgreich sind, denn Seedrs partizipiert am Gewinn den die Anleger mit ihrem Investment machen mit 7,5% des Gewinns (Carry).
  • Seedrs ermöglicht über Transferwise die notwendige Einzahlung auf das britische Bankkonto schnell und zu viel niedrigeren Gebühren als bei einer herkömmlichen Banküberweisung (hat bei mir weniger als 24 Stunden gedauert).

Auch Klaus-Martin Meyer kam bei Crowdstreet zu einer ähnlichen Einschätzung der Stärken von Seedrs.

Nicht vergessen werden sollte aber auch, dass das Risiko bei einem Investment in Startups sehr viel höher ist als bei der Geldanlage in P2P-Kredite.

Crowdinvesting Experiment – Wie ich in ein Startup investierte ohne zu wissen was dieses macht

Vor gut einem Jahr sprach mich eine ungewöhnliche Idee an. Für ein Startup von Studenten der Universität St. Gallen sollten per Crowdinvesting 100.000 Schweizer Franken im Internet gesammelt werden. Das Besondere daran: Es stand noch gar nicht fest mit welcher Idee sich das Startup beschäftigen würde. Kann das gutgehen? Eine Firma gründen, die ihre Geschäftsidee als erstes noch erarbeiten muss? Aus meiner Sicht ein spannendes Experiment, so dass ich einen kleinen Betrag investiert habe. Fest stand zu diesem Zeitpunkt nur, dass das Team die Design Thinking Methode anwenden sollte, um sich ein Geschäftsmodell zu erarbeiten.


Das damalige Promotionvideo für das Crowdfunding

Das Crowdinvesting verlief erfolgreich und das Startup wurde unter dem passenden Namen Design Thinking Startup AG gegründet.

Das Gründerteam bestand aus 4 Studenten der Universität St. Gallen. Diese erhalten stat eines Gehalts für Ihre Arbeit Geschäftsanteile der AG.

Die Entwicklung

Als Investor erhielt ich regelmäßig (fast wöchentlich) informative Updates über die erzielten Fortschritte. Inzwischen sind es 38 im Newsletter-Stil gehaltene Berichte. Ging es anfangs darum Denkanstöße zu bekommen (das Team war unter anderem in Stanford) so folgte Marktforschung (Needfinding) und schließlich konkretisierte sich ab ca. Woche 11 die Idee, die schließlich weiterverfolgt und umgesetzt wurde. Zwischendurch fanden Investoren-Events und Generalversammlung der Aktionäre statt, an denen ich aber entfernungsbedingt nicht teilgenommen habe.

In der Folge wurde ein Prototyp entwickelt, ein Entwicklerteam beauftragt, das Team zog nach Zürich um und es gab eine Kapitalerhöhung durch eine zweite Finanzierungsrunde. In den letzten Wochen wurde schließlich das Produkt in einer Closed Beta vorgestellt, getestet und verfeinert.

Das Resultat

Seit letztem Freitag ist Stablish.me live. Stablish.me will den Lebenslauf rededinieren und langfristig ganz durch ein soziales Empfehlungsnetzwerk ersetzen. Webprofile sind wie klassische Lebensläufe nicht immer glaubwürdig. Es fehlt teilweise an Authentizität und (leichter) Überprüfbarkeit der Aussagen zu den im Lebenslauf genannten Fähigkeiten. Hier setzt Stablish.me an durch ein System visueller ‘Badges’, die von den Netzwerkteilnehmern vergeben werden und so Kernkompetenzen und Expertise  auf einen Blick erfassbar machen. Weiterlesen

Neues Buch: P2P Kredite und Crowdinvesting – Chance oder Risiko für Volksbanken?

Robert Koch hat gerade seine Masterarbeit abgeschlossen und auch in Buchform ‚Crowdinvesting und Peer-to-Peer-Lending: Genossenschaftsbanking 2.0 als neue Strategie der Unternehmensfinanzierung‚ veröffentlicht. In der rund 140 Seiten umfassenden Arbeit beschreibt Koch die Phänomene P2P Kredite und Crowdinvesting und analysiert sie im Hinblick auf den Markt in Österreich. Er vergleicht die rechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich mit denen in den USA, Großbritannien und den USA. Koch hat zudem umfangreiche Befragungen in seine Arbeit einbezogen. Befragt wurden 14 Experten, 11 Verantwortliche von (internationalen) P2P Kreditplattformen (von 60 angeschriebenen) und 17 Verantwortliche von (internationalen) Crowdfunding Plattformen (von 124 angeschriebenen). Kernfragen, die Koch beantworten will, ist welche Rolle P2P Kredite, Crowdinvesting und Crowdfunding für österreichische Genossenschaftsbanken spielen kann und ob die Marktgröße in Österreich ausreichend groß ist um eine solche Plattform zu unterhalten.

Koch kommt zu folgendem Ergebnis:

Wie sowohl die Befragung der Experten und der Führungspersönlichkeiten von Peer-to-Peer sowie Crowdfunding-Plattformen als auch die Trendanalyse eindeutig zeigen, ist die Zeit reif  für Online-Crowdlending in Österreich. Es könnte sich sogar um das Übergangsstadium, welches Václav Havel angesprochen hat, handeln, in dem sich die (Finanz-)Welt derzeit befindet.
Aufgrund der unterschiedlichen Größe der Genossenschaftsbanken ist eine einheitliche Umsetzungsstrategie schwierig.  …Eine Umsetzung sollte bei den österreichischen Genossenschaftsbanken wegen der zu bedenkenden rechtlichen Abklärungen unbedingt in Zusammenarbeit mit ihrem Rechtsverband … geschehen.
Grundsätzlich ergeht … konkret die Empfehlung an die genossenschaftlichen Banksektoren, sich diesem Thema intensiv zu widmen und die Gründung einer überregionalen oder mehrerer regionaler Plattformen anzustreben. Genossenschaftsbanking und Crowdlending stellen eine sinnvolle Symbiose dar, wobei sich Crowdlending als neues Tätigkeitsfeld ideal in die Struktur der Genossenschaftsbanken einfügen
sollte. …
Basierend auf … und aufgrund der Tatsache, dass das Kernklientel der Volksbanken die Klein- und Mittelunternehmen sind, ist die Gründung einer Crowdinvesting-Plattform zu präferieren. Erst in einem weiteren Schritt sollte die Etablierung einer Peer-to-Peer-Plattform angedacht werden.
… erscheint die Möglichkeit der Umsetzung einer Crowdinvesting bzw. später auch einer Peer-to-Peer-Plattform zukunftsfähig. Die (Finanz-)Welt um uns verändert sich gerade in Zeiten von Krisen und der schnellen Veränderungen massiv. Es liegt also an den Konstrukteuren und Lenkern in den genossenschaftlich organisierten Banksektoren, die Zeichen der Zeit zu erkennen und zukunftsweisend zu handeln.

Es wird spannend sein, zu beobachten, ob die erste P2P Kredit Plattform in Österreich von einer Bank gegründet und betrieben werden wird.