Weiter Boom Stimmung auf der LendIt Europe

Zencap wird von Funding Circle übernommen (meine Einordnung dieses Deals) und Auxmoney verkündet, dass der niederländische Versicherungskonzern Aegon 150 Mio. über den Auxmoney Marktplatz in Privatkredite anlegen wird. Dies und über 50 weitere News im P2P Kredite Bereich wurden am letzten Dienstag verkündet. Wenn Sie jetzt glaubten es sei Zufall, dass die Nachrichten nahezu zeitgleich kommen, dann täuschen Sie sich. Viele der verkündeten Ereignisse passierten tatsächlich viel früher, die Firmen legen den Veröffentlichungstermin aber zeitgleich zur LendIt Europe Konferenz, in der Hoffnung, damit maximale Aufmerksamkeit der Branche und der Medien zu erreichen.

Die LendIt Konferenz, die jährlich auch in den USA und China stattfindet, ist die wichtigste Konferenz der Branche. Die diesjährige Konferenz wurde zusammen mit dem britischen Branchenverband der Plattformen P2PFA ausgerichtet und kam auf 750 hochkarätige Teilnehmer. Die Teilnehmer vertreten zu 39% die Marktplätze/Plattformen, 28% sind (institutionelle) Investoren, 25% vertreten Dienstleistungsunternehmen, 8% die Medien. Das Gros (425) der Teilnehmer kam aus Großbritannien, 106 aus den USA, 31 aus Deutschland, 24 aus Frankreich und der Rest aus über 40 anderen Ländern.

Lendit Europe
Eindrücke von der Konferenz (Quelle: Lendit Europe; Wiedergabe mit Genehmigung)

Die wichtigsten Themen dieses Jahr lassen sich in 3 Blöcke gliedern:

  1. Die Anlegerseite wird zunehmend von institutionellen Anlegern dominiert
  2. Die grenzüberschreitende, internationale Expansion wird von vielen Marktplätzen vorangetrieben und beschleunigt sich
  3. In Großbritannien existieren perfekte Rahmenbedingungen für die Marktplätze

Ausführliche Erläuterungen zu diesen 3 Punkten hatte ich schon auf P2P-Banking.com gepostet und spare mir sie jetzt hier nochmal zu übersetzen. Eine gute Zusammenfassung bietet auch dieser Artikel des Konferenzausrichters Peter Renton.

Eine Anekdote möchte ich aber noch kurz zu Punkt 3 beitragen: Ich habe den Vertreter der Bafin angesprochen -dieser beklagte hauptsächlich die mangelnde Professionalität der deutschen Startups bei eingereichten Unterlagen, die zudem voller Rechtschreibfehler seien. Was für ein Gegensatz zum Auftritt von Christopher Woolard (Video), Vertreter der britischen Regulierungsbehörde FCA. Diese unterstützt aktiv den Markteintritt neuer Marktplätze. Woolard wünscht sich so viele Marktplätze wie möglich, unter der Voraussetzung, dass diese die Minimumanforderungen erfüllen. Scheint aufzugehen: weit über 50 P2P Kreditmarktplätze sind schon in UK aktiv.

Lendit Europe
Das von mir moderierte ‘Up and coming European platforms’ panel mit v.l.n.r Siim Maivel (Investly), Patrick de Nonneville (Lendix), Martins Sulte (Mintos), Matthias Knecht (Zencap; jetzt Funding Circle CE) and Antoni Airikala (Fellow Finance) (Quelle: Lendit Europe; Wiedergabe mit Genehmigung)

Ein aus meiner Sicht wichtiger Aspekt, der an vielen Stellen sichtbar wurde, ist dass die Marktplätze in der Kreditprüfung mit der Zeit besser werden. Weiterlesen

Neues Buch: Investieren in P2P Privatkredite

Nachdem jemand bei Bondora mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass es ein neues deutschsprachiges Buch zum Thema P2P Kredite gibt, habe ich es direkt gekauft. Seit den Büchern von Blaesi und Fassbender ist inzwischen sehr viel Zeit vergangen und ein aktueller Leitfaden wäre sehr nützlich.

buch-wrobbelInvestieren in P2P-Privatkredite‚ (gibt es als Taschenbuch und Ebook) von Kolja Barghoorn und Lars Wrobbel richtet sich an Anleger und will diesen vermitteln ‚Was man wissen sollte, wie man Fehler vermeidet und erfolgreich investiert.‚ Erläutert wird dies am Beispiel der Marktplätze Auxmoney und Bondora.

