Interview mit Ivalyo Ivanow, CEO der Iuvo Group – P2P Kredite und die Folgen der Coronakrise

Das Interview habe ich in Englisch geführt und Fragen und Antworten anschließend übersetzt.

Kannst Du bitte das Angebot von Iuvo* kurz vorstellen?

Iuvo ist einer der führenden europäischen P2P Kredit Marktplätze. Wir ermöglichen institutionellen und privaten Anleger in einen breiten Mix aus besicherten und unbesicherten Krediten zu investieren, die von regulierten Darlehensanbahnern mit eigenem Kapitaleinsatz (‚balance sheet lenders‘) auf Märkten weltweit vergeben werden. Die durchschnittliche Rendite der Portfolios auf der Plattform liegt bei 8-10% p.a..
Wir haben über 20.000 Anleger aus über 120 Ländern und das vermittelte Kreditvolumen beträgt 138 Mio. EUR.

Wie hat die Coronakrise sich auf Iuvo ausgewirkt? Beobachtest Du steigende Ausfallraten bei den Krediten Eurer Darlehensanbahner?

Covid-19 war eine unvorhergesehene Herausforderung auf der ganzen Welt und in allen Aspekten des sozialen und wirtschaftlichen Lebens. Normalerweise reagieren Finanzmärkte als erstes auf globale Trends und es erging uns genauso wie den Börsen und Fremdkapitalmärkten weltweit.

P2P Anlagen sind in Europa durchweg während der Lockdown-Zeiten zwischen März und Mai gesunken. Zur selben Zeit haben die Kreditnehmer die unsichere Situation genutzt, um Zahlungen zu verzögern, insbesondere bei Firmenkrediten. Dazu kommt, dass in einigen Staaten Zahlungsmoratorien für unterschiedliche Zeiträume beschlossen wurden. Dies hat Darlehensanbahner in eine schwierige Lage mit niedriger Liquidität gebracht und alle standen vor Herausforderungen. Glücklicherweise ist Iuvo die Plattform mit dem striktesten Prüfprozess für die Aufnahme von Darlehensanbahnern auf der Plattform und dies zeigte sich während der Krise. Die Mehrheit unserer Partner hat die Situation gut und mit minimalen Verzögerungen [der Zahlungen] überstanden. Die Liquidität auf der Plattform war gut und es gab keinerlei Verzögerungen bei den Auszahlungen.

Ivalyo Ivanov, IuvoHier einige Zahlen: Der durchschnittliche Rückgang bei Investments auf führenden P2P Kreditmarktplätzen lag bei rund 50%. Die Anleger bei Iuvo zeigten mehr Vertrauen, dennoch gingen die Anlagen um 35% zurück.
In einem normalen Monat verzeichnen wir 300-400 Tsd. EUR Auszahlungen an Kunden. Während der zwei Monate des Lockdowns haben wir rund 4 Mio. EUR an Auszahlungen abgewickelt, dies zeigt die gute Liquidität unseres Modells.
Die gute Nachricht ist, dass der Großteil dieser Gelder in den folgenden Monaten (Juni, Juli, August) wieder eingezahlt wurde, so dass wir jetzt wieder zurück auf einem Wachstumspfad sind.

Aus der Sicht der Darlehensanbahner: Die Kreditvergabe an Verbraucher war praktisch unverändert und ist bereits wieder auf dem Vorkrisenniveau – sowohl hinsichtlich des Volumens als auch bzgl. der Ausfallraten. Die Vergabe von Firmenkrediten erholt sich in ganz Europa langsamer da die Firmen immer noch den verzögerten Effekt aus dem Rückgang des Konsums spüren. Es wird in diesem Bereich noch 6-12 Monate für eine Rückkehr zur Normalität dauern.

Was ist die Situation bei KFP/CBC? Wie siehst Du die weiteren Schritte in diesem Fall?

CBC vergibt Firmenkredite und war stärker durch die Coronakrise betroffen. Die Firmenleitung hat uns kontaktiert mit der Bitte, einer Umstrukturierung der gelisteten Kredite für die Zeit des Lockdowns zuzustimmen, mit dem Ziel die Liquidität des Unternehmens zu erhöhen. Wir haben uns bemüht flexibel und verständnisvoll auf die Situation zu reagieren und unterzeichneten eine Zusatzvereinbarung, die klar die ausstehenden Forderungen und eine 3 –monatige Verschiebung der Zahlungen für alle Kredite auf der Plattform spezifizierte. CBC hat die Forderungen und alle Bedingungen anerkannt (dies ist ein sehr wichtiger Punkt), inklusive der Zahlung von Zinsen für die Dauer der Verschiebung.

Einige Wochen später hat das Unternehmen leider die vereinbarten Zahlungen ohne Angabe von Gründen eingestellt. Dies ließ uns keine Wahl als rechtliche Schritte einzuleiten. Hier kommt die bereits erwähnte Zusatzvereinbarung ins Spiel. Wir haben ein sehr präzises Dokument, das von beiden Parteien unterzeichnet wurde und detailliert die ausstehenden Forderungen und Bedingungen aufführt. Aus Sicht unserer estnischen und polnischen Rechtsanwälte wird dies das Gerichtsverfahren sehr erleichtern und beschleunigen. Wir erwarten ein positives Ergebnis.

Welche generellen Schlüsse für die Auswahl und das Management der Darlehensanbahner auf Eurem Marktplatz könnt ihr ziehen?

Wie Du weißt, haben wir bereits die striktesten Prüfprozesse für Darlehensanbahner in der Branche. Diese Situation hat zusätzlich bestätigt, dass die Branche eine konservativere Vergabepraxis bei der Kreditvergabe umsetzen sollte.

Gleichzeitig muss die Branche auch die Anleger unterrichten, bei der Wahl der Plattformen nicht nur nach den Zahlen zu gehen, sondern auch zu verstehen, welche Risiken mit den relevanten Zinssätzen, den Prüfprozessen, den Unternehmensstrukuren, der Wahl der Märkte usw. verbunden sind, die jede Plattform eingeht um Wachstum und Erlöse zu erzielen.

Dies ist der Grund, warum wir in Kürze die Kampagne vorantreiben um ‚P2P lending best practises and standards‘ zusammen mit den Top Plattformen in Europa zu definieren und umzusetzen. Das Ziel ist, dass alle wichtigen Marktteilnehmer einen Satz von Anforderungen für Darlehensanbahner beschließen, die auf den Plattformen gelten. Dadurch können wir ausschließen, dass Darlehensanbahner geringer Qualität die Plattformen gegeneinander ausspielen, um den einfachsten Deal zu bekommen.

