P2P Kreditmarktplätze weiten Vertriebskanäle erheblich aus

Klassisch sind die ersten P2P Kreditmärkte vor Jahren mit Krediten von Privat an Privat gestartet. Zopa feierte vor wenigen Tagen 10-jähriges Firmenjubiläum. Gerade in den letzten Jahren erleben die Anbieter ein rasantes Wachstum. Von dem Ursprungskonzept, dem „reinen“ Privatkredit haben sich einige Anbieter dabei mehr oder weniger entfernt. So stammt das Kapital, das bei Lending Club und Prosper angelegt wird, inzwischen – angezogen von den attraktiven Renditen, die mit P2P Krediten erzielt werden – überwiegend von institutionellen Anlegern.

Was tun, wenn die Kreditnachfrage nicht so schnell wächst wie das Kapitalangebot?

Die meisten P2P Kreditmarktplätze wachsen rasant. Steigerungsraten von über 100% beim Kreditneuvolumen im Vergleich zum Vorjahresmonat sind keine Ausnahme sondern international gesehen die Regel. Tatsächlich könnten die meisten Anbieter sogar noch schneller wachsen. Der Engpassfaktor sind genügend neue geeignete Kreditnehmer. Denn während zufriedene Anleger oft langfristig als Kunde aktiv sind, indem sie ihr Kapital immer wieder reinvestieren, müssen Kreditnehmer über teure Maketingkampagnen gewonnen werden. In vielen Fällen immer wieder neu, denn die Geschäftsbeziehung mit dem Kreditnehmer endet i.d.R nach einem einzigen Kredit.

Daher entwickelt sich das Geschäft oftmals weg vom Kredit, den der Kreditnehmer direkt auf der Webseite des Marktplatzes beantragt und hin zu Vertriebskanälen, die auf Partnerschaften basieren. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Partnerschaft zwischen CommuterClub (die Firma sammelt gerade per Crowdinvesting in einem Pitch Kapital ein) und Ratesetter. Stark verkürzt dargestellt besteht das Geschäftsmodell von CommuterClub darin, Londoner Pendlern Jahreskarten für den ÖPNV auf Kredit zu vermitteln. Dies ist trotz der Kreditkosten billiger als 12 einzelne Monatskarten. Und das Geld für diese Kredite kommt nicht von CommuterClub oder einer Bank sondern von den Anlegern von Ratesetter. Dieses ‚outside the box thinking‘ beschert Ratesetter wahrscheinlich regelmäßig wiederkehrende Kunden, denn über 90% der CommuterClub Kunden sind mit dem Angebot zufrieden (mehr in der Diskussion dazu).

Ein anderes Beispiel ist die Partnerschaft zwischen Lending Club und HomeAdvisor. Lending Club wird dabei Exklusivpartner für Finanzierungsangebote auf der Homeadvisor Website. Lending Club bewegt sich damit in das Feld der Absatzfinanzierung. Weiterlesen

Investoren Tool Anbieter Lending Robot erhält 3 Mio. von VC

Lending Robot ist ein Web-Service der US-Anlegern in P2P Kredite ermöglicht ihre Investments bei Prosper und Lending Club zu automatisieren. Der Vorteil liegt darin, dass Lending Robot automatisch im Namen des Investors rund um die Uhr Gebote abgibt, sobald neue Privatkredite auf den Marktplätzen Prosper und Lending Club eingestellt werden. Diese Automatisierung ist wichtig, da die für Anleger attraktivsten Kredite binnen Minuten gefüllt werden und somit für ein manuelles Investment oft nur weniger attraktive Kreditgesuche übrig bleiben.

Einsteiger können von Lending Club vordefinierte Selektionskriterien für die Kreditauswahl nutzen. Fortgeschrittene Nutzer können darüber hinaus Filter einstellen, die eine sehr viel feinere Selektion der Kredite ermöglichen als die hauseigenen Benutzeroberflächen auf der Prosper bzw. Lending Club Webseite. Nutzer können Lending Robot bis zu einem Investmentbetrag von 10.000 US$ kostenlos nutzen, erst danach fällt eine jährliche Gebühr von 0,45% des gemanagten Investmentbetrages an.

Die Gebotsabgabe funktioniert technisch über die APIs, die Prosper und Lending Club zur Verfügung stellen.

Lending Robot hat nun 3 Mio. US$ vom europäischen VC Runa Capital erhalten. Das Geld soll für die Weiterentwicklung des Services und die Beschleunigung des Wachstums verwendet werden.

