Verschärft die FCA die Regulierung für P2P Kredit Marktplätze in UK?

FCAP2P Kreditmarktplätze fallen in UK in der Regel unter die Aufsicht der Regulierungsbehörde FCA. Es gibt aber auch bestimmte Ausnahmen, wie z.B. Invoice Financing. Neue P2P Plattformen müssen eine Genehmigung (Full Authorisation) beantragen und bewilligt bekommen, bevor sie den Marktplatz eröffnen. Dieses Regelwerk ist nun seit einigen Jahren in Kraft und die meisten Plattformen, die schon vor der Regulierung am Markt waren haben, inzwischen auch den Full Authorisation Status.

Im internationalen Vergleich sind die Anforderungen und damit die Hürden für den Markt Eintritt von Anbietern eher gering.

Die FCA hat letzte Woche ein 156-seitiges Konsultationspapier veröffentlicht (‚Loan-based (‘peer-to-peer’) and investment-based crowdfunding platforms: Feedback on our post-implementation review and proposed changes to the regulatory framework‚).

Das Papier stellt die Lage seit Inkafttreten der Regulierung 2016 aus Sicht der FCA dar und macht Änderungsvorschlägen, in denen sie dies aufgrund schlechter Handelsgepflogenheiten (‚poor practises‚) für erforderlich erachtet.

Auch wenn es ausschließlich um den britischen Markt geht, sind weite Teile des Berichts generell für Anleger in P2P Kredite interessant, da dieselben oder vergleichbare Risiken sicher auch bei P2P Krediten in anderen Ländern auftreten.

Ich verweise im Folgenden einfach mal auf einige Punkte anhand der Numerierung im Bericht. Es handelt sich nicht um wörtliche Übersetzungen der Punkte sondern Umschreibungen/Zusammenfassungen durch mich.

1.12 Anleger müssen verstehen, dass P2P Kredit nicht gleich P2P Kredit ist, sondern das Risiko sich erheblich nach Art des Investments unterscheiden kann. Z.B. Verbraucherkredit vs. Immobilienkredit.

1.17 Schlechte Handelsgepflogenheiten bei den Plattformen hat die FCA vor allem in den Punkten Information an Klienten, Gebührenstrukturen, Abwicklungsverfahren bei Schließung der Plattform und Buchhaltung beobachtet

1.18 In einigen Fällen entsteht das Risiko durch das Geschäftsmodell der Plattform

In 3.4 bis 3.47 geht es um die Struktur der Investments, die unterschiedlichen Geschäftsmodelle von P2P Plattformen und ihre Auswirkung auf das Risiko für den Anleger. Das meiste dürften Anleger die schon länger dabei sind, schon mal gehört haben, es ist aber hier strukturiert und gut verständlich dargelegt.

P2P business models

In Kapitel 4 geht es um Schäden (‚harm‚) und Maßnahmen zur Schadensvermeidung. Hauptpunkte sind u.a.

  • Anleger bekommen nicht genug klare und akkurate Informationen so dass das Produkt für sie ungeeignet ist
  • Anleger verstehen nicht das wahre Risiko, dem sie sich mit ihrer Anlage aussetzen
  • Anleger werden nicht fair für das Risiko vergütet, das sie tragen
  • Anleger verstehen nicht, welche Folgen ein Kollaps der Plattform hätte
  • Anleger verstehen nicht, welche Gebühren sie an die Plattform zahlen
  • Anleger könnten exzessive Kosten für die Dienste der Plattformen zahlen

In 4.31 bis 4.35 geht es um die Probleme, die aus Sicht der FCA erwachsen können, wenn die Plattform einen erheblichen Spread zwischen dem Zinssatz den der Kreditnehmer zahlt und dem Zinssatz den der Anleger erhält. Die FCA nennt als Beispiel den Fall, dass der Kreditnehmer 30% Zins zahlt, der Anleger 3% erhält und die Plattform 27% einsteckt.