Wir sehen die Ergebnisse und das zukünftige Potential der Anlageklasse, die wir in den vergangenen 5 Jahren geschaffen habe und wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um sie für die breite Masse der Anleger (‚mainstream investors‘) zu legitimieren.

Im Gegensatz zu anderen Marktplätzen gibt es bei Iuvo* keine Zinsen auf Kredite die im Rahmen der Rüpckkaufgarantie zurückgekauft werden. Habt ihr Pläne dies zu ändern?

Auf Iuvo entscheidet der Darlehensanbahner über die Konditionen für das Buyback. Die meisten starten ohne es [d.h. ohne Verzinsung bei Buyback]. Es gibt aber auch Darlehensanbahner die Zinsen im Falle des Buybacks zahlen und diese erzielen gute Ergebnisse. Wir verwenden diese Beispiele um andere Darlehensanbahner zu ermuntern ebenfalls diese Praxis zu übernehmen und es wird über die Zeit passieren.

Allerdings müssen die Anleger die Mechanismen, die P2P Krediten zugrunde liegen verstehen und sie müssen verstehen, dass die Zahlung von Zinsen die nicht vom Kreditnehmer erhalten wurden beim Darlehensanbahner zu einer Liquiditätsklemme führen, so dass die Durchsetzung dieser Forderung mit Vorsicht erfolgen muss.

Ein Anleger hat gefragt, ob ihr plant 2 Faktor Authentifizierung zur Erhöhung der Sicherheit einzuführen?

Ja das ist in unserem Entwicklungsplan für die nächsten Monate.

Wie siehst Du die Entwicklung der Regulierung auf europäischer Ebene?

Ich bin ein Gründungsmitglied der ersten euopäischen Crowdfunding Vereinigungen seit 2012 und ich habe am Dialog mit EBA, ESMA und der EUR in den vergangenen 8 Jahren teilgenommen. Meiner Meinung nach war der Fortschritt sehr langsam aber es geht auf das logische Ende zu. Ich erwarte, dass ein funktionierendes Regelwerk in den nächsten 12-18 Monaten beschlossen wird, das die Branche in ganz Europa harmonisiert und weiter legitimiert. Zu diesem Zeitpunkt werden P2P Kredite ‚Fahrt aufnehmen‘ und wir bereiten uns auf diesen Moment vor.

Ist Iuvo profitabel? Wann wird der Geschäftsbericht 2019 veröffentlicht?

Dieses Jahr haben wir den ersten Breakeven auf monatlicher Basis erreicht. Die Gewinnschwelle auf Jahresbasis erwarten wir 2021. Der Geschäftsbericht 2019 wurde bereits im estnischen Handelsregister veröffentlicht und wir werden ihn in den nächsten Tagen auf unserer Website veröffentlichen.

Welche Pläne hat Iuvo* für das nächste Jahr?

Wir erwarten eine volle Erholung von der Coronakrise bis zum Jahresanfang 2021. Gleichzeitig arbeiten wir an spannenden neuen Produkten, Funktionen und Partnerschaften, die P2P Kredite zu einem wichtigen Teil des Fintech Ökosystems in Europa machen werden.
Unsere Anleger werden Festzinsprodukte und interessante Partnerschaften, die ich noch nicht offenlegen kann, bekommen und es wird sogar ‚non-loan-products‘ auf der Website geben.

Ich danke Ivalyo Ivanow für das Interview für P2P-Kredite.com

Interview with Matt Clannachan, VP of Product bei Bondora – Warum vergibt Bondora derzeit keine Kredite in Spanien oder Finnland?

Das Interview habe ich in Englisch geführt und Fragen und Antworten anschließend übersetzt.

Kannst Du Bondora* bitte kurz vorstellen?

Bondora bietet einen einfachen Weg online zu investieren. Wir existieren seit über 10 Jahren und haben mehr als 130.000 Anleger. Dieses Jahr sind wir im dritten Jahr in Folge profitabel und auf das vierte liegt im Plan.

Was hast Du vorher gemacht und wann und wieso hast Du bei Bondora* angefangen?

Ich arbeitete für 2 der größten Banken in Großbritannien bevor ich zu Bondora kam. Traditionelle Bankarbeit war nichts für mich. Die Dinge bewegten sich zum langsam und ich wollte sehen, dass meine Arbeit etwas bewegt. Vor ca. dreieinhalb Jahren hörte ich zufällig von Bondora und kontaktierte sie. Nachdem ich mit Pärtel und dem Team gesprochen hatte war ich 100% von der Mission überzeugt. Ich zog nach Estland. Ich kann ehrlich sagen, dass es die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe. Seit meinem Einstieg habe ich in verschiedenen Rollen bei Bondora gearbeitet, aber meine Hauptverantwortung liegt im Produkt für die Anleger.

Als Reaktion auf die Corona Situation hat Bondora* die Vergabe neuer Kredite in Finnland und Spanien gestoppt und die Bonitätsstufen, die für Kredite in Estland berechtigt sind, beschränkt. Welchen Grund hatte diese Entscheidung?

Als Vorsichtsmaßnahme haben wir temporär die Kreditvergabe in Spanien und Finnland eingestellt. Dass wir nun nur in Kredite in Estland vergeben senkt unsere operativen Kosten signifikant. Zum Beispiel die Marketingkosten. Marketing in einem Land um ein bestimmtes Volumen an Neukreditvergabe zu erreichen ist viel kosteneffizienter als dasselbe über 3 Länder zu versuchen. In einer Wachstumsphase ist das nicht kritisch, da Expansion das Ziel ist. Aber nun ist Nachhaltigkeit unsere Top-Priorität. Wir werden unsere Strategie nur ändern wenn Daten verfügbar sind, die begründen, dass wir wieder expandieren sollten.

Kürzlich hat Bondora den maximalen Betrag der bei Go&Grow neu angelegt werden kann auf 1.000 Euro pro Monat begrenzt. Was ist der Grund dafür? Ist das eine direkte Folge der Entscheidung im Moment nur in Estland Kredite anzubieten?
In anderen Interviews wurde gesagt, Bondora könne einfach das Marketing intensivieren um mehr Kredite in Estland zu vergeben, sollte die Anlegernachfrage steigen. Das würde der jetzigen Maßnahme widersprechen?