Pros:

  • Es werden keine Vorkenntnisse vorausgesetzt, sondern alles von Grund auf erläutert
  • Das Prinzip P2P Kredit wird erklärt
  • Mit 2 Marktplätzen als Beispiel ist es nicht theroetisch
  • Die Autoren haben selbst Geld angelegt, also Erfahrungen gesammelt, über die sie berichten (allerdings wohl nicht viel Geld; in einem Bondora Screenshot knapp 600 Euro)
  • Einige Tipps sind brauchbar
  • Der Preis ist für den Umfang angemessen

Cons:

  • Die für meinen Geschmack sehr sehr flappsige Sprache erinnert mich eher an ein Jugendbuch als an einen Finanzratgeber
  • Viele Angaben werden unreflektiert aus Aussagen der Marktplätze übernommen und nicht von den Autoren kommentiert
  • Das Buch enthält einige m.E. sehr grobe fachliche Schnitzer. Beispielsweise heisst es auf S.25/26: ‚Hinter Auxmoney.com steht die Bank „biw“ … bei welcher man als Auxmoney.com Investor …  zwingend ein Anlagekonto eröffnen muss, um Investitionen tätigen zu können. … Die biw-Bank ist dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. angeschlossen. Der Einlagensicherungsfonds sichert alle Verbindlichkeiten die in der Bilanzposition „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden“ auszuweisen sind. Man könnte also sagen das investierte Geld ist sicher.‚.
    Ich finde der letzte Satz suggeriert den Anlegern ihr Invest in P2P Kredite sei durch den Einlagensicherungsfonds abgesichert. Das ist nach meiner Meinung aber völlig falsch, denn nur das nicht investierte Geld, das noch auf dem Anlagekonto liegt, ist durch den Einlagensicherungsfonds gesichert.
  • Einzelne Tipps halte ich persönlich für fragwürdig.

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Zencap: Kleinanlegerschutzgesetz Ursache für geringeres Kreditangebot auf dem Marktplatz

Zencap LogoDer P2P Kreditmarktplatz Zencap führt die Verknappung des Angebotes für private Investoren auf seinem Marktplatz auf die Folgen des Kleinanlegerschutzgesetzes, das im Juli in Kraft trat, zurück.

‚Hauptursache für die geringe Anzahl an Kreditprojekten auf unserem Marktplatz ist das … Kleinanlegerschutzgesetz (KASG). Diese Regulierung ist eine vom Gesetzgeber initiierte Maßnahme zum Schutz von privaten Anlegern – und mit negativen Folgen für unsere Plattform. Obwohl wir die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen grundsätzlich positiv bewerten, führen diese neuen Richtlinien für uns zu erheblichen Erschwernissen:

Prinzipiell ist das Grundverständnis des Kleinanlegerschutzgesetzes problematisch , da es in Hinblick auf große Kapitalaufnahmen in Nachrangformat, vor allem partiarische Nachrangdarlehen, definiert wurde. Für kleine Unternehmen, die weniger als 1 Mio. Euro über ein klassisches Darlehen aufnehmen wollen, ist die Regulierung wenig sinnvoll. Für Anleger ist es verwirrend, warum eine Geldanlage in Geschäftskredite über 100.000 Euro anderen regulatorischen Bedingungen unterliegen sollten als Investitionen in Kredite unter 100.000 Euro. Und zuletzt wäre es für uns als Anbieter nicht wirtschaftlich für unterschiedliche Kredithöhen gänzlich andere Prozesse vorzuhalten.

Konnten wir auf unserem Kreditmarktplatz bisher Privatpersonen problemlos Projekte über 100.000 Euro als Geldanlage anbieten, müssen wir für diese nun andere Regeln erfüllen als für Kredite unter 100.000 Euro. Insbesondere sind wir gezwungen ein Vermögensinformationsblatt bereitzustellen, für das der jeweilige Unternehmer haftet.

Da unser durchschnittliches Kreditvolumen bei 100.000 Euro liegt, können wir aufgrund des Kleinanlegerschutzgesetzes einen Großteil der Projekte nicht mehr durch private Anleger finanzieren lassen. Das Ergebnis ist der Status Quo des Angebots auf unserem Marktplatz. Die Verknappung ist daher das Resultat einer nicht zu Ende gedachten Regulierung.‘

Das geringere Angebot an neuen Krediten war auch im Zencap Forum auf P2P-Kredite.com angemerkt und kommentiert worden.

Die ebenfalls diskutierte Finanzierungszusage durch den institutionellen Kapitalgeber Victory Park Capital, der über Zencap bis zu 230 Mio. Euro investieren will, hat laut Zencap keinen wesentlichen Einfluss. Zencap wiederholt die Zusage, dass alle Anleger gleich behandelt würden. Weiterlesen