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Claus Lehmann
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BeitragVerfasst am: 11.10.2018, 15:11    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

The War on Normal People

Das beste Buch eines Politikers, das ich je gelesen habe. Ich hoffe das erzeugt genug Interesse bei Dir um auch den Rest dieses Posts und vor allem das Buch zu lesen!

Es beschreibt keine Vision, es ist besser. Es ist eine profunde Analyse der aktuellen Situation, der anstehenden Herausforderungen für die Gesellschaft, der wahrscheinlichen Konsequenzen und die Lösungen die dieser Politiker vorschlägt empfinde ich als logisch, konsequent und zumindest auf den ersten Blick finanzierbar.

Ob sie tatsächlich umsetzbar sind oder versanden oder durch Lobbying torpdiert werden ist eine andere Frage.

Andrew Yang ist demokratischer Präsidentschaftskandidat 2020 in den USA. Ich habe keine Ahnung wie seine Chancen gewählt zu werden sind. Und inneramerikanische Politik interessiert mich null. Aber aus meiner Sicht geht es hier nicht nur um inneramerikanische Politik. In dem Buch geht es um die gesellschaftlichen Herausforderungen der nächsten Dekade. Und ich bin zum ersten Mal seit langem fasziniert von einer politischen Gesamtkonzeption und will gerne sehen, wie sie sich entwickeln würde.
Und natürlich würde Amerika und Yang diametral anders auftreten und sich entwicklen als unter Trump.

Eins der analysierten Grundprobleme ist die massive Substitution von Arbeitsstellen durch Roboter und vor allem Algorithmen (siehe
https://www.p2p-kredite.com/diskussion/humans-need-not-apply-t5232.html). Yang’s Ansatz umfasst unter anderem ein bedingungsloses Grundeinkommen (knapp über der Armutsgrenze) für jeden Amerikaner. Ich stand der idee des bedingungslosen Grundeinkommens bisher sehr skeptisch gegenüber, zu sehr erinnert es mich an Sozialismus und die vielen gescheiterten Volkswirtschaften in Osteuropa und diversen Entwicklungsländern. Auch jetzt bin ich nicht überzeugt. Aber Yang argumentiert so schlüssig und logisch, dass ich wirklich neugierig bin.

P.S.: Das einzige was an dem buch aus meiner sicht suboptimal ist, ist der Titel - aber vermutlich muss der polarisierend sein um verkaufsförderd zu wirken
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scrooge



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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 10:20    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Claus Lehmann hat Folgendes geschrieben:
Ich stand der idee des bedingungslosen Grundeinkommens bisher sehr skeptisch gegenüber,...
Skeptizismus ist hier auch mehr als angebracht.
Was aber besonders störend ist, dass der Begriff immer wieder in den Raum geworfen wird ohne ein Konzept zur Ausgestaltung desselben zu liefern.
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Claus Lehmann
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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 10:46    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Der Autor hat eine konkrete Ausgestaltung (für die USA) dargelegt.

Ich gebe es hier sehr stark verkürzt wieder
Jeder Amerikaner ab 18 bekommt (ohne Bedingungen) $12.000 pro Jahr
Kosten: Rund eine Trillion US$ pro Jahr

Refinanzierung u.a. durch eine Einführung einer Mehrwertsteuer in Höhe von ca. 10%.
Abschaffung aller anderen Sozialprogramme (ich glaube er sprach von 493 verschiedenen Programmen)
Die erhöhte Kaufkraft wird zu mehr lokalen Ausgaben führen und so vor allem die Wirtschaft außerhalb der Ballungsräume ankurbeln.
Zudem kann die Mwst. im Gegensatz zu anderen steuerarten weniger leicht durch Großkonzerne umgangen werden. => führt zu zusätzlichen Steuereinnahmen

Lt. Yang führen diese Maßnahmen für einen Durchschnittsamerikaner zu einer Verbesserung der finanziellen Situation.
Vorher z.B. $30000 verfügbares Einkommen im Jahr.
Nachher:
Selbst wenn das völlig ausgegeben wird, hat dieser $3000 zusätzliche Kosten durch die MwSt bekommt aber $12000 durch das Grundeinkommen. Führt also zu $9000 im Jahr besserer Finanzsituation.
Demgegenüber werden hohe Einkommen natürlich durch die MwSt stärker belastet als durch das Grundeinkommen entlastet

Und genau dieser Punkt lässt mich zweifeln, dass das Konzept in den USA je mehrheitsfähig wird.

