Britischer P2P Kreditmarktplatz Funding Secure insolvent

funding secure logoDer britische Marktplatz Funding Secure wurde heute unter die Aufsicht eines Insolvenzverwalters gestellt. Funding Secure wurde bereits im Jahr 2012 gegründet. Funding Secure hatte über die Jahre vor allem Immobilienkredite, aber auch Pfandkredite im Gesamtvolumen von ca. 315 Mio. Pfund finanziert. Davon sind noch rund 80 Mio. Pfund laufende Kredite. Ein- oder Auszahlungen können die Anleger aktuell nicht mehr tätigen. Eine detailliertere FAQ hat der Administrator hier zur Verfügung gestellt.

Betroffen sind rund 3500 Anleger. Da Funding Secure in Deutschland nie sehr bekannt oder populär war, werden vermutlich allenfalls einige Dutzend Anleger aus Deutschland betroffen sein.

Dies ist bereits der dritte UK P2P Kreditmarktplatz für Immobilienkredite der gescheitert ist. Bereits zuvor mussen Collateral und Lendy Insolvenz anmelden. Invest in P2P Kredite ist eine Hochrisikoanlage. Hier habe ich eine Liste von über 30 Plattformen zusammengestellt, die im Laufe der Jahre aufgeben und schliessen mussten.

Bist Du von der Funding Secure Pleite direkt betroffen? Diskutiere im Forum.

Unterschiedliche Besteuerung von P2P Kredit Zinsen in Europa – Steuerhölle oder Steuerparadies?

Viele Fragen von Anlegern in P2P Kredite drehen sich um die Frage, welche Steuer auf diese Anlage anfällt und wie die Steuererklärung erfolgt. Dabei ist die Versteuerung in Deutschland relativ einfach und wurde auch schon ausgiebig im Forum diskutiert. Die Steuer richtet sich in aller Regel nach dem Wohnsitzland des Anlegers, wo der Marktplatz ist, ist i.d.R. irrelevant. Es gibt einige Besonderheiten, zum Beispiel behalten einige wenige Marktplätze Quellensteuer ein. Die Details will ich in diesem Artikel gar nicht wieder aufgreifen, sondern diesmal einen Blick über die Landesgrenzen werfen. Denn lausche ich dem Stöhnen der deutschen Anleger über die Steuerlast, könnte ich zu dem Schluss kommen, wir leben in der absoluten Steuerhölle. Auf den Konferenzen in Riga und London traf ich viele Anleger aus anderen Ländern, die mir ihre Erfahrungen mit der Steuer schildern.

Objektiv betrachtet liegen wir beim Steuersatz zu dem P2P Kredit Zinsen hier in Deutschland besteuert werden, im europäischen Vergleich im Mittelfeld. Um das zu veranschaulichen, habe ich die folgende Karte erstellt.

steuer p2p kredite zinsen
Abbildung: Steuersatz auf Zinsen aus P2P Kredit Investment nach Wohnsitzland des Anlegers. Quelle: eigene Recherchen. Ohne Gewähr. Bitte keine Entscheidungen auf dieser Grundlage treffen, sondern einen qualifizierten Steuerberater konsultieren

Man sieht sehr schön, dass vor allem in den osteuroäischen Ländern deutlich niedrigere Steuersätze gelten. In den schwarz eingefärbten Ländern, wird der Einkommensteuersatz auf die Zinsen aus P2P Krediten angewendet. Entscheidend ist, aufgrund der Progression, somit die Gesamtsumme der steuerpflichtigen Einkünfte des Anlegers. In Großbritannien gelten z.B. je nach Höhe der Einkünfte, Steuersätze von 20, 40 und 45%. In Irland sind es beispielsweise 20% und 40%.

In den anderen Ländern sind es meist – vergleichbar zu Deutschland, fixe Sätze. Allerdings ist die Grafik natürlich eine starke Vereinfachung, die steuerlich komplexe Sachverhalte nicht berücksichtigt. Zu nennen sind u.a. Freibeträge oder die Frage ob Ausfälle und oder Gebühren gegen Zinserträge verrechnet werden dürfen. Ausserdem werden in vielen Ländern Kapitalgewinne (z.B. bei Verkauf von Krediten auf einem Zweitmarkt mit Aufpreis) anders versteuert als Zinsen.

Steuervorteile bzw. steuerlich vorteilhafte Regelungen

Wie oben beschrieben ist das Grundsystem in Europa relativ einheitlich. Entweder ein fixer Satz oder es wird die Einkommensteuerregelung angewendet. Natürlich gibt es aber viele Ausnahmeregelgungen. Drei interessante Beispiele führe ich im folgenden auf.