4.50ff Die FCA sieht erhebliche Risiken für die Anleger darin, dass die Planung für die Abwicklung einer Plattform bei einem Kollaps lückenhaft sind bzw. praktisch nicht zufriedenstellend funktionieren. Vielen Anlegern sei dieses Risiko zum Anlagezeitpunkt nicht bewusst.

4.66ff Die FCA ist besorgt dass provision funds ( im Dokument als contingency funds bezeichnet) bei den Anleger ein falsches Gefühl der Sicherheit hervorrufen könnten.

4.72ff Zweitmärkte können einen falschen Eindruck der Liquidität erwecken.

In Kapitel 5 schlägt die FCA Änderungen für die Zukunft vor, die insgesamt auf eine Verschärfung der Anforderungen hinauslaufen. Im einzelnen werden sehr unterschiedliche Punkte adressiert manche eher generell, manche schon konkreter. Eine Folge könnte sein, dass Anleger auf britischen Plattformen die sich als ‚Retail investors‘ selbst einstufen, nicht mehr als 10% ihres Anlagevermögens in P2P Kredite anlegen dürfen (5.49). Allerdings würde das in der Praxis vermutlich nicht allzu viel ändern, denn eine ähnliche Regelung gibt es bereits für Crowdinvesting in UK und dort überprüfen die Plattformen die Selbsteinstufung der Anleger nicht.

Interessant ist auch der Ansatz die Plattformen zu verpflichten zu veröffentlichen wie sich die tatsächliche Rendite rückschauend im vorherigen Jahr im Vergleich zur vorher erwarteten und beworbenen Rendite entwickelt hat (Ziffer 5.84-5.86). Dies kann natürlich nur funktionieren, wenn die Berechnung stark standardisiert vorgegeben wird und der Plattform wenig Spielraum für Interpretationen bleibt.

Da es ein Konsultationspapier ist kann jeder (also auch Anleger) ganz basisdemokratisch der FCA seine Meinung zu den im Bericht aufgeworfenen Fragen online schicken. Das Formular dazu ist hier. Die Frist für Stellungnahmen ist der 27. Oktober also 3 Monate Zeit. Wer lieber einfach mit anderen Anlegern Aspekte diskutieren möchte, kann das in diesem Thread im Forum tun.

Mein Fazit: Die FCA wurde von vielen englischen Anlegern bisher oft als zahnloser Tiger eingestuft, der hauptsächlich hohe Gehälter für die FCA Mitarbeiter generiere aber wenig praktischen Nutzen für die Anleger. Dass die FCA durchaus aktiv werden kann (wenn auch vielleicht zu spät) hat der Fall Collateral gezeigt. Und sehr viele Anleger finden dass das jetziger Konsultationspapier sehr detailliert ist und wesentliche Problempunkte gut wiedergibt. Die Geister scheiden sich etwas inwiefern es zu Änderungen in der Regulierung kommen wird, die tatsächlich spürbare Verbesserungen für Anleger bringen wird. Denn wie ein Anleger schreibt: Genauso informierte Papiere hatte gab es von der Aufsicht auch 2013-2015 ohne dass allzu viel davon umgesetzt wurde.

Ich denke schon, dass ein Teil der Punkte umgesetzt werden wird und wirklich Verbesserungen bezüglich Information und Transparenz bringen wird.

 

 

Nach über 3 Jahren gut laufendem Lendy Investment wird mir das Risiko zu hoch

Ende 2014 hatte ich das erste Mal Geld bei der britischen P2P Kreditplattform Lendy (damals noch Saving Stream) eingezahlt und in mit Immobilien besicherte Kredite investiert. Ich hab dann sukzessive immer weiter aufgestockt und zeitweilig war mein größer P2P Invest Lendy. Fast alle Kredite in die ich investiert hatte, haben einen Zinssatz von 12%. Die Zinsen werden immer zu Monatsanfang gutgeschrieben. Ich hatte schon vor einem Jahr mal auf dem P2P-Banking Blog über meine Erfahrungen mit Lendy geschrieben. Auch danach lief es weiter sehr gut für mich.

