Zwei aktuelle Problemfälle

Diese Woche gab es zwei Vorfälle, die die Performance auf den Plattformen Viventor, Grupeer und Mintos beeinträchtigen. Seit Dienstag wird auf Viventor folgender Warnhinweis angezeigt (sichtbar nur wenn der Anleger auf einen der betroffenen Kredite klickt).

Aforrti Viventor
(Screenshot von Viventor.com)

Als Reaktion darauf haben Anleger eine größere Anzahl Aforti Finance und Aforti Factor Kredite mit anfangs 5 bis 9% Abschlag, später bis zu 15% Abschlag auf dem Zweitmarkt angeboten. Zu einem Zeitpunkt waren sogar Abschläge bis zu 35% im Angebot.

Auf Anfrage teilte der Viventor CEO Andrius Bolsaitis P2P-Kredite.com mit:

According to information that we have now, they have some cash management issues, we are in discussions with them and hope to resolve the situation soon. I will be personally meeting with their managers tomorrow in Warsaw and will have more updates then.

Update 15:02 Uhr: Mintos scheint Aforti Kredite vom Zweitmarkthandel ausgeschlossen zu haben. Ich hatte Mintos heute morgen für eine Stellungnahme angefragt.

Update 15:52 Uhr: Antwort des Mintos CEO auf meine Anfrage

Hi Claus,

Thank you for your email.Aforti is overdue on passing to Mintos payments which Aforti has received from borrowers and payment for buybacks. Thus, we are suspending repayments and buybacks. We are meeting Aforti tomorrow in Warsaw and will update investors accordingly. Below excerpt from communication to all investors:
Mintos has suspended automatic repayments and buybacks for loans originated by Aforti Finance on our marketplace (EUR and PLN).
The decision was made based on Aforti Finance’s overdue transfers of borrower’s payments to the Mintos marketplace.

In order to protect the interests of our investors, all loans issued by Aforti Finance have been removed from the primary and secondary markets of the Mintos marketplace. This means you cannot buy or sell Aforti Finance loans, effective immediately until further notice.

Update 17:02 Uhr: Stellungnahme der Aforti Holding:

Dear Sir,

In response to the questions regarding the message released by Viventor, we would like to inform you following.

We are currently at the stage of closing cooperation with the Viventor platform, what has been announced to Viventor. Situation suggested by Viventor is a result  of  change in Aforti Finance S.A business strategy. Our decision is determined by technical difficulties in cooperation with  Viventor platform. Also cause most workload has to be done manually, our operational risk increased significantly. This is what we want to avoid, cause AFORTI business model and operational procedures are going rather in the direction of using API to automatize processes and to minimize human errors.

It’s also worth to add, that we have not been using  Viventor platform for new loans for about two last months, as a result of mentioned above decision. Of course Viventor receives daily financial transfers, so we do not see any reason for such a message.

Due to the fact that for tomorrow (Thursday, August the 8th ) we have scheduled a meeting with the Viventor, we believe all misunderstandings will be clarified.

Update 8. Aug.: Debitum Networks teilt mit, dass Anleger auf Debitum nicht betroffen seien, da alle Aforti Finance Kredite bereits am 25. Juli zurückgekauft wurden.

Update 9.  Aug.: von Mintos

Update 9. Aug.: von Viventor

As previously announced the meeting with Aforti took place in Warsaw. The parties found a solution with regard to the technical issues. We consider the solution satisfactory for both sides and expect all issues to be resolved during next week.

Update 12. Aug.: Mintos sagt nun sie hätten bereits im Januar 2019 eine Vereinbarung mit Aforti getroffen, nach der Aforti keine neuen Kredite mehr im Primärmarkt einstellte. Bleibt die Frage, warum die Anleger erst jetzt von dieser Vereinbarung erfahren, und nicht bereits im Januar 2019?

Unser Team trifft sich heute erneut mit Aforti Finance in Warschau, Polen, um die Details der in der vergangenen Woche besprochenen Lösung für Aforti Finance zur Weiterleitung von Kreditrückzahlungen an uns zur Verteilung an Investoren weiter auszuarbeiten.

Wir streben an, die nächste detailliertere Meldung morgen zu veröffentlichen.

Bis dahin danken wir Ihnen für Ihre Geduld, die Fragen an unser Investor-Service-Team und die Kommentare auf dem Blog und den Social-Media-Kanälen. Wir bereiten uns darauf vor, Antworten zu geben, sobald wir die Wiederaufnahme der Zahlungen, welche zur Zeit die höchste Priorität hat, eingeleitet haben.