Das Buch behandelt auch verschiedene lokale und regionale Experimente mit bedingungslosem Grundeinkommen.
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scrooge



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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 12:08    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Claus Lehmann hat Folgendes geschrieben:

Jeder Amerikaner ab 18 bekommt (ohne Bedingungen) $12.000 pro Jahr
Kosten: Rund eine Trillion US$ pro Jahr

also nach deutscher Schreibweise 1 Billion.

Wie sieht die Berechnung denn aus? Wie hoch wären denn die Einnahmen aus der erhöhten MWSt,?

Wenn alle anderen Sozialleistungen wegfallen, was ist mit den Sozialfällen die mit 12.000$ nicht auskommen. Z. B. mit Haushalten in denen Behinderte leben?

Der unbekannte Faktor ist aber wie viel Bürger dann das Arbeiten komplett einstellen oder stark reduzieren.
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nobodyofconsequence



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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 13:02    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen ist ja auch so ein feuchter Traum, der ja vor allem aus der libertären Ecke in letzter Zeit sehr gepushed wird.

Was die ganzen Konzepte komplett vernachlässigen ist, dass das ja überhaupt kein Problem löst.
Die gehen immer davon aus, dass man ja alle anderen Sozialsysteme dann sein lassen kann, wenn man jedem 12k$ pro Jahr gibt, aber das ist natürlich grober Unfug.

Von 12.000$ kann heute in großen Teilen der USA niemand mehr leben, (in machen Gegenden bekommst Du dafür nichtmal ne Besenkammer zum drin Wohnen), schon gar nicht, wenn Du zur Gegenfinanzierung die Mehrwertsteuer einführst.
Insbesondere keine Alten und Kranken, die Pflege oder Krankenvorsorge brauchen, Und dann hast Du ganz schnell das Grundeinkommen als ZUSÄTZLICHES Programm, nicht als Ersatz der bisherigen Programme.
Und dieses zusätzliche Programm zahlt dann vor allem an Leute, die das eigentlich nicht brauchen, und für die Entscheidung, wer noch was anderes braucht, erhältst Du gleich auch mal die ganze Bürokratie.

Die FDP hat das ja auch schon seit zig Jahren im Parteiprogramm stehen, praktisch drauf hin gearbeitet hat niemand. Aus gutem Grund, IMHO.

Und zumindest in Deutschland sind die ganzen Berechnungen, die ich bisher gesehen habe, auch brutal schöngerechnet. Nicht nur in dem Aspekt, dass für manche 12k nicht reichen, sondern auch darin, was denn ein "Sozialsystem" ist. Da werden mal munter die Renten gegengerechnet. Wenn da jemand in seinem Leben Ansprüche für ne Rente gesammelt hat, die doppelt so hoch ist, ach egal, der bekommt jetzt stattdessen sein bedingungsloses Grundeinkommen und soll sich freuen.
So geht das aber nicht.
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Zedandi



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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 13:44    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

nobodyofconsequence hat Folgendes geschrieben:
Das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen ist ja auch so ein feuchter Traum, der ja vor allem aus der libertären Ecke in letzter Zeit sehr gepushed wird.


Feuchter Traum ist positiv formuliert, ich nenn es Populismus. Z.B. von den Linkspopulisten:
- Teile der Linken (vor allem Frontfrau Katja Kipping)
- Teile der Grünen liebäugeln mit verschiedenen Spielarten des BGE
- Ganz massiv waren die inzwischen bedeutungslosen Piraten dafür

nobodyofconsequence hat Folgendes geschrieben:

Und zumindest in Deutschland sind die ganzen Berechnungen, die ich bisher gesehen habe, auch brutal schöngerechnet. Nicht nur in dem Aspekt, dass für manche 12k nicht reichen, sondern auch darin, was denn ein "Sozialsystem" ist. Da werden mal munter die Renten gegengerechnet. Wenn da jemand in seinem Leben Ansprüche für ne Rente gesammelt hat, die doppelt so hoch ist, ach egal, der bekommt jetzt stattdessen sein bedingungsloses Grundeinkommen und soll sich freuen.
So geht das aber nicht.