Ich habe bis heute noch keinen Kreditausfall im Portfolio. Lediglich die Wechselkursentwicklung lief gegen mich. Während meine Rendite in Pfund etwas über 12% liegt, ist sie bei einer Betrachtung in Euro deutlich niedriger.

Dass ich keine Kreditausfälle habe, heisst aber nicht, dass es sie gar nicht gibt. Im Gegenteil. In den letzten Monaten häuften sich Kredite, die ausgefallen sind. Zur Zeit sind 23 Kredite auf der Plattform im Status „non-performing“. Ein Problem bei Lendy sind die Immobilienbewertungen durch die Sachverständigen. In vielen Fällen zeigte sich, dass bei einem Verkauf der Immobilien sehr viel weniger als der Schätzwert realisiert werden konnte. Lendy beleiht die Objekte bis zu max. 70% des Schätzwertes. In einigen Fällen lag der Erlös aber unter diesem beleihungswert, dass heisst der Erlös aus dem Zwangsverkauf der Sicherheit reichte nicht aus, um die ausstehende Kreditsumme komplett zu tilgen.

Das führte dazu, dass viele Anleger ihre Anteile auf dem Lendy Zweitmarkt verkaufen wollen. Lendy arbeitet mit einer Warteschlange. Wer einen Kreditanteil anbietet muss warten, bis alle Anteile desselben Kredites, die vorher zum Verkauf angeboten wurden, einen Käufer fanden. Zwar bewegen sich diese Warteschlangen, aber zum Teil eher langsam. Bei unattraktiven Krediten kann es Monate dauern bis sich ein Käufer auf dem Zweitmarkt findet, oder der Kredit ist gänzlich unverkäuflich. Und die Crux für den Verkäufer ist: solange der Kredit auf dem Zweitmarkt zum Verkauf steht bekommt er keine Zinsen.

Lendy Kredite

Aktueller Screenshot, der zeigt, dass von einigen Krediten mehrere Hunderttausend Pfund zum Verkauf stehen – für größere Ansicht auf das Bild klicken

Dazu kommt, dass die Immobilienpreise in London aufgrund der Brexit Ängste leicht gefallen sind.

Ich reduziere daher mein Lendy Investment derzeit. Aktuell habe ich noch Anteile an den Krediten DFL006, DFL020, DFL021, DFL033, DFL034 und PBL199 im Portfolio. Diese haben alle eine Restlaufzeit von noch über 250 Tagen. Etwas Glück hatte ich als vor 2 Wochen der DFL030 Kredit vorzeitig abgelöst wurde, denn mein Anteil daran wäre schwer verkäuflich gewesen.

Wer trotz des von mir als gestiegen betrachteten Risikos jetzt bei Lendy anlegen möchte sollte um Bankgebühren zu sparen statt einer direkten Banküberweisung die Alternativen Revolut oder Transferwise nutzen. Jede Menge Austausch zu Lendy Erfahrungen gibt es im Forum.

 

 

Warum der Fall Collateral auch deutschen Anlegern als warnendes Beispiel dienen sollte, obwohl fast keiner hierzulande betroffen ist.

Vor 3 Monaten hatte ich vermeldet, dass die britische Plattform Collateral ihr Geschäft einstellen musste und ein Insolvenzverwalter die Aufsicht übernommen hatte. Damals sah es noch ganz gut aus, der Insolvenzverwalter ging davon aus, dass eine hohe Chance bestand, dass alle Anleger das in Kredite investierte Geld zurückbekommen würden.

Seitdem sind 3 Monate vergangen, getan hat sich einiges, aber leider nicht viel davon können die Anleger als gute Nachrichten für sich verbuchen. Die britische Aufsichtsbehörde FCA hat durchgesetzt, dass der erste Insolvenzverwalter (dem von Einzelnen zu große Nähe zum ehemaligen Collateral Management unterstellt wird) durch die Firma BDO ersetzt wurde. Am Rande: Es scheint keine Ausschreibung durch die FCA für diese Aufgabe gegeben zu haben und es ist (mir) völlig unklar warum gerade die BDO von der FCA als Ersatz vorgeschlagen wurde? Kann man somit der BDO zu große Nähe zur FCA unterstellen?

