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Bonitätsscores die sich niemand erklären kann?

Mittwoch, 19. September 2007

Bei Smava.de sind die Bonitätsscores eines der wenigen harten Differenzierungsmerkmale, die zur Einschätzung der Kredite zur Verfügung stehen.

Und nicht selten schreiben Kreditnehmer in ihre Kreditanträge, dass der Score für sie nicht nachvollziehbar sei. Z.B.: TOM_MUC:

PS. -Habe eben gesehen das ich hier mit Bonität H eingestuft bin ist ja richtig deprimierend, habe noch nie eine Rate irgendwo ausgelassen oder je eine Mahnung bekommen. Auf Anfrage bei der Schufa sagte man mir ich hätte zuviel Online-Kreditanfragen gestellt deshalb ist mein Scorewert nach oben gegangen und die Anfragen würden nach 6 Monaten erst wieder gelöscht. Auch brauche ich beruflich 2 Schufaauskünfte im Jahr zur Vorlage beim Arbeitgeber auch dies würde meine Scorewert negativ belasten. Muss ich nicht verstehen…?

Auch im Forum gibt es alle möglichen Spekulationen darüber, was sich wie auf die Bonität auswirke. So behauptet Azubi1985:

Im Gegenteil, je mehr positive Infos die Schufa hat um so besser sollte normal das Ranking sein. Man startet nämlich bei M, wenn gar keine Informationen vorliegen.

Eine Behauptung, die ich für höchst unplausibel halte, denn laut dieser Aufstellung wird nur 1% der Deutschen von der Schufa in Bonität M eingestuft (bei der Scorecard für Spezialkreditinstitute). Würde jeder “Neuling” wirklich bei M eingestuft, läge dieser Wert deutlich höher.

Einigkeit besteht also, dass das Scoring für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist. Dazu passt die Meldung, dass das Bundesinnenministerium mehr Transparenz beim Bonitäts-Scoring durch einen neuen Gesetzentwurf will.

Aber, das heisst nicht, dass das Scoring nicht aussagekräftige und brauchbare Ergebnisse liefert. Bei Prosper ereigneten sich die höchsten Ausfälle in den schlechtesten Bonitätsklassen (dort E und HR). Und auch bei Smava ereigneten sich die ersten 3 Fälle von Zahlungsverzug in der (vormals) schlechtesten zugelassenen Bonitätsklasse F.

Und natürlich hatten bei Prosper genau die Kreditnehmer mit den schlechtesten Bonitäten am lautesten lamentiert, das sei alles ein Fehler, nicht nachvollziehbar und eigentlich hätten sie natürlich eine gute Bonität.

Mein Tipp an Kreditnehmer: Wenn Sie in eine schlechte Bonitätsklasse eingestuft sind und glauben, das ist ein Fehler, dann lamentieren Sie nicht, sondern lassen Sie falsche Eintragungen korrigieren. Die Schufa is verpflichtet Fehler zu korrigieren.

Mein Tipp an Kreditgeber: Solange es keine harten Zahlen dafür gibt, dass das Zahlungsausfallrisiko bei Smava sich anders verhält, ist es sinnvoll davon auszugehen, dass das Kreditausfallrisiko sich entsprechend der Bonitätsstufen modelliert. Glauben Sie lieber dem Scorewert als einer für Sie nicht überprüfbaren Angabe des Kreditsuchenden, warum gerade sein Score falsch sei.

Smava KDF Indikator neu

Montag, 06. August 2007

Smava hat heute als zusätzliche Information zu den Kreditprojekten den “KDF-Indikator” eingeführt. KDF steht dabei für Kapitaldienstfähigkeit. Der neue KDF-Indikator wird auf der Smava-Website so erläutert:

Die Kapitaldienstfähigkeit beschreibt die Fähigkeit eines Kreditnehmers, eine Kreditrate aus seinem Nettoeinkommen heraus (nicht aus seinem Vermögen) bezahlen zu können. Die Berechnung basiert auf einer sogenannten Haushaltsrechnung, bei der die monatlichen Ausgaben von den monatlichen Einkünften des Kreditnehmers abgezogen werden. Nach Abzug aller Ausgaben verbleibt ein Teil des Nettoeinkommens zur freien Verwendung.

Der KDF-Indikator zeigt in Stufen, zu welchem Prozentsatz dieses frei verfügbare Nettoeinkommen zur Rückzahlung von Kredit- oder Leasingraten (ohne Baufinanzierung) in Anspruch genommen wird. Die Rate für das betreffende Kreditprojekt ist dabei bereits eingerechnet.

Die Stufen sind:

KDF-Indikator 1:  0 bis 20%
KDF-Indikator 2:  20 bis 40%
KDF-Indikator 3:  40 bis 60%
KDF-Indikator 4:  60 bis 80%
KDF-Indikator 5:  80 bis 100%

Mehrere aktuelle Kreditprojekte haben einen KDF-Indikator der Stufe 4. Auch wenn ich keine Vergleichszahlen aus der Branche kenne, finde ich das bedenklich. Diese Kreditnehmer geben über 60% ihres frei verfügbaren Nettoeinkommens für Kredit- und Leasingraten aus. Und das ist ohne Kredite zur Baufinanzierung (Hypothekenkredite, Bauspardarlehen, etc.). D.h. die Kreditnehmer haben nur 20-40% ihres frei verfügbaren Nettoeinkommens als Sicherheitspolster zur Verfügung, falls etwas Unvorhergesehenes eintritt.
Etwas schwammig ist die Formulierung, der bereits abgezogenen “monatlichen Ausgaben”. Ich nehme an, dass diese alle gängigen Kosten für den Lebensunterhalt wie Nahrung, Wohnung, Transport, Versicherungen, etc. umfasst.

Vielen Dank an Smava für diesen zusätzlichen Indikator. Es wird interessant sein zu verfolgen, ob dieser später mit Kreditausfallraten in irgendeiner Weise korreliert.

Studie zeigt welche Faktoren zum Erfolg bei einem P2P Kredit führen

Donnerstag, 15. Februar 2007

Viele Kreditanträge bei Prosper.com scheitern, da nicht genügend Kreditgeber investieren wollen. In einer interessanten Studie der Stanford Graduate School of Business wurde mit statistischen Methoden genau untersucht, welche Faktoren den stärksten Einfluß darauf haben, ob aus einem Kreditantrag tatäschlich ein Kredit wird oder ob dieser scheitert. Eines der Ergebnis war, dass eine Empfehlung durch den Gruppenleiter (group leader endorsement) der wichtigste positive Faktor ist und sich quasi wie eine Steigerung um zwei Bonitätsstufen auswirkt.