Wir haben die Entscheidung aus 2 Gründen getroffen 1) Zukunftsfähigkeit des Portfolios 2) Damit jeder investieren kann

Auch die vorherige Aussage bleibt richtig. Wir könnten leicht das Portfolio vergrößern, wenn wir wollten. Die Nachfrage ist da. Aber wir werden keine Abstriche bzgl. der Qualität des Portfolios zulassen. Angesichts der derzeitigen globalen Situation ist es besser vorsichtig zu sein und die Daten im Blick zu haben statt exponentielles Wachstum anzustreben. Daher die 1.000 Euro Begrenzung pro Anleger um das mit unserem Kreditvolumen zu matchen. Als Firma brauchen wir kein enormes Wachstum in unseren wichtigsten Parametern jedes Jahr um weiter zu bestehen. Falls wir uns entscheiden die Neuvolumen zu senken, dann sinken unsere operativen Kosten auch.

matthew clannachanWerdet ihr wieder beginnen Kredite in Finnland und Spanien zu vergeben?

Wir haben die Entscheidung wann wir unsere Aktivitäten in Finnland und Spanien wiederaufnehmen warden noch nicht getroffen.

Als Folge der Coronakrise konnte das Go&Grow Produkt im Frühjahr nicht länger sofortige Liquidität bieten. Stattdessen wurden Teilauszahlungen umgesetzt. Jetzt seid ihr wieder bei sofortigen Auszahlungen, aber könntest Du bitte in der Rückschau mitteilen, was das für Eure Anleger bedeutete und wie sie auf diese Maßnahme reagierten?

Das war eine notwendige Maßnahme, die im Produkt von Tag 1 an vorgesehen war. Als Teilauszahlungen aktiv waren, habe ich Hunderte von Supportanfragen, Kommentaren in sozialen Medien und Foren gelesen, um zu versuchen die überwiegende Reaktion der Anleger zu verstehen. Die meisten verstanden warum wir diese Funktion aktiviert hatten und warum es für den Fortbestand des Produktes erforderlich war. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass nun – fast 6 Monate später – dadurch kein Effekt auf unsere wichtigsten Parameter (Kundenzufriedenheit, Investments, Auszahlungen, Kundenvermittlungen) eintrat. Anleger würden nicht fortfahren Bondora zu nutzen, wenn sie uns nicht vertrauen würden und uns nicht als zukunftsträchtige Firma sehen würden.

Viele der Anlegerfragen drehen sich um den Puffer den Bondora vorhält um Go&Grow liquider zu machen. In der Vergangenheit hat Bondora es abgelehnt, offenzulegen wieviel Geld in dem Puffer ist. Kannst Du bitte den Mechanismus so präzise wie möglich beschreiben? Wo wird das Geld in dem Puffer verwahrt? Ist es in einem Bankkonto und verdient dort keine Zinsen?

Unser Ziel ist die Bargeldreserve bei rund 15% des Go&Grow Portfolios zu halten. Natürlich fluktuiert dies täglich basierend auf Aus- und Einzahlungen. Das Geld ist auf einem dediziertem Bankkonto, getrennt von Bondora’s Firmenkonten. Es ist dort damit die Anleger schnellen Zugriff auf ihr Geld haben, wenn sie es brauchen.

Ein Kritikpunkt den einige Anleger haben, ist die Art und Weise wie Bondora Kredite in Verzug behandelt bei der Kalkulation der Rendite im Anlegerdashboard. Nur der Betrag der überfälligen Rate und nicht der ganze Kreditbetrag wird als in Verzug berücksichtigt. Kritiker finden, dass dies zu einer übermäßig positiven Darstellung der Rendite führt und somit Erwartungen erzeugt die später unerfüllt bleiben, wenn das Portfolio altert und die angezeigte Rendite sinkt. Was ist Deine Meinung dazu und gibt es Pläne die Berechnungsmethode zu ändern.

Wir haben keine Pläne die Berechnungsmethode zu ändern. Ich denke es ist wichtig das die Berechnungen gleichbleibend erfolgen, so dass die Renditen des Portfolios über die Jahre vergleichbar bleiben. Würde der volle Kreditbetrag als verspätet in die Kalkulation einbezogen hätte das auch Nachteile. Es wäre übermäßig negativ, weil es die 60% (zum Beispiel) des Kredites, die eingetrieben würden, vernachlässigen würde.

Bondora stellt sehr viele Informationen und Statistiken zur Verfügung. Eine die Anleger oft verwirrt ist die “Kumulatives Geld auf Geldrückflüsse – Monatsvergleich“ Grafik in den allgemeinen Statistiken. Z.B. für 36 monatige Kredite aus Q3 2014 zeigt der Wert 91,23%. Bedeuted das, dass Anleger, die zu diesem Zeitpunkt investierten, mit Verlust investierten, oder wie ist die Grafik zu lesen?

Diese Grafik ist nur aussagekräftig für Kredite am Ende der Laufzeit, da es den Prozentwert der ursprünglichen Anlagesumme zeigt, der zurückgezahlt wurde. Wenn das Ende der Kreditlaufzeit erreicht wurde und die % liegen unter 100, dann bedeutet das nicht unbedingt, dass die Rendite des Portfolios negativ ist. Typischerweise setzen sich die meisten Portfolios aus unterschiedlichen Kreditlaufzeiten aus unterschiedlichen Kohorten zusammen. Zum Beispiel gab es sehr wenige Kredite die in Q3 2014 mit einer 36 monatigen Laufzeit vergeben wurden – d.h. dies ist nicht repräsentativ für die Zusammenstellung eines ganzen Anlegerportfolios. Wir publizieren diese Grafik einfach um volle Transparenz zu liefern und die Daten aus den Reports zu visualisieren.

Erwartest Du für die Zukunft einen Anstieg der Kreditausfallraten für Konsumentenkredite in Spanien, Finnland und Estland in den verbleibenden Monaten von 2020 und 2021 als Folge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise?

Bisher zeigt unser Portfolio keine Anzeichen steigender Kreditausfallraten. Nochmal, dies ist der Grund warum wir uns entschieden haben das Neukreditvolumen während der Krise zu reduzieren (als eine Vorsichtsmaßnahme).

Wie siehst Du die Entwicklung der Regulierung auf europäischer Ebene?

Meine Meinung nach gibt es einen Silberstreif am Horizont, obwohl Vorfälle in diesem Jahr bei kleineren Plattformen ein schlechtes Licht auf die Branche warfen. Diese Art von Vorfällen kann zur Beschleunigung der Regulierung der Finanzbranche für den Verbraucherschutz führen. Wir waren immer für eine pan-europäische Regulierung von p2p lending und werden unsere Arbeit mit den Aufsichtsbehörden fortsetzen, um dies zu unterstützen.

Ist Bondora* als Unternehmen profitable?