UK: die Briten haben schon länger ein System, bei dem Anleger bis zu 20.000 Pfund im Jahr in bestimmte Anlageklassen steuerfrei anlegen können (z.B. Aktien oder Festgeld). Vor einigen Jahren wurde das auch auf Invest in P2P Kredite ausgedehnt (IFISA – Innovative Finance ISA). Das interessante dabei ist, dass der Betrag pro Jahr gilt. Ein Anleger, der also jedes Jahr anlegt, kann über 10 Jahre hinweg 200.000 Pfund steuerfrei in P2P Kredite investieren. Und bei Wiederanlage der Zinsen ist auch der Zinseszins steuerfrei. Da kommt schon etwas zusammen.

Estland: Viele estnische Anleger investieren nicht direkt aus ihrem Privatvermögen, sondern über eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (OÜ). Vorteil hier: Solange die Gewinne in der Gesellschaft verbleiben fallen keine Steuern an. Der Steuersatz von 20% wird erst zu dem Zeitpunkt fällig zu dem die Gesellschaft die Gewinne an den Anleger ausschüttet. So können sie über viele Jahre hinweg Gewinne erst mal thesaurieren und die Besteuerung in die Zukunft verschieben.

NL: Sind die Niederlande ein Steuerparadies? Allgemein wohl eher nicht. Und für die Versteurung der P2P Kredite kommt ein System zur Anwendung, dass eine Vermögensteuer darstellt. Vermögenssteuer? Klingt nach linkem Gedankengut und hat oft das Image der Umverteilung. Im Fall vom Invest in P2P Kredite kann es allerdings für niederländische Anleger sehr vorteilhafte Ergebnisse zeitigen. Denn besteuert werden nicht die tastäschlichen Einkünfte sondern fiktive Einkünfte. Was? Fiktiv? Ja, um die Steuererkläung einfach zu halten, wird das Vermögen deklariert und der Staat nimmt einfach an, dass die Bürger damit 4% Rendite erwirtschaftet haben (egal was sie tatsächlich erwirtschaftet haben): Darauf wurden dann 30% Steuern fällig. Entspricht 1,2% Steuer auf das Vermögen (seit 2017 wurde das differenziert, es sind jetzt je nach Vermögenshöhe 0,581% bis 1,68%; Quelle/nach unten scrollen). Wenn als ein niederländischer Anleger tatsächliche 10% Rendite mit P2P erwirtschaftet hat, dann beträgt sein effektiver Steuersatz ca. 12% (30%*4%/10%).
Vermögenssteuer kann also eigentlich ganz pfiffig sein, wenn es keine andere zusätzliche Besteuerung von Kapitalerträgen gibt. Denn dann zwingt der Staat die Bürger darüber nachzudenken, wie sie ihr Kapital renditebringend einsetzen können. Wer es auf Girokonten oder Tagesgeldkonten verrotten lässt, wird nicht nur von der Inflation, sondern auch von der Steuer getroffen. Wer hingegen z.B. mit Aktien/ETF langristig Ertäge über dem fiktiven Satz von 4% erwirtschaftet, wird durch eine unterdurchschnittliche Besteuerung belohnt.

Dieser Artikel stellt keine Steuerberatung dar; bitte einen qualifizierten Steuerberater konsultieren, um steuerlichen Rat zu erhalten.

Capitalrise – Plattform für britische Luxusimmobilien

Am 25. September – dem Tag vor der Lendit Konferenz – habe ich mit mit Uma Rajah, Geschäftsführerin von Capitalrise in London getroffen. Neben einem Rundgang durch die beiden Standorte habe ich mich vor allem über die Entwicklungen in den letzten Jahre updaten lassen. Capitalrise ist bereits seit 2016 am Markt und spezialisiert sich auf das High-End Segment. Sehr teure Immobilien in bestimmten Bezirken. Uma Rajah erläuterte mir, dass Capitalrise sich auf einige wenige Postleitzahlgebiete in London beschränkt. Ausserhalb Londons erfüllen gibt es nur ganz, ganz wenige Objekte, die ihr Anforderungsprofil matchen. Beispiele für Locations, an denen Capitalrise Objekte bereits finanziert hat sind Eaton Square (Belgravia), Grosvenor Square (Mayfair), Knightsbridge und on the Strand.