Der große Paukenschlag kam dann heute. Die BDO teilt den betroffenen Anlegern u.a. mit

  • Dass anscheinend die Plattformdaten aus denen hervorgeht welcher Anleger in welche Kredite investiert hat (im Moment) nicht mehr verfügbar sind ‚Whilst the information that has been retrieved by the Joint Administrators to date contains details of the investors and their total loan exposure, it does not provide sufficient detail to extract an analysis of each investor’s investments into specific loans or tranches of loans. The Joint Administrators’ investigations to recover further information are continuing, and we will update investors in due course.‘
  • Dass viele Kreditnehmer in laufenden Krediten die Zahlungen nicht geleistet haben ‚According to the Companies’ records available to the Joint Administrators, a significant portion of the loans are now past their redemption date. Now that the loan documentation has been obtained, the Joint Administrators have written to the borrowers seeking repayment of the loan amounts together with any additional interest as may be applicable.‘
  • und dass Anleger vermutlich als Kreditgeber an den Marktplatz statt als Inhaber von Forderungen aus Krediten an die Kreditnehmer behandelt werden werden. ‚Will investors be treated as creditors? From the information currently available, the initial view of the Joint Administrators’ lawyers is that investors will be treated as creditors of the Companies as a consequence of s26 of the Financial Services and Markets Act 2000. A further update will be provide in the Joint Administrators’ proposals to creditors, which are due to be issued on or before 22 June 2018..

Selbst diese – sehr kurze – Zusammenfassung durch mich spiegelt wider, dass die Lage ziemlich chaotisch ist. Wen Details interessieren, der kann mit diesem Forum Thead anfangen: ‚ Collateral Erfahrungen (UK) Insolvenz‘ und findet dort auch weiterführende Links.

Nun war Collateral bei deutschen Anleger nie ein bekannter oder beliebter Marktplatz. Auch wenn deutsche Anleger betroffen sind, dürften es nicht mehr als einige Dutzend sein. Die Anleger stammen sehr überwiegend aus UK.

Warum schreibe ich dann in der Überschrift, dass dieser Fall auch für deutsche Anleger ein wichtiges warnendes Beispiel sein sollte?

Dazu abstrahieren wir vom konkreten Fall auf die Rahmenparameter:

  • Es handelte sich um genau beschriebene Kredite, überwiegend mit Sicherheiten (Immobilien)
  • Es gab/gibt in UK spezifische Regulierung für P2P Kredite und eine extra dafür zuständige Aufsichtsbehörde
  • Das Ganze in einem stabilen Rechtsumfeld mit unabhängiger Justiz

Somit wäre anzunehmen gewesen dass der Kollaps eines Marktplatzes zu einer ‚relativ geordneten‘ Abwicklung führen würde.

Wie sich immer mehr zeigt ist das genaue Gegenteil der Fall.

Aber nochmal, warum jetzt warnendes Beispiel?

Andere Marktplätze operieren in anderen Märkten wo die Erwartungshaltung (oder auch das Vorurteil) über eine geordnete Abwicklung eher anders ausfällt. Viele Anleger vertrauen den angepriesenen Buybackgarantien als Sicherheitsmechanismus. Wenn ich dann darauf hinweise, dass diese Buybackgarantie ein Versprechen ist, dass nur so gut ist wie die wirtschaftliche Lage, desjenigen der sie gibt (siehe Eurocent) kommt als nächstes Argument der Anleger, dass im sehr unwahrscheinlichen Fall eines Falles ja eine direkte Beziehung zum Kreditnehmer bestünde und der dann ja den Kredit weiterzahlen müsse.