Das stimmt. Dieser Punkt wird gerne verschwiegen, als wäre die Rente eine Sozialleistung... Aber eben auch so "vernachlässigbare" Dinge wie Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitslose (die sonst so viele Unterstützer des BGE gerne fordern).

Und für wen das BGE dann gelten soll wird auch nie spezifiziert. Gilt es für alle Menschen in Deutschland unabhängig der Nationalität? Falls ja, wie will man ohne Grenzkontrollen verhindern, dass sich Massenhaft EU-Bürger (mal von weiteren Anreizen für Asylmissbrauch abgesehen) einen Wohnsitz in Deutschland zulegen, nur um dann mit BGE über die offene Grenze wieder zurück nach Bulgarien ziehen? Oder wird man dann alle Bürger überwachen? Sowohl Kontobewegungen als auch Anwesendheit in der deutschen Wohnung? Oder gilt es nur für alle Deutschen nach Pass? Also auch die, die zeitweise im Ausland sind und gar nicht in Deutschland konsumieren? Mal abgesehen, dass das mit EU-Recht kollidiert, was hindert mich dann daran mit meinem BGE nach Südostasien zu ziehen und dort gut davon zu leben? Oder ist es doch ein an Bedingungen geknüpftes Grundeinkommen, bei dem dann die angeblich soo großen Einsparungen an Bürokratie eben doch nicht wegfallen?

Vor allem finde ich das BGE auch alles andere als fair. Falls wir wirklich mal das Problem haben sollten, dass es trotz vernünftiger Wirtschaftspolitik bei weitem nicht genug produktive Arbeit für alle geben sollte (was ich absolut nicht glaube), sehe ich nicht wieso die massive Umverteilung von der Arbeitenden Bevölkerung zu den Freigestellten durch ein BGE fair sein soll. In so einem Fall wäre es deutlich fairer entweder die Wochenarbeitszeit oder gleich die Lebensarbeitszeit zu reduzieren. Rente mit 45 oder noch besser: Bezahlte Jugend mit Berufseinstieg mit 45, damit man noch mehr Zeit für Freunde, Bildung, Selbstfindung & später dann Kinder hat solange man jung ist... Aber wie gesagt, daran glaube ich absolut nicht.
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Omicron



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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 13:47    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

@nobodyofconsequence Damit kritisierst du aber nicht das Grundeinkommen selbst, sondern die Art und Weise, wie Sozialsysteme allgemein funktionieren.

Ich kann übrigens auch keine gescheite(re) Lösung anbieten. Die Frage ist nur: was haben wir für Alternativen? Wir stehen vor einem der größten gesellschaftlichen Umbrüche, die es je gegeben hat. Wir bewegen uns in Richtung einer Welt, in der mehr und mehr unserer Bedürfnisse erfüllt werden können, ohne dass ein Mensch dafür arbeiten muss. Gleichzeitig nähern wir uns dem Punkt, an dem der natürliche Alterungsprozess des Menschen signifikant verlangsamt oder sogar komplett angehalten werden kann. An sich eine utopische Vorstellung, aber wie soll das funktionieren? Welche Wirtschaft kann Arbeitslosenquoten von 50% und mehr wegstecken - wenn all diese Arbeitslosen hunderte von Jahre alt werden können?

Sicherlich wird es nicht in den nächsten zehn Jahren passieren, aber mit hohe Wahrscheinlichkeit werden so gut wie alle hier innerhalb ihrer Lebenszeit zumindest die Anfänge sehen. Die ganz Jungen wahrscheinlich deutlich mehr. Es besteht eine Chance größer Null, dass ein Kind, welches heute geboren wird, unsterblich werden könnte.