Uma Rajah, CapitalriseUma Rajah betonte wie wichtig die Qualität und die Lage sei. Für solche aussergewöhnlichen Immobilien gäbe es immer einen Markt. Die bisherigen Ergebnisse scheinen ihr recht zu geben. Nach ihren Angaben gab es bisher keine Ausfälle und die Renditen lagen bei 10%. Zielwert ist generell eine Rendite über 7%. Für Anleger ist die Plattform kostenlos, das Minimum Invest liegt allerdings bei 1000 Pfund pro Kredit. Rajah findet das angemessen und sagt, dass es zuvor für Privatanleger gar nicht möglich war sich an der Finanzierung solcher Objekte zu beteiligen. Alle Kredite sind durch die Immobilien besichert. Es gibt einen Zweitmarkt.

Die Plattform finanziert sich aus der Gebühr , die die Kreditnehmer zahlen. Diese liegt bei rund 3% der Kreditsumme.

Gefragt ob sie starke negative Einflüsse im Falle eines Brexit oder einer Rezension sieht, verneinte Rajah.

Mein Fazit und warum ich derzeit nicht investiere

Capitalrise ist u.a. interessant, weil es ein sehr spezielles Marktsegement bedient. Auch die bisherige Entwicklung sieht gut aus. Aber mit der aktuellen Unsicherheit durch Brexit und den Auswirkungen auf den Pfund Kurs werde ich keine weitere britische Plattform ins Portfolio nehmen. Vielleicht wenn klar ist, wie es bzgl. Brexit weitergeht. Zudem ist das Mindestinvest für meinen Geschmack sehr hoch angesetzt. Und der Dealflow ist nicht so stetig, dass ich innerhalb der Plattform eine gute Diversifikation erreichen könnte.

Nutzt Du Capitalrise? Dann teile doch bitte Deine Capitalrise Erfahrungen im Forum.

 

Kurzmeldung: deutsche Anleger können zukünftig nicht mehr bei October investieren

Wie die Plattform October gerade mitgeteilt hat, können aus rechtlichen Gründen deutsche Anleger bei October nicht mehr in neue Kredite investieren. Die bisherigen Invests laufen aber weiter und werden weiter bedient. Hauptgrund ist das October nun einen Geschäftszweig hat, der innerhalb Deutschlands operiert und dort Kredite vergibt. Schon länger hat October in Frankreich, Spanien und Italien Kredite vergeben.

In July 2019 we announced that we were going to launch October in Germany by the end of the year after the arrival of our local CEO, Thorsten Seeger. This is now coming fast with our first recruitments and operations in Munich.

For regulatory reasons we cannot open German projects to individuals. This is because the BaFin (German Federal Financial Supervisory Authority) requires the use of a fronting bank to allow retail investment in loans. We have studied this possibility, which has been chosen by other platforms, but the additional constraints and costs make this an unacceptable alternative under our business model.

German projects will only be funded by our institutional lenders (nor Spanish, Italian, French or Dutch retail lenders will be able to German projects). Additionally, lenders who are tax-resident in Germany will not be able to lend to any projects on the platform. Now that we operate locally, we have to apply local restrictions.

This means that you will not be able to lend on October as of next week. You will still be able to:

  • Receive repayments on your current projects,
  • Debit your October Account at any time.

We will provide you with your annual tax-summary (and this as long as you will be receiving repayments on your October Account).

We are really sorry to announce this news but have to comply with the German regulation. We have at heart to treat all our lenders, borrowers and partners equally wherever we operate. We will continue to work hard, with our peers in the European Crowdfunding Network, to allow German lenders on the platform in the future. How? We are confident that regulation, particularly at European level, will evolve to enable you to support the growth of European companies.

We are at your disposal should you have any questions

In der Datenbank befinden sich 26 alternative Plattformen auf denen Firmenkredite finanziert werden.

 

Immobilien Crowdinvesting: Exporo übernimmt Zinsland – Segen oder Fluch für Investoren?

Wenn die Wirtschaftsmagazine Handelsblatt und Capital über eine Neuigkeit aus dem Crowdinvesting Bereich berichten, dann muss das für eine große Leserschaft relevant sein. Und diese adhoc Meldung hat es in sich: Exporo übernimmt Zinsland.

Abb. 1: Der Unternehmenssitz von Exporo befindet sich in direkter Nähe zur Elbphilarmonie in Hamburg (Bild von Hans-Jürgen Schmidt auf Pixabay)

Hier das wichtigste in Kürze:

Der Deal

Die Nummer 1 und 2 des deutschen Immobilien Crowdinvestings werden künftig nur noch unter der Marke Exporo auftreten. Da beide Unternehmen in Hamburg ansässig sind, können die Zinsland-Mitarbeiter problemlos übernommen werden, so dass das Exporo-Team auf fast 200 Mitarbeiter anwachsen wird. Die Dimension der Übernahme wird in dieser Übersicht deutlich:

Abb. 2: Exporo / Zinsland – Eingeworbenes Kapital und Projekte im Vergleich

Der Abstand von Exporo zu den Konkurrenten Bergfürst, Zinsbaustein oder Engel & Völkers Capital wird dadurch noch größer.

Exporo hat hier eine FAQ zum Zusammenschluss veröffenlicht.

Die Perspektive

„Die anderen Immobilien-Crowdinvesting-Portale sind nicht mehr unsere Konkurrenz, sondern es ist die große alte Anlagewelt wie zum Beispiel Immobilienfonds“, sagt Exporo-Chef Simon Brunke im Gespräch mit Finance Forward, einem Magazin über die Fintechszene. Brunke beschreibt gegenüber dem Handelsblatt seine Vision von einer Million europäischer Investoren. Das ist natürlich sehr ambitioniert, wenn man bedenkt, dass Exporo aktuell auf rund 20.000 Anleger kommt und Zinsland auf einige Tausend. Aber man muss sich ja hohe Ziele stecken. Fußball-Deutschland will ja auch jedes Turnier gewinnen. Man kann gespannt sein, inwieweit die Visionen von Exporo umgesetzt werden können.

Was bedeutet das für Investoren?

  • Rendite: Das ist natürlich das augenscheinlich interessanteste Thema. Welche Rendite können Anleger bei Projekten vom „neuen Exporo“ erwarten? Aktuell werden die meisten Projekte bei Exporo mit 5%-5,5% finanziert, bei Zinsland gibt es oftmals 6,5%. Wäre natürlich super, wenn sich die Rendite etwas nach oben bewegt. Gerade auch vor dem Hintergrund dass die Kosten für Exporo in einigen Bereich durch die Übernahme sinken könnten. Hoffen wir mal, dass sich diese Einsparungen in besseren Konditionen für die Anleger niederschlagen.
  • Mindestinvest: Aktuell liegt der Mindestanlagebetrag bei beiden Plattformen bei 500€ für die meisten Projekte bei Immobilienentwicklungen. (Hinweis: Bei Exporo Bestand geht es normalerweise ab 1.000€ los). Wenn Exporo künftig den Einsatz der Blockchain-Technologie bei der Finanzierung weiter forciert, könnte der Mindestinvest auf 1€ fallen. Und auf einmal wäre das für viele potentielle Anleger interessant, die bisher von der 500€ Grenze abgeschreckt wurden.
  • Expansion: Zusätzlich zu Projekten in Deutschland und Österreich sollen Frankreich und die Niederlande dazukommen, und das sogar schon in den kommenden Monaten. Wenn man davon ausgeht, dass viele Projekte auf den französischen Plattformen aktuell für 9% – 11% finanziert werden und dieser Markt ähnlich solide ist wie bei uns, kann man nur hoffen, dass Exporo den Anlegern vergleichbare Konditionen bietet. (Siehe auch diesen Beitrag über Immobilien Crowdinvesting in Frankreich). Auf jeden Fall bietet die Expansion ins Ausland den Anlegern die Möglichkeit einer besseren geographischen Diversifikation.
  • Ausfallquote: Exporo bisher mit „weißer Weste“, bei Zinsland sind aktuell drei Projekte von zwei Projektentwicklern ausgefallen. Unklar ist weiterhin, ob es Totalausfälle sind oder ob die Investoren zumindest einen Teil ihres Kapitals wiedersehen werden. Es wird interessant sein  zu beobachten, wie sich die Ausfallquote nach dem Zusammenschluß langfristig entwickelt.
  • Zinsland-Projekte: Keine Panik, solltest du aktuell in Zinsland-Projekten investiert sein. Erst wenn alle bestehenden Projekte zurückbezahlt sind, wird die Marke Zinsland verschwinden.

Fazit

Exporo übernimmt Zinsland und hat ehrgeizige Pläne. Anleger können auf neue Produkte, höhere Renditen und einen geringeren Mindestinvest hoffen. Durch die geplante Expansion ins Ausland werden Investoren ihre Portfolios noch besser diversifizieren können. Entscheidend für den Erfolg wird auch sein, ob Exporo es schafft, die Ausfallquote niedrig zu halten.