Scheint aber bei Collateral im geregelten England schon nicht zu funktionieren. Wenig überraschend haben viele Kreditnehmer die Zahlungen eingestellt nachdem sie von den Problemen bei Collateral hörten. Schon sehr viel überraschender fehlen nun Aufzeichnungen und der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass entgegen dem ursprünglichen Konstrukt die Ansprüche der Anleger sich nun gegen den Marktplatz richten sollten (unbesichert) statt gegen den Kreditnehmer (überwiegend besicherte Kredite).

Noch extremer wird es wenn in einzelnen Diskussionen neue P2P Kredit Anleger doch tatsächlich bestimmte P2P Kredit Angebote als Tagesgeltalternative einstufen und sehen.

Zwar ist das letzte Wort im Fall Collateral nicht gesprochen, mit hoher Wahrscheinlichkeit werden vor allem Anleger, bei denen es um größere Summen geht, schlussendlich Rechtsmittel ergreifen, aber der Fall zeigt schon sehr exemplarisch wie weit der tatsächliche Abwicklungsprozess sich von dem unterscheiden kann, den die Anleger (zu Recht) erwarteten als sie anlegten, weil er Ihnen so beschrieben wurde und durch die Regulierung zumindest suggeriert wurde.

Welche Kriterien für die Auswahl der Auxmoney Kredite

Dass die Auswahl, der Kredite in die bei Auxmoney investiert wird, sehr großen Einfluss auf die erzielte Rendite hat, diese Erfahrung dürften die meisten Anleger gemacht haben, die bereits länger als ein paar Wochen dort Geld anlegen. Und das Angebot an offenen Kreditgeboten, auf die ein Anleger bieten kann, ist so groß, dass es kein Nachteil ist wählerisch zu sein und nur sehr selektiv zu bieten. Schließlich pendelt die Finanzierungsquote aktuell um die 8%, d.h. nur etwa jeder zwölfte Kreditantrag wird finanziert.

Nach welchen Kriterien selektieren?

Hier hat sicher jeder Anleger seinen eigenen Ansatz. Jenseits von Bauchgefühl und Logik bleibt die Möglichkeit sich über die Statistik dem Ganzen zu nähern. Die Power-Analysetools von Wiseclerk bieten die Möglichkeit die Performance von Krediten aus der Vergangenheit nach bestimmten Merkmalen zu analysieren und die Rendite bis heute zu schätzen. Zwar lassen sich Entwicklungen aus der Vergangenheit nicht in die Zukunft projezieren, aber es hilft Muster zu erkennen und somit Risikofaktoren einzuschätzen.

Die Analysetools simulieren dabei, wie sich ein Portfolio entwickelt hätte, wenn je 100 Euro in einen der selektierten Kredite investiert worden wären. Wählt man beispielsweise alle Kredite, die im Jahr 2010 finanziert wurden ohne jegliche weitere Einschränkungen, dann errechnet die Simulation eine negative Rendite bis jetzt von -2,7%. Da das ganze auf Annahmen und Schätzungen basiert, ist weniger der absolute Wert interessant oder relevant als vielmehr der Vergleich von Werten verschiedener Portfolios in Relation. Nicht vergessen werden darf auch, dass – wenn man Kredite aus 2010 betrachtet, die nur ein durchschnittliches Alter von etwa 450 Tagen haben und viele noch mehrere Jahre laufen werden; in dieser Zeit kann noch viel passieren. Es muss daher klar sein, dass es nur eine Momentaufnahme ist. Weiterlesen

Auswertung des Status der Auxmoney Kredite nach Schufa-Score

Im Forum wird häufig diskutiert wie aussagekräftig der Schufa-Score ist. Viele Kreditnehmer sagen, sie könnten sich ihren schlechten Score gar nicht erklären. Für die Smava Kredite ist aber schon lange belegt, dass die Schufa-Score Klassen trennscharf die Ausfallwahrscheinlichkeit prognostizieren. Je schlechter der Schufascore desto wahrscheinlicher ist auch, dass der Smava Kredit nicht zurückgezahlt wird.