Und wenn dann irgendwann der Durchbruch kommt, und wir eine künstliche Superintelligenz entwickeln, dann haben wir sowieso ganz andere Probleme (und Chancen).
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Zedandi



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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 14:11    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Omicron hat Folgendes geschrieben:
Die Frage ist nur: was haben wir für Alternativen? Wir stehen vor einem der größten gesellschaftlichen Umbrüche, die es je gegeben hat. Wir bewegen uns in Richtung einer Welt, in der mehr und mehr unserer Bedürfnisse erfüllt werden können, ohne dass ein Mensch dafür arbeiten muss. Gleichzeitig nähern wir uns dem Punkt, an dem der natürliche Alterungsprozess des Menschen signifikant verlangsamt oder sogar komplett angehalten werden kann. An sich eine utopische Vorstellung, aber wie soll das funktionieren? Welche Wirtschaft kann Arbeitslosenquoten von 50% und mehr wegstecken - wenn all diese Arbeitslosen hunderte von Jahre alt werden können?


Du meinst also die kommenden Umbrüche werden größer sein, als diejenigen, die durch die Elektrizität, die Informations- und Kommunikationstechnik, der Massenmobilität oder der modernen Chemie & Medizin hervorgerufen wurden? Das glaube ich nicht, und falls doch kann man dann immer noch vergleichsweise schnell handeln, dafür muss man jetzt kein riskantes Gesellschaftsexperiment wagen. Und von was für Bedürfnissen redest du da? Glaubst du etwa die heutigen Bedürfnisse sind noch die gleichen wie vor 30, 70, 100, 300 Jahren? Schau mal wie viele Leute heute in Industrieen beschäftigt sind, die vor 30 Jahren noch gar nicht am Horizont erkennbar waren und wie viel Wertschöpfung dort inzwischen erbracht wird. Durch die alternde Bevölkerung gibt es auch jetzt schon einen wachsenden Teil der Bevölkerung, die nicht mehr produktiv arbeitet aber dennoch konsumiert und versorgt (Medizin, Pflege etc.) werden will. Und im "schlimmsten Fall" kann der Staat (oder bei ensprechender Ausgestaltung auch die Privatwirtschaft) auch das entsprechende Geld in die Arbeit an "Menschheitsproblemen" a la Forschung im Bereich Medizin oder der Bekämpfung von Umweltproblemen stecken und dort für Beschäftigung sorgen.
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scrooge



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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 14:16    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Omicron hat Folgendes geschrieben:
Ich kann übrigens auch keine gescheite(re) Lösung anbieten. Die Frage ist nur: was haben wir für Alternativen?
Rot/Grün unter Schröder hat mal mit der Agenda 2010 einen Mininschritt in die richtige Richtung getan. Das wird jetzt als Teufelswerk angesehen und zurückgefahren statt es auszubauen.
Z. B. Renteneintrittsalter anheben und streichen von Mütterrenten/Rente ab 63/Hinterbliebenenrente/Beamtentum auflösen/Reduzuierung von ALG2-Sätzen/Streichung von Kindergeld. Das ist das was mir Adhoc einfällt.
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Claus Lehmann
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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 15:12    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Solche Diskussionen laufen leider darauf hinaus, dass einzelne Punkte und Thesen in den Vordergrund gestellt werden und oft monokausal argumentiert wird. Das wird den komplexen Zusammenhängen nicht gerecht.
Gerade deshalb gefällt mir das Buch. Die 250 Seiten bilden ein schlüssiges Gesamtwerk. Die Analyse der probleme finde ich sehr überzeugend. Die möglichen Konsequenzen halte ich in ihrer Einschätzung auch gut beurteilt.
Und es bietet einen Lösungsweg, der mir logisch dargelegt erscheint. Zumindest viel logischer als vieles andere was ich gelesen habe. Ob er praktikabel ist, ist eine andere große Frage.

Zedandi hat Folgendes geschrieben:


Du meinst also die kommenden Umbrüche werden größer sein, als diejenigen, die durch die Elektrizität, die Informations- und Kommunikationstechnik, der Massenmobilität oder der modernen Chemie & Medizin hervorgerufen wurden?