Ja, wir waren seit 3 Jahren profitable. Wir haben unseren Geschäftsbericht für 2019 veröffentlicht und einen Nettogewinn von 2,4 Mio. Euro verkündet.

Welche Pläne hat Bondora* für das nächste Jahr?

Diese Jahre haben wir bereits viel Zeit verwendet auf die Automatisierung der internen Systeme und der Kundenoberfläche des Produktes. Zum Beispiel haben wir gerade eine ‚Instant answer support site‘ live geschaltet, die wir immer noch verbessern (diese wird schlussendlich in 24 Sprachen lokalisiert werden). Wir setzen die Arbeit an der Automatisierung mit Priorität dieses Jahr fort. Der Grund dafür ist, dass wenn sich die Weltwirtschaft stabilisiert und wir wieder bereit für Wachstumsziele sind, dann können wir rapide skalieren ohne Abhängigkeiten von manuellen Prozessen.

Abschliessende Bemerkung – Vielen Dank an alle unsere Anleger, die uns immer über die Jahre unterstützt haben. Wir freuen uns auf den Moment, wenn die Welt wieder zur Normalität zurückfindet und wir Euch in unserem Büro begrüßen können. Bitte schaut vorbei, falls ihr jemals in Tallinn seid :)

Ich danke Matthew Clannachan für das Interview für P2P-Kredite.com

Marktanteile der Plattformen nach Neuvolumen P2P Kredite im August 2020

Ich erhebe einmal monatlich die Neukreditvolumen von P2P Kreditmarktplätzen, da mir das einen guten Überblick erlaubt, wohin der Markt sich bewegt. Natürlich führt die Betrachtung einzelner Monate zu starken Schwankungen, aber ich mache das nun schon seit mehreren Jahren und finde es über die Zeit sehr aufschlussreich. Im August konnten von den größeren Plattformen vor allem Estateguru* und Peerberry* ihr Volumen deutlich steigern. Bei Mintos* sank das Neuvolumen gegenüber dem Juli. Gründe dürften vor allem in den Zahlungsschwierigkeiten von Capital Service und Finko sowie der Unzufriedenheit einiger Anleger mit den neuen AGB und den Verifizierungen liegen.

Wer weitergehende Parameter als nur das Volumen vergleichen will, findet hier einen interaktiven Vergleich der P2P Kredit Anbieter.

Im August hatte ich auch wieder die Mitglieder des Foums nach der beliebtesten Plattform befragt. In der erweiterten Umfrage wurde mit deutlichem Abstand Bondora* Sieger vor Viainvest*Peerberry* und Estateguru*. Mintos und einge andere Plattformen im Vergleich zu den Umfrageergebnissen 2019 deutlich in der Gunst der Anleger zurückgefallen. Wie gut eine Plattform durch die derzeitige Krise kommt bzw. kam ist sehr wichtig für das Vertrauen der Anleger.

international p2p lending statistic august 2020
Table: Statistiken Neukreditvolumen P2P Kredite im August 2020. Quelle: eigene Recherchen
#: Der starke Rückgang bei Finbee im Vergleich zum Vormonat liegt daran, dass das Stimulus Paket (Unternehmenskredite) der litauischen Regierung Ende Juli endete.

Kreditvolumina wurden aus der lokalen Währung in Euro konvertiert um einen Vergleich zu erleichtern. Einzelne Zahlen sind Schätzungen.

Links to the platforms listed in the table: Ablrate*, Archover*, Assetz Capital*, Bondora*, Bondster*, Bulkestate*, Colectual*, Credit.fr*, Crowdproperty*, Debitum Network*, Dofinance*, Estateguru*, Fellow Finance*, Finansowo*, Finbee*, Folk2Folk*, Geldvoorelkaar*, Growly*, Investly*, Iuvo Group*, Kameo*, Klear*, Kviku.Finance*, Landlordinvest*, Linked Finance*, Lenndy* Look&Fin*, Mintos*, MyTrippleA*, October*, Peerberry*, Proplend*, Ratesetter*, Rebuilding Society*, Savy*, Soisy*, Sourced*, Swaper*, TFGcrowd*, ThinCats*, Twino*, Viainvest*, Viventor*, Zopa*.

Gericht erlässt Verfügung zum Einfrieren von Vermögen früherer Lendy Direktoren

Die Insolvenzverwalter haben ihren 2. Fortschrittsbericht bzgl. der Eintreibungsaktivitäten bei der Abwicklung der Lendy Ltd Gesellschaft veröffentlicht. Dieser beschreibt den Fortschritt der letzten 6 Monate – den ich als eher gemächlich beurteilen würde. Allerdings enthält der Report auch einen Paukenschlag. In ihren Untersuchungen kommen die Insolvenzverwalter zu dem Ergebnis, dass 6.8 Mio. Pfund auf Konten auf die Marshall Inseln abgeflossen sind und der Verdacht besteht, dass diese nicht wie angegeben für Marketingzwecke bezahlt wurden sondern zugunsten der ehemaligen Lendy Direktoren Tim G. und Liam B.

Die Insolvenzverwalter haben daraufhin bei einem britischen Gericht eine Verfügung zur Sperrung aller weltweiten Vermögenswerte und des Immobilienbesitzes von Tim G.d Liam B. erwirkt.

So liefen meine P2P Kredite bei Plenti (Ratesetter Australien) in den letzten Wochen

In 2018 habe ich angefangen auch in australische P2P Kredite zu investieren, bei Ratesetter Australien*. Warum diese Plattform, wie die egistrierung als Deutscher klappte und wie ich gestartet bin, hatte ich damals im Artikel ‚Bis zu 9% Zinsen aus dem Känguruland – so investiere ich bei Ratesetter Australien‚ beschrieben.

Einige Kennzahlen seitdem:

  • Eingeszahlt hatte ich: 6.862 AUD
  • Zinsen bekommen habe ich: 1.003 AUD
  • abgezogen wurden: 88 AUD Plattformgebühr
  • und abgezogen wurden: 88 AUD Quellensteuer
  • 0 Ausfälle (da alle Kredite über den Provision Fund abgesichert sind)

Lief also sehr gut. Und dann kam Corona. Änderte sich etwas?

Anders als bei anderen Plattformen, habe ich bei Ratesetter Australien meinen Autoinvest nicht gestoppt. Hauptgrund waren der gut gefüllte Provision Fund (>10 Mio. AUS) und dass ich sowieso nicht in EUR zurücktauschen wollte. Hätte ich das Geld ausgezahlt hätte es also unverzinst in AUD auf dem Konto gelegen. Blöd. Ich fand, da konnte es auch weiter verzinst in Ratesetter Kredite investiert werden.