Bezüglich Auxmoney hingegen haben im Forum einige Anleger ihren subjektiven Eindruck geschildert, dass sie viele Ausfälle von Krediten trotz guter Schufa haben.

Zeit daher mal auszuwerten, wie es insgesamt aussieht. Auf Basis der Wiseclerk Daten habe ich dazu die Kredite nach Score Klassen zusammengefasst (Beispiel: die Zeile 700 umfasst Kredite mit Schufa Score 700 bis 799). Berücksichtigt sind dabei nur solche Kredite deren Auktionsende mindestens 6 Monate zurückliegt. Grund hierfür ist, dass die neuen Kredite das Bild verzerren würden.

Zu sehen ist, dass es schon eine Zunahme der Anteile der Kredite in Verzug oder im Inkasso bei schlechterer Schufa gibt. Dennoch gibt es Ausreißer (z.B. ab 700) aber dies mag an der geringen Anzahl der Kredite in dieser Klasse nicht repräsentativ sein.

Zu sehen ist auch, dass der Anteil der Kredite in Verzug, Inkasso oder gerichtlichem Mahnverfahren spätestens für Schufascores unter 400 prohibitiv hoch ist. Weiterlesen

Deuten längere Beschreibungen auf ein erhöhtes Kreditausfallrisiko hin?

Zumindest für die amerikanische P2P Kreditbörse Lendingclub gibt es diesen Zusammenhang. Thomas Meyer, Deutsche Bank Research hat bei einer statistischen Analyse der Lendingclub Kredite festgestellt, dass Kredite mit einer längeren Beschreibung zwar eine höhere Finanzierungschance haben, aber auch ein höheres Ausfallrisiko.

Die Gründe dafür sieht er – für mich nachvollziehbar – darin, dass Kreditnehmer mit schlechter Bonität längere Erläuterungen brauchen um ihre finanziell schlechteren bzw. komplizierteren Historie zu erklären. Die langen Beschreibungen ermutigen mehr Anleger zu investieren mindern aber nicht das aufgrund des komplexen Hintergrundes gegebene erhöhte Risiko.

Bei Smava spielen Beschreibungen von Verwendungszwecken derzeit de facto fast keine Rolle für die Finanzierungswahrscheinlichkeit. Die Anlegernachfrage ist so viel größer als die Kreditnachfrage, dass selbst Kredite mit mageren Renditeaussichten derzeit sehr schnell finanziert werden.

Verwandter Artikel: Wie wichtig ist der Verwendungszweck bei der Geldanlage in Privatkredite

Wie wichtig ist der Verwendungszweck bei der Geldanlage in Privatkredite?

Der vom Kreditnehmer optional angegebene Verwendungszweck wird weder bei Smava noch bei Auxmoney von der Kreditbörse geprüft. Die dazu gemachten Angaben sind auch für den Kreditnehmer nicht bindend. Er kann also ohne Folgen schreiben er brauche das Geld für eine Renovierung und dann stattdessen damit in Urlaub fahren.

Daher hatte ich empfohlen, den Verwendungszweck nicht als positives Entscheidungsmerkmal für den Invest in einem Kredit, sondern nur als negatives Entscheidungskriterium gegen einen Kredit der sonst von den Parametern gut aussieht, zu verwenden. Oder zumindest bei Angaben die  unplausibel erscheinen, beim Kreditnehmer Fragen zu stellen.

Der amerikanische Kreditmarktplatz Lending Club hat jetzt Auswertungen zu Ausfallraten nach Verwendungszweck veröffentlicht, die auf den Daten der letzten 2 Jahren basieren.

Hier sieht man, dass das Ausfallrisiko bei Lendingclub Krediten für Urlaub, Heirat, Kreditkartenumschuldung mit 2% noch nicht einmal halb so hoch war, wie bei Krediten zur Hausfinanzierung, Ausbildung oder für geschäftliche Zwecke.

