Des Campers Fluch sind Regen und Besuch – ersteres geht noch…

Dies ist ein Beitrag von Inga im Rahmen des P2P Kredite Schreibwettbewerb 2019

Mit dieser alten Camper-Weisheit begrüße ich inzwischen Rodrigo, der allerdings zu der eher angenehmen Sorte Besuch gehört und mir diesen scherzhaft gemeinten Spruch auch nicht übel nimmt.
Rodrigo heißt eigentlich Roelof, aber da das in Spanien niemand aussprechen kann, heißt er hier Rodrigo. Rodrigo war schon überall, hat das Kapitänspatent sowie eine Restauratorenausbildung und ist zur Zeit offiziell Mitarbeiter eines Tierbestattungsinstituts. Seine Großeltern waren holländische Reedereibesitzer und als er das Überführen von Yachten an die Saudis leid war, hat er sich mit der goldenen Kreditkarte seines Großvaters nach Indien abgesetzt. Heute ist er zweiundsiebzig, hat ein künstliches Hüftgelenk und einen Herzschrittmacher. Seine geschiedene Frau schuldet ihm noch fünfhunderttausend Euro, die er aber schon abgeschrieben hat. Für sein letztes Geld und einen Bankkredit über dreitausend Euro hat er sich ein zweiundzwanzig Jahre altes Wohnmobil mit schielenden Reifen aufdrehen lassen, dem ein wahrscheinlich geschmierter Sachverständiger keine Mängel bescheinigt hat. Auf jeden Fall ist der Rahmen so verzogen, dass ein Reifen soweit nach innen gestellt ist, dass ein normales Lenken nicht möglich ist. Deswegen musste Rodrigo auf der Hinfahrt durch Frankreich auch die teure Autobahn nehmen, da er nur dort rechts und links genügend Platz zum Korrigieren seiner Fahrspur hatte. Und nun überlegt er, wie er in 3 Monaten wieder nach Deutschland kommt, da er dann einen Termin für den Austausch seines Hüftgelenks hat. Dummerweise bekommt er immer, wenn er eine Werkstatt aufsuchen will, einen akuten Gichtanfall oder sein Hund wird krank. Ursache ist wahrscheinlich die Angst, es schwarz auf weiß zu bekommen, dass er mit diesem Fahrzeug nicht mehr oder nur nach einer größeren Investition wieder fahren kann. Rodrigo ist normalerweise ein sehr umgänglicher Zeitgenosse – im Zweifelsfall hat er aber auch immer sehr schnell einen Anwalt parat, der bisher alle Angelegenheiten zu seinem Vorteil erledigt hat. So mussten schon Richter und Polizisten auf Grund seiner Anzeige ihren Schreibtisch räumen, aber auch Hausverwalter, französische Zollbeamte, GEZ-Eintreiber und Gastwirte mussten sich auf Grund seiner Intervention eine neue Existenz aufbauen. Und auch wenn sich bei seinen Erzählungen möglicherweise manchmal Realität, Fantasie und Wunschdenken etwas vermischen, so ist es doch immer unterhaltsam, ihm zuzuhören.

„Was hast du eigentlich immer Wichtiges an deinem Rechner, dass dich noch nicht einmal ein attraktiver Mann und ein kühles Bier davon wegholen können?“ frotzelt er eines Tages.
Es ist ihm bei seinen Besuchen schon aufgefallen, dass ich oftmals zu unterschiedlichen Tageszeiten vor dem Laptop sitze und auch durch ein mitgebrachtes kühles Bier nicht sofort aus dem Wohnmobil herauszulocken bin „…..komme gleich, noch 6 Minuten….“
Ich überlege, ob ich versuchen soll, ihm P2P zu erklären und ihn womöglich zu werben – es gibt gerade teilweise recht attraktive Werbeprämien – aber in Anbetracht seiner finanziellen Situation sehe ich lieber davon ab. Trotzdem versuche ich, ihm das P2P-Prinzip so gut ich kann zu erklären und er zeigt sich sehr interessiert – für den Fall, dass seine Ex-Frau ihm doch einen Teil ihrer Schulden zurückzahlen würde, Mann kann ja nie wissen….Bei dieser Gelegenheit erfahre ich auch noch ganz nebenbei, dass er den Doktortitel einer holländischen Universität besitzt, ihn aber nicht nutzt, da ihm Titel nicht wichtig sind. Promoviert hat er mit einer Arbeit über einen ziemlich unbekannten holländischen Dichter, bei dem er nach unsrer schon etwas länger währenden Bekanntschaft davon ausgehen kann, dass ich ihn nicht kenne.