Im Moment investiere ich nur im 1 Monats Markt. Dort sind aktuell Zinssätze von rund 8% normal und die Zinsspitzen für 1 Monats Kredite liegen häufig über den Raten für 3-Jahres oder 5-Jahres Kredite. Inverse Zinskurve also.

ratesetter australien portfolio april 2020
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Mit welchen Maßnahmen hat Ratesetter auf die Pandemie reagiert?

Anfang März gab es extreme Ausschläge bei den Zinsen. Das Matching fand in der Spitze bei bis zu 19,9% statt. Das lag hauptsächlich daran, dass weniger Anleger Geld angeboten wurde.

Am 23. März verhängte Ratesetter eine Zinsobergrenze von 9%. Alte noch offene Gebote, die darüber lagen, wurden gestrichen.

In den folgenden Tagen verlagerte sich das Angebot der Anleger weg von den langlaufenden Krediten und konzentrierte sich zunehmend auf den 1 Monats-Markt.

Etwa am 25. März müssen die zur Verfügung stehenden Angebotsgelder auf dem 1 Monats-Markt unter den replacement buffer Wert von 300Tsd AUD gefallen sein, und Ratesetter hat erstmals Ziffer 7.7 der Bedingungen ausgeübt, so dass Rückzahlungen der 1-Monats Kredite nicht mehr ausgezahlt wurden, sondern zum vorherigen Zinssatz neu angelegt wurden. Ist in meinem Portfolio seitdem einige Male passiert, beeinträchtigt mich aber fast gar nicht, da ich nur so wenige 1 Monats-Kredite zu pre-Krisen Zinssätzen von rund 3,5% hatte.

Die folgende Grafik zeigt die heftigen Auf- und Abbewegungen der Zinsrate seit Mitte März

Die Hauptauswirkung der Krise bei Ratesetter sind bisher der Rückgang der Neuvolumen und der starke Anstieg der Zinsen auf 1 Monats-Kredite. So weit ich das beobachten kann erfolgen die Rückzahlugen regelmäßig und falls es zu einem Anstieg der Ausfallraten kommt, dann liegt dieser noch in der Zukunft.

ratesetter australien zinssätze
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Eine weitere Auswirkung der Krise waren auch heftige Bewegungen des EUR/AUD Wechselkurses. Der AUD wertete im April temporär stark ab. Ich hatte sogar überlegt zusätzliche EUR in AUD umzutauschen und bei Ratesetter zu investieren um von den Währungseffekten zu profitieren, hatte mich aber dann dagegen entschieden. Inzwischen normalisiert sich die Lage scheinbar wieder und der AUD nähert sich dem früheren Wechselkursniveau an. Da ich nichts ausgezahlt/getauscht habe ist der aktuelle Wechselkurs aber für mich erstmal nicht von Bedeutung.


Quelle

Im Forum gibt’s einen Thread zu Ratesetter Australien mit weiteren Meinungen und Erfahrungen.

 

USA vs. Europa – Wo gibt es die attraktiveren P2P Immobilien Crowdfunding Plattformen?

Amerikanische Unternehmen decken 53% der weltweiten Marktkapitalisierung in Aktien ab, mit den Börsen-Giganten Apple, Microsoft, Google, Amazon und Facebook an der Spitze. Die Wallstreet ist die wichtigste Börse auf dem Planeten. Tja, man kommt nicht daran vorbei: Die USA geben im Finanzbereich weltweit den Takt vor.

Abb. 1: Wall Street, New York, USA (Bild von Gerd Altmann von Pixabay)

Doch wie sieht es im Bereich P2P Immobilien Crowdfunding aus? Wer sind die großen Player auf dem US-Markt und was unterscheidet sie von den europäischen Plattformen? Werfen wir einen Blick über den großen Teich.

Die beiden größten Unterschiede zwischen den US- und den europäischen Wettbewerbern sind meiner Meinung nach die folgenden:

  • Bestandsobjekte statt Immobilienentwicklungen: Die amerikanischen Plattformen bieten hauptsächlich Investments in Bestandsobjekte an. Immobilien werden gekauft und dann jahrelang Im Bestand gehalten. Die Mieteinnahmen speisen die regelmäßigen Auszahlungen an die Investoren („Income“). Bei Verkauf der Immobilie partizipieren die Anleger zusätzlich noch am Wertzuwachs („Growth“). Im Gegensatz dazu werden auf den europäischen Plattformen (wie Estateguru*, Crowdestate*, Exporo*, Bergfürst*, etc.) hauptsächlich Immobilienentwicklungen finanziert. Die Projekte decken oftmals den gesamten Prozess vom Grundstückserwerb, Planung und Baugenehmigung, Baudurchführung bis hin zum Verkauf nach Fertigstellung ab. Die Anleger bekommen einen festen Zinssatz, der durch den Gewinn beim Verkauf abgedeckt wird. Einige wenige Plattformen, die auch in Europa Bestandsobjekte finanzieren sind z.B. Exporo* Bestand (Deutschland) , Property Partner* (UK), Housers* (Spanien) und Reinvest24* (Estland). Grundsätzlich haben Investments in Bestandsobjekte ein geringeres Risiko als Entwicklungsprojekte und bieten daher auch niedrigere Renditen.
  • Portfolio statt Einzelprojekte: Viele Plattformen in den USA bieten nur einige wenige Portfolios an, in die Anleger investieren können. Die Portfolios bestehen oftmals aus zig verschiedenen Einzelobjekten. Das erinnert deutsche Anleger an die hiesigen offenen oder geschlossenen Immobilienfonds, die ein ähnliches Konzept verfolgen und viele Einzelprojekte in einen Fonds bündeln um dann ebenfalls durch Mieteinnahmen und Wertzuwächse beim Verkauf Gewinne zu erwirtschaften. Die Plattformen hier bei uns in Europa bieten dem Anleger dagegen die Möglichkeit, die Projekte einzeln auszuwählen, in die er/sie investieren möchte. Da dies wesentlich zeitaufwändiger ist als in ein Portfolio zu investieren, bieten einige Plattformen AutoInvest Features und auch einen Zweitmarkt, um Investitionen einzelner Projekte wieder abstoßen zu können.