Dies ist interessant da auch bei Lending Club der angegebene Verwendungszweck nicht überprüft wird.

Welche Rückschlüsse kann man daraus ziehen?

Meiner Meinung nach folgende:

  1. Auch wenn die Angaben zum Verwendungszweck freiwillig und nicht überprüft sind, ist anzunehmen, dass die Mehrheit der Kreditnehmer grundsätzlich korrekte den Hauptzweck korrekt angibt, und nur ggf. Einzelheiten schönt. Das zeigt sich daran, dass auch sehr negative Verwendungszwecke veröffentlicht werden – ich habe z.B. schon Tilgung von Spielschulden u. ä. gesehen
  2. Sind die oben genannten Kategorien auf Deutschland übertragbar?
    Nein vermutlich nicht, z.B. Kreditkartenumschuldungen spielen in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist, ob zu vermuten ist, dass auch bei Smava und Auxmoney die Ausfallrisiken bei unterschiedlichen Verwendungszwecken differieren. Das ist vermutlich zu bejahen, auch wenn es noch zu wenig Daten gibt für statistisch abgesicherte Aussagen.

Bei Wiseclerk.com gibt es für Auxmoney Kredite eine Analyse ‚Kredit-Status nach Stichwort‚. Auch wenn die Datenbasis noch viel zu gering ist um längerfristige Schlüsse zu ziehen, hier einige interessante Zahlen daraus:

Von den finanzierten Krediten die in Verwendungszweck oder Finanzbericht, das Wort (oder den Wortbestandteil)

  • ‚dispo‘ enthalten sind 98% im Plan (nach Volumen), der Rest in Verzug oder Inkasso
  • ‚firma‘ enthalten sind 95% im Plan
  • ‚Hilfe‘ enthalten sind 88% im Plan
  • ‚alleinerziehend‘ enthalten sind 69% im Plan
  • ‚Schulden‘ enthalten sind 91% im Plan oder getilgt

Der Durchschnittswert dürfte bei ca 94% im Plan liegen. Das ist das Auswertungsergebnis für das Wort ‚Kredit‘, dass in nahezu jeder Beschreibung enthalten sein dürfte.

Frage an die Auxmoney Anleger: Wie berücksichtigen Sie den Verwendungszweck bei der Entscheidung über Ihren Invest? Teilen Sie Ihre Strategie im Auxmoney Forum von P2P-Kredite.com mit.

Gemeinsamkeiten der Problem-Kredite bei Smava

Bei Smava.de sind bisher nur 8 von gut 450 Krediten ausgefallen. Weitere 9 sind aktuell in Verzug. Jeder der Anleger bei diesen Krediten wünscht sich natürlich im Nachhinein, er hätte nicht in diesen Kredit, sondern in andere investiert.

Die Kernfrage ist daher, gibt es Gemeinsamkeiten, die als Indikator für ein erhöhtes Risiko gewertet werden können?

Wenn ich mir die bei Wiseclerk gemeldeten Zahlungsausfälle und Zahlungsverzüge (derzeit insgesamt 12 Fälle) anschaue, dann sind die Kredithöhen gestreut, die Geschlechter gemischt, der KDF variert auch.

Auffällig sind hingegen:

Überdurchschnittliche Zinsangebote also ein Warnsignal? Sind diese Kreditnehmer so verzweifelt, dass sie um jeden Preis einen Kredit bekommen wollen?
Möglicherweise, allerdings gibt es m.E. noch zu wenig Daten um diesen Zusammenhang statistisch sicher zu belegen.
Außerdem habe ich in meinem Portfolio auch Gegenbeispiele wie Überbrückungskredit, Private Anschaffungen und Kfz-Reparaturen, die bisher pünktlich zahlen. Selbst wenn das Ausfallrisiko tatsächlich höher wäre, könnte es ggf. durch die überdurchschnittlichen Zinsen kompensiert werden.

