Die Welle der Anbieter aus Lettland

Lettland ist ein kleiner Staat im Baltikum mit nur knapp 2 Mio. Einwohnern. Dennoch starten dort immer mehr Firmen einen Kreditmarktplatz und wickeln zum Teil monatliche Neuvolumina ab, die erheblich über dem Volumen von Anbietern in westeuropäischen Märkten liegen. Aktuell buhlen Twino, Mintos, Viventor und neu Swaper und Viainvest um Anleger, ein weiterer hat mir mitgeteilt, dass er in den nächsten Wochen starten will.

Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich dabei stark von P2P Kreditmarktplätzen in anderen Ländern. Die lettischen Anbieter sind keine Startups im eigentlichen Sinn, sondern Tochtergesellschaften oder Neugründungen von Kreditanbietern, die schon etwas länger im Bereich der sogenannten ‚Pay-Day-Loans‚ tätig sind. Das sind sehr kurzlaufende Kredite zu extrem hohen Zinssätzen für die Kreditnehmer. In der Vergangenheit haben die Firmen das für die Kreditvergabe notwendige Kapital selbst bereitgestellt und sich dann z.B. durch Auflegung von Anleihen an den Kapitalmärkten refinanziert. Diese Anleihen wurden überwiegend von institutionellen Anlegern finanziert. Nun erschließen sie private Anleger als neue Refinanzierungsmöglichkeit. Während P2P-Kreditmärkte in den meisten Ländern so funktionieren, dass der Anleger denselben Zinssatz bekommt (abzüglich von rund 1-3% Gebühren, die Anleger und/oder Kreditnehmer an den Marktplatz entrichten), betrug der Unterschied bei den lettischen Kreditmarkten ein Vielfaches. Kreditnehmer zahlen z.T. den 20fachen bis 100fachen Zinssatz im Vergleich zu dem den der Anleger bekommt. Die Differenz kassiert der Marktplatz (Gewinn, Betriebskosten und auch Abdeckung des Ausfallrisikos). Um für die Anleger attraktiv zu sein sprechen sie dabei sogenannte ‚Buyback Garantien‘ aus. D.h. entweder der Marktplatz direkt oder ein ‚Loan originator‘, der auf dem Marktplatz tätig ist, verspricht alle Kredite, die ausfallen nach einer Frist zurückzukaufen (üblicherweise nach 30 oder 60 Tagen). Der Anleger bekommt dann also sein Geld, obwohl der Kredit ausgefallen ist und zwar mit Zinsen.

Die meisten Kredite werden in anderen Märkten als Lettland vergeben, bei Viventor z.B. in Spanien und Schweden. Häufig genutzt werden auch eher schwach regulierte Märkte wie Georgien und Polen. Anfallende Währungsrisiken trägt dabei auch der Anbieter.

Die Zinshöhe von rund 12% für Anleger und die Rückkaufgarantie üben eine hohe Anziehungskraft auf internationale Anleger aus. Deutsche Anleger gehören nach Anlegern aus den baltischen Ländern zur stärksten Nutzergruppe. Nicht vergessen werden sollte aber, dass das Risiko nur verlagert ist. Fallen zu viele Kredite aus, könnten die Verluste aus diesen Ausfällen die Marge der Kreditanbieter aufzehren und ihn in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen. Derzeit, in einer wirtschaftlichen Schönwetterphase, scheint das Modell zu funktionieren wie einzelne Geschäftsberichte zeigen. Ob das in einer Rezession mit steigenden Ausfallraten bei den Kreditnehmern auch noch so ist, muss sich noch erweisen.

Zudem werden die rechtlichen Konstrukte immer komplexer – Mintos hat in den letzten Wochen Änderungen (Beispiel) bekannt gegeben.

Der Boom wird also begünstigt durch die relativ geringen regulatorischen Eintrittshürden in Lettland, die derzeit positive wirtschaftliche Lage, den Fakt das viele Anbieter bereits Kreditmärkte bedienen und nur die Refinanzierung ändern – also nicht von Null starten und durch ein Anlegermarketing (buyback guarantee), das neue Anbieter von den ersten lettischen Anbietern kopieren.

 

Neuer Marktplatz Viventor – mit Immobilien besicherte Kredite

Viventor LogoRelativ neu ist der P2P Kredit Marktplatz Viventor. Anleger können dort in Kredite an spanische Verbraucher, die mit Immobilien besichert sind, investieren.
Eine Anlage ist ab 50 Euro möglich, die dann in Kreditanteile ab 10 Euro investiert werden. Viventor positioniert sich auf Kredite mit hohen Sicherheiten. Der LTV-Wert (loan-to-value; Beleihungsgrad) beträgt maximal 50% des Immobilienwertes und zusätzlich bietet Prestamos Prima, die Firma, die den Kredit vergeben hat, eine Buyback Garantie, d.h. wenn der Kredit mehr als 60 Tage in Verzug ist, bietet Prestamos Prima den Anlegern an, den Kreditanteil zurückzukaufen. Prestamos Prima ist die Muttergesellschaft von Viventor.

Das Zinsniveau liegt aktuell bei 6 bis 7%. Die Kreditlaufzeiten liegen i.d.R zwischen einem und 5 Jahren. Da die Kredite alle vorfinanziert wurden, können die Restlaufzeiten auch geringer sein. Die Vorfinanzierung hat auch den schönen Vorteil, dass Anleger direkt ab Gebot Zinsen erhalten.

Die Internetseite ist in englischer Sprache und relativ übersichtlich. Investiert wird entweder manuell oder via Autoinvest. Zu jedem Kredit werden die in der folgenden Abbildung gezeigten Informationen zur Verfügung gestellt.

Viventor Kredit Details
Abbildung: Beispiel Kreditinformationen bei Viventor

Ich habe mich angemeldet und einen ersten Betrag eingezahlt, um praktische Erfahrungen zu sammeln und werde dann im Viventor Forum weiter berichten, wie sich mein Invest entwickelt.

Die wesentlichen Merkmale im Überblick:

  • Alle Kredite mit Immobilien besichert; LTV unter 50%
  • Mindestanlage je Kreditanteil 10€ (50€ gesamt)
  • keine Gebühren für Anleger
  • Zinssätze von 6% bis 7%
  • Verzinsung sofort ab Gebot; keine Wartezeit
  • Buyback-Garantie greift wenn Kredit 60 Tage in Verzug mit Zahlungen
  • Kreditlaufzeiten i.d.R 1 bis 5 Jahre (z.T. auch kürzere Restlaufzeiten)

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