P2P Conference Riga – hochkondensiertes Destillat meiner Erkenntnisse

Letzten Freitag und Samstag war ich auf der P2P Conference in Riga. Gepackte 2 Tage Präsentationen, Informationen, Gespräche, neue Leute, Fun, Klatsch und Tratsch, … . Über Konferenzen zu schreiben fällt mir immer schwer. Mein probates Mittel diesmal: 3 Tage sacken lassen und dann Mut zur Lücke. Was dann noch in Erinnerung ist, hat sich etwas strukturiert und ich kann es hier niederschreiben.

Rahmenbedingungen, Location, Ambiente

Die von Targetcircle organisierte Konferenz fand zum ersten Mal statt. Die Organisation war sehr gut und übertraf meine Erwartungen deutlich. Am ersten Tag gab es Präsentationen (Video dazu) und Stände von Plattformen. In relativ relaxter Atmosphäre konnten die geschätzt 350 bis 400 Teilnehmer sich austauschen und leckeres Catering und DJ Musik gab es zusätzlich. Die allermeisten Teilnehmer kamen aus Deutschland und dem Balitikum aber auch aus anderen Ländern waren einige angereist. Ganz überwiegend waren die Teilnehmer Repräsentanten von Plattformen, Privatanleger, Blogger und Youtuber. Abends gab es eine After Konferenzparty in einem Restaurant am Fluss. Der 2. Tag fand an einem Strand an einem See statt und es kam Urlaubsfeeling auf. Ich hab die meiste Zeit mit Gesprächen verbracht, es gab aber auch Wakeboarding, Standup Paddling und Volleyball und Boule.

P2P Conference Riga

Big News

Die wichtigste Nachricht auf der Konferenz war die Ankündigung von Mintos Invest & Access. Dazu gibt es inzwischen auch schon 12 Seiten Diskussionen im Forum.

Wohin steuern die lettischen Plattformen?

Als Trend zeichnet sich ab, dass sie versuchen, sich von einem P2P Kreditmarktplatz zu einer breiter gefassten Anlageplattform zu entwickeln. Deutlich zu sehen/hören ist dies bei Mintos und Twino. Aber auch bei der Viasms Gruppe (Viainvest) und Grupeer gibt es Entwicklungen in diese Richtung. Aus Sicht der Plattformen ein logischer Schritt, denn sie haben eine erhebliche Anlegerbasis aufgebaut, die an höher verzinsten Anlageklassen interessiert ist. Und die lettische Aufsicht hat die Plattformen wohl vor die Wahl gestellt: entweder beantragt ihr eine Banklizenz oder eine als Broker. Schon mehrere Jahre wird erwartet, dass im bisher unregulierten lettischen Markt eine Regulierung eingeführt wird. Nun will die Aufsicht wohl keine „extra“ p2p spezifische Regulierung einführen, sondern die Plattformen sollen eins der beiden vorhandenen Regimes wählen. Grupeer und Robocash brauchen sich nicht zu entscheiden, denn sie haben ja schon den formellen Unternehmenssitz nach Irland (Grupeer) bzw. Kroatien (Robocash) verlegt.

Ob die Anleger den potentiellen Schritt zu einer breiteren Produktpalette mitgehen werden, da bin ich noch etwas skeptisch. Ob wir wirklich in einigen Jahren auch Aktien oder ETF über einen heutigen P2P Kreditmarktplatz kaufen? Allerdings habe ich vielleicht hier zu sehr die deutsche Brille auf. Für einen Anleger aus Osteuropa, der vielleicht noch wenig Erfahrungen mit Direktbanken oder Internetbrokern hat, könnte das passen.

Die Immobilienplattformen

Vertreten waren u.a. Estateguru, Bulkestate und Reinvest24. Aber natürlich haben auch andere Marktplätze wie Crowdestor, Grupeer oder Viventor auch sehr oft Immobilienkredite. Bei Estateguru und Reinvest24 habe ich natürlich nach dem Stand bzgl. der schon lange angekündigten Zweitmärkte nachgefragt. Kadri von Estateguru sagte mir, dass sie fast fertig wären, es liefen die letzten Tests. Der Zweitmarkt soll noch im Juni live gehen. Ob Anleger dort nur zu par oder auch mit Auf- oder Abschlägen handeln könnte sei noch nicht entschieden. Tanel von Reinvest24 erläuterte mir zusammen mit einem Kollegen, dass sie die Plattform von Grund auf neu aufgesetzt haben um die Voraussetzungen für den Zweitmarkt zu schaffen. Auch dort soll er in Kürze live gehen.

Igor von Bulkestate führte aus, dass P2P Kreditmarktplätze gerade zur richtigen Zeit in den baltischen Markt gekommen seien. Die Banken seien so mit sich selbst beschäftigt, aufgrund von AML Problemen, dass sie für Immobilienentwickler keine wirklich Option mehr seien, denn bis zu einer Entscheidung der Bank über einen Kreditantrag können 3 Monate vergehen. Er hob insbesondere die Wachstumsraten von P2P Immobilienmärkten in den letzten Jahren im Baltikum hervor.