Wir möchten auch daran erinnern, dass Aforti Finance seit Januar 2019 keine Kredite auf dem Primärmarkt von Mintos platziert hat. Es handelte sich um eine gemeinsame Vereinbarung mit Aforti Finance nach einer schwächer als erwarteten Kreditperformance und IT-System-Problemen. Aforti Finance hat die Bedienung der Kredite seitdem fortgesetzt und das gesamte ausstehende Kreditportfolio von Aforti auf dem Marktplatz Mintos ist von 5,7 Mio. EUR am 31. Dezember 2018 auf aktuell 2,2 Mio. EUR am 12. August 2019 gesunken. Angesichts negativer Tendenz am polnischen Verbriefungs- und Anleihemarkt sowie unserer Due Diligence-Einblicke in die Änderungen der internen Regelungen des Unternehmens haben wir durch die Herabstufung von Aforti auf C+ im März 2019 Vorkehrungen getroffen.

In dieser Phase werden wir weiterhin mit Aforti Finance zusammenarbeiten, um die Bedienung der Kredite fortzusetzen und die Rückzahlungen der Kreditnehmer an die Investoren auf dem Mintos-Marktplatz so schnell wie möglich weiterzuleiten. …

Update 14. Aug.: Mintos teilt mit, dass die Aforti Rückzahlungen wieder aufgenommen werden. Der Zweitmarkthandel mit Aforti krediten bleibt suspendiert. Bei Viventor berichten mehrere Anleger auch über eingehende Aforti Zahlungen.

 


Bereits am Montag kam es bei Grupeer zu Problemen, nachdem bekannt wurde, dass die litauische Zentralbank Satchelpay suspendiert hatte (Quelle). Satchelpay war eine der zwei Einzahlungsmethoden von Grupeer. Erst ab Dienstag instruierte Grupeer Anleger die alternative Einzahlungsmöglichkeit über die Baltic International Bank zu nutzen. Grupeer will zudem noch diese Woche weitere Einazhlungsmöglichkeiten schaffen.

Auf meine Frage was denn der Status von Geldern sei die kurz vor bzw. am Tag der Suspendierung noch auf das Satchelpay Konto von Anlegern eingezahlt wurden, teilte mir mein Grupeer Kontakt mit:

At the moment we are in contact with the bank and have received the information that all transferred funds will be returned to the account of the sender. However, we cannot provide you with the exact terms.
More detailed information will follow.

Hoffentlich werden beide Vorfälle zur Zufriedenheit der Anleger gelöst. In beiden Vorfällen ist die Kommunikation zu den Anlegern aus meiner Sicht verbesserungsfähig.

Die Welle der Anbieter aus Lettland

Lettland ist ein kleiner Staat im Baltikum mit nur knapp 2 Mio. Einwohnern. Dennoch starten dort immer mehr Firmen einen Kreditmarktplatz und wickeln zum Teil monatliche Neuvolumina ab, die erheblich über dem Volumen von Anbietern in westeuropäischen Märkten liegen. Aktuell buhlen Twino, Mintos, Viventor und neu Swaper und Viainvest um Anleger, ein weiterer hat mir mitgeteilt, dass er in den nächsten Wochen starten will.

Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich dabei stark von P2P Kreditmarktplätzen in anderen Ländern. Die lettischen Anbieter sind keine Startups im eigentlichen Sinn, sondern Tochtergesellschaften oder Neugründungen von Kreditanbietern, die schon etwas länger im Bereich der sogenannten ‚Pay-Day-Loans‚ tätig sind. Das sind sehr kurzlaufende Kredite zu extrem hohen Zinssätzen für die Kreditnehmer. In der Vergangenheit haben die Firmen das für die Kreditvergabe notwendige Kapital selbst bereitgestellt und sich dann z.B. durch Auflegung von Anleihen an den Kapitalmärkten refinanziert. Diese Anleihen wurden überwiegend von institutionellen Anlegern finanziert. Nun erschließen sie private Anleger als neue Refinanzierungsmöglichkeit. Während P2P-Kreditmärkte in den meisten Ländern so funktionieren, dass der Anleger denselben Zinssatz bekommt (abzüglich von rund 1-3% Gebühren, die Anleger und/oder Kreditnehmer an den Marktplatz entrichten), betrug der Unterschied bei den lettischen Kreditmarkten ein Vielfaches. Kreditnehmer zahlen z.T. den 20fachen bis 100fachen Zinssatz im Vergleich zu dem den der Anleger bekommt. Die Differenz kassiert der Marktplatz (Gewinn, Betriebskosten und auch Abdeckung des Ausfallrisikos). Um für die Anleger attraktiv zu sein sprechen sie dabei sogenannte ‚Buyback Garantien‘ aus. D.h. entweder der Marktplatz direkt oder ein ‚Loan originator‘, der auf dem Marktplatz tätig ist, verspricht alle Kredite, die ausfallen nach einer Frist zurückzukaufen (üblicherweise nach 30 oder 60 Tagen). Der Anleger bekommt dann also sein Geld, obwohl der Kredit ausgefallen ist und zwar mit Zinsen.