Ein weiterer, neuer und unerwarteter Besuch, den ich aber auch nicht unbedingt in die Kategorie „Fluch“ einordnen würde, in dieser Woche ist Günther. Günther kommt auf dem Weg zum Sanitärgebäude immer an unserer Parzelle vorbei und grüßt auch immer freundlich, aber sonst hatten wir bisher keinen näheren Kontakt. Er fährt ein Wohnmobil im Wert eines Einfamilienhauses in guter Lage und man merkt auch an seiner Kleidung, dass er zumindest nicht jeden Euro zweimal umdrehen muss. Fairerweise muss ich allerdings sagen, dass er dies nie gezielt herausgestellt hat. Heute hat er zufällig 3 Dosen kaltes Bier dabei und fragt, ob ich einen Moment Zeit habe – er sei neulich im Gespräch mit Rodrigo auf ein Thema gekommen, das sein Interesse geweckt habe und Rodrigo habe ihn diesbezüglich auf mich verwiesen.
Zufällig habe ich wirklich gerade Zeit und nachdem die Bierdosen geöffnet sind, erzähle ich Günther lang und ausführlich alles über P2P, was mir so einfällt. Am Laptop zeige ich ihm ein paar Beispiele und er bittet mich, ihm doch per email Links mit den meiner Meinung nach interessantesten Adressen zu senden, damit er sich in Ruhe dort einlesen kann. Das erledige ich dann auch noch am gleichen Abend mit dem Hinweis, dass die wichtigste Adresse das Forum von p2p-kredite.com ist und er sich, wenn er einen oder mehrere Anbieter in die engere Wahl gezogen hat, die entsprechenden Threads dort auf jeden Fall anschauen soll, bevor er sich endgültig entscheidet.

Am nächsten Tag, ich wasche gerade mein Lieblings-T-shirt am Waschbecken für die Handwäsche, baut Christiane, die Frau von Günther, ihre kleine Schüssel mit Handwäsche neben meinem Platz auf und meint: „Du hast ja meinen Günther ganz schön verrückt gemacht. Wegen dir hat er die letzte Nacht kaum geschlafen!“ Etwas irritiert schaue ich sie an und sie lacht: „Er hat die halbe Nacht am Laptop verbracht und wohl irgendwelche Seiten studiert, die du ihm empfohlen hast.““Oh – wenn er die wirklich alle gründlich anschauen will, dann braucht das schon seine Zeit,“ entgegne ich lachend, „aber an seiner schlaflosen Nacht wollte ich nun wirklich nicht Schuld sein!“

Günther hat anscheinend wirklich Feuer gefangen und 2 Tage später, wir treffen uns zufällig am Ausgang des Campingplatzes, bemerkt er ganz beiläufig: „Überleg dir mal, wie wir das mit der Werbeprämie machen ….“ und läuft weiter. Da ich ja gar nicht weiß, wieviel Geld er wo anlegen will, bin ich etwas verunsichert. Aber als Einsteiger legt man ja in der Regel erst mal einen kleineren Testbetrag an und ich gehe mal von einer Werbeprämie irgendwo im zweistelligen Bereich aus. Und da es ja genaugenommen Rodrigo war, der ihn zuerst auf die Idee gebracht hat, schlage ich dann später vor, dass wir die Prämie für ein gemeinsames gutes Essen einsetzen. Dieser Vorschlag belustigt Günther sehr und er meint, dass wir selbst in dem besten Restaurant in der Umgebung kaum soviel Geld für eine Mahlzeit ausgeben könnten. Trotzdem greifen wir den Vorschlag auf und die restlichen 850 Euro befinden sich in dem Umschlag, den wir Rodrigo beim Essen übergeben, mit der Auflage, dieses Geld für die Rückreise zu seiner Hüft-OP nach Deutschland einzusetzen. Ob er das mit der Bahn, dem Flugzeug oder dem zumindest teilweise wieder etwas instand gesetzten Wohnmobil macht, muss er selbst entscheiden. Und selbstverständlich ist das kein Geschenk, sondern nur ein zinsloser P2P-Kredit auf unbestimmte Zeit. Spätestens, wenn seine Frau ihm die 500000 Euro, die sie ihm schuldet, zahlt, erwarten wir die Rückzahlung!

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