Bei allem Optimismus und Wachstumsplänen ist aber im Hinterkopf zu behalten, dass der Markt für (Gewerbe-)Immobilien zyklisch sehr starken Schwankungen unterliegt. Ich hab mich auf der Konferenz auch mit einem Letten unterhalten der bisher sein  Vermögen in Immobilien (nicht über P2P sondern direkt) angelegt hat. Der sagte mir, aus seiner Sicht sei der Markt nahe am Höhepunkt und er würde gern sein Immobilien veräußern und stattdessen auf andere Anlageklassen umschichten (u.a. P2P Konsumentenkredite). Ähnlich denken übrigens viele Briten über den UK Immobilienmarkt (zumindest London & Südosten).

Die Sicht der Darlehensanbahner

RigaFür mich sehr interessant war, dass Vertreter/Chefs mehrerer Mintos Darlehensanbahner anwesend waren. Mit denen hatte ich vorher keinen Kontakt. Ich hab zwei ausgefragt. Mein Eindruck ist, dass sie immer noch dabei sind zu verstehen, was sie mit dem neuen Channel machen können und wie sie ihn am Besten nutzen können. So stellt sich für sie beispielsweise die Frage, ob sie direkte Marketing (auch ausserhalb der Mintos Plattform) mit Ziel Anleger machen sollen oder das weiter ausschließlich Mintos überlassen sollen. Also quasi die Aufmerksamkeit für ihr Brand gegenüber der der vielen anderen Anbahnern auf Mintos zu erhöhen.

Ich habe auch mit 2 Kreditgebern gesprochen, die noch kein P2P machen aber überlegen, ob das zur Refinanzierung für die interessant wäre. Der eine ist seit Jahren in der Leasingfinanzierung für gebrauchte Maschinen für SMEs in der Ukraine. Seine Finanzierung bekommt er bisher von ukrainischen Banken. Für weiteres Wachstum hätte er gerne zusätzliche Finanzierungsquellen. Er erwägt seine Kredite auf Mintos zu listen, findet das aber ziemlich teuer. Die Alternative ist einen eigenen Marktplatz zu starten. Klassische Make or Buy Entscheidung also. Beides hat Vor- und Nachteile. Bei Mintos wäre direkt eine hohe Reichweite gegeben und aus meiner Sicht bessere Prognostizierbarkeit des Absatzes. Ein eigener Marktplatz hätte mehr Vorlauf, höheres Risiko hinsichtlich der Akzeptanz, andererseits böte er langfristig mehr Kontrolle und geringere Transaktionskosten.
Der zweite stand bzgl. P2P noch ganz am Anfang. Gut laufendes Geschäft mit Krediten in Pfandleihhäusern in Russland. Aber noch am Ausloten, welche Möglichkeiten P2P Marktplätze für sein Geschäft überhaupt bieten würden.

Die Sicht der Anleger

Die Anleger sind vor allem zur Konferenz gekommen um sich aus erster Hand zu informieren und um die Chance zu nutzen direkt mit Repräsentanten der Marktplätze zu reden und Fragen zu stellen. Und der Austausch mit anderen Anlegern ist sehr interessant. Wenn ich so überlege worüber wir gesprochen habe, dann fallen mir vor allem ein:

  • das neue Mintos Invest & Access Produkt und was es für die Zukunft bedeuten könnte
  • Auswahlkriterien für die Entscheidung auf welchen Marktplätzen investiert wird
  • Anlagestrategien
  • Risikobewertung und mögliche Folgen eines Ausfalls eines Marktplatzes/Anbahners

Ich fand es besonders interessant mich mit Anlegern und Bloggern aus anderen Ländern zu unterhalten und zu hören wie P2P Kredite in ihren jeweiligen Ländern wahrgenommen werden. Auch wenn P2P Kredite in Deutschland noch ziemlich unbekannt als Anlageklasse sind, in anderen Ländern (wie z.B. Portugal, Niederlande, Italien, Ungarn) werden sie noch seltener wahrgenommen oder genutzt. Und das Thema Steuern beschäftigt nicht nur deutsche P2P Anleger sondern ist auch in anderen Ländern Grund für viele Fragen. Wobei wir deutschen vom Steuersatz noch gut da stehen, in einigen Ländern fallen Steuern auf P2P Erträge zum Einkommenssteuersatz an. Besser da als wir stehen inbesondere Niederländer, Luxemburger und Bewohner einiger osteuropäischer Staaten.

An diese Stelle vielen Dank u.a. an Lars und Kolja (die das Ganze mit ihrer Idee angestossen hatten und auch moderiert haben), Sebastian, Thomas, Vincent, Angelo (und Zofia), Bernhard, Florian, Urs, Christian, Tobias, Johannes, Denny, Salvatore, Georg, Ferry, Carmen, Carlos, AloitaKarlis, Dawid, Trond und Heiko (für die tolle Organisation), die unzähligen Vertreter der Plattformen, mit denen ich sprach, und viele andere die ich jetzt in der Aufzählung vergessen habe.

In diesem Sinne: See you next year (spätestens) in Riga again!

p2p Conference Riga

 

2 Kommentare zu “P2P Conference Riga – hochkondensiertes Destillat meiner Erkenntnisse

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