Wie sehen die Eckdaten der US- und EU-Plattformen im Vergleich aus? Die beiden bekanntesten P2P Immobilien Crowdfunding Plattformen in den USA sind Fundrise und RealtyMogul. Für Europa treten an: Estateguru* und Exporo*. Hier der Vergleich dieser vier Plattformen im Steckbrief:


Sitz

USA

USA

Estland

Deutschland

Gründung

2010

2013

2013

2014

Investoren

500.000+

190.000+

45.000+

25.000+

Finanziertes Volumen

4.900 Mio. USD

500 Mio. USD

200 Mio. EUR

566 Mio. EUR

Mindestinvest

500 USD

5.000 USD

50 EUR

500 EUR (Entwicklung)

1.000 EUR (Bestand)

Rendite jährlich

9,47%

7,7%

11,86%

5,8% (Entwicklung)

4,4% (Bestand)

Finanzierungstyp

Bestand

Bestand

Entwicklung

Entwicklung, Bestand

Investitionsmöglichkeiten

4 Portfolios

2 Portfolios

Einzelprojekte

Einzelprojekte

Zinszahlung

quartalsweise

monatlich

Je nach Projekt

Endfällig (Entwicklung)

Quartalsweise (Bestand)

Wie fällt der Vergleich der Plattformen USA vs. Europa aus?

  • Die amerikanischen Plattformen haben mehr Investoren für sich gewinnen können und auch bereits ein größeres Projektvolumen finanziert. Das ist auch nicht verwunderlich, da sie bereits etwas länger am Start sind und der US-Markt sehr groß ist. Die Bevölkerung der EU ist zwar mit rund 450 Millionen Einwohnern (natürlich bereits nach dem Brexit) größer als die der USA mit knapp 330 Millionen, der europäische Gesamtmarkt ist aber für die Plattformen durch Sprachbarrieren und verschiedene länderspezifische Rechtsbedingungen lange nicht so einfach zu erschließen wie der US-Markt.
  • Der Mindestinvest liegt mit 500 USD und sogar 5.000 USD bei den US-Playern weitaus höher als wir das von heimischen Anbietern gewohnt sind.
  • Die jährliche Rendite der amerikanischen Portfolios liegt mit 9,47% und 7,7% weitaus höher als bei Exporo* mit 5,8% (Exporo Bestand kommt sogar nur 4,4%), jedoch niedriger als bei Estateguru mit 11,86%. Nicht zu vergessen: Die aus Bestandsobjekten bestehenden US-Portfolios weisen ein niedrigeres Risiko auf als die hauptsächlich in Entwicklungsprojekte finanzierenden EU-Anbieter.
  • Investitionsmöglichkeiten: Fundrise und RealtyMogul bieten nur 4 bzw. 2 Portfolios zur Investition an. Bei Estateguru* und Exporo kann/muss man über die Jahre aus hunderten von Einzelprojekten wählen. Durch den AutoInvest bei Estateguru kann man den Zeitaufwand reduzieren.

Welches Angebot ist für Anleger denn nun attraktiver?

  • Rendite/Risiko-Verhältnis: Vom Rendite/Risiko-Verhältnis her liegen die amerikanischen Plattformen vorne. Renditen von 7-10% für Investitionen in Bestandsobjekte sind in Europa nur schwer zu realisieren. In Europa kommt man eher auf 3-6% bei den P2P Plattformen. Schielt man zu offenen Immobilienfonds wird man mit rund 3% auch nicht glücklicher und ob man das Risiko eingehen möchte, über oftmals 10 Jahre oder mehr in geschlossenen Immofonds hierzulande zu investieren um dann hoffentlich 6-7% realisieren zu können, ist auch fraglich. Dann bleiben noch börsengehandelte Immobilien-AGs (REITs), wobei man hier jedoch die Volatilität der Börsen in Kauf nehmen muss. Mit Entwicklungsprojekten kann man in Europa auf einigen Plattformen (wie Estateguru*) sogar mehr als 10% Rendite erwarten, nur ist das Risiko dann auch höher als bei Bestandsobjekten. 1:0 für die USA.
  • US-Komfort gegen EU-Individualität: Die Anlage in ein oder zwei US-Portfolios ist wesentlich einfacher und komfortabler als das Auswählen vieler Einzelprojekte. Allein das AutoInvest-Feature kann einen da retten, wenn der Zeitaufwand klein gehalten werden soll. Wenn ich jedoch explizit die Einzelobjekte auswählen möchte, dann bin ich bei den EU-Anbietern besser aufgehoben. Das ist bei unseren amerikanischen Freunden nur bei sogenannten „Private Placements“ möglich; die gehen aber häufig erst bei 25.000 USD Mindestinvest pro Projekt los. Das dies eine Geschmacksfrage ist: 2:1 für die USA.
  • Mindestinvest: Hier liegt Europa klar vorne. Schon mit 50 EUR (Estateguru*) oder sogar schon mit 10 EUR (Bergfürst*) können Anlieger sich an Immobilienfanzierungen über die Crowd beteiligen. Investoren auf den US-Plattformen können erst mit 500 USD oder sogar 5.000 USD einsteigen. Das macht 2:2.

Fazit

Die US-Plattformen im Immobilien Crowdfunding Bereich punkten mit einem besseren Rendite/Risiko-Verhältnis. Der niedrigere Mindestinvest der EU-Anbieter macht die hiesigen P2P Investitionsangebote dagegen sehr attraktiv. Bei der Auswahl der Finanzierungsmöglichkeiten liegt es im Auge des Betrachters: US-Komfort gegen EU-Individualität.

Welche Voraussetzungen muss ein Anleger erfüllen, um bei Fundrise, RealtyMogul oder anderen amerikanischen P2P Immobilien Crowdfunding Plattformen investieren zu können? Und welche Portfolios werden konkret angeboten? Darum geht es im Folgeartikel: US-Immobilien mit hohen Renditen: P2P Crowdfunding macht’s möglich

Was ist deine Meinung zu diesem USA vs. Europa Vergleich? Schreib dazu gerne etwas in die Kommentare.

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Estateguru vs. Crowdestate – Trotz Zahlungsverzug und Projektausfällen der Verlustaversion ein Schnippchen schlagen

Nein, dieser Artikel ist KEINE Prognose, wie sich Corona, Rezession, Wirtschaftskrise und was uns sonst noch bevorstehen mag, auf deine Finanzen auswirken könnte. Spektakuläre Interpretationen, den todsicheren Blick in die Kristallkugel oder „den ganz heißen Tip“ könnt ihr hier also nicht erwarten. Es geht „lediglich“ um reine Fakten – die aktuelle Leistungsbilanz von Estateguru* und Crowdestate*, die beide zu den beliebtesten P2P Plattformen für Immobilienfinanzierungen in Europa zählen. Und natürlich geht es darum, wie ihr das für eure Anlagestrategie auswerten könnt. Bei Estateguru* erhalten Neukunden aktuell (und noch bis zum 30.04) übrigens einen erhöhten Cashback-Bonus von 1% auf alle Investitionen, einfach über diesen Link* anmelden um den Bonus zu bekommen.