Bankeratdsa kommt übrigens in einer Auswertung auch auf obige beide Besonderheiten. Er hat mehr Fälle untersucht und stuft zusätzlich altere Kreditnehmer, hohe Kreditgesamtsumme und Kreditnehmer mit mehreren Krediten als Risikofaktor ein.

Im Ausland gibt es z.T. sehr detaillierte Untersuchungen der Risikofaktoren, es ist jedoch fraglich ob und inwieweit diese auf das deutsche Modell übertragbar sind. Einer der Faktoren bei Prosper ist aber, dass Kredite mit höheren Kreditsummen sich schlechter entwickeln als kleine Kredite.

Ausfall der ersten 2 Kredite bei Smava

Die Kredite Ablöse (Bonität A; 4000 Euro, KDF 3) und Autokauf (Bonität F, 6000 Euro, KDF 3) sind die ersten Kreditausfälle bei Smava.de.
Smava schreibt dazu in einer Ankündigung u.a.:

smava hat sich mit den betreffenden Kreditnehmern in Verbindung gesetzt und auf die offenen Zahlungen hingewiesen. Leider haben wir trotz wiederholter Mahnungen bis zum 21. Dezember 2007 keinen Zahlungseingang für diese beiden Kreditnehmer verzeichnen können.
Da somit über 6 Wochen keine Rückzahlung geleistet wurde, ist die Wahrscheinlichkeit stark gesunken, dass die Kreditnehmer den offenen Betrag noch zahlen. Aus diesem Grund ist die Restforderung des Kreditnehmers aus dem Pool A und des Kreditnehmers aus dem Pool F wie mit den betreffenden Anlegern im Rahmenforderungskaufvertrag vereinbart an das Partnerunternehmen Intrum Justitia verkauft. Diese beiden Kredite sind somit ausgefallen.

Intrum Iustitia zahlt in beiden Fällen 25% der noch offenen Restschuld entsprechend der Tilgungsanteile des jeweiligen Monats an die betroffenen Anleger. Da die anderen Anleger des Pools die betroffenen Anleger bereits seit der ersten Nichtzahlung der Kreditnehmer durch ihre Ausgleichszahlungen unterstützen, erhalten diese von dem Kaufpreis für die Restforderung anteilig ihre geleisteten Ausgleichszahlungen zurück.

Insgesamt entwickelt sich die Ausfälle bei Smava bisher noch deutlich besser als die prognostizierten Zahlungsquoten – diese beziehen sich aber natürlich auch auf die Gesamtlaufzeit der Kredite und bisher ist bei den meisten gerade mal ein halbes Jahr vorbei, für eine abschließende Bewertung ist es also noch zu früh. Aber wie schon geschrieben war 2007 für die Smava Anleger ein sehr gutes Jahr.

Smava – derzeit sehr viele Folgekredite

Viele von den aktuellen Kreditprojekten bei Smava stammen von Kreditnehmern, die bereits einen oder mehrere Kreditanträge bei Smava am laufen haben, wie diese Übersicht zeigt.

Diese Möglichkeit ist bei Smava von vorneherein vorgesehen und jeder kann mehrere Kredite aufnehmen, solange sein persönlicher Kreditrahmen oder maximal 10.000 Euro nicht überschritten sind, aber aus Anlegersicht beschleichen mich da Bedenken, zumal sich der Zweck relativ willkürlich ändert. Kaum ist das Jugendzimmer für den Sohn finanziert, soll ein nun ein Motorroller für den Sohn auf Kredit gekauft werden? Und das bei einem KDF-Indikator von 4, also schon relativ am Limit?
Analog folgt nach dem Mountainbike nun das DJ-Equipment.

Es spricht natürlich für Smava, dass die Kreditnehmer mit der Abwicklung beim ersten Kreditantrag so zufrieden waren, dass sie auch einen Folgekredit wieder über Smava aufnehmen. Ich hoffe nur, dass sich solche Mehrfachkredite nicht negativ auf die Rückzahlungsquote auswirken. Anleger sollten ggf. diesen Parameter bei der Auswahl der Kredite mit im Auge behalten.