Die meisten Kredite werden in anderen Märkten als Lettland vergeben, bei Viventor z.B. in Spanien und Schweden. Häufig genutzt werden auch eher schwach regulierte Märkte wie Georgien und Polen. Anfallende Währungsrisiken trägt dabei auch der Anbieter.

Die Zinshöhe von rund 12% für Anleger und die Rückkaufgarantie üben eine hohe Anziehungskraft auf internationale Anleger aus. Deutsche Anleger gehören nach Anlegern aus den baltischen Ländern zur stärksten Nutzergruppe. Nicht vergessen werden sollte aber, dass das Risiko nur verlagert ist. Fallen zu viele Kredite aus, könnten die Verluste aus diesen Ausfällen die Marge der Kreditanbieter aufzehren und ihn in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen. Derzeit, in einer wirtschaftlichen Schönwetterphase, scheint das Modell zu funktionieren wie einzelne Geschäftsberichte zeigen. Ob das in einer Rezession mit steigenden Ausfallraten bei den Kreditnehmern auch noch so ist, muss sich noch erweisen.

Zudem werden die rechtlichen Konstrukte immer komplexer – Mintos hat in den letzten Wochen Änderungen (Beispiel) bekannt gegeben.

Der Boom wird also begünstigt durch die relativ geringen regulatorischen Eintrittshürden in Lettland, die derzeit positive wirtschaftliche Lage, den Fakt das viele Anbieter bereits Kreditmärkte bedienen und nur die Refinanzierung ändern – also nicht von Null starten und durch ein Anlegermarketing (buyback guarantee), das neue Anbieter von den ersten lettischen Anbietern kopieren.

 

Neuer Marktplatz Viventor – mit Immobilien besicherte Kredite

Viventor LogoRelativ neu ist der P2P Kredit Marktplatz Viventor. Anleger können dort in Kredite an spanische Verbraucher, die mit Immobilien besichert sind, investieren.
Eine Anlage ist ab 50 Euro möglich, die dann in Kreditanteile ab 10 Euro investiert werden. Viventor positioniert sich auf Kredite mit hohen Sicherheiten. Der LTV-Wert (loan-to-value; Beleihungsgrad) beträgt maximal 50% des Immobilienwertes und zusätzlich bietet Prestamos Prima, die Firma, die den Kredit vergeben hat, eine Buyback Garantie, d.h. wenn der Kredit mehr als 60 Tage in Verzug ist, bietet Prestamos Prima den Anlegern an, den Kreditanteil zurückzukaufen. Prestamos Prima ist die Muttergesellschaft von Viventor.

Das Zinsniveau liegt aktuell bei 6 bis 7%. Die Kreditlaufzeiten liegen i.d.R zwischen einem und 5 Jahren. Da die Kredite alle vorfinanziert wurden, können die Restlaufzeiten auch geringer sein. Die Vorfinanzierung hat auch den schönen Vorteil, dass Anleger direkt ab Gebot Zinsen erhalten.

Die Internetseite ist in englischer Sprache und relativ übersichtlich. Investiert wird entweder manuell oder via Autoinvest. Zu jedem Kredit werden die in der folgenden Abbildung gezeigten Informationen zur Verfügung gestellt.

Viventor Kredit Details
Abbildung: Beispiel Kreditinformationen bei Viventor

Ich habe mich angemeldet und einen ersten Betrag eingezahlt, um praktische Erfahrungen zu sammeln und werde dann im Viventor Forum weiter berichten, wie sich mein Invest entwickelt.

Die wesentlichen Merkmale im Überblick:

  • Alle Kredite mit Immobilien besichert; LTV unter 50%
  • Mindestanlage je Kreditanteil 10€ (50€ gesamt)
  • keine Gebühren für Anleger
  • Zinssätze von 6% bis 7%
  • Verzinsung sofort ab Gebot; keine Wartezeit
  • Buyback-Garantie greift wenn Kredit 60 Tage in Verzug mit Zahlungen
  • Kreditlaufzeiten i.d.R 1 bis 5 Jahre (z.T. auch kürzere Restlaufzeiten)

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