Ich möchte euch als Einleitung kurz von meinem Freund erzählen – und vielleicht findet sich der eine oder andere da ja wieder: Mein Freund Mark interessiert sich für P2P Investitionen in Immobilien und fängt an, kleine Beträge in Projekte mit relativ kurzer Laufzeit zu investieren. Nach kurzer Zeit kommen die ersten Zinsen und dann auch endlich die vollständige Rückzahlung des ersten Projekts. Bingo – es funktioniert! Er wird mutiger und investiert nach und nach in ein paar dutzend Projekte auf mehreren Plattformen. Die meisten Zins- und Rückzahlungen erfolgen fristgerecht, doch es kommt auch zu einigen Verzögerungen. Aber immer noch kein Kapitalverlust! Dann schlittert ein Projektentwickler in die Insolvenz – die Abwicklung kann Jahre dauern und ob/wieviel Kapital zurückfliesst ist nicht absehbar. Außerdem sind einige andere Projekte schon über mehrere Monate im Zahlungsverzug. Was tun? Geld abziehen oder weiter investieren? Natürlich muss Mark mit dem Totalverlust des eingesetzten Kapitals rechnen. Das steht ja auf jeder Plattform, davor warnen Verbraucherschützer und selbstverständlich hat er das irgendwie schon mit einkalkuliert. Doch abseits aller Fakten ist die psychologische Wirkung nicht zu unterschätzen, wenn es dann wirklich zu Verlusten kommt. Er wird tatsächlich Geld verlieren! Auf einmal werden Projekte argwöhnisch beäugt und es wird versucht abzuschätzen, wo denn die Leiche im Keller liegen könnte. Vorbei ist die Leichtigkeit und die nüchterne Betrachtung.

Ich habe das als Anleger schon genauso erlebt wie mein imaginärer Freund Mark. Und vielleicht ging es dir ja auch so oder ähnlich. In der Psychologie und Ökonomie spricht man dabei von der Verlustaversion. Das ist die Tendenz, Verluste höher zu gewichten als Gewinne. Beispielsweise ärgert man sich über den Verlust von 100 € mehr, als man sich über den Gewinn von 100 € freut. Individuen verhalten sich in Entscheidungssituationen irrational, wenn Unsicherheiten eine Rolle spielen. (Quelle: Wikipedia)

Wie kann man denn der Verlustaversion ein Schnippchen schlagen und trotz Unsicherheit und Verlusten weiterhin rational agieren? Im P2P Immobilien Bereich hilft es, sich auf die vorhandenen Leistungsdaten der einzelnen Plattform zu besinnen um so das Risiko so realistisch wie möglich einschätzen zu können.

Wie sieht es denn aktuell bei Estateguru und Crowdestate aus? Estateguru* ist mit 1.365 Projekten und 45.705 Investoren unangefochtener Marktführer im Bereich Immobilien Crowdinvesting in Europa nach Anzahl finanzierter Projekte. Crowdestate* ist auch bereits seit 2014 am Markt und konnte bisher 46.491 registrierte Benutzer für sich gewinnen. 10.384 Investoren haben dort 228 Projekte finanziert. Beide Plattformen können mit Autoinvest und Zweitmarkt aufwarten und haben mit 50 Euro (Estateguru) und 100 Euro (Crowdestate) einen vergleichbar niedrigen Mindestinvest.

Um die Leistungsdaten (Track-Record) der Plattformen zu vergleichen, schauen wir uns den aktuellen Status aller bisher auf den beiden Plattformen finanzierten Projekte an:

Abb. 1: Estateguru vs. Crowdestate – Vergleich Projektstatus

Was sagt uns dieser Vergleich nach Projektstatus?

  • Zurückgezahlt %: Es fällt ins Auge, dass bei beiden Pattformen ungefähr die Hälfte der finanzierten Projekte bereits mit allen Zinsen vollständig zurückgezahlt wurden.
  • Überfällig %: Crowdestate weist aktuell mehr überfällige Projekte auf als Estateguru. Dies beinhaltet alle Projekte, bei denen Zins- oder Kapitalrückzahlungen im Verzug sind. Projekte, die früher einmal überfällig waren, aber mittlerweile vollständig zurückgezahlt wurden, tauchen hier übrigens nicht auf, sondern finden sich unter „Zurückgezahlt“.
  • Ausgefallen %: Auch bei den Projektausfällen liegt Crowdestate gegenüber Estateguru vorne. Auch hier gilt: Ausgefallene Projekte, die mittlerweile schon zurückgezahlt wurden, tauchen hier nicht auf, sondern finden sich unter „Zurückgezahlt“.

Und hier der Anteil der überfälligen und ausgefallenen Projekte im direkten Vergleich:

Abb. 2: Estateguru vs. Crowdestate – Vergleich Projekte im Verzug

Der Anteil der überfälligen Projekte ist bei Crowdestate mit aktuell 11,8% wesentlich höher als bei Estateguru* mit 3,8%. Und auch bei den ausgefallenen Projekten liegt der Anteil bei Estateguru mit 2,9% unter dem Wert von Crowdestate mit 4,5%. Das Risiko des Zahlungsverzugs und/oder Ausfalls lag also bisher bei Crowdestate* höher als bei Estateguru. Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass dieser direkte Vergleich zu einer so deutlichen Aussage führen würde.

Sollte ich als Anleger also nur noch bei Estateguru* investieren? Die oben dargestellten Leistungsdaten zeigen einen klaren Gewinner. Andererseits ist dies nur eine Komponente zur Einschätzung des Plattformrisikos. Folgende weitere Faktoren spielen dort auch mit rein: Wie sieht das Rückholkonzept der einzelnen Plattform bei überfälligen und ausgefallenen Projekten aus, wie wird dies umgesetzt und welche Erfolgsbilanz weist dies bisher aus? Wie steht das Unternehmen selbst finanziell dar? Außerdem habt ihr wahrscheinlich noch zusätzliche Kriterien, die euch wichtig sind.

Hinweis zur Ermittlung der Werte:

  • Immobilienprojekte: Da der Track-Record von Immobilienprojekten verglichen werden soll, habe ich bei Crowdestate die Unternehmensfinanzierungen, die nichts mit Immobilien zu tun haben, aus der Statistik herausgenommen. Dazu gehören z.B. Unternehmen aus Holzhandel, Fischverarbeitung oder auch Papierverarbeitung.
  • Ausfallrate: Crowdestate weist offiziell keine Projektausfälle aus, deswegen habe ich die Projekte mit mehr als 180 Tagen (6 Monaten) Zahlungsverzug als „Ausgefallen“ deklariert. Dies ist keine wissenschaftlich gesicherte Bewertung, sondern eine von mir getroffene Annahme zur Vergleichbarkeit der Plattformen.
  • Finanzierungsmöglichkeiten: Auf beiden Plattformen können Projekte auch in mehreren Schritten finanziert werden. Jede dieser Finanzierungsmöglichkeiten wird hier als ein separates Projekt gezählt, deswegen wäre es genauer, von Finanzierungsmöglichkeiten als von Projekten zu sprechen. Geht ein Projekt baden, das z.B. in fünf Schritten finanziert wurde, wird dies in der Statistik als fünf überfällige bzw. ausgefallene Projekte dargestellt. Da dies jedoch die übliche Darstellungsweise auf vielen P2P Plattformen ist, habe ich dies so übernommen.

Auf jeden Fall hoffe ich, dass euch der direkte Vergleich der Leistungsdaten von Estateguru und Crowdestate dazu motiviert, halbwegs rational zu reagieren, wenn ihr selbst von verspäteten Zahlungen oder Projektausfällen betroffen seid. Um doch noch einmal kurz die aktuelle Ausnahmesituation aufzugreifen: Es wird auf jeden Fall interessant sein, zu sehen, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die Plattformen hat. Wie sieht der Track-Record in 6 oder 12 Monaten aus? Fortsetzung folgt …

Wie habt ihr bisher auf verspätete Rückzahlungen und Projektausfälle reagiert? Welche Änderungen habt ihr an eurem Portfolio deswegen vorgenommen? Ich freue mich wie immer über euer kurzes Feedback in den Kommentaren.

Begierde nach Liquidität. Die Lage im P2P Sektor

Nicht nur der Aktienmarkt, sondern auch der P2P Kredit Sektor spürt die Auswirkungen der „Coronakrise“. Die Hauptauswirkung ist nach meinem Eindruck bisher das Verlangen nach Liquidität. Sowohl auf Seiten vieler Anleger als auch bei den Marktplätzen.

Nach meiner Beobachtung im Forum teilen sich die P2P Kredit Anleger gerade in 3 Gruppen:

  1. Die einen ziehen Geld ab, weil sie Anlagevermögen in den Aktienmarkt umschichten wollen um die gefallenen Kurse zu nutzen
  2. Die anderen ziehen Geld an, weil sie der Meinung sind das Risiko bei den P2P Krediten sei in der aktuellen Lage zu hoch
  3. Dritte reinvestieren fleissig weiter bei P2P und freuen sich über stark gestiegene Zinsen bei Neukrediten und „Schnäppchen“, die auf den Zweitmärkten mit hohen Rabatten angeboten werden.

Ein kleiner Teil hat neues Geld eingezahlt, vor allem um Kredite mit Zweitmarktrabatten aufzukaufen.

p2p corona umfrage kredite
Umfrageergebnis zu P2P & Corona. Stand nach 1 Stunde. Aktueller Stand hier.

Wie die Reaktion auf den Coronavirus den Markt verändert hat, ließ sich exemplarisch sehr schön am P2P Kreditmarktplatz Mintos* in der letzten Woche beobachten:

Die meisten Anleger scheinen zu glauben, dass das Risiko steigt, weil Kreditnehmer im Falle einer möglichen Wirtschaftskrise nicht zahlen können und somit die Ausfallraten steigen. Das ist sicher eine begründete Annahme, würde aber erst mittelfritig (in einigen Monaten) zu einem Problem werden. Meiner Meinung nach gibt es zwei sehr Risiken, die sehr kurzfristig auftreten können:

  1. Das Währungsrisiko: Viele Anbahner haben Kredite in „Weichwährungen“ vergeben, stellen diese aber bei Mintos in EUR ein. D.h. der Kreditnehmer zahlt beispielsweise in Rubel zurück, der Darlehensanbahner muss dem Mintos Anleger aber EUR zurückzahlen. Wer sich den Rubel/EUR oder auch den kasachischen Tenge/EUR Kurs in den letzten Wochen angeschaut hat, kriegt eine sehr eindrückliche Grafik die das Problem zeigt. Denn der Anbahner hat das Wechselkursrisiko nicht abgesichert, trägt es also in vollem Umfang selbst
  2. Das Liquiditätsrisiko: Viele Anbahner sind auf ständige Refinanzierung angewiesen, da sie a) gehebelt agieren und b) noch keine Gewinne machen. Refinanzierungsmöglichkeiten, die sie z.T. bisher genutzt haben wie Anleihen, dürften ihnen in der aktuellen Situation versperrt sein. Und das Volumen der Refinanzierung über den Mintos Primärmarkt ist gerade eingebrochen (auch weil es für Anleger im Moment sehr viel interessanter ist auf dem Zweitmarkt einzukaufen statt auf dem Erstmarkt zu investieren).

Die beiden obigen Probleme treffen vor allem Plattformen mit Darlehensanbahnern. Zwar geht auch bei klassischen P2P Marktplätzen wie Assetz Capital (siehe), Bondora, Ratesetter (siehe), Zopa die Nachfrage durch die Anleger zurück, aber dies beinträchtigt die finanzielle Stabilität dieser Anbieter nicht kurzfristig.

Das nicht nur ich, sondern auch andere Anleger diese Differenzierung bei der Risikoeinschätzung vornehmen, zeigt diese Analyse der Abschläge auf den Zweitmarkten (-12% bei Mintos*, -9% bei Viventor* aber nur -2% bei Bondora*).

Wie reagieren die Plattformen? Zum einen geben sie Statements zu Corona, zur Lage und zu den Absicherungsmaßnahmen ab. Zum anderen erhöhen sie Zinsen und machen Marketingaktionen.

Unter anderem:

  • Bondora* verlost einen BMW. Um teilzunehmen reicht es mindestens 1 (!) Euro einzuzahlen und anzulegen
  • Lendermarket* hat den Zinssatz von 12% auf 14% erhöht und es gibt 2% Cashback für erhöhte/neue Anlagen
  • Auch bei Twino* wurden die Zinsen erhöht (aktuell 14%)
  • Swaper* hat die Zinsen auf 14% erhöht (16% für VIP Anleger mit >5Tsd Euro Invest)

Bei einigen Marktplätzen profitieren Anleger auch einfach davon, dass es jetzt wegen der gesunkenen Anleger Nachfrage genügend Kredite gibt und keinen Cashdrag mehr, so dass Reinvests ohne Verzögerung gehen (Beispiel Robocash*)