Ich glaube, dass es schon ein Szenario mit einer sehr hohen Eintrittswahrscheinlichkeit ist, weil zwei wesentliche Faktoren anders sind:
1.) Es gibt kein Wohin für die substituierten Jobs. Damals aus der Landwirtschaft in die Industrie/Fertigung und später in die Dienstleistungsgesellschaft. Aber nun?
2.) Der Umbruch geht erhbelich schneller vonstatten.

In dem buch sind soviele Fakten und Beispiele.

Aber man liest es auch so jeden Tag in den Wirtschaftsnachrichten.
Deutsche Beispiel:
Wirecard ist mehr wert als die Deutsche Bank.
Auf der einen seite Daten und Algorithmen. Auf der anderen Seite Grossbank.
Was hat das jetzt mit dem Thema zu tun.
Wirecard errieicht den selben Börsenwert mit 3800 angestellten.wie die Deutsche Bank mit 100.000 Angestellten.
Und das Thema zieht sich durch: Aribnb, Google, Amazon

Alle neuen Börsenstars haben viel weniger Angestellte als die Konkurrenten die sie ersetzen. Natürlich gibt es die Konkurrenten und damit die Arbeitsstellen noch. Aber sie verlieren Bedeutung. Entweder passen sie ihre Geschäftsmodelle an (und rationalisieren) oder sie geraten irgendwann in wirtschaftliche Schieflage und die Stellen verschwinden.

Und das sind nur die normale Transformationsprozesse, noch gar nicht die selbstfahrenden Autos oder die Roboter oder die wirklich fortschrittlichen Algorithmen.
Ich denke das Deutschland als Exportnation und mit der relativ starken Fokussierung auf Handwerk sich mit der Anpassung besser schlagen wird als die meisten Industriestaaten - aber mit einfach "weiter so" wird der kommende Umbruch nicht zu bewältigen sein.


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Zuletzt bearbeitet von Claus Lehmann am 12.10.2018, 16:17, insgesamt 5-mal bearbeitet
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Omicron



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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 15:40    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Zedandi hat Folgendes geschrieben:
Du meinst also die kommenden Umbrüche werden größer sein, als diejenigen, die durch die Elektrizität, die Informations- und Kommunikationstechnik, der Massenmobilität oder der modernen Chemie & Medizin hervorgerufen wurden?


Vergleichbar groß oder größer, ja. Kann mich natürlich irren, bin auch nur Laie, aber so sehe ich das persönlich.

Zedandi hat Folgendes geschrieben:
Und von was für Bedürfnissen redest du da? Glaubst du etwa die heutigen Bedürfnisse sind noch die gleichen wie vor 30, 70, 100, 300 Jahren?


* Transport und Mobilität (selbstfahrende Fahrzeuge)
* Konsum (Onlineverfügbarkeit sämtlicher Güter, inklusive Lebensmittel und Medizin, mit automatischer Lieferung am selben Tag)
* Betreuung (Verkaufskonsolen und Selbstbedienungskassen, Zimmerservice-Roboter, Touristenleitsysteme)
* Güterproduktion (Vollautomatische Fabriken und Konstruktionsanlagen, die sich selbst konstruieren können)
* Landwirtschaft (Computergesteuerte Tierpflege und automatische Bestellung/Ernte von Feldern)
* Unterhaltung (Computerkomponierte Musik und Geschichten)
* Und ähnliches

Alle genannten Punkte (ja, alle) sind bereits heute in kleinen Teilen Realität. Und die Forschung und Entwicklung in diesen Bereichen zieht immer noch massiv an.

Zedandi hat Folgendes geschrieben:
Durch die alternde Bevölkerung gibt es auch jetzt schon einen wachsenden Teil der Bevölkerung, die nicht mehr produktiv arbeitet aber dennoch konsumiert und versorgt (Medizin, Pflege etc.) werden will.


Das unterstützt meine These eher, als das es sie entkräftet... denn das ist nur der Anfang einer viel weitreichenderen Entwicklung.

Zedandi hat Folgendes geschrieben:
Und im "schlimmsten Fall" kann der Staat (oder bei ensprechender Ausgestaltung auch die Privatwirtschaft) auch das entsprechende Geld in die Arbeit an "Menschheitsproblemen" a la Forschung im Bereich Medizin oder der Bekämpfung von Umweltproblemen stecken und dort für Beschäftigung sorgen.


"Das entsprechende Geld", aha. Welches denn? Die Steuergelder, die von denen gezahlt wurden, die keine Arbeit haben? Ach warte mal, die zahlen ja keine. Also von denen, die noch Arbeit haben. Aber was, wenn die Arbeitslosenquote mal 30% erreicht? Und wenn die Frau Meier, Anfang 50, bisher Kassiererin im Supermarkt, durch eine Konsole ersetzt wird, dann kann sie einfach mal eben in die Krebsforschung wechseln, ja?

Dem Großteil deiner Argumente kann ich folgen, aber dieser Teil macht so wirklich gar keinen Sinn.



Claus Lehmann hat Folgendes geschrieben:
Solche Diskussionen laufen leider darauf hinaus, dass einzelne Punkte und Thesen in den Vordergrund gestellt werden und oft monokausal argumentiert wird. Das wird den komplexen Zusammenhängen nicht korrekt.
Gerade deshalb gefällt mir das Buch. Die 250 Seiten bilden ein schlüssiges Gesamtwerk. Die Analyse der probleme finde ich sehr überzeugend. Die möglichen Konsequenzen halte ich in ihrer Einschätzung auch gut beurteilt.
Und es bietet einen Lösungsweg, der mir logisch dargelegt erscheint. Zumindest viel logischer als vieles andere was ich gelesen habe. Ob er praktikabel ist, ist eine andere große Frage.


Was mich daran interessiert: möchte Herr Yang, so er 2020 gewählt werden sollte, seine Pläne denn direkt umsetzen? Oder möchte er in seiner Amtszeit nur die rechtlichen Grundvoraussetzungen schaffen? Persönlich glaube ich nicht, dass wir in den 20'ern schon auf Mittel wie Grundeinkommen angewiesen sein werden. Ganz so schnell wird es mit der Durchautomatisierung nicht gehen.
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Claus Lehmann
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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 16:09    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Den genauen Zeitplan liefert er nicht (oder ich habe es überlesen).
Allerdings stellt er richtig fest, dass es bei Grundeinkommen und Mehrwertsteuer keiner riesigen Behörden bedarf um die Porzesse zu implementieren und das technisch relativ leicht umzusetzen wäre. Die Hürde ist somit der gesetzgeberischeund gesellschaftliche Wille es zu Tun.

Tenor ist je früher wir das machen, desto besser, weil uns die Zeit davonläuft zu reagieren, je länger wir mit der Weichenstellung warten (Paraphrase durch mich, kein Zitat)

Bei einigen Themen plädiert er für eine schrittweise Einführung. Z.B. Krankenverischerung durch Ausweitung von Medicare (die Krankenverischerung auf die US Rentner Anspruch haben) auf immer geringere Eintrittsalterschwellen.

Zitat:
dann kann sie einfach mal eben in die Krebsforschung wechseln

Wenn das mal nicht das falsche Beispiel ist?
Gerade was Diagnosen und Mustererkennung aus riesigen Datenmengen angeht ist KI fast immer überlegen.

Beispiel aus dem Buch: Bei Diagnosen von Röntgenbildern ist die KI den Radiologen fast immer überlegen.
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StefanAlbert



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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 18:36    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Claus Lehmann hat Folgendes geschrieben:

Ich denke das Deutschland als Exportnation und mit der relativ starken Fokussierung auf Handwerk sich mit der Anpassung besser schlagen wird als die meisten Industriestaaten - aber mit einfach "weiter so" wird der kommende Umbruch nicht zu bewältigen sein.


Ich seh genau das Gegenteil.

"Weiter so" ist doch genau die Politik der letzten Jahre. Und je länger wir an den "alten Industrien" und Handwerk festhalten, desto weiter werden wir im Ländervergleich immer mehr zu einem digitalen Entwicklungsland.

Meiner Meinung nach ist Digitalisierung, AI, Robotik die unaufhaltsame Zukunft und die wird früher kommen als man denkt.
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Claus Lehmann
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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 18:46    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Ja, aber mit Berufschule und Lehre haben wir eine Alternative zur rein akademischen Ausbildung oder "learning by doing" die es so in den USA (fast) nicht gibt.
Die wird das oben genannte Problem nicht lösen aber sie federt es (temporär) ab, indem sie denen für die eine akademische Asubildung nicht in Frage kommt / attraktiv ist.

Viel der Unzufriedenheit/Spaltung und des Hasses in den USA kommt von den mangelnden Perspektiven, von denen die sich abgehängt fühlen, so das Buch.

und manche Jobs werden auf Jahrzehnte bleiben, glaub ich zumindest. Ich denke da an Klempner und viele andere handwerkliche Tätigkeiten die an wechselnden Orten ausgeführt werden. Auch die werden von Robotern villeicht unterstützt werden, aber nicht so schnell ersetzt werden.
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Zedandi



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BeitragVerfasst am: 12.10.2018, 19:24    Titel: Re: Meine Lektüre - Leseliste Antworten mit Zitat

Claus Lehmann hat Folgendes geschrieben:
Ich glaube, dass es schon ein Szenario mit einer sehr hohen Eintrittswahrscheinlichkeit ist, weil zwei wesentliche Faktoren anders sind:
1.) Es gibt kein Wohin für die substituierten Jobs. Damals aus der Landwirtschaft in die Industrie/Fertigung und später in die Dienstleistungsgesellschaft. Aber nun?
2.) Der Umbruch geht erhbelich schneller vonstatten.


Ich denke das Arbeitskräftepotential wird in den meisten entwickelten Ländern auf natürliche Weise ebenfalls schrumpfen. Zum Einen durch die Alterung der Gesellschaft und zum Anderen durch immer längere durchschnittliche Ausbildungszeiten. Dann noch so Lifestyle-Sachen wie Sabbatjahre oder berufliche Umorientierung etc.
Ich denke dadurch und Stellschrauben wie eine evt. Anpassung der Wochenarbeitszeit bzw. Jahresurlaub & Renteneintrittsalter lässt sich das Angebot an Arbeitskräften zumindest schon mal gut nach unten hin anpassen. Wir haben heute ne 35-40 Stundenwoche, unsere Vorfahren hatten teilweise über 60, unsere Nachkommen evt. nur 25-30.

Und was spricht dagegen Jobs aus der Dienstleistungsbranche mit Jobs aus der Dienstleistungsbranche zu ersetzen? Wenn die Leute bei gleichem (oder höherem) Wohlstand mehr Freizeit haben werden sie auch mehr Dienstleistungen zur Freizeitgestaltung konsumieren, bspw. mehr Medieninhalte, mehr Tourismus etc.

Es ist schwer die jeweiligen Effekte (gilt für die ganze Diskussion) zu quantifizieren und der Knackpunkt ist natürlich auch der Zeitrahmen des Umbruchs. Aber ich glaube bei KI & co. sind wir gerade am Anfang des Hype-Zyklus (es ist noch nicht lange her als ich die letzte Vorlesung zu KI-Themen gehört habe) wo man sehr überzogene Erwartungen hat und ich persönlich bezweifle, dass das alles, so wie teilweise prognostiziert, innerhalb der nächsten 10-15 Jahre abrupt kommen wird. Und danach kommt ja auch schon der Rentner-Tsunami auf Deutschland zu...


Claus Lehmann hat Folgendes geschrieben:
Alle neuen Börsenstars haben viel weniger Angestellte als die Konkurrenten die sie ersetzen. Natürlich gibt es die Konkurrenten und damit die Arbeitsstellen noch. Aber sie verlieren Bedeutung. Entweder passen sie ihre Geschäftsmodelle an (und rationalisieren) oder sie geraten irgendwann in wirtschaftliche Schieflage und die Stellen verschwinden.


Wobei diese Plattform-Börsenstars die Angestellten oft nur ausgelagert haben wie bei Airbnb oder Uber. Unterm Strich sind das für mich normale Produktivitätssteigerungen und ich sehe das rein positiv.
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