Die Gründer Gilad Golan und Emmanuel Marot hatten das Tool ursprünglich entwickelt um ihre eigenen Anlagen bei Lending Club zu automatisieren. Mit dem starken Wachstum der P2P Kredite erkannten sie die generelle Nachfrage nach Lösungen zur Automatisierung der P2P Kredit Investments für private Anleger und entwickelten die Lösung weiter und stellten sie öffentlich zur Verfügung. In den USA gibt es mehrere ähnliche Services wie z.B. Peer Cube oder Peer Lending Server.

Im deutschen Markt gibt es bisher keine vergleichbaren Lösungen zur plattformübergreifenden Automatisierung des Invests in Privat an Privat Kredite. Der Bedarf ist auch (noch) nicht gegeben, da kein vergleichbarer Zeitdruck herrscht. Allerdings zeigen sich in UK Tendenzen auf einigen P2P Kreditmarktplätzen, dass attraktive Kredite sehr schnell gefüllt werden. Aber auch dort gibt es noch keinen vergleichbaren öffentlich verfügbaren Service für Privatanleger.

Google verhilft Geschäftspartnern Zugang zu günstigen Krediten durch Partnerschaft mit Lending Club

Google verhilft ab sofort seinen Geschäftpartnern zu günstigen P2P Krediten. Dazu ist Google eine Partnerschaft mit dem amerikanischen P2P Kreditmarktplatz Lending Club eingangen. Google ist bereits seit längerem als Minderheitsaktionär an Lending Club beteiligt.

Die neue Initiative funktioniert so: Google Partner können sich via Lending Club für einen Kredit bewerben. Wird dieser bewilligt, dann kauft Google den Kredit und investiert so in sein Geschäftspartnernetzwerk.
Durch die gestiegene Liquidität können die Partner wiederum schneller und mehr Services bei Google kaufen. Die Firmenkredite gibt es zu niedrigen Zinsen und ohne Gebühren. Für die 2 Jahres-Kredite von bis zu 600.000 US$ fallen im ersten Jahr nur Zinsen an und erst im zweiten Jahr Tilgungen.

Teilnehmen können US Firmen die „Google for Work“ Partner sind, das sind rund 10.000 Reseller, Berater und Systemintegratoren. Weiterlesen

Lending Club Börsengang – jetzt wird es spannend

Ich hatte ja schon im Juni meine Ansicht dazu dargelegt, was der Börsengang des amerikanischen P2P Kreditmarktplatzes Lending Club für die P2P Kredit Branche bedeutet. Diese Woche ist es nun höchstwahrscheinlich soweit. Vermutlich am 10.12. wird der erste Handelstag von Lending Club sein.

Lending Club gibt 57,7 Mio. neue Aktien bei einer Bookbuildingspanne von 10 bis 12 US$ aus. Hieraus errechnet sich eine Unternehmensbewertung für Lending Club von bis zu ca. 4,4 Mrd. US$ (abhängig vom Endpreis). Gleichzeitig veräußern die Altaktionäre 7,7 Mio. Aktien.
Lending Club hat dabei auch nicht vergessen, wem es am Anfang das starke Wachstum zu verdanken hatte – den einzelnen Privatanlegern, die die Kredite finanzierten. So wurden 10% der neuen Aktien im Rahmen eines ‚Directed Share Programs‘ via Fidelity Investments dieser Zielgruppe angeboten. Für jeden Anleger wurde dabei eine gewisse Anzahl Aktien (i.d.R. 350) reserviert.

Der jetzige Börsengang bietet auch wieder eine gute Gelegenheit darzustellen, welche Faktoren zum herausragenden Wachstum und Erfolg von Lending Club beigetragen haben.


Alle Abbildungen Quelle Lending Club

Starkes Wachstum der vergebenen Kredite pro Quartal. Weiterlesen

Was bedeutet der Lending Club Börsengang für die P2P Kredit Branche insgesamt?

Lending Club CEO Renauld Laplanche hat ja schon wiederholt angekündigt, dass Lending Club einen Börsengang (IPO) plant. Nur einen genauen Termin hat er bisher nicht genannt. Ich vermute mal, dass es in der 2. Jahreshälfte 2014 so weit sein wird.

Warum ein Börsengang?

Dazu hat sich Laplanche auch geäußert. Es gebe drei Gründe, warum Firmen prinzipiell an die Börse gehen:

1) Um Kapital aufzunehmen. Besonders, wenn es sich um schnell wachsende Firmen handelt, die noch keinen positiven Cash Flow haben.

2) Um Liquidität für die bisherigen Gesellschafter zu schaffen und die Anteile veräußerbar zu machen. Dies ist bei Lending Club kein Beweggrund, denn Lending Club hat schon mehrere Venture Capital finanzierte Kapitalrunden hinter sich. In mehreren dieser Runden haben Alteigentümer Anteile an neu eingestiegene Gesellschafter verkauft.

3) Um Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Laut Laplanche treffen bei Lending Club die ersten beiden Punkte nicht zu, entscheidend sei ausschließlich der letzte Punkt. Verständlich, wenn man bedenkt wieviel Geld Lending Club alleine für Marketing Monat für Monat ausgibt und dass dem Durchschnittsamerikaner bisher i.d.R. vermutlich weder P2P Lending noch Lending Club geläufige Begriffe sind, obwohl Lending Club Marktführer in den USA ist, stark wächst und enormes Presseecho hat.

Ein Börsengang bietet Lending Club also eine ideale Gelegenheit sehr breit in der Öffentlichkeit ihr P2P Kredit Geschäftsmodell vorzustellen. Ich denke, dass aufgrund der Größe auch international das Medieninteresse riesig sein wird.

Wieviel Kapital wird Lending Club aufnehmen und was macht Lending Club damit?

Da sich Lending Club zu beiden Punkten noch nicht geäußert hat ist das Folgende reine Spekulation von mir. Verschiedene Branchenbeobachter gehen davon aus, dass der Unternehmenswert von Lending Club zwischen ca. 4 und 8 Milliarden (!) US$ liegen wird. Da Lending Club stark wächst, wird meines Erachtens die Unternehmensbewertung um so höher ausfallen, je später der Börsengang erfolgt. Ein 2. Faktor der eine Rolle spielt ist natürlich welchen Aktienanteil Lending Club beim IPO anbietet. Angenommen es sind 10%, dann würde Lending Club beim Börsengang zwischen 400 und 800 Millionen US$ erlösen.

Natürlich kann Lending Club damit das weitere Wachstum und die Weiterentwicklung finanzieren. Aber wie Laplanche schon sagte, dafür ist Lending Club eigentlich nicht auf das Instrument Börsengang angewiesen. Zudem ist der Betrag dafür viel zu gewaltig.

Mit dem Betrag könnte Lending Club allerdings Unternehmen in angrenzenden Sektoren oder auch internationale P2P Kreditmarktplätze aufkaufen. Bisher hat Laplanche immer verneint, dass eine internationale Expansion kurz- und mittelfristig auf der Agenda stehe. Wenn aber die Geldmittel verfügbar sind, und sich die Chance ergibt, durch Aufkauf Kernmärkte im Ausland abzudecken, statt sie von 0 auf neu zu erschließen, vielleicht wird Lending Club dann diese Chance ergreifen. Ich denke da insbesondere an Großbritannien. Weiterlesen

Lending Club jetzt 3,8 Milliarden wert – kauft Springstone Financial

In den USA hat der P2P Kreditmarktplatz Lending Club heute verkündet, den tradionellen Kreditanbieter Springstone Financial für 140 Millionen US$ in Geld und Aktien zu kaufen. Springstone Financial ist ein ‚traditioneller‘ Kreditanbieter der Kredite sowohl für medizinische Behandlungen als auch für Ausbildungszwecke vergibt.

Lending Club erhält 65 Mio. US$ Finanzierungsrunde und ist jetzt mit 3,76 Milliarden US$ bewertet

Um diesen Kauf finanzieren zu können hat Lending Club in einer neuen Kapitalrunde weitere 65 Mio. US$ aufgenommen, u.a. von T. Rowe Price Associates, Inc., Wellington Management Company, LLP, BlackRock and Sands Capital. Außerdem wurde 50 Mio. durch Kredite aufgenommen. Die Unternehmensbewertung bei dieser Kapitalrunde, lag für die erst 2007 gelaunchte Firma Lending Club nun bei 3,76 Milliarden US$ ! Das sind schon 1.5 Milliarden mehr als bei der letzten Kapitalrunde Ende 2013.

Bisher finanzieren amerikanische Banken die von Springstone vergebenen Kredite. Lending Club sieht hier wohl gute Chancen, diese Kredite zukünftig über P2P Kredite von Lending Club zu finanzieren. So könnte das Lending Club das P2P Kredit-Volumen auf einen Schlag erneut deutlich steigern.

Kostenvorteile eines P2P-Kreditmarktplatzes im Vergleich zu Banken

Sofern Sie nicht gerade neu auf das Thema P2P Kredite gestossen sind, dann haben Sie die Liste der Vorteile, die P2P Kreditmarktplätze gegenüber traditionellen Banken haben, sicher schon mal gelesen: sie brauchen keine Filialen, sie müssen keine gewachsene, teils veraltete und teuere (Software-)Infrastruktur unterhalten, sie brauchen viel weniger Personal, die Prozesse sind schneller, und und und …

Aber, lassen sich diese Vorteile auch quantitativ ausdrücken?

Für den amerikanischen P2P Kreditmarktplatz Lending Club hat deren CEO Renauld Laplance dies auf der Lendit 2013 Konferenz getan. Er zeigte Ergebnisse einer Studie in der McKinsey die Kostenvorteile von Lending Club im Vergleich zur Kreditabwicklung durch eine typische Bank für das Jahr 2015 berechnet hat. Warum 2015? Nun weil es ein bestimmtes Volumen braucht, damit die Vorteile zum Tragen kommen und Lending Club wird bis dahin noch weiter gewachsen sein.

Das Ergebnis ist auf diesem Chart zusammengefasst:


(Quelle: Lending Club /Lendit 2013; für größere Abbildung klicken)

Das Chart zeigt einen Kostenvorteil von Lending Club von über 400 Basispunkten im Vergleich zur Bank. Das ist sehr viel. Erwartungsgemäß hat Lending Club die größten Kostenvorteil durch den Verzicht auf Filialen, in der Kreditvergabe und im Inkasso. Allerdings wird Lending Club für Marketing höhere Kosten als die Bank haben.

Ich glaube, dass das Chart sehr gut die Situation in den USA und weiteren Märkten wiedergibt. Auf Deutschland sind die Zahlen – zumindest in der Größenordnung des Vorteils – eher nicht direkt übertragbar.

Banken werden P2P Kreditplattformen nutzen

Laplanche prognostiziert, dass mehr und mehr Banken P2P Kreditmarktplätze für ihre eigenen Zwecke nutzen werden. Auf der Konferenz hatte Laplanche bereits die ersten Kooperationen mt Banken bekanntgegeben und er erwartet das weitere geschlossen werden. Weiterlesen

Google kauft Anteil von Lending Club – reines Finanzinvestment?

Google hat sich Anfang des Monats beim amerikanischen P2P Kreditmarktplatz Lending Club eingekauft. Für 125 Millionen US$ erwarb Google einen Anteil von rund 8% von den existierenden Investoren. Für Lending Club bringt dieses Investment vor allem einen sehr prestigeträchtigen Anteilseigner, dessen Renommee besonders im Hinblick auf den in 2014 geplanten Börsengang nützlich sein könnte. Der Einstieg von Google resultierte wie zu erwarten war in einer breiten Medienberichterstattung (z.B. Techcrunch). Auf Basis des Kaufpreises liegt der Marktwert von Lending Club inzwischen bei 1,55 Milliarden US$. Damit hat Lending Club seinen Marktwert seit der Kapitalerhöhung im letzten Jahr erneut mehr als verdreifacht.

Was beabsichtigt Google mit dem Einstieg bei Lending Club?

In den meisten Wirtschaftsmedien wird der Invest als reines Finanzinvestment durch Google eingeschätzt. Angesichts des starken Wachstums von Lending Club ist es sehr wahrscheinlich, dass der Wert der Firma weiter stark steigen wird. Darüber hinaus kann ich mir aber zwei weitere Szenarien vorstellen:

  • Google Kredite an Adwords Kunden: Google ermöglicht bereits seit letztem Jahr ausgewählte Adwords Kunden die Anzeigenschaltung auf Kredit (siehe beispielsweise diesen Artikel dazu). Bisher muss Google dazu mit Banken zusammenarbeiten. Solche Kredite könnten aber ideal auch für P2C (peer to company) Kredite sein, die dann von Lending Club Anlegern finanziert werden. Denn Google kann aufgrund seiner vielen Daten die Ausgaben- (und ggf. Umsatz-)entwicklung seiner Adwords-Kunden sehr genau einschätzen. Damit steht ein Instrument zur Prüfung der Zahlungsfähigkeit zur Verfügung, dass normalerweise bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit von Firmen in diesem Detailgrad nicht verfügbar ist.
  • Zudem könnte Google sein Payment Produkt Google Wallet aufmotzen. Dies funktioniert heute nur in Verbindung mit einem Kreditkartenkonto. Mastercard und VISA verdienen also derzeit mit. Denkbar wäre, dass Google eigene Google Kreditkarten entwickelt und sich so mehr Unabhängigkeit verschafft. Die notwendige Liquidität könnte dabei über Lending Club von privaten Anlegern zur Verfügung gestellt werden.

Dies sind spannende Zeiten für die Entwicklung im